Rosenkohl, Kartoffelbrei und Spiegelei

und viel gute Butter – ein ganz einfaches Muttirezept und enorm wirkungsvoll gegen weiche Knie. Den fisseligen Kopf muß ich anderswie loswerden. Ich vergesse immer noch eine Menge.
Abends liege ich im Bett und mir schwirren die Blogthemen durch den Kopf und morgens ist mein Kopf leergekehrt.
Kein Wunder, wenn es zwischendurch Träume gibt, in der Lebende und Tote auf Du und Du sind. Immer bin ich am Kofferpacken und Abreisen. Werde von Freunden zu Flughäfen und Kais gebracht. Bin unsicher, ob ich alles eingepackt habe und noch unsicherer, ob ich das Gepäck überhaupt durch den Zoll bekomme. Heute nacht hat KKM mir gezeigt, wie man ihr Rosenbeet drei Spaten tief umgräbt.
Sehr sehr spooky.
Vielleicht ist vieles auch einfach unwichtig, daß ich es vergesse. Wie den perfekten Wortbeitrag zu diesem Tehma, den ich gestern Abend schon im Kopf hatte, der heute nur noch aus zerfledderten Fragmenten und Schulterzucken besteht.
Da hunzt ein Minister, der in erster Linie die ideale Projektionsfläche vieler Deutscher ist, eine Doktorarbeit zusammen, wie viele es tun und ganz Twitter schreit in Bildzeitungsmanier auf.
Wahrscheinlich ist die Kanzlerin die Einzige, die in diesem Kabinett ihren Doktortitel durch fundierte akademische Arbeit erworben hat. Was soll das Geschrei also. Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient hat, denn es hat sie selbst gewählt.
Ich finde es viel interessanter, mit anzusehen, mit wie wenig bzw. welchen Eigenschaften jemand schon als potentieller neuer Bundeskanzler behandelt wird. Er sieht ok. aus, zieht sich gut an, hat Stil, ist telegen, kann reden, ist selbstsicher, frühvollendet, weil er sich nicht hocharbeiten mußte und kann erst einmal einiges an Repräsentationsjobs. Die Politik wird ohnehin im Hintergrund gemacht. Ein Castingshowkandidat, dem die Konkurrenz erspart wurde.
Ich möchte viel lieber wissen, warum jemand ihm jetzt schaden will.

So viel zum Tage. Ansonsten freue ich mich auf Montag, da werde ich wieder die Muckibude unsicher machen. (Wochenende spare ich mir, da ist es zu voll.) Immer noch mit gebremstem Schaum, aber Mitte Mai möchte ich wieder mindestens 5 km am Stück laufen können, ohne den Heldentod zu sterben. Heimliches Ziel sind aber 10 km.
Für jemanden, der vor zwei Jahren noch vorhatte, den Schlachtensee endlich zweimal quer zu schwimmen, ein sehr bescheidenes Ziel, aber es paßt zum Lebensstil der Neuen Bodenständigeit.

Und sonst? Ich komme langsam wieder aus meiner Höhle gekrochen. Freue mich auf den Frühling. Frau könnte ja mal wieder bukolisch feiern und Opfer bringen…

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Wieder auf Deck

Mit wackeligen Knien, einer blassen, spitzen Nase und Falten werfenden Beinkleidern.
Am Samstag kam das Kind und versorgte mich. (Eigentlich sollte es umgekehrt sein?!) Kochte mir Suppe und kaufte Überlebensnotwendiges. Ich lag in meine Decke zusammengerollt und ließ mich betütern. Danach ging es mir wesentlich besser.
Am Sonntag nachmittag karrten mich die Zivis Dick und Strike per Telebus ins Mutter-Kind-Viertel zu Frau Casino. Ich nippte ihr himmlisches Vanilleeis und (was wohl!) ein kleines Sektchen dazu und siehe, ich blühte auf.
Ich sollte meine Zukunft in Baden-Baden beschließen, beim geselligen Zusammensein mit Torte und Piccolöchen, es gibt nichts, wie ich mich wohler fühlen könnte. (Weia!) Außer Sex natürlich. Aber das ist eine andere Geschichte.
Den Bloggen-ist-durch-Diskurs muß ich jetzt nicht weiter referieren, den hat Glam schon aufgegriffen. Ich fand ein anderes Thema gut, das wir streiften. Wie wollen wir morgen leben und auch heute schon?
Wer dann doch über leicht 40, so wie wir ist, hängt nicht mehr jeden Abend rumlabernd in der Kneipe, schießt sich den Kopf weg oder läßt sich abschleppen. Wo verankern wir uns? In immer wieder scheiternder Monogamie, die Enge bedeutet und Geborgenheit zugleich? Wohngemeinschaften? Ja, aber nur mit getrennten Küchen und Bädern! Also Hausgemeinschaften, wo die Tür auch zubleiben kann?
Was wieder hieße, eine Entscheidung zu fällen, für Kontakt oder nicht Kontakt und das Feedback der anderen Seite abzuwarten. Solche Entscheidungen gibt es in Enge und Geborgenheit nicht, da hockt man gezwungenermaßen aufeinander, da geht nur willentlicher Rückzug.*
Die Konsequenz unserer Lebensweise wird uns erst langsam bewußt werden. Jetzt sind es nur die persönlichen Extremfälle, die sichtbar werden. Frau Casino, mit ihrer Virusinfektion in der Familie, drei kanke Kinder und selbst bettlägerig, ein neuer Job vor der Tür und niemand, der da ist. Keine Lust, sich anzustecken – verständlich – oder keine Zeit. Oder auch meine letzte Woche. Ich hätte niemanden bitten wollen, zu kommen. Wenn es noch schlimmer geworden wäre, hätte ich mich eher im Krankenhaus aufpäppeln lassen.
Der Kauf von Nähe und Zuwendung ist nicht weit, wenn der eigene Wert auf dem Jahrmarkt der Interessen niedriger ist als die Bedürftigkeit.
Wie alles immer komplizierter wird. Eine Virusinfektion in einer Familie oder Lebensgemeinschaft heißt: es zieht einmal durch, gut, wenn es zeitversetzt ist, dann kann man sich gegenseitig versorgen und das ausliegen.
Eine Virusinfektion in einer Together-Apart-Beziehung heißt: Ich ziehe mich zurück, da ich den anderen mit den negativen Seiten meines Alltags nicht behelligen sollte. In dem Moment, in dem ich den anderen existenziell wesentlich nötiger brauche, als beim gemeinsamen Cocktailnippen an der Bar.
Das ist schräg. Da komme ich einfach nicht drüber weg. Ich glaube, ich bin für so was nicht gemacht.

*Was habe ich das gehaßt, wenn der urwüchsigste Teil meiner Familie in seinem Sommerhäuschen im Gebirge wochenlag wie eine Schafherde logierte. Noch zwei kleine Kinder in der Mitte des Ehebetts, das Sofa und die Liege im Wohnzimmer nachts aufgeklappt für weitere Gäste. Gruselig.

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Aus dem Hypochondertagebuch

Nachdem ich vor einer Woche lauthals im Gespräch verkündet hatte, ich sei seit 14 Monaten nicht krank gewesen, erwischte es mich 24 Stunden später präzise und knallhart. Danke, lieber Gott, genau das brauchte ich jetzt noch.
Erst zwei Tage „ich werde bestimmt an meinen Gliederschmerzen sterben“, dann „oh Gott ist mir schlecht“ und zuletzt „orrr, ich bin grade eingeschafen, ich kann doch nicht schon wieder aufs Klo rennen!“.
Meine medikamentös bedingte leichte Entgleisung des Insulinstoffwechsels addierte zu üblen Magenkrämpfen absurderweise brüllenden Hunger. Ich halluzinierte aus Elektrolytmangel von herzhaft salzigen Fleischspeisen und aus Unterzuckerung von süßen Desserts.
Das Seelchen setzte noch eins drauf. Klagte in hohen, langgezogenen Tönen davon, wie viele Liter Hühnersuppe wir nahestehenden Menschen gekocht hätten und nun, was wär der Dank? Eitel wäre die Welt und vergeßlich.
Real schmeckte alles, jede Scheibe salzige Salami und jedes Stück cremige Vollmilchschokolade, nach Pappe und ich war überhaupt nicht in der Lage, einen Hühnersuppenkoch zu ertragen.
Überhaupt war in diesen Vorfrühlingstagen mein bevorzugter Aufenthalt das fensterlose Bad, in dem ich begann, ernsthaft über die Qualität, sprich Weichheit, von Klopapier nachzudenken. Aus Gründen. Ansonsten lag ich, nach einer aktiven Morgenstunde, die mir vorgaukelte, nun endlich wieder gesund zu sein, im Bett und las täglich einen Krimi. Ich suhlte mich in Leichenbergen und psychopathischen Abgründen und knurrte vor Wut, wenn der Autor mal wieder seitenweise die intakte romantische Beziehung des Hero zu seiner Freundin thematisierte.
Der Schlaf war eine unzuverlässige Schlampe. Entweder ich legte das Buch zur Seite, um zehn Minuten die Augen zuzumachen und wachte drei Stunden später wieder auf oder ich lag zu den unmöglichsten Nacht- und Morgenzeiten wach und hatte Gelegenheit, darüber nachzugrübeln, was für ein unmöglicher, unliebenswerter und verkorkster Mensch ich denn sei, daß ich das hier und so mitmachen müßte.
Volle Breitseite also und ich bin noch nicht durch. Ich kenne es nur, Krankheiten zu ignorieren oder kurzzuhalten, weil in zwei oder drei Tagen dieser oder jener wichtige Termin ist oder aber nebenbei ohnehin das runtergefahrene Programm läuft. Einfach nur krank sein, das ist Horror in Tüten, endlos.
An diesem Wochenende werde ich die sporadischen Versuche mit fester Nahrung endgültig aufgeben und zwei Tage von Tee leben. Mal sehen, ob sich die innere Raffinierie dann wieder beruhigt hat.
Ansonsten muß ich wohl am Montag mal zum Arzt.

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