Entschleunigen

richtig unangenehm wirds, wenn selbst skeptische, vernünftige und differenzierende menschen sich von irgendwelchen oberflächlichen, tendenziösen oder sogar bösartigen interpretationen emotional aufladen lassen und jedes skepsis und differenzierung fahren lassen.

wirres.net
Recht hat er. Mir tut so etwas nicht gut, aktiv wie passiv. Deshalb bin ich bis auf weiteres bei Twitter raus. Ich werde noch die Links zu meinen Blogposts twittern und ansonsten schaue ich in ein paar Wochen mal nach, wer dann grade mit wem nicht mehr redet oder jemanden indoktrinierend anpisst und aus welchem Grund (obwohl ich das wahrscheinlich gar nicht wissen möchte).

Ich halte es für eine neue Variante der Prokrastination: Rasender Stillstand. Wer seine Energie damit verschwendet, auf Twitter Menschen zu attackieren, die unterm Strich die gleichen Ziele haben, ist immer noch beim alten „geht nicht, weil“ und keinen Schritt weiter.

Was die Politik betrifft. Ich halte es für ein Gerücht, dass man halbwegs intelligente Menschen per Twitter zu einer Wahlentscheidung bringen kann. Meine Entscheidung steht seit vielen Monaten fest. Es ist ist mir zwar nicht leicht gefallen, dabei zu bleiben, denn dieses Jahr ist alles, wie man es dreht und wendet, die Wahl zwischen Pest und Cholera, aber mir geht es um Frauen in der Politik und die Kraft, die Neulandprobleme in den Fokus zu rücken. Insofern werde ich ähnlich, aber kompromissloser wählen als vor 4 Jahren.

Veröffentlicht unter Leben

Das gute Leben

Ein Hoch auf die Freundschaft! La Primavera und ich kennen uns seit 1983, 30 Jahre also. In der Theaterrequisite tauchte eine Frau auf, die mutige selbst gemachte Kleider trug. Bald, nicht konfliktlos, aber konsequent, arbeitete sie nur noch für sich selbst. Es war in diesen Jahren in diesem Land nicht einfach, sich selbständig zu machen. Offiziell war sie Klavierlehrerin, inoffiziell machte sie Textilkunst und Modedesign. Hinreißende Sachen, zum Teil verschollen, zum Teil für sehr gutes Geld verkauft. Ich habe in diesen Jahren sehr viel von ihr gelernt. Nicht nur nähen, sondern auch gut zu leben. Für mich war es die Zeit des Rückzugs ins Private. Sobald ich mich exponiert hätte, meinen Weg gegangen wäre, wirklich die Dinge getan hätte, die ich hätte tun wollen, im Leben wie im Beruf, hätte ich mich politisch „richtig“ (oder das, was man glaubt, was für mich richtig ist) positionieren müssen. Dieser Konflikt bremste und drückte mich jahrelang nieder. LaPrimavera ging weg aus der Stadt, nach Rügen, zur Verwirklichung ihres nächsten Traums. Die Mauer fiel, unsere Leben veränderten sich radikal. Ich war frei, studierte und profitierte von meinem Nicht-Etabliertsein. Ihr Markt veränderte sich über Nacht. Für die Kunst zu leben, das machten nun viele, überleben konnten davon nur wenige.
Es gab in unserem Leben oft Phasen, in denen wir uns an diametral entfernten Punkten der Wohlbefindens- und Glücks-Sinuskurve befanden. Wir haben uns gestützt und mitunter heftigst den Kopf gewaschen. Nach Jahren hatten wir gelernt, unsere Dinge innerhalb kürzester Zeit auseinander zu fieseln und uns telefonische Kurzkritiken um die Ohren zu hauen. Im Leben wie im Geschäft, im Schreiben wie im Gestalten.
Zwei Frauen
Nun laufen wir grade synchron. In einer Phase, die ruhig ist, Luft holen, genießen und neu ausrichten für die nächsten 10 Jahre.
Wir haben eine Menge gestemmt, aber auch einiges richtig fies versenkt. Die Kinder sind erwachsen, eine Sozialarbeiterin und ein (nochnichtganz) Pilot. Wir haben sie ohne die Väter groß gezogen, aber mit guten Unterstützern. Ich habe jahrelang im Talentebergwerk geschafft, sie hat derweil zwei Häuser lang geübt, bis sie ein kleines Paradies geschaffen hat. Niemand sollte mehr reinreden, sie ist die Hausherrin.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Im Moment grooven wir uns gerade auf gemeinsames Fun-Catering ein:
Tafel 1
Bevor der Herbst kommt, mussten wir dringend noch mal feiern. Wenn wir gewusst hätten, wie warm dieses Wochenende ist, dann hätten wir das am Nachmittag im Weinbergspark getan. Aber welche Garantie hätte es drei Wochen vorher gegeben?
Tafel 2Tafel 3Tafel 4

So saßen wir bei offenen Fenstern und schauten über Berlin und tranken Cremant und Zitronenbowle. Danke, dass ihr da wart!

Veröffentlicht unter Leben