So, erstmal die Titel in die richtige Reihenfolge gebracht. Der Titel trägt das Datum des zu beschreibenden Tages, Kitty, merk dir das.
Gestern? Die Kette der blöden Tage setzt sich fort. Erst Schreibtisch. Dann Nähmaschine. In hoher Konzentration Kräusel festgesteckt, bis das Signal aus dem Oberstübchen kam: SOFORT HINLEGEN! SONST TACKERST DU DEN DAUMEN FEST!
Dabei wollte ich einkaufen gehen. Aber es war erst mal eine Stunde Boxenstopp auf dem Sofa angesagt, danach gings wieder.
Dann eingekauft und gekocht. Süßkartoffelbrei mit Mangold, dazu Lachssteaks mit Kapern-Senf-Butter.
Der Graf half mir bei dem Umzug der Seite, den ich am Tag zuvor abgebrochen hatte. Das war irgendwie alles nicht in meinem Logikbereich angesiedelt und daher ganz simpel. Nimm deinen Schrott nachdem du alle Links von der Test-URL auf die richtige URL geändert hast, schmeiß ihn in das bereits existente Verzeichnis, auf das diese URL geleitet wird, lösche die alte Seite dort raus, fertig.
Dann ein längeres Planungsgespräch, aus dem ich ziemlich bettreif rauskam. Nicht weil das Gespräch blöde war, das war sehr angenehm. Aber es wirbelte in mir einen ganzen Müllhaufen Unbewältigtes auf. Ich muss lernen, dass Pläne nicht heißen, dass ich sie wie früher ganz allein realisiere(n muss) und alles an mir hängt. Verdammt noch mal, ich sollte mir abgewöhnen, mir jede dämliche Jacke anzuziehen. Wenn man zu zweit ein Projekt angeht, heißt das nicht, dass einer die Idee hat und den anderen damit ins Feld schickt. Jede Kooperation in meiner früheren Selbständigkeit ist letztlich daran gescheitert, dass ich irgendwann gefühlt den größten Teil der Arbeit gemacht habe. Warum? Ich weiß nicht. Weil ich nicht Nein sagen kann, denn das hieße ja dumm sein (wtf? narzissstische Omnipotenzträume!). Weil die Möhren Leistung und Anerkennung vor der Nase mich rennen lassen. Weil ich ein selbstreferenzieller Flowarbeiter bin, der sich irgendwann abkoppelt und allein über die Prärie reitet. Und weil es Bereiche gab, bei denen ich nicht rechtzeitig gesagt habe, dass das nicht mein Ding ist, ich dann dort rumdilettiert und natürlich obendrauf noch den Versagerbonus eingesteckt habe. Ach, ficken!
Ich mache nur noch was ich kann oder mir ungestört und ohne Druck erarbeiten kann.
Ich mache nur noch, was ich bewältige, langfristig, inklusive Ruhezeiten. Ich hab dieses ganze Rattenrennen doch schon hinter mir. Diese Riesendinger, bei denen ich selbst neben mir stand und dachte: Das warst jetzt aber nicht du oder? Aber auch den Übelkram mit schwer krank arbeiten.
Die Lebensträume anderer sind die Lebensträume anderer, auch wenn wir uns sehr nahe sind. Ich kann sie bei der Realisierung unterstützen, aber ich trage die Verantwortung für meine Lebensträume und die sind nicht ganz deckungsgleich mit den anderen. Sie sind – situationsgemäß – bescheidener, weil ich vieles schon gelebt habe. Aber ich bin eine gute Supporterin und trotz ziemlicher Präsenz als Macherin im Hintergrund sehr gut.
Tschuldigung, das wars auch schon…
MMM 25.9. – Das Schleifenkleid
Ich hatte mich im Frühling in einen Schnitt verliebt, der „eigentlich“ im Gepäck hatte. Eigentlich zu schick. … zu jugendlich. … zu extravagant. … zu unpraktisch.
Daher wollte ich ihn unbedingt realisieren. Dann lief mir auch noch ein wunderbar strahlendes stahlblaues Leinengemisch in die Quere. Also konnte ich nicht anders.

Ich änderte nicht viel. Die üblichen 2 cm runter an der vorderen und 2 cm rauf an der hinteren Taille, was in diesem Fall hieß, den Rückenausschnitt zu verschieben, aber das war einfach. Außerdem gefiel es mir gar nicht, dass die Schleife so weit oben saß. Mein Rücken ist in der Mitte nicht mehr taufrisch und der BH war auch zu verdecken, deshalb setzte ich die Schleife tiefer und breiter an.

Der Schnitt ist simpel und einfach zu realisieren. Das Oberteil wird gedoppelt, die Anleitung für das Einarbeiten der Schleife von Innen und das Verstürzen des Oberteils ist detailliert und nachvollziehbar. Mittlerweile würde ich das Teil nicht mehr doppeln sondern füttern, doppelt ist der Stoff sehr steif. Auch ein Rockfutter wäre bei der Halbtransarenz eigentlich gut gewesen, aber uneigentlich – Unterhöschen blitzen nicht durch, dazu ist oben genug Stoff und das verlängerte Bein durchscheinen zu sehen, finde ich ganz reizvoll.
Die mitgegebene Stoffverteilung für die Größe, die ich zuschneide (20 mit Sicherheits-Zugaben) ist verdammt knapp. Deshalb durfte ich die Zickzackpräzision der damals neu gekauften Bernina austesten, indem ich kleine Keile in angefressene Teile setzte. So langsam sollte ich den Schnitten wieder vertrauen, meist sind meine Zugaben unnötig. Aber zu viel Weite wegnähen ist besser als zu viel Enge wegwerfen.

Der Reißverschluß wurde weggespart, das Kleid ist weit genug, ich habe hinten einfach eine Falte geknöpft.

Vorn musste ich leider einen Abnäher setzen. Hohe U-Boot-Ausschnitte und ich waren noch nie Freunde. Der Ausschnitt war ursprünglich 3 cm höher, aber da protestiert meine empfindliche Schilddrüse.

Ich finde das Kleid ziemlich fein, die Farbe steht mir sehr und die Schlichtheit vorn und die Verspieltheit hinten sind ganz nach meinem Geschmack.

Was man dann drüberzieht, ist ein eigenes Thema. Jedes Jackett hätte einen Buckel. Mehr als ein Pashmina oder Cache-Coeur funktionieren nicht. So ist es ein Kleid für warme Sommerabende. Ich sehe mich damit Martini trinkend auf einem Barhocker sitzen, im Hintergrund dezenter Jazz.

Und nun folgt leider ein Rant erster Güte: Dieser Stoff, so genial er aussieht, ist der letzte Dreck! Es handelt sich um ein Leinen-Modal-Gemisch. Was heißt: Das Leinen braucht eine hohe Bügelemperatur, um glatt zu werden, die Modalfasern vertragen das aber nicht.
Ich habe mir zwei Mal beim Ausbügeln Löcher in den Stoff gesengt. Das Modal britzelt weg wie Zigarettenpapier und der Leinen-Schussfaden liegt plötzlich allein da, wenn man nicht gaaanz vorsichtig mit einem sehr feuchten Tuch rangeht und damit gleichzeitig leichten Krissel in Kauf nimmt. Eine große Stelle konnte ich nur durch eine Schnittänderung rausholen, die andere (beim finalen Ausbügeln passiert) muss ich auftrennen und von innen mit Klebebelag reparieren.

Deshalb bleiben solche Brüche einfach drin und können wahrscheinlich nur mit Waschen und nassbügeln entfernt werden.

Außerdem kratzt der Stoff ganz erbärmlich. Also ist das Kleid tatsächlich etwas für den großen Auftritt von zwei Stunden nach dem frau ganz schnell wieder in den seidenen Kimono schlüpfen darf (dann auch gern mit diesen Halsbrecherschuhen, zu denen es hier eine schöne Geschichte gibt).
edit: Wenn ich mir die Fotos kritisch ansehe , habe ich gut was zu nölen:
1. Oberteil zu weit und um den Busen doch noch zu eng. Also demnächst Brustweite anpassen.
2. Wird Zeit, dass ich mir einen Rocksaum-Abrunder besorge, wenn ich ständig Tellerröcke nähe.
3. Die Bügelschäden hinten sind immer noch zu sehen.
Demnächst gibt es dann hier wieder ganz normale Sachen. Ich sitze ja schon an den Herbstschlumpiklamotten.
Und hier geht es zurück zu den Kleidern der anderen Damen.
Tagebuchbloggen – 23. September 2013
Weiter gehts mit Tagebuchbloggen, das gab es hier lange nicht mehr. Andere machen zweimal im Jahr einen alkoholfreien Monat, ich schreibe in ebendiesem Turnus mein Tagwerk auf.
Das gestern war ein Montag. Das sagt alles. Vor sieben Uhr hochgewunden, im Halbschlaf dem Grafen Kaffee gekocht und ihn an die Tür begleitet. Dann gut eine halbe Stunde zum Mensch werden. Mittels Kaffee, Bananenquark und Pflaumentarte.
Am Schreibtisch gesessen, einen Blogeintrag geschrieben und den Umzug einer WordPress-Testseite von einer Subdomain auf die normale Domain vorbereitet. Selten viel Scheiße dabei gebaut. Erst alle für alle Plugins ein Update gemacht, um zu schauen, ob es dann wirklich noch läuft, denn die Nextgen-Gallery ist eine fragile Zicke. Bingo, es lief natürlich nicht mehr, das Plugin war unvollständig geladen. Daher den übriggebleibenen Salat gelöscht und das Plugin wieder händisch installiert. Panische Suche nach den Fotos, die Nextgen natürlich nicht in den Standardverzeichnissen abspeichert, aber sie waren noch da. Dazu noch ein paar kleinere Details geändert. Das nächste Mal gibt es selbst vor Plugin-Updates & Billighoster eine Datensicherung. Ich brauche das für mich bei Strato nicht, da habe ich die Backups zur Verfügung.
Den Restgulasch von Samstag gegessen. Anschließend komatöser Mittagsschlaf.
Dann versucht, bei kontent.com eine URL auf ein Verzeichnis auf dem Webserver umzuleiten. Also das schlichte: Mache ein Verzeichnis, pack deinen Schrott da rein und leite darauf um. Vielleicht wars auch nur für mich nicht intuitiv genug und es dauert ewig, bis die Umleitungen auf dem Server verdrahtet sind. Jedenfalls lief erstmal nichts, bzw. nur auf de alte Tour und ich bekam das große Jammern und Nörgeln. Der Graf muss da mal reinschauen, ich hatte mich festgefahren und habe nichts mehr angefasst, um das Desaster nicht noch größer zu machen..
Am Abend zu angenehmeren Tätigkeiten gewechselt.
Am Freitag hatte ich mit dem Kind einen Fischzug über den Markt am Maibachufer getan. Meine Beute ist schwer zu fotografieren:

Schwarze Popeline, die gut steht und knistert, lockerer schwarzer Flanell, ein Blümchenkattun, hier schon zugeschnitten und hauchdünner weißer Batist für Unterrock und Hemdchen. Die Taschentücher, die darauf liegen, waren Beigabe bei einem e*ay-Kauf, die verarbeite ich zu Einsätzen in den Hemdchen.

Dann gab es noch diesen Schnitt, den ich auf Paßform testen wollte.
Gestern fing ich aber erst mal mit einer Lockerungsübung an. Ein simpler Stufenrock, den ich im Sommer schon mal genäht und dabei gut verk… hatte, weil ich mich in den Stufen verzählte.

Diesmal war aber alles korrekt zugeschnitten. Aus der übrigbleibenden halben Stoffbahn spendierte ich mir noch Taschen, denn Winterzeit ist Taschentuchzeit.

Dazu französische Nähte aus Garn, das noch in meinen Altbeständen schlummerte.



An so blöden Tagen wie gestern ist langsam Nähen wichtig. Nicht noch das Pixelchaos mit an die Nähmaschine mitbringen. Ich achtelte die Bahnen sorgfältig mit Bügelmarkierungen
und zog Reihfäden getrennt nach Vorder- und Rückseite ein.

Die Taschen bügelte ich Freestyle zurecht, um sie aufzunähen, das durfte ruhig etwas improvisiert aussehen. Nun fehlen nur noch zwei Stufen. (und das gefällige Hindrapieren lerne ich wohl nie mehr…)

Is so
Als ich gestern Abend Twitter öffnete, hatte ich das Gefühl, dass meine Filterblase und ich (ich mag sie nicht immer, aber ich hab mir die Leute schließlich ausgesucht) ein paar Stunden Realitätskontakt hatten. Wir Leute aus Dörfern und Kleinstädten, die diese Orte in Richtung Metropole verlassen hatten, wo wir seither lautstark und aktionsreich versuchen unsere Wurzeln zu verdrängen und irgendwie ganz besonders zu tun, waren plötzlich wieder mit unseren Ursprüngen konfrontiert. Per Wahlergebnis. Schwarz der Westen, Rot der Osten. Mit dem Statement: Ordnung, Vertrautes, Überschaubarkeit, bitte keine Veränderung, läuft doch.*
Kurze Verwirrtheit, dann Hämegedöns über den Absturz der FDP.
Hey Leute – Piraten? War da was? Aber der Splitter im Auge der anderen ist immer noch attraktiver als der Balken im eigenen.
Je konkreter das Wahlergebnis wurde, desto mehr Mimimi und Rabäh. Blöde Mehrheit aber auch. Alles Idioten. Apokalyptische Visonen: Vier Jahre ohne Zukunft! Nur: Was sind vier Jahre? Es braucht langen Atem, um zu verändern. Wer ist eigentlich überhaupt auf diese Idee mit der Demokratie gekommen? Kann doch nicht sein, dass das Volk wählt, das ist doch viel zu blöd dazu oder?
Dann kam der Erste mit „Auswandern!“ Zeit, Twitter wieder zu schließen.
Die Frau Wortschnittchen und ich verbrachten den Abend in einem bretonischen Restaurant, aßen Galettes, tranken Cidre auf die Liebe und die Gesundheit und plauderten. Zurückgekehrt sah ich mit dem Grafen zu, wie die Fernsehjournalisten versuchten, per Infotainment die sehr lange und sorgfältige Auszählung zu überbrücken und dann auch schon mal nicht mehr ganz nüchterne Politiker befragten. (Oder wie nannte sich das, was der Bütikofer da hatte?)
Twitter wieder an. Ich schaute noch mal nach, ob die Koffer für die Auswanderung schon gepackt waren oder ob man dann doch eher, wie am Stammtisch der Kleingartenanlage „Frohe Zukunft“ in Merseburg-Süd, schwadronierend das nächste und übernächste Bier bestellt hatte.
Eine Frau hatte, obwohl es ihr unter der CDU-Regierung sehr gut ging, um den weniger Glücklichen zu helfen, eine Partei der sozialen Gerechtigkeit gewählt und war nun erschüttert, dass die sozial Zukurzgekommenen das nicht taten.
Kurzer Dialog zwischen zwei Müttern, die sich immer recht gewogen waren. Eine outete sich als FDP-Mitglied. Ich bin gespannt, ob die andere – eine Anhängerin alternativer Lebensformen, die von anderen Toleranz erfordern – das auf die Reihe bekommt.
Ein paar Leute beginnen, das Wahlergebnis pragmatisch zu sehen und gehen schlafen.
In die Stille hinein trompetet eine einsame Seele R E V O L U T I O N!
Dann schlafe ich auch.
Wie ich das sehe? Nicht anders als vor der Wahl. Ich bin Realo, nicht Fundi und habe keine Lust auf Rumspacken in der Selbstreferenzialität.
Ich werde mich weiter in meinem Wirkungskreis aktiv für digitale Bürgerrechte engagieren. Gerade durch den Wegfall der FDP aus dem Bundestag, die bei diesen Themen ein Korrektiv war und vom Totalausfall der Piraten mal ganz zu schweigen, braucht dieses Thema Struktur und Einsatz. Ja, es ist Neuland, vielleicht nicht für die Pioniere, aber für die nachfolgenden Siedler allemal.
Außerdem sind für mich Frauen als Protagonistinnen in Wirtschaft, Kultur und Politik wichtiger denn je, denen gilt meine Unterstützung. Mein Thema ist nicht „wie Frauen behandelt werden“, sondern „handelnde Frauen“.
Es ist so: Es bleibt kompliziert und es gibt leider keine einfache Wahrheit, auch wenn wir die gern hätten. Es hilft nichts anderes als sich in das Leben und in die Realität zu begeben und zu handeln.
Es gibt noch eine Linkempfehlung. Antje Schrupp zu Thema Reibung zwischen Eliten und Mainstream. Ich schätze Antje Schrupp immer mehr, weil sie unaufgeregt genau hinschaut. Das braucht es.
*Was die Linkswahl-Folklore im Osten betrifft, ist das nicht ganz so pointiert darstellbar, aber das ist nun mal so, wenn man mit einer Ideologie vor mehr als 20 Jahren ein Land in den Sand gesetzt hat.