Spitzen stricken

ist auch nicht wesentlich anders als Pixel schubsen. Nur das es keine Undo-Taste gibt, was ich mitunter sehr bedauere.
Aus meinem Flohmarktfund an weißem Häkelgarn wurde dieser Schal mit einfachen floralen Mustern. Erstmal nur zum Üben, keine Ahnung, was ich damit mache.

Estonian Lace Shawl

Jetzt bin ich auf der Suche nach der Form. Dieses hinreißende eisvogelblaue Seidengarn will verarbeitet werden. Da funktionieren keine floralen Formen. Das soll nach Wasser und Eiskristallen, in denen sich kalte Wintersonne spiegelt, aussehen.
silk-yarn
Mal schauen, worauf ich komme, das hier sind erst mal nur Annäherungen, ein traditionelles Muster, das ich irgendwo fand und ausgezählt habe und das verändert werden muss.
lace-test
Das Material ist übrigens rumänisches Garn, Leinen oder mercesiertes Baumwollgarn, mit dem der Trödler die Kiste tschechisches Schulgarn aufgefüllt hatte. Ist das nicht ein schönes Label?
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Vier Tage in Polen

Der Graf hatte diese Woche frei und wir planten schon lange eine kurze Auszeit in einem netten Refugium auf dem Land. Wie immer mit den Grundbedingungen: Doppelbett, WiFi, Badewanne.  Aber vorher musste er sich aber erst mal zu seinem großen Ärger mit Kranksein beschäftigen. Deshalb fuhren wir erst am Mittwoch los. Wir hatten eine Suite in einem kleinen Herrenhaus in Großpolen herausgepickt, am nördlichen Rand von Poznan.
Mir war der Dwór Wierzenica ob seines kargen Klassizismus aufgefallen. Ausnahmsweise kein fetter Portikus, der sonst in Polen an jede Hütte gebaut wird, als Symbol von Autarkie und Status, und wenn die Säulen aus Rohren oder Bäumen gemacht sind…
Das Gebäude ist großes regionales Bauernhaus, das durch eine Art zweistöckige Diele geteilt wird, die nur durch Mauerkanten ein Säulenportal andeutet. Eine Mischung aus Wurzelsuche und Himmelstürmen, das interessierte mich.

Als wir im Dunkeln ankamen war netterweise die Zufahrtsstraße dick mit Sand gestreut, denn das Haus liegt auf einem kleinen Hügel. Wir wurden als einzige Gäste nett empfangen und es war wie immer in diesen stadtnahen Schlößchen in der Nebensaison. Man nutzt sie in der warmen Jahreszeit als Partylocation für Hochzeiten und im Winter ist da niemand außer den Besitzern oder ein, zwei Helfern. Wobei ich in dieser irre schönen und modernen Küche gern selbst gekocht hätte, eine Karpfenzucht war in Laufnähe.
Unsere Zimmer hatten hohe Decken, schöne, wenn auch etwas hilflos gestellte antike Möbel und ein Riesenfenster mit meterbreitem Fensterbrett mit Blick auf eine moorige Niederung und einen Waldhang an ihrem Ende.
Dwór Wierzenica
Als wir Bescheid gaben, am ersten Abend nichts essen zu wollen, aber an den zwei darauf folgenden Abenden (das Haus wirbt auf Booking schließlich mit frischer, regionaler Küche, man könne aus einem Angebot wählen), gab es leicht erstaunt hochgezogene Brauen. Öhm ja, man hätte Piroggen mit Fleisch oder Obst da. Nun muss man wissen, dass Pierogi in Polen Fast Food sind, die gibt es an jeder regionalen Imbissbude. Das war so, als hätte man uns Currywurst mit Pommes offeriert.
Wir hatten aber keine Lust, mehr als 10 km in ein vernünftiges Restaurant zum Essen zu fahren, vor allem weil es abends auf den Straßen glatt wurde, deshalb nickten wir das ab und tauchten in Badewanne und Bett ab. Nachts gab es wunderbaren Vollmond über Schnee und kahlen Bäumen und dazu heulende Hunde.

Der nächste Tag war strahlend klar. Wir gingen nach dem Frühstück (selbstgemachte Erdbeermarmelade!) nach draußen, um die Umgebung zu erkunden. Ich habe ja bei solchen Reisen immer Wanderschuhe und dicke Socken mit. Also tobte ich glücklich wie ein kleiner Hund über die gefrorenen Feuchtwiesen, der Graf hatschte mit den Stadtschuhen hinterher. Später dann schritt der Graf glücklich mit mir eine glänzend weiße Straße (Marathonläufer eben) entlang und ich eierte mit leisem „Meh, langweilig!“ nebenher.
Im Nebenort deckten wir uns mit wichtigen Lebensmitteln ein, als da wären Bier, Chips, Schmelzkäse – in Ermangelung von Würsten – und Schokolade. Es gibt übrigens Erdnußflips mit Karamellgeschmack. Ganz perverse Dinger.
Den Rest des Tages verbrachten wir damit, uns Gutes zu tun, zu stricken, Pixel zu schubsen, was man so macht. Das WLAN war im Zimmer ohnehin erbärmlich bis nicht vorhanden, am stärksten war es in der Wanne, wo der Graf dann auch so manche Stunde zubrachte. Den angekündigten Flachbildfernseher gab es gar nicht, aber den vermissten wir auch nicht.

Das Abendbrot waren dann tatsächlich ein Teller Piroggen aus dem Frost, Tee und eine kurze, nette Konversation mit dem Hausherrn, einem Mittdreißiger aus der IT-Branche, Sohn eines Poznaner Professors, wie uns Google verriet.

Den nächsten Tag, grau und trüb, verbrachten wir in unseren Räumen. Ich strickte meinen estnischen Spitzenschal zu Ende, der Graf arbeitete an einem eBook und so verging die Zeit viel zu schnell. Danach wieder Piroggen, die Gattin des Hausherrn war am zweiten Abend auch anwesend und ein Abend in der Badewanne, vom Vollmond durch das Dachfenster beschienen.
Kleiner Exkurs zu den guten alten Zeiten. Wir preisen die klare Luft auf dem Land. Aber der Berliner Stadtmief ist wohlriechend gegen die Wolke teerig-holzig-schwefligen Hausbrands, die über diesem kleinen Dörfchen hing.

Gestern mittag reisten wir ab und machten noch einen kurzen Abstecher nach Poznan. Das Wetter schwankte zwischen Schneeregen und scharfem kaltem Ostwind. Wir machten eine Runde durch die Altstadt. Um den Markt waren sehr teure Boutiquen und Antiquitätenläden mit Unmengen edler Dinge und schränkeweise Silberkannen, sie zeigten, dass man hier Geld und vor allem Repräsentationsbedürfnis hat.
Zwei Straßen weiter sah es schon anders aus. Die Läden schlossen um 14 Uhr und bald würden sie den Weg aller anderen Innenstadtgeschäfte gehen, die wir in polnischen Altstädten sahen Wer nicht in teuren Boutiquen kaufen kann, der fährt an den Stadtrand in die Einkaufszentren.
Um ein Hüngerchen zu stillen, landeten wir im Bistro La Cocotte. Von ein paar jungen Hipstern geführt, gibt es hier sehr gutes Essen.

Dann ging es zurück nach Berlin, mit Zwischenstopps in Slubice für Weißkäse, Würste, Piroggen, Bier und in Frankfurt (Oder) für Kaffee und Kuchen mit den Eltern.

Hier schreibt der Graf und hat jede Menge gute Fotos parat, von denen er  mir eines zur Verfügung stellte.

Aber für ein Fazit zurück nach Polen. Die gesellschaftlichen Schichten verändern sich, das sieht man von Jahr zu Jahr deutlicher. Der Kapitalismus hält Einzug, es bildet sich eine neue besitzende Oberschicht, auch die Mittelschicht baut sich Häuschen und kauft Autos.
In Poznan liegt die Arbeitslosenquote unter 3%. (Im Gegensatz zu den vollkommen abgehangenen ländlichen Gebieten mit einer Arbeitslosenquote von über 20%.) Überall stehen produzierende Betriebe, oft Ableger internationaler Konzerne.
Wer helle im Kopf, gut vernetzt ist und Wirtschafts-Subventionen zu nutzen weiß (denn altes, gewachsenes Kapital hat ja niemand), kann sich etwas schaffen. Das Haus, in dem wir waren, ist das beste Beispiel. Einst war es der Wohnort des polnischen Philosophen Graf August Cieszkowski, ein Mann, der alles an Projektionsfläche polnischer Identität in sich vereint: Katholizismus, polnischer Landadel (Szlachta), gesamteuropäische Kontakte.*
Mit knapp 1 Mio Euro Agrotourismusförderung und Regionalförderung von der EU wurde das baufällige Haus vollkommen entkernt und neu hergerichtet. Was in Booking als Hotel angeboten wird, ist auch eine großzügige Wohnung/Landhaus für die Besitzer, mit steuerlich absetzbarem Hauspersonal. (Das hatten wir im Sommer ein paar Kilometer weiter schon einmal erlebt.) Auch wenn der Hausherr sagte, er wohne nicht hier, es lief in den hinteren Räumen jeden Abend der Fernseher und er war immer da…
In 30 Jahren sind das die Kapitalbesitzer und in 50 Jahren werden ihre Kinder behaupten, das wäre schon immer so gewesen. Das scheint der Lauf der Welt.

 

* Es gibt nicht so viele. Polen war über viele Jahrhunderte ein imaginäres Land, ländlich wirtschaftende Adelsclans hatten einen hohen politischen Einfluss. Polen zerfällt für mich immer wieder in winzige Partikel, wenn ich es ansehen will. Geredet wird aber immer von einer riesigen monolithischen Macht durch die Jahrhunderte. Das ist ein sehr eigenes Phänomen.
(Nebenbei, ich stoße grade auf so wirre Websites.)

Der Tag

Gestern, als ich aufwachte, waren die Äste der Platane, die bis zu uns zum vierten Stock hinaufwächst, anmutig beschneit. Ich ließ den Mann lange schlafen, der wohlverdienten Urlaub hat und trieb für Stunden in der Badewanne herum. Der Graf war inzwischen aufgewacht. Wir pusselten noch ein bisschen herum, vollendeten die Fellpflege und gingen unter Schneegebritzel ins Du Bonheur zum späten Frühstück mit Törtchen und Rosé-Cremant.
Dann ging es zurück nach Hause, mit noch drei Törtchen im Karton. Es folgte ein kurzer Zwischenstopp im Blumenladen, wo wir eine Rose mit einem Ginsterzweig und einen Strauß Tulpen auswählten.
rose
Der Graf flanierte weiter in Richtung Französische Straße, ich ging nach Hause und bald darauf klingelte das Kind. Es hatte ein kleines Päckchen dabei und ich freute mich sehr über ein Buch zum Maschinenstricken.
Wir lümmelten auf dem Sofa und plauderten, mein Kleines kuschelte sich unter eine Decke.* Dann sichteten wir noch die Kleiderschätze in der Unterbettkommode und mein zu eng gewordener Lieblingshoodie und ein schwarzer Drykorn-Anzug wechselten die Besitzerin.
Inzwischen war der Graf zurückgekehrt und hatte Leonidas-Pralinen gejagt. Das goldene Kästchen fühlte sich an wie ein Kilo schwer. Das Kind ging den Freund von der Arbeit abholen und nahm zwei der drei Törtchen mit und wir teilten uns, nachdem sie gegangen war, das dritte und wurden furchtbar müde.
Also verschoben wir den Plan, die Stadt und deren Bars unsicher zu machen, wickelten uns umeinander und schlummerten ein wenig. Als wir aufwachten, war es schon spät und wir in so friedlicher Stimmung, aber furchtbar hungrig, dass wir einfach nur zum Inder in der Ackerstraße gingen, etwas Scharfes und Wärmendes aßen, zu Hause einen Wodka drauf kippten und wieder ins Bett gingen.

Das war ein guter Tag und noch besser war er, weil schon als ich in der Badewanne lag, die Glückwünsche ein kleines Pling-Pling-Konzert auf meinen Mobile Devices veranstalteten, im Du Bonheur wurde unter Nähnerds ausgeheckt, dass wir uns zur re:publica dringend zu diesen Törtchen treffen müssen, es kamen herzerwärmende Anrufe, Mails, Facebooknachrichten und sms und sogar eine Postkarte.
Und das mir, die ich mitunter mit so fetter soziokommunikativer Blindheit geschlagen bin, dass ich gut 40% der Geburtstage verpeile und bei 10% der Meinung bin, ich wäre aufdringlich, wenn ich mich jetzt auch melde. Ich schwebte auf einer Wolke von handwarmem Flausch.
Danke, ihr Herzen!
Es ist also gar nicht schlimm, 51 zu werden. Auch wenn die Falten unübersehbar sind (komisch, wenn ich in den Spiegel sehe, filtere ich die raus) und ich den dringenden Bedürfnis nachgab, den Tag klein-klein und ohne große gesellschaftliche Verpflichtungen zu begehen und man einen Geburtstag sowieso etwas schrecklich Konstruiertes ansehen kann…
Es ist gut, in dieser Welt zu sein und es ist gut zu spüren, was für ein Netz von Menschen einen hält.

Bitte um Entschuldigung für die Sentimentalität, aber das musste mal raus.

 

*Erwachsen zu sein, aber noch einen Ort zu haben, wo man mal fallen lassen kann, das ist ganz wichtig, finde ich.

Veröffentlicht unter Leben

Test Olaz Regenerist

Olaz Regenerist heißt der Ritter im Kampf gegen Falten und Hautalterung, der mir von Olaz zur Verfügung gestellt wurde. Eine Creme und ein Serum, zwei Produkte, die etwas enthalten, das Lys Lastine V® heißt und aus Dillsamen gewonnen wird.
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Nun ist das mit mir und Cremes so eine Sache. Als ich vor Jahren mal eine Hautärztin aufsuchte, meinte die nur nach einem Blick auf mein Gesicht: „Die überpflegte Haut der feinen Dame! Sie nehmen einfach nichts! Keine Creme, kein Peeling, nichts!“

Das habe ich dann ein paar Jahre gemacht. Wenn die Haut zu trocken wurde, nahm ich irgendeine Body Lotion und im Winter Cold Cream. Das Ergebnis war auch nicht so großartig anders als der Zustand vorher. Ich neige zu kleinen Talgknötchen oder Whiteheads unter der Haut, das wurde weder mit Pflege mit Nivea oder Bebe besser, noch ganz ohne Pflege. – Und ich bin in der Hinsicht extrem experimentierfaul, ich will keinen Aufwand und kein rausgeworfenes Geld.
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Deshalb habe ich mich für den Test beworben, ohne allzu hohe Erwartungen, denn zu meinen Falten stehe ich, ich bin nun mal über 50, aber ich war neugierig.

Ich habe die Olaz Regenerist Creme und das Serum seit Weihnachten benutzt und das Ergebnis erstaunt mich sehr. In den ersten Tagen brodelte es in meiner Haut, wie das oft ist, wenn die Pflege wechselt. Die oberen Hautschichten schuppten sich ab und eine ganze Menge der oberflächlichen Talgknötchen öffneten sich. Das fand ich super, machte mich aber etwas skeptisch, wie es weitergeht. Der Fortgang war etwas gemächlicher, die Haut beruhigte sich wieder und wurde allmählich dünner und feiner. Das ist jetzt seit zwei Wochen konstanter Zustand. Feine, lebendige und frische Hautstruktur, ohne schuppige Schichten, ohne alles zuzufetten und neugebildete Talgknötchen öffnen sich schnell.
Olaz Regenerist hat meine Wirkungs-Erwartungen damit weit übertroffen.

Die Konsistenz der Creme und des Serums finde ich gut, sie sind nicht fettig und erzeugen trotzdem kein Spannungsgefühl auf der Haut. Allerdings hatte ich Probleme, wenn ich mein Make up darüber legte, dann pillte alles ab. Das lässt sich vielleicht mit einem andere Make up lösen oder man wendet das Produkt nur abends an, wenn man täglich geschminkt aus dem Haus muss.
Der Geruch ist mir zu stark und zu blumig, ich mag es mehr diskret und pudrig.
Die Umverpackung ist Aufmerksamkeit erregend, für die Botschaften von Rot, Silber, Boost, Blingbling und massig kleinem Text bin ich aber nicht Zielgruppe. Ich kann ihn ohne Lesebrille beim Kauf nicht lesen (und Olaz ist ja für den beratungsfreien Verkauf in Supermärkten gedacht) und vom Design her mag ich es schlichter. Außerdem bin ich so alt, dass ich Olaz-Produkte noch in Weiß und Pastellfarben abgespeichert habe.
Nebenher: Der Serumspender neigt dazu, sich selbst aufzudrehen und bei Luftdruckwechsel undicht zu werden.
Für mich ist dieses ganze wissenschaftliche aussehende Marketing, das dann doch wieder mit eigenen Wirkstoffen und deren komplizierten Markennamen operiert, reines Gedröhn das ich überhöre. Bei manchen sehr teuren Produkten ist es ja so schlimm, dass man sich die Namen weder merken noch aussprechen kann.
Das eiert so zwischen „Ist aus der Weltraumforschung einself!!!“ und „Ist aus Pflanzen und ganz mild!“ um alle mitzunehmen.
Ich möchte guten, hautverwandten Geruch, unaufdringliche Textur, eine schlichte Verpackung, einen eingängigen Namen und vor allem Wirkung, mehr nicht.

Last, but not least. Ich habe dann noch mal ein wenig in der Zutatenliste geschaut und recherchiert, denn in Sachen Chemie bin ich gar nicht fit, im Gegensatz zu Frau Brüllen, die ja alle Tage in der Chemiefabrik Cremezutaten und Medikamente kocht.
Das Zauberwort ist Niacinamid, eine Form des Vitamin B3. Das war scheinbar der Turbo, der die Haut in Bewegung brachte. Das mag mir recht sein.