wmdedgt März 2017

Das wird eine knappe Sache, denn das iPad hängt im wackeligen Hotel-WLAN. Es ist der Fünfte des Monats und Frau Brüllen fragt: Was machst du denn den ganzen Tag?

Ich wurde kurz nach vier Uhr wach und gegen halb Fünf las ich erst einmal eine Stunde. Meine Timeline schlief, zog in die nächste Kneipe, hatte Zeitverschiebung oder stand gerade auf. Ich ging kurz vor 6 noch einmal schlafen und lümmelte bis halb 10 im Bett herum, um anschließend in die Badewanne umzuziehen.

Nach dem Baden frühstückte ich Joghurt mit Banane, Datteln und Walnüssen. Dann räumte ich noch etwas herum und sterilisierte die Weckgläser mit Fleischbrühe fürs Kind nochmals im Backofen. Sicher ist sicher.

Gegen 12 Uhr packte ich einen ganzen Schwung Kleider aufs Bett und testete ein „seriös, aber nicht overdressed“-Outfit. Ich landete bei einem dunkelblauem Dreiviertel-Tellerrock aus weichem Wollflanell, einem weißen T-Shirt mit V-Auschnitt und einem dunkelblauen Blazer aus Doubleface-Fleece, der innen fein blauweiß gestreift ist. (Nicht selbst genäht, sondern ein Lands End Sonderangebot)

Ich stopfte Schuhe, Schminke, Schmuck und Unterwäsche in meine kleine Reisetasche. In die Techniktasche kamen iPad ,Notizblock, eine Stiftrolle und Schere, Nadel und Einfädler. Im aktuellen Quilt müssen viele Fäden verstochen werden.

Dann zog ich mich unprätentiös an, Jeans und Hoodie reichten. Der Graf war inzwischen auch fertig mit Anzug und Krawatte aussuchen und verpacken, ich bügelte ihm derweil noch ein Hemd.

Dann ging er nach unten, um die Antwort auf die Frage „Springt das Auto an?“ zu finden. – und stand keine fünf Minuten später wieder oben, denn es hätte kein Mucks getan. Jetzt hätten wir nach dem nächsten Zug schauen können, aber ich ging noch einmal nachschauen. Nicht, weil ich es besser kann, sondern weil das betagte, aber sonst wunderbar bequeme und zuverlässige Auto mittlerweile etwas sonderbar ist.

Letztens war ich der Meinung, die Batterie wäre leer und der Graf hatte es anstandslos starten können. Ich ging herunter und versuchte es. Der Anlasser tat keinen Mucks. Ich überlegte. Auf Zugfahren hatte ich keinen Bock. Vielleicht könnte man ja Starthilfe von einem Taxi bekommen. Aber vorher versuchte ich es noch mal mit Voodoo. Ich machte mit kompetenter Miene die Motorhaube auf und rüttelte an den felsenfest sitzenden Batteriekabeln. Dann versuchte ich es noch einmal. Das Auto sprang an. Der Graf brachte die restlichen Sachen nach unten, ich bewachte derweil den laufenden Motor. Puh, noch mal Glück gehabt.

Der Routenplaner versprach uns, es würde nach Greifswald diesmal schnell gehen, aber wir zuckelten gegen 3 Uhr gemächlich in Richtung Pommern. Der nächste Termin für das Projekt Zukunft und Lebensfreude ist schließlich erst am Montag Vormittag. Die Hektik eines nicht startenden Autos wollten wir uns für Montag morgen ersparen, das war schon mal die richtige Entscheidung.

In Greifswald angekommen, checkten wir im Hotel ein und machten erst einmal eine Runde durch die Stadt, um den Weg für morgen früh zu kennen. Da wir mittlerweile beide ziemlich unter Spannung stehen, denn das wird morgen top oder hop, blödelten wir hemmungslos zu dem Thema „Was war 2017 deine dümmste Idee?“

Dann suchten wir uns eine Kneipe, denn es war mittlerweile sieben Uhr abends. Der Graf aß Burger (ein Phänomen, in Greifswald sind die Bürger-Menüs in Hipster-Style-Läden teurer als in Berlin), der war so lala, meine Bratwürste mit Kürbispüree waren gut. Auf dem Klo des gotischen Hauses sah ich etwas, das ich in einem anderen Haus für eine Bausünde der frühindustriellen Neuzeit gehalten hatte – eine Holzbalkendecke im Keller. Hm. Ist das eine norddeutsche Spezialität? Oder ist das normal, wenn Keller nachträglich (wie in diesem Fall) eingebaut werden?

Wir gingen nach dem Essen zum Bahnhof. Der Graf brauchte noch ein Einschlafbier und eine Zahnbürste. Ich behauptete steif und fest, es gäbe sicher keinen Spätie in so einer Stadt. Gab es aber. Und er schloss um 20:45 Uhr (komische krumme Zeit), wir wurden netterweise noch bedient.

Wir schlenderten mit Bier, Zahnbürste und Schokoriegeln zurück zum Hotel und begannen uns dort um die paar Fitzelchen WLAN zu balgen, die im Zimmer ankamen. Jetzt geht es gleich ins Traumland und ich hoffe, die Nacht wird einigermaßen erholsam.

Die anderen Tage sind hier nachzulesen.

Sonntagsmäander im falschen Frühling

Es ist Ende Februar und das Wetter macht den Anschein, als wäre der Winter vorbei. Wenn man ein paar Grad mehr herbeiphantasiert, ginge das Gespritze und Geplätscher vom Himmel als frischer Frühlingsregen durch.
Aber der gelernte Berliner weiß: Es wird noch mal richtig kalt. Vorzugsweise Ende März, wenn man die Winterklamotten schon auf den Speicher räumen wollte.

Das Leben an der Barnimkante spielt sich derzeit weitgehend im Vorbereitungs- und Planungsbereich ab. Es ist alles noch nicht spruchreif, weil kein Mensch weiß, wie und wann die Weichen springen, auf die wir gerade zufahren. Kann sein, dass das nächste halbe Jahr ganz easy und sortiert wird. Kann aber auch sein, dass nicht. Da der Graf ein großer Planer ist, was ich sehr schätze, da ich ja eher der Typ „schaun mer mal  …oh hoppla!“ bin, werden Dinge berücksichtigt, die mir noch nicht im Traum einfielen, weil ich noch nicht davor stehe. Diese Recherchen und Gespräche brauchen viel Zeit und Energie. Ich krache abends ins Bett und bin sofort im Traumland.

Dem Kind mit dem Kindlein im Bauch geht es gut und ich muss mich mit dem Babyquilt langsam sputen. Aber der Stoff ist zumindest schon gefärbt und zusammengeklebt sind die Schichten auch schon. Nun geht es an die Nähmaschine.

Ansonsten begegnen mir Dinge.
„Meh, Ermüdungsbrüche von zu viel Sport, ich würde ja kürzer treten, wenn ich wüsste, wie ich sonst 10 Kilo abnehmen und das Gewicht dann halten könnte“ von einer ganz normal schlanken Frau.
Behelfshäuser von wohnungslosen Menschen unter Brücken und im hinteren Eingang zum U-Bahnhof Rosenthaler Straße eine Feuerstelle mit einem davor schlafenden betrunkenen Mann. Meine Reflexreaktion ist „Ich möchte das nicht.“ Ich will nicht, dass diese Stadt noch mehr verkommt. Und ich will nicht, dass diese Menschen auf der Straße leben müssen. Aber da wird es schon kompliziert. Große Städte ziehen Menschen an, die aus der Gesellschaft herausfallen und nur eine Unterkunft hilft oft nicht.
Ein Kampf um 10 Arbeitsstunden mehr, die immer nur für 8 Monate befristet gewährt werden, um vom qualifizierten und verantwortungsvollen Beruf leben zu können. Keine Berufsanfängerin. Eine Frau, die auf Mitte 40 zugeht, seit dem 19. Lebensjahr im Job fleißig, bis auf 3 Jahre Unterbrechung durch ein Studium, das gute Jobchancen hat. Wechsel? Schwierig. Wer wechselt schon von unbefristet mit Tarifvertrag auf befristet ohne Tarif?
Einen 90jährigen nach einem Herzanfall und einer Lungenentzündung in eine Reha stecken, damit er nach dem Willen der 25 Jahr jüngeren Gattin wieder fit gemacht wird. Gehts noch?

Und damit nicht alles so schrecklich klingt, schreibe ich noch auf, was schön war. Gulasch mit Pilzen und Rotkohl gekocht. Das Kind nach dem Schwimmen mit Suppe gefüttert. Tiefes Glück empfunden, angesichts des Umstandes, dass es einem Mann gibt, der mich liebt und den ich lieben darf. Und zwar nicht nur in Entsagung und Distanz oder mit „komm her – geh weg“, sondern ganz und real, mit alles und schafe Soße. Respekt und Erwartungsglück angesichts dessen, was demnächst passieren wird. Die Aussicht darauf, dass ich aus einer Geschichte besser rausgehe als erwartet und die 7 schlimmen Jahre damit endgültig vorbei sind. Auf dem Stoffmarkt die Rot-Phase eingeläutet, auch wenn ich grade eine schlimme Nähblockade habe und nichts für mich zuschneiden mag. Nach dem Putzen und Ölen einen Test mit der neuen alten Nähmaschine genäht.

Das Leben ist schön.

Veröffentlicht unter Leben

Nachgeschobene Aufzeichnungen

Blogge nie auf den letzten Pfiff, bevor der Ironbloger-Crawler Sonntag Nacht vorbei kommt. Dein Provider könnte down sein und nur noch das Frontend liefern. So wie gestern.

Wo bei immer noch vieles, obwohl dominant das Leben bestimmend und alle Energie kostend, nicht aufschreibbar ist. Es schiebt sich gerade alles zusammen, wie Eisschollen kurz vorm Frühling auf einem Fluss.
Was davon übrig bleibt und was dann wirklich passiert, wenn sich der Stau auflöst, weiß noch keiner so richtig.
Erst im Nachhinein ist ein Leben eine Abfolge von Ereignissen. Mitten drin ist es eine Ballung von manchmal voneinander anhängenden Optionen mit unterschiedlichem, schwer beeinflussbarem Timing.

Könnte sein, dass es Mitte März wieder besser läuft. Tschuldigung.

Ins Leben hineingewühlt

…und heute schaue ich mal kurz raus.
Babyparty fürs Kind. Sooo schön. Alle Freundinnen waren da und ich musste wieder dafür sorgen, dass es eine Überraschung ist, weshalb ich das Kind erstmal aus der Wohnung lockte und beim Zurückkommen sprangen die Freundinnen aus dem Versteck.

Menschen in einer Villa auf dem Fundament eines alten Schlossen im tiefen Sachsen besucht, die sehr faszinierend war. 1921 wurde sie nach einem Brand wiederhergestellt und hat innen in Deckenstuck und filigranen Eichentreppengeländern jenes leicht expressionistisch wirkende Dekor, das deutsches Art Deco haben konnte. Dazu in den Salons Meißner Kachelöfen, die vom Flur aus geheizt werden können, drei Quellen im Garten, einen davon gespeisten tiefen Teich, eine riesenbadewannengroße steinerne Pferdetränke, einen Mostkeller mit Fässern, uralte Obstbäume und einen weiten Blick über die bergige Landschaft. Leider haben erfolgreiche alte Rittergüter die Eigenschaft, verkehrsgünstig zu liegen. Auf dieser Straße reiste schon Wallenstein durch und heute sind es LKWs, die ins Böhmische wollen. Nobody is perfect.

 

Ansonsten bin ich jeden Abend froh, ins Bett zu kommen, denn das Projekt Zukunft und Lebensfreude ist komplex und zeitintensiv. Es wird demnächst hier sicher wieder mehr zu lesen geben.

Veröffentlicht unter Leben