Morgens ging es etwas besser.
Ich kümmerte mich um die Berlin-Wäsche, holte etwas Holz und heizte den Ofen an. Zum Frühstück gab es schluckfreundlichen Porridge (besser: Haferschleim)
Der Graf wurde auch ein bisschen bepuschelt, aber es scheint, er kommt um die ganz schlimmen Dinge herum.
Ich legte mich aber wieder hin, denn zu früh anfangen ist blöd, ich werde morgen zeitweise gebraucht und da kann ich hier nicht den sterbenden Schwan machen.
Dann sprachen wir zum fünften oder sechsten Mal über ein komplexes bürokratisches Thema und hatten nach ein paar Stunden dann endlich die Lösung, die funktionieren könnte, wobei der Graf noch viel daran schreiben mußte.
Um die Mittagszeit legte ich mich hin und schlief eine Stunde. Danach zog ich mich an und ging nach nebenan duschen. Es ist so schön frühlingshaft draußen. (Was einen nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass es noch mal richtig kalt werden kann.) Der geplante Spaziergang fiel wegen Regens aus.
Der Apothekenlieferant, der hier die alten Leute abfährt, hatte einen Zettel in den Briefkasten geworfen, ich solle mal anrufen. Ich war ganz erstaunt, hatten die mir gestern in der Apotheke was falsches gegeben? Nein, man hatte vergessen, mir 5€ Gebühr zu berechnen. Die solle ich doch bitte noch bringen.
Wir machten die Papiere für das bürokratische Thema fertig. Mit unterschreiben, korrigieren, scannen und sortieren war es dann fast wieder dunkel.
Ich schob dem Grafen eine Pizza in den Ofen und aß selbst den Rest vom Butter Chicken, legte mich wieder hin und schlief eine Stunde.
Danach wurde es wieder sehr eklig. Mir schwoll der Rächen immer mehr an und es schmerzte. Ich bin sonst nicht sehr empfindlich, aber das und Zahnschmerzen ist so ziemlich das Unaushaltbarste für mich. Nach Gejammer, laut und leise, gurgelte ich aus lauter Verzweiflung mit kaltem Wasser. Siehe da. Das half. Als ich dann noch etwas Schokoeis testete, war klar, warum heißer Tee, Lutschtabletten und scharfes Essen nur kurz Linderung brachten und alles kurz danach schlimmer wurde. Ich werde mich aufs Eiswürfellutschen verlegen. Jede Menge Eiscreme wäre mir lieber, verträgt sich aber nicht mit dem Antibiotikum.
Das Kind schrieb inzwischen, daß entweder eine Pizza schlecht war oder die familiäre Erkrankungskette mit Magen-Darm weitergeht. Überhaupt liegt grade die halbe Twitter-Timeline krank im Bett. Nur Mutter kommt morgen aus dem Krankenhaus. Warum ihr Körper kein oder zu wenig Eisen aufnehmen kann, konnte nicht geklärt werden. Wahrscheinlich ist es etwas Genetisches.
Jetzt wird gleich geschlafen, morgen werden im Erdgeschoss Fußböden entfernt und ich muss für Versorgung sorgen.
06.02.2019
Leider müssen Sie hier weiterhin Gejammer ertragen.
Heute morgen aufgewacht und gemerkt, daß die Erkältung nun auch in den Bronchien sitzt. Die Entscheidung, welcher Arzt sich das nun ansehen könnte, war einfach. Es gibt in der nächsten Kleinstadt zwei Hausärztinnen, von denen eine im Urlaub ist. (In den Kommentaren zu gestern gab es dann noch eine interessante Empfehlung.) Ich fiepte wahrscheinlich so mitleiderregend ins Telefon, dass man mir einen Termin am Vormittag gab und nicht die pauschale Empfehlung, mich ein paar Stunden ins Wartezimmer zu setzen.
Ich trank nur Kaffee und ging kurz vor dem Losfahren nach nebenan unter die Dusche. Da muß grade nicht geheizt werden, es ist draußen relativ warm. (Und wie mich das ärgert! Seit über einer Woche hatte ich auf diese Warmphase gewartet, um im Park Gestrüpp zu schneiden und nun krieche ich im kalten Haus zwischen Küche, Hauswirtschaftsraum und Bett rum und bin selbst zu schlapp für Buchhaltung.)
Der Graf fuhr mich hin und blieb im Auto, um sich im Zweifelsfall nur bei mir anzustecken, was sicher schon passiert ist.
Dit is Dorf. Eine Nachbarin kam, als wir fertig waren, die andere arbeitet in der Praxis und ihr hatte ich wahrscheinlich auch den Termin zu verdanken.
Ich war so ziemlich die jüngste im Wartezimmer, was mit 55 schon eine Leistung ist. Es ging dank straffer Organisation schnell und ich wurde mit einem Rezept verabschiedet und der Ermahnung, mich dringend zu schonen, es könne länger dauern mit dem Gesundwerden.
Nach einem Stop an der Apotheke fuhren wir wieder zurück, ich machte noch eine Waschmaschine fertig, frühstückte, nahm meine Tabletten und ging auf die Heizdecke ins Bett.
Wir diskutierten noch etwas über einen weiteren bürokratischen Vorgang, ich las im Internet und wurde müde. Endlich bekam ich das „Gesundschlafen“-Bedürfnis, das mir seit Tagen gefehlt hatte, weil mich die Halsschmerzen sehr gequält hatten. (Vielleicht war ich aber auch zu vorsichtig mit Schmerzmitteln, 200 oder 300mg Ibuprofen dreimal am Tag scheinen wirklich zu wenig zu sein.)
Am Nachmittag kam der Graf mit einem Päckchen. Mein neues Handy, das meinen schiefgegangenen e*baykauf ersetzen sollte, kam. Es ist fein, das der beste Regieassistent der Welt aka Schwiegersohn wieder mit Vertrieb von Digitaltechnik zu tun hat. Es gab nämlich gerade den recht preiswerten Abverkauf vom iPhone 6s bei einem Mobilfunkprovider. Ich wollte zwar nie wieder ein Neugerät bezahlen, weil ich es beruflich nicht mehr brauche, aber da wackelt kein Display und ich muss mir keine Gedanken machen, ob die Rückabwicklung des Verkaufs klappt, da gibt es Garantie.
Ich richtete es ein, ließ es das Backup laden und fortan spielten der Graf und ich das „hast du grade die meisten Daten?“-Spiel. Wenn hier einer was Größeres lädt, kommt der andere nicht mehr ins Netz.
Dann zog ich mir was Warmes über das Nachthemd, ging in die Küche und bereitete so eine Art Butter Chicken im Ofen vor. Leider war die rote Currypaste nicht so scharf wie erwartet, weil doch scharf draufstand. Wir aßen, ich legte mich wieder hin und schlief eine reichliche Stunde. Im Hintergrund lief Aktenzeichen XY, das mittlerweile zu Mini-Dokudramen aufgepimpt ist und leider nicht mehr so deutsch nach Recht und Ordnung wirkt wie früher.
Als ich aufwachte, ging es mir leider eher schlechter und ich warte jetzt mal ab, was die Nacht zu bieten hat.
WMDEDGT Februar 2019
Frau Brüllen fragt wie immer am Monatsfünften, was wir den ganzen Tag getan haben.
Gegen 8 Uhr wache ich auf. Es wird wieder eher hell und hier stehe ich tatsächlich mit dem Licht auf.
Ich habe genau so wie am Tag vorher unangenehme Halsschmerzen, bin immer noch unfit und es ist kalt in der Wohnung. Wir waren gestern Abend nach 24stündiger Abwesenheit zurückgekehrt und hatten nicht mehr allzu viel geheizt.
Ich nehme zwei Körbe, hole im Erdgeschoss Holz und heize an. Dann lege ich mich mit einer Tasse Kaffee noch etwas ins Bett. Beim zweiten Nachlegen stehe ich auf und ziehe mich an.
Gestern Abend habe ich mein Frühstücksgeschirr schon hingestellt. Ich esse Joghurt mit Ananas und dazu Reiswaffeln mit Käse und Wurst.
Ich mische mich auf Twitter in eine Diskussion zum Thema Abtreibung ein und bin immer wieder erstaunt darüber, wie ich selbst nicht in die Distanz gehen kann bei diesem Thema, obwohl ich das sonst sehr gut kann. Es betrifft mich und der Umstand, dass wir in Sachen souveräner Entscheidungen von Frauen schon mal viel weiter waren und mit der Wiedervereinigung im Mittelalter landeten, wo sich die Babos qua Gesetz wieder um uns Weibchen kümmern, macht mich manchmal noch wütend, obwohl ich seit 15 Jahren raus bin aus dem Kinderkriegen-Geschäft.
Nachdem ich eine neue Batterie ins Thermometer eingelegt habe, sehe ich, mein Kältegefühl ist nicht der Infekt, es hat 14 Grad im Raum. Ich lege mehr Holz nach.
Draußen sind die Vögel ganz happy über die milde Luft. Ich würde so gern draußen arbeiten, aber ich bin schlapp.
Ich mache eine Waschmaschine mit Arbeitssachen fertig und heize einen Eisenofen, bei dem ich einen Riß in der Schamotte ausgekittet hatte, langsam hoch.
Ansonsten ist das heute ein Tag fürs Büro.
Der Graf ist inzwischen aufgestanden, auch ihm geht es nicht so gut. Wir machen einen bürokratischen Vorgang fertig, der blöder nicht sein kann. Selbst zwei Leute mit Diplom und Staatsexamen brauchen dafür eine Stunde.
Ich hänge Wäsche auf, setze die nächste Waschmaschine an und esse ein Käsebrot, das nach garnichts schmeckt, weil ich kaum schlucken kann.
Dann telefoniere ich mit meiner Mutter, die immer noch im Krankenhaus ist, aber schon viel besser klingt.
Wir fahren nach Tribsees zur Poststelle, um ein Päckchen abzuliefern und ich gebe in der Apotheke ein Heidengeld für Husten- und Halsschmerzmittel aus. Dann machen wir noch einen Stopp in der örtlichen Recyclingfirma. Der Bauschutt-Container ist voll.
Wir fahren schnell zurück, ein Besucher hat sich angekündigt. Mit ihm sitzen wir bei Kaffee bis zur Dämmerung und besprechen ein paar Sachen.
In einem frühlingshaften Regen hole ich kurz mit der Schubkarre Holz aus dem Schuppen, bevor es ganz dunkel wird und fahre die Mülltonne vor.
Der Graf ist mit der Besprechung inzwischen fertig und wir beschließen, heute nichts mehr zu tun, als am Ofen zu sitzen und uns auszukurieren.
Vorher starte ich noch den Geschirrspüler und mache Würstchen warm, was anderes bekomme ich heute essenstechnisch nicht hin. Das Essen ist eine Qual. Hühnerbrühe wäre besser gewesen.
Ich lege mich ins Bett und lese etwas im Internet herum. Gegen 20:30 Uhr gehe ich noch mal in die Küche und koche Tee und Haferschleim, denn ich habe Hunger. Das Süppchen tut gut.
Ich freunde mich mit dem Gedanken an, daß ich morgen doch mal zum Arzt gehen sollte, denn es wird seit Samstag nicht besser, eher schlimmer. Andererseits kann ein Arzt auch nichts machen außer Antibiotika verschreiben, aber die sind vielleicht angesagt, weil das alles immer wieder zurück kommt. Aber ich kenne hier oben noch keinen Arzt … also alles blöd.
Ich schlafe ein Stündchen und stehe gegen Mitternacht kurz auf, krächze mit dem Grafen etwas herum, mittlerweile ist auch die Stimme fast weg und schreibe jetzt diesen Text, während er neben mir schläft und der Ofen langsam ausglüht.
PS. Beim Korrekturlesen merke ich, da ist noch Wäsche in der Maschine.
Die anderen Texte sind wie immer hier verlinkt.
04.02.2019
Eine blöde Nacht in Berlin verbracht, mit zugesetzten Nebenhöhlen und Halsschmerzen, tagsüber besserte sich das dann.
Gebadet (auf dem Dorf ist der zur Badewanne gehörige Boiler kaputt und es braucht Vorbereitung, ihn nachhaltig auszutauschen), geputzt und scharf indisch gegessen, um die Bakterien auszuräuchern.
Der Graf, der sich scheinbar angesteckt hatte, mußte einen längeren Mittagsschlaf einlegen, weil der innere Kampf Chicken Madras vs. Erkältung ihn völlig fertig machte.
Dann ging es zurück aufs Dorf.
Und jetzt: Ab auf die Wärmedecke.