Schöne Geschichte

Es begab sich einmal in einem idyllischen Dienstleistungsbetrieb, daß ein sehr geschätzter Freelancer eine Liaison mit einer ziemlich wichtigen Mitarbeiterin anfing. Die ziemlich wichtige Mitarbeiterin war schon in den Jahren, wo man mit Kindern schnell machen muß und machte vor dem geschätzten Freelancer keinen Hehl daraus, daß es ihr mit ihm und ihrem Fortpflanzungsbedürfnis wichtig war.
Sie waren drei Jahre zusammen und an dem Tag, an dem die ziemlich wichtige Mitarbeiterin dem geschätzten Freelancer glücklich eröffnete, daß sie schwanger sei, verließ er sie.
Das ist eigentlich eine alltägliche Geschichte, dieses „ich oder das Kind“. Nur waren die Arbeitsabläufe in dem idyllischen Dienstleistungsbetrieb plötzlich sehr beeinträchtigt. Es mußte viel für die Zeit der späteren Schwangerschaft umorganisiert werden, was Geld kostete. Und auch aktuell ging es der ziemlich wichtigen Mitarbeiterin nicht gut. Eine Spät/Erstgebärende mit Heulkrämpfen, Wutanfällen und dem Unvermögen, fürderhin mit dem geschätzten Freelancer zusammenzuarbeiten, ist ein Problem.
Das kam der ganz großen Chefin zu Ohren. Die ganz große Chefin handelte schnell. Sie entband den geschätzten Freelancer mit sofortiger Wirkung von seiner Tätigkeit. Wenn die ziemlich wichtige Mitarbeiterin im Mutterschutz sei, könnte er noch einmal für sechs Wochen zu einer Trostarbeit antreten, um seinen Vertrag endgültig zu erfüllen.
Und die Moral von der Geschicht? Lieber mit Gummi.

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Wo lebst du eigentlich?

Es gibt Dinge im Leben, mit denen kokettiert man ewig. Erklärt sie zum großen Traum, tänzelt ausdauernd in Piroutten um sie herum, legt sie dann mit Hatnichtsollensein beiseite oder man läßt sie mangels Beachtung den Visionen-Hungertod sterben, weil ein neues Unerreichbares wichtiger ist. Bestenfalls denkt man noch melancholisch daran, daß es doch schön gewesen wäre und ganz bestimmt geklappt hätte, wenn…
Ich wäre gern Schriftstellerin. Seit zwanzig Jahren träume ich von meinem ersten Roman. Gut, drei oder vier halbgeschriebene Versuche rotten irgendwo in Form von Dateien und Kladden vor sich hin, die Figuren – magere Zombies – besuchen mich manchmal noch vorwurfsvoll in meinen Träumen. Doch die Vorstellung, ein Druckwerk in der Hand zu halten, ist wichtiger als die Anstrengung dafür: das Sortieren von Karteikarten am Schreibtisch, dem Ausformen einer Story und der zähen Arbeit am Text.
Ich habe aber noch eine andere, für meine Mitmenschen nicht immer angenehme Seite. Ich versuche meistens, meine Träume zu verwirklichen. Dann habe ich den Charme eines Pitbulls und die Kraft einer Brechstange.
Während der Kreis der Menschen um mich herum noch mit verklärtem Lächeln Löcher in die Luft starrt und heiße Luft produziert, stehe ich auf und sage: „Ok., ich mach dann mal.“ Das ist nicht immer angenehm. Denn die größeren Probleme als Hindernisse auf dem Weg zur Verwirklichung bereiten oft Mitmenschen, die aus ihrer Bequemlichkeit gerissen werden.
„Weshalb der Streß?“, werde ich empört gefragt. „Das war doch grade nett so. … Aber doch nicht so. … Aber doch nicht jetzt. … Das muß sich doch entwickeln. …“
Es gibt dieses Goethezitat, das mit den Worten „Handeln enthält Magie, Anmut und Kraft.“ endet. (Ich habe immer noch Zweifel, daß es tatsächlich von Goethe ist, ich habe nämlich keine Quelle dafür gefunden.) Ich glaube daran. Ich glaube daran, daß es wichtiger und richtiger ist, etwas zu tun als es zu lassen. Auch wenn das Ergebnis Scheitern ist.
Es macht mich kirre, wenn ich von Zögerern, Egoderwischen und Lebensvermeidern umgeben scheine.

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Elektroschrott

Mein Computer, Zentrum meiner Tätigkeit, ein hochwertiger Vaio-Laptop, ist gerade 6 Monate über die zweijährige Garantiezeit hinaus gealtert. Nun bricht er stückweise zusammen. Der Einschalter der Maus funktioniert nicht mehr. Das WLan brach immer wieder zusammen, jetzt ist es ganz tot. Die Strippe, die ich mir durchs Büro gezogen habe, transportiert Web-Inhalte im Dampfmodem-Tempo (das muß aber eine andere Ursache haben).
Aber ich habe keine Lust, schon wieder neue Technik anzuschaffen. Und schon garnicht mit Vista. Und schon gar keinen Vaio mehr, die Dinger gehen mir zu schnell kaputt. Auch der Vaio von HeMan fiel nach zwei Jahren auseinander.
MistMistMist!

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Schrei, wenn du kannst

Gestern abend ließ ich mir vom Inder Suppe und ein Hähnchengericht liefern. Weil ich etwas Abwechslung wollte, testete ich ein neues Restaurant. Das Essen war gut, aber ich gab nach der Hälfte des Hauptgerichts auf, ich war zu satt. Dann setzte ich mich noch ein Stündchen an den Schreibtisch, bis ich das Gefühl hatte, so langsam reicht es. Mir war etwas übel, ich fühlte mich voll und trank, nachdem ich mich bettfertig gemacht ein kleines Gläschen Gin. Der Nachschub von meinem Enzian-Bitter ist nämlich noch nicht angekommen.
Dann rief HeMan aus dem Rheinland an. Wir plauderten ein bißchen und ich mußte mich konzentrieren, denn in meinem Kopf drehte sich alles. Komisch, dachte ich mir. Nach dem Essen macht so ein bißchen Gin doch nicht so eine Wirkung. Dann legte ich mich ins Bett. Besser gesagt, ich kroch in Richtung Bett. Mir verschwamm alles vor den Augen und das Bett fuhr mit mir Karrussell. Als ich nach ein paar Stunden noch einmal aufstand und mir ein Glas Wasser holte, taumelte ich durch das Loft. Ich mußte mich tierisch zusammenreißen, nicht hinzufallen.
Ich dachte an das Essen. Verdorben war es nicht, sonst hätte ich die Nacht auf dem Klo zugebracht. Es war scharf gewesen und etwas bitter. Der Inder, der es gebracht hatte, hatte einen geheimnisvollen rechten Plastikarm und war – entgegen der Gewohnheiten aller Lieferanten – bis in den Flur gekommen und hatte sich neugierig umgesehen. Ich lag wie festgenagelt in meinem Bett. In meinem Kopf rauschte und dröhnte es. Wenn ich nur ein bißchen die Augen bewegte, fing mein Hirn an zu kreisen. Im Hof brannten plötzlich alle Scheinwerfer. Der Bambus auf dem Balkon bewegte sich hektisch. Sturm? Das Rauschen in meinem Kopf war lauter. Darüber lag ein Ticken wie ein tropfender Wasserhahn.
Und dann schlief ich ein.
Heute morgen ist mir noch ein bißchen schwindelig, ich habe einen bitter-metallischen Geschmack im Mund. Mein Gesicht ist weiß und verschwollen.
Hm. Wollten mich die Inder in den Tandoori-Ofen packen und mal ein Fest feiern? Gabs ne Drogenrazzia und die heiße Ware wurde in meinem Essen entsorgt? Oder ist das nur ein banaler Virusinfekt?
Und die Hauptfrage: Was mache ich mit dem Rest vom Essen? Die Oma-Methode: Ist doch noch gut! Und wenn mir wieder blümerant wird, das Gesundheitsamt rufen? Oder zimperlich wegkippen?

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