Der Wohnwagen

geht bei e*bay ab wie Schmidts Katze. Es gibt jede Menge Beobachter, ein paar sind auch schon mit Geboten vorgeprescht. Jede Menge Leute wollen das Teil sofort kaufen, ich soll doch einen Preis sagen.
Das hätte ich nie gedacht. Wenn die Auktion so verläuft, wie das Interesse ankündigt, dann habe ich zu Teilen meinen Urlaub damit bezahlt…

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Ziggy Stardust

Ich habe einen Flug und einen Mietwagen gebucht und dazu ein Quartier irgendwo an einem Barranco auf Fuerteventura. Dort, wo es nur helle Steine, schwarzes Geröll und roten Sand gibt und wo am Horizont dunkelblau das Meer aufscheint. Ich könnte die Fortsetzung der Mars-Chroniken schreiben, das paßt.
Das ist der am weitesten im voraus gebuchte Urlaub meines Lebens. Und ich merke, wie mich die Aussicht, zu Nikolaus „leckt mich doch alle…“ sagen zu können, entlastet. Ich habe ein Ziel. Für das ich jetzt schon das Geld in einem Umschlag beiseite lege (einer der Gründe, warum ich meine Urlaubsplanung nie in den Griff bekomme, ist, daß ich immer glaube, ich hätte kein Geld dafür, dann aber kurzfristig meine Erschöpfung mit Konsum zu heilen versuche).
Jetzt kommen noch meine Klausurtage Ende des Monats. Dann ein Budapest-Trip mit HeMan und dem englischen Freund im September. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Neues generieren. Einen Relaunch machen, sonst eximplodiert mir der Laden irgendwann. Anfang September Steuern zahlen. Wie ich das mache, weiß ich noch nicht. Eine Wohnung finden. Da ist meine Geduld nun auch fast am Ende. Ich bin eine Macherin.
Schön wäre, wenn ich das Gefühl verlieren könnte, daß ich nur Darstellerin in meinem biografischen Film bin, das mich seit Monaten beherrscht…

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Und sonst so?

Weiß nicht. Ständig müde. Etwas gefrustet in der Herbsterwartung, verbunden mit horrenden staatsbürgerlich korrekten Steuerzahlungen.
Aber erfreut über die Aussicht, ab Nikolaus in die Einöde von Fuerteventura zu verschwinden. Vorher gibts noch einen Workshop. Das erste Mal Tschakka! im Leben. Mal sehen, was es bringt. Vielleicht werde ich so programmiert, daß ich hinterher mit Leib und Seele Putzfrau sein möchte.

Was mich auf mein nächstes Thema bringt.

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An die eigene Nase

Noch vor einer Woche habe ich meine beste Freundin hochnotpeinlich darüber belehrt, daß sie doch als mittlerweile reifer Mensch ein anderes Leben zu führen hätte, nicht immer von der Hand in den Mund, das Geschaffene verkommen lassen, mit Psychos Beziehungen simulieren, etc.pp.
Dabei muß ich gerade kräftig vor meiner Tür kehren. Ich bin mit meinem Job seit 15 Jahren verheiratet und wir sind langsam in einer kritischen Phase.
Ich bemerke weder das neue Kleid noch die neue Frisur, auch den Hochzeitstag vergesse ich. Die Annehmlichkeiten sind für mich selbstverständlich geworden, die ehelichen Pflichten kicken nicht mehr und meine Klage ist laut: Laaaangweilig! Aber mittlerweile ist das so eine böse, stumpfe Langeweile geworden, die mich sehr nachdenklich macht.
Ich hatte auch vorher schon Zeiten, in denen ich mit meiner intellektuellen Unterforderung kokettierte und lieber heute als morgen zur Bestsellerautorin avancieren wollte. Dann wiederum hatte ich von allzuviel Kommunikation die Schnauze voll und wollte doch Bäuerin werden, Ziegen und Kräuter züchten, weil das so schön unabhängig ist. (Bis ich mir das Bild von meckernden Ziegen vors innere Auge rief, die Tag und Nacht Support brauchen und Urlaub noch unmöglicher machen.)
Das ist es aber gerade nicht. Ich stelle mir nicht einmal mehr – um beim Bild Ehe zu bleiben – ein knackiges Mäuschen vor, das ich zu meiner Geliebten machen könnte, ich träume von keiner unabhängigen, coolen Braut, die mir täglich Mails von ihren Auslandstrips schickt, nein, ich koche leise frustriert vor mich hin. Jetzt reicht ein falsches Wort von der dämlichen Alten mit ihren fettgewordenen Hüften und ich haue ab. Einfach so. Zigaretten holen, Müll runterbringen.
Auch die Konsequenzen sind mir klar. Es wird eine schöne teure Scheidung, nach der ich in einem winzigen Zimmer hocken und allein sein werde, weil sich alle Freunde von mir dummem, treulosem Schwein abgewandt haben. Niemand stellt mir Essen hin, keiner bügelt meine Hemden, die Kinder darf ich alle zwei Wochen sehen und das Auto durfte sie auch behalten.
Ich werde mich mühsam durch Dates hangeln und über die überzogenen Ansprüche meines Gegenübers den Kopf schütteln, aber allein werde ich es auch blöd finden. Ich werde mir im Kopf die Traumfrau zusammenbasteln, nach der ich suche und die ich nie finden werde, aber für eine genauso unperfekte hätte ich meine Alte nicht verlassen müssen.
Aktuell schäme ich mich. Für unsere peinlichen Auftritte bei Freunden: Sie, vernachlässigt und schlecht angezogen, versucht irgendwie den Schein zu wahren, ich hole mir das nächste Bier, rede kein Wort mit ihr und schaue den anderen Frauen aufs T-Shirt. Natürlich habe ich Angst, daß sie schneller ist als ich. Daß sie sagt „Danke, das wars!“, daß ein anderer kommt, der besser ist als ich.
Ich weiß, daß (s)ich irgend etwas ändern muß, ich weiß nur nicht was, ich weiß nicht wie.
Die Freundin hatte eine Woche nach meiner Moralpredigt ihr Haus komplett geputzt und berichtete, daß sie sich wie neugeboren fühlt.
Bei mir scheint es mehr als Hausputz zu sein…

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