Morgens begannen die ersten „ich hab kein Auto!“-Logistikprobleme. Vorm Termin mit dem Unternehmensberater noch mal ins Büro, den Laptop und Papiere abholen, die ich am Abend nicht auf dem Rücken nach C-Burg trandportieren wollte. Tja, entweder buckeln oder früher aufstehen.
Beim Unternehmensberater ging es nun in die vorletzte Stunde. Ich bin sehr glücklich, daß ich diese Chance hatte. Nicht, weil riesige Businesspläne dabei herausgekommen sind, sondern weil er mir behutsam und fordernd dort geholfen hat, wo es bei mir total klemmte. Oft habe ich mein Kopfchaos erst bei ihm sortieren können.
Er hat mir im schwersten Berufsjahr ever zur Seite gestanden. Ich kam vor einem Jahr zu ihm und war ein durch den Wind geschossenes Panikbündel. Nichts, womit ich einmal erfolgreich war funktionierte mehr und vor allem ich funktionierte nicht mehr.
Er hat mir Binsenweisheiten beigebracht, z.B. vor dem Beginn eines Jobs einen Preis zu verhandeln (das mußte ich ja nie, ich war 15 Jahre mit festen Prozenten erfolgsabhängig bezahlt) und mich mit der Nase beharrlich auf meine Qualitäten gestoßen.
Nun löste sich noch ein letzter Bann. Ich wollte Technikerin werden im neuen Beruf, damit ich mich nicht wieder an Menschen aufreibe.
Ich sträubte mich mit Händen und Füßen gegen den Berufsbegriff Coach oder Trainerin. Allenfalls Beraterin ließ ich gelten.
Nach dem Seminar am Wochenende wußte ich, daß ich nach wie vor mit Menschen arbeiten kann und will. Damit war auch endlich der Ansatz für die Hompage klar, an der ich schon seit Wochen erfolglos rumdokterte, weil sie mir nicht stimmig erschien.
Gut so.
Den Rest des Arbeitstages verbrachte ich mit dem Auspacken der letzen Umzugskisten. Langvermißte Küchenutensilien kamen zum Vorschein. Der Versuch, auf der Induktionsplatte mit der Edelstahl-Espresso-Kanne Kaffee zu kochen, scheiterte leider. Die Kanne ist zu klein, das merkt das Gerät scheinbar und schaltet sich sofort wieder aus, nicht ohne vorher hysterische Pieptöne von sich gegeben zu haben. Die Küche hat nun die Ausmaße einer Schiffskombüse. Es ist alles da, aber sinnvoll verpackt. Das ist schon gewöhnungsbedürftig. Zwei Leute passen garnicht rein. Das ist eine Solokochanstalt.
Es blieben zwei Kisten mit Tüdelkram übrig. Modeschmuck, Schönheitshelferchen, Damenaccessoires. Wo ich die hinpacke weiß ich noch nicht. Die Frisierkommode von Oma muß ich erst aufarbeiten und sie ist sicher zu groß für den kleinen Raum. Und das elgante Art-Deco-Stück, das mir seit Jahren vorschwebt, habe ich bisher weder gefunden, noch könnte ich es derzeit bezahlen.
Fakt ist, daß mit den Dingen, die mich in früheren Wohnungen umgaben hier nun auch eine Art Lebensmittelpunkt entsteht. In C-Burg, in der Wohnung des Mannes, bin ich nach wie vor nur zu Gast. Meine wenigen Dinge prägen sie nicht, sondern sie sind eher störende Stehrumchen oder sie sind verborgen. Schauen wir, was das mit mir und mit uns anstellt.
Der Abend war ruhig, ich war sehr müde und fiel nach einer Folge „Private Pratice“ mit Socken und Zweitdecke ins Bett.

