Schocktherapie

Manchmal bin ich ein Wesen, das nix merkt. Wenn ich mir selbst gegenüber über die Grenze gehe zum Beispiel. Ich kapiere erst im Nachhinein, daß ich mal wieder auf dem Dachfirst getänzelt bin, während ich das Gefühl hatte, nicht einmal einen Fuß vom Boden zu bekommen.
Seit der Rückkher aus dem Urlaub fährt mir ständig der Schreck in die Glieder. Kennen Sie dieses Gefühl? Dieses Kribbeln wie ein elektrischer Schlag? In den Knochen? In der Magengrube? Das passiert mir seit Tagen grundlos. Erst habe ich mich umgesehen: Kein Monster unter dem Bett, vor dem ich mich fürchten könnte, nicht einmal der Gedanke an Gefahr oder Grenzüberschreitung.
Und trotzdem fühle ich mich, als würde ich auf dem Hochseil balancieren.

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Und schüttelt weise das Haupt

Bei diesem Thema bin ich mir nicht sicher, ob es nur mir so geht.
Wer zur Ausbildung auf ein altes Segelschiff geht, sollte wissen, daß er in die Wanten klettern muß.
Daß Militär in den unteren Chargen nicht unbedingt mit freier Entfaltung des Individuums sondern mit dem Lernprozeß, daß Befehle ausgeführt werden müssen, zu tun hat, sollte auch klar sein. Wo Ängste nicht mit Händchenhalten und gut zureden, sondern mit Arsch zusammenkneifen überwunden werden. Sonst wärs nämlich eine gemischte Kampfsport-WG auf Diskussionsbasis.
Wer davon träumt, Ballerina zu werden, muß es aushalten, vor Hunger zu frieren, vor körperlicher Erschöpfung zu weinen und sich vom Ballettmeiser anschreien zu lassen, die Perspektive, vor Erreichen des vierzigsten Lebensjahres ein körperliches Wrack zu sein, inkludiert. Wer das nicht will, kann AusdruckstänzerIn werden.
Ich verstehs nicht.

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Vor langer Zeit habe ich hier mal drüber geschrieben, vielleicht auch in einem Kommentar. Wie es sich anfühlen würde, wenn man aus dem Hamsterrad aussteigt und sich auf die Wiese fallen läßt.
Ich hätte nie gedacht, daß es so schwierig ist, sich aus dem Laufrad rauszuwinden. Ein Fuß ist schon draußen, dann macht man eben als Dreibeiner hinkend weiter und beim Langsamer machen treffen einen die weiterrasenden Speichen.
Der Doc hat mir gestern ein paar klare Worte gesagt. Nichts mehr ankochen. Das, was von selbst kommt, in Ruhe erledigen.
Aushalten, wenn garnichts an Vorhaben vor mir liegt.

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Fade to Grey

So richtig weiß ich noch nicht, was ich mit der Welt da draußen anfangen soll, vor allem, wenn das womöglich bis zum März so weitergeht.
War das jedes Jahr so? Ich frag ja nur.
Derweil freß ich mich geduldig durch Berge von Papier. Eine kleine Raupe Nimmersatt. Wenn mal Schluß sein würde mit Briefen, die ich bekomme und auf die ich reagieren muß, das wäre toll. Aber dann bin ich wahrscheinlich tot.

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