Dorfnotizen 3

Das war eine ziemlich blöde Nacht mit Aufwachen, Herzklopfen und äußerster Verpeiltheit am Morgen. Deshalb schickte ich mich auf den Joggingparcours – siehe da, es ging besser als vor zwei Tagen.
Dann machte ich zwei Stunden Internetarbeit, während Primavera zwei Kindern Schlagzeugunterricht gab. Dann tüftelten wir Farbharmonien für mein Nähprojekt aus. Was ich ohne meine beste Freundin täte? Augenkrebs erregende Dinge zusammenstückeln.
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Ich ging auf ein Stündchen in den Garten und sammelte Bruchholz zusammen, das morgen ein feines Feuerchen zusammen mit altem Laub geben würde.
Es hatte an diesem Tag:
Teich
Himmel, der sich im Teich spiegelt
scheegl
Noch mehr Schneeglöckchen

wasweissich
So süße gelbe Blümchen

voegel
Vögel
obelix
aufsichtsführende Kater
brennessel
und die Aussicht auf einen Wildkräutersalat.

Während Primavera mit der Dornröschenhecke vorm Haus kämpfte, kämpfte ich mit der Technik. Ich hatte schon lange vor, Patchwork-Projekte vorher in einem Grafikprogramm zu planen. Nur blöd, wenn man mit Illustrator nicht umgehen kann, weil die letzte Begegnung mit dieser Technologie Corel Draw 8 war.
Nachdem ich fluchend gescheitert war, weil ich viel zu sehr um die Ecke dachte, half der Graf, der ist da schließlich Fachmann.
Am Abend brannte das Herdfeuer, ich tüftelte am Rechner an den Mustern und wir plünderten den Kühlschrank, umgeben vom Katzenrudel, das dringend die Reste vom geräucherten Fisch brauchte.

In der Hoffnung auf eine bessere Nacht, aber der Vollmond kommt mich gleich besuchen.

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Dorfnotizen 2

Über Nacht hatten sich meine wehen Knochen wieder beruhigt. Da der Morgen mit Hochnebel, Kälte und Niesel begann, bei dem jeder Bauer am Ofen sitzen bleibt, tat ich das auch.
Ich machte ein paar Stunden Internetarbeit, dann begann ich das Arbeitszimmer einzuräumen und mir meinen Nähplatz zu bauen. Zwischendurch stiebte ich für eine Stunde nach draußen, denn die Sonne war gekommen und bevor sie wieder ging, schaute sie uns eine Stunde beim Laubharken zu.
Dann war Küchendienst angesagt: Suppe für morgen kochen, denn schließlich hatte ich Polen mit einem Kohlkopf und einem kleinen Sack Roter Bete verlassen. Die Katzen assistierten gern, denn es gab den Zadder von gekochten Beinscheiben abzunagen.
Der Rest des Tages verging mit einem Berg von Bettbezügen, die ich auseinander trennte und Herrn von Plüschow, der neben mir lag und schaute, das ich das auch richtig tat.
pluesch
Und ich bin schon wieder hundemüde!

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Dorfnotizen 1

Erster Tag bei Primavera. Der Graf hat mich gestern mit Gepäck, Werkzeug und Nähmaschine hier abgeladen.
Ich lasse morgens die vier Katzen rein, die schöne dicke Winterpelze haben und jogge den Sandweg hoch und wieder zurück, eine Gänsekette und zwei fliegende Schwäne kreuzen meinen Weg. Hier in der Einsamkeit kann ich endlich das tun, was mir beim Joggen in der Stadt so peinlich ist: Humpeln, schnaufen, krächzen und motivierend mit mir selbst reden (was heißt, mich beschimpfen).
Wir räumen ein Zimmer leer, noch das etwas Baustelle ist und unsere Werkstatt werden soll. Ich verpacke Schilf, Lehm und Stroh regenfest im Garten. Anschließend ist die wärmste Zeit des Tages, wir kruschteln ein paar Stunden durch Wiese und Beet, um den schon vorsichtig herauslugenden Schneeglöckchen Platz zu verschaffen.
Anschließend Komaschlaf™ bis die Sonne tief steht und in einem Dunstschleier verschwindet.
Dann geht es weiter, unter Katzenassistenz, irgendwo liegt immer eins von den Fellen rum. (Noch funktioniert das Asthmaspray – oder aber es liegt an der staubfreien Winterluft.)
Arbeitsplatten vom Boden holen,  mit neuem Papier beziehen, mein Zimmerchen bekommt einen seidenen Teppich, fette Spinnennester wegsaugen.
Dann meldet sich merklich der Hunger. Schon vollkommen hirnentleert beginne ich zu kochen, während Primavera weiterräumt. Mir tun die Beine weh und mein Schultergelenk erinnert mich daran, welchen runden Geburtstag ich vor zehn Tagen gefeiert habe. Ich mache Kartoffelbrei, Kohlrabigemüse, aufgebratenes Hack (für Bouletten wurde die Zeit zu knapp) und karamellisierte Mohrrüben mit Balsamico.
Nach dem Essen kommen noch ein paar Handgriffe, nun sitze ich neben dem Kamin, schreibe, auf dem Sofa nebenan schnarcht eine Katzen, nein zwei.

Ich glaube, mein Bett ruft…

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Synchronizität

Während ich für den letzten Post recherchiere, was ich vor 25 Jahren getan habe und dabei online nach den Daten einer Inszenierung suche, bei der ich Regieassistentin war – die aber erst im Jahr darauf stattfand – klingelt das Telefon.
B. ist dran. Der Hauptdarsteller des Stücks. Er hätte gerade nach mir gegoogelt, ob es stört, dass er anruft, wie es mir ginge, wir hätten seit drei Jahre nichts voneinander gehört.
Was er tut und wie viel Kinder er mittlerweile hat, weiß ich, es steht in der Zeitung. Was er von sich erzählt, deckt sich mit dem, was ich im Gefühl hatte: Dem gehts gut und er hat vor allem endlich die richtige Frau an der Seite. Ich gebe ihm ein Update, er freut sich nen Keks. Wir sollten uns treffen, da ist ein Filmrohschnitt anzusehen.

Wie war das? Wenn man sich selbst bewegt, dann bewegt sich die Welt um einen herum.

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