Der Schritt von innovativer Ausbildung von Rekruten zu Misshandlung ist kurz gewesen. Sehr kurz.
In der Besetzungsliste die üblichen Protagonisten: rationale Verwaltungsvorgänge, streberischer Diensteifer, Unteroffiziersdumpfheit und Machoattitüden. Auf Seiten der Opfer wie auf Seiten der Täter.
Der Tagesspiegel schreibt, es wäre ein Codewort vereinbart gewesen, im Grunde wie das Stop-Wort der SM-Akteure. Nur: keiner hat es benutzt. Keiner wollte als Schwächling dastehen.
Im Grunde mußte dieses Arragement eskalieren. Schütte eine paar Zutaten zusammen und du hast eine Bombe. Und du kannst hinterher nicht sagen, du hast das nicht gewollt. Wer kann eigentlich in dieser Gruppendynamik verantwortlich gemacht werden? Ein Unteroffizier oder ausführender Soldat ist nicht umsonst in diesem Dienstrang, er ist der ausführende, nicht denken sollende Depp. Die Befehlsgebenden geben eine Richtung vor, nicht die Praktik an sich.
Im Krieg sagt einem Soldaten auch keiner wie er kämpfen (töten) und was er womöglich dabei empfinden soll. In einer Kriegssimulation ist das nicht anders.
Es geht um etwas anderes. Darum, Offiziere aus ihrem Beamtentum mental herauszuholen. Ihr Bewußtsein dafür zu schulen, welches Gewaltpotential sie „verwalten“. Ihnen darzustellen, welche Verantwortung sie im Sinne emotionaler Intelligenz haben.
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ich habe
mich auch ins 2nd life gewagt.
wem in den letzten tagen ein dickes wesen namens sweetlady oh mit mißfarbenen haaren und einem unförmigen rock auffiel, das da durchs virtuelle trampelte, das war icke.
hab mich extra häßlich gemacht, damit mich auch niemand anmacht, frau hört ja via glam, was dorten alles passieren kann.
die koordination der maustasten muß ich noch lernen, laufen kann ich das noch nicht nennen.
und: wunderliche welt. sex sells. und glücksspiel auch. die adult-content-bereiche und die pokerhöhlen sind überfüllt.
bei ibm dagegen im house of horizons herrscht gepflegte leere. dasselbe bei einem hdtv-anbieter. bei sony ericsson dagegen treten sich die dienstleister beflissen auf die füße: hostessen, berater, roboter. heute früh 10 uhr schien ich die einzige am virtuellen messestand zu sein…
warum? liebesdienst. heman war zeitgleich in echt auf der cebit.
Ich bekenne
Wir haben eine neue Sucht, sagt zumindest die Süddeutsche. Wir sind süchtig nach Sonne.
Ja. Mit dem Rauchen habe ich so meine Probleme, ich habe einfach zu spät angefangen. Beim Saufen stören mich die dicken Augen am nächsten Tag. Sex kann frau auch nicht ständig haben. Beim Fressen stoße ich spätestens nach der zweiten Schokoladentafel an meine Grenzen und Arbeiten mag ich auch nicht dauernd. Zu Rauchendes und zu Schnupfendes lasse ich mal ganz außen vor, das ist mir zu albern (Kontrollverlust!) und zu teuer.
Also Sonne. Natürlich. Sobald sie scheint, krieg ich ein fettes, unnatürliches Grinsen ins Gesicht. Werde euphorisch und schlafe weniger. Reiße mir die Klamotten bis zur Anstandsgrenze vom Leibe. Aber ich muß nicht braun werden. Wozu? Das gibt Falten.
Berufskrankheiten
Ich checke ja alle Leute darauf, ob sie ihr Alter gemogelt haben. Registriere Altersflecke auf den Händen, Hautkonsistenz beim Lächeln und den Reifegrad im Blick bei jüngeren Exemplaren.
Außerdem scanne ich immer intensiver nach Schönheits-OPs. Aufgespritzte Lippen, gebaute Brüste, Fettabsaugen am Bauch, Lidkorrektur, da entgeht mir nichts.
Mein Vater hat – ganz Kernphysiker – immer eine Formel parat, um die jeweilige Situation zu erklären.
HeMan braucht perfekte Glätte, die alte Werbermacke eben. (Dann gibt es wieder Momente, wo er von diesen wunderbaren Gesichtern der Menschen in Indien und Italien und überhaupt anderswo schwärmt.)
Filme sehe ich als dramaturgisches Skelett. Kurz vor Schluß rutsche ich im Kino auf meinem Sitz herum und murmele: Junge krieg endlich die Kurve! Oder plappere heraus: Die Frau stirbt sowieso noch. Schrecklich. Ich möchte endlich wieder nur einen Film sehen!
Im Urlaub war ich an einem Abend mit einem Berufssschullehrer unterwegs. Seine Macke: eine Frage stellen, meine Antwort abwarten und dann mit seiner Variante des Themas als alleingültiger Wahrheit kontern. Einen zweiten Abend hat es deshalb nicht gegeben.
Oder der Verflossene. Als gewesener Gastwirt grüßt er automatisch alle, die in der Kneipe, in der wir sitzen, zur Tür hereinkommen und es kommt durchaus vor, daß ihm Gäste ihre Mäntel in die Hand drücken, wenn er nur in der Nähe der Garderobe steht.