Mein Leben als Mann

Es gibt Texte, die sind wie Verkehrsunfälle. Man muß einfach hinschauen und weiterlesen.
Bei diesem und den vorhergehenden habe ich oft gedacht: Nee, das gibts nicht, das ist ein fake, den sich ein paar Mädels an einem Kneipentisch ausgedacht haben.
Aber scheinbar nicht. Es lebt, malocht und konsumiert in irgendeiner Großstadt und ist stolz darauf.

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Hamburg im Dauerlauf

Heute und morgen Hamburg. Leider nur für Teppichlauf, Film anschauen, Party, Rausch ausschlafen, den Morgenzug zurück erwischen.
Das Kind muß morgen wieder zu einer wichtigen Vorlesung und auch heute kommt sie direkt vom Seminar.
Wer also heute abend in Harburg vorm Kino was blondes junges langhaariges mit grünen Schuhen und schwarzem Tanzröckchen in Begleitung von was blondem älterem kurzhaarigem mit grünen Stiefeln und schwarzen Tanzrock sieht – das sind wir.
Und der Film heißt Fleisch ist mein Gemüse.

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Junge Mädchen

Grade packe ich eine Bewerbung aus. Ein blondes Mädchen, vom Styling und Gesichtsausdruck gefühlte 16. Sie ist aber schon Mitte 20. Ganz oben in den persönlichen Angaben stehen neben der Größe auch das Körpergewicht, das ist selbst für meine Branche ungewöhnlich, da sprechen vorteilhafte Fotos in der Regel für sich.
Ich rechne im Kopf und komme zu keinem Ergebnis, dann googele ich nach einem BMI-Rechner und gebe die Werte ein. Sofort ploppt ein Fenster auf „Sie haben Untergewicht. (BMI unter 18,0) Bitte sprechen Sie mit einem Arzt, es könnte Magersucht vorliegen.“
Ich sehe noch mal auf die Fotos. Der Kopf schiefgelegt, die Hände immer am Körper, sich selbst haltend und streichelnd, in Decken und Pullover gewickelt und sich doch entblößend: Knochige Knie, fettfreie Hüften, sichtbare Beckenknochen. Große Augen mit dunklen Ringen. Kaum Muskeln. Die DVD verrät noch mehr. Dünne, kranke Haare, schlechte Haut, kraftloser Gang. Auf eine modelhafte Art ist sie gut zu fotografieren, sie ist auch nicht ganz talentfrei, aber sie scheint ihre mentale Unreife, die immer wieder in der Mimik durchbricht, mit diesem Körper („Bin ich nicht schön? Und wenn ich die Zigarette so halte, bin ich ganz cool.“) zu kompensieren.
Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Eine Absage wird das in jedem Fall. Sollte ich sie begründen? Und sollte ich sie mit den Tatsachen begründen? Daß ich den Eindruck habe, sie ist magersüchtig und mental nicht stabil und ich finde nicht, daß sie in diesem hammerharten Beruf richtig ist.
Schwierig.

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