Influenzen

Ich muß gestehen, ich habe eine Anfälligkeit für Dialekte.
Im wahrsten Sinne des Worts: sie fallen mich an. Zwei Ausnahmen gibt es, schwäbisch und anhaltinisch, die sind so blöd, da ist mein IQ nicht danach.
Nach einem Tag Konversation in Hamburg spreche ich bestes Missingsch. Der Mann, der vorher in meinem Leben zu Besuch war, hat ein paar bayerische Brocken hinterlassen. – Wie lustvoll ist es „Du Depp“ zu sagen. Und seit ich HeMan kenne, beginne ich Sätze mit „Hörma…“ Mit dem Unterschied zwischen Dresdner und Leipziger Sächsisch kann ich Abendgesellschaften unterhalten und für erzgebirgisch-vogtländische und oberlausitzische Mundarten bin ich Simultanübersetzerin. („Der Gung vum Beck kimmt heier a nimmer hi.“-Wer weiß, was gemeint ist, kriegt von mir ne Tafel Schokolade, außer billtuer, ders natürlich weiß.)
Und wenn ich ganz ratlos, überrascht oder sehr entspannt bin, spreche ich das dreckigste Gossenberlinerisch der Welt. Diese verranzte Sprache, bei der der Zuhörer erst einmal glaubt, der Sprecher ist total besoffen.
Ich liebe Dialekte. Sie strukturieren eine globalisierte Welt. Und weil ich im Beruf viel telefoniere, achte ich auf leise Dialektanklänge, die sich einfach nicht rausschleifen lassen und merke: aha, am anderen Ende der Leitung ist ein Mensch.

Veröffentlicht unter Exkurs

Irgendwie

fühlt sich schon der Beginn der dunklen Jahreszeit bei mir derzeit leicht depressiv an. Warum? Dafür ist doch noch bis Mitte Februar Zeit.
Zuviel Arbeit? HeMans gelegentliche Granteleien? Zu wenig Verehrer? Oder gehts mir einfach zu gut? Keine Ahnung.

Vielleicht hilft auch die Ausschlußmethode.
* Figurprobleme – keine
* Einsamkeit – keine
* Schokoladenmangel – keiner
* Geldprobleme – keine, außer durch Kaufanfälle selbst erzeugt
* beengter, häßlicher Wohnraum, übelwollende Nachbarn – weit gefehlt
* überhaupt Streit und Zwist – keiner

Ich bitte um einen Tritt in meinen wohlgeformten Hintern, damit ich erkenne, daß es mir gut geht.

Veröffentlicht unter Leben

Was Was Was?

Diese Entscheidungsschwierigkeiten.
Früher hatte ich immer einen Menschen, der meinen Urlaub gebucht hat. Einen Urlaub zu planen fand ich spießig (gab es nicht immer die Möglichkeit, etwas interessanteres zu tun?) und teuer (wozu das Geld für ein Zimmer voller Kakerlaken ausgeben?).
Ich wartete also auf das Herannahen des Termins und irgendwann wurde mir eröffnet, daß es dieses oder jenes Resort auf Kreta, Mallorca oder Lanzarote sein würde. Das einzige, was ich als Auflage hatte war: keine Animation. Alternativ gab es Flüge zu Mietwagen oder Häusern: USA, Kanada, in die ich nach Überweisung meines Kostenanteils nur einchecken mußte.
Ich bin also verwöhnt.
Dank Internet schaffe ich es zumindest, allein einen Flug zu buchen. Noch immer stehe ich aber vor der Frage: warum? Exotik genießen? Mensch bleibt Mensch. Landschaften? Ja, das schon. Aber wer als Kind mit dem Hubschrauber über Kaukasusgipfel geflogen ist, hat scheinbar nicht unbedingt diesen Nachholbedarf. Oder es ist was anderes. Die Alpen kicken mich genau so, wie ein Hochgebirge am anderen Ende der Welt. Warum dann an das andere Ende der Welt reisen?
Was fehlt? Die Südsee. Der Polarkreis. Himmelschreiende Einsamkeit in Felsen und Wüsten. Wildwasser.
Vielleicht doch nicht Florida in diesem Jahr. Vielleicht die Bärenrunde mit dem Bruder und danach irgendwo in ein ganz spießiges Wellnessbad, gemeinsam mit älteren, blondierten Steuerberatergattinnen.

Veröffentlicht unter Exkurs

Tristesse

Was für ein Tag. In HeMans Bett aufgewacht (seit Wochen die erste Nacht durchgeschlafen) und der Tag ließ sich gut an.
Und dann: Regen und Kälte und zwei dünnhäutige Seelchen in einer Wohnung. (Ja, der Kerl ist 1,90 groß und kann einen Bären tragen, fast jedenfalls. Aber manchmal ist er schlimmer als ein Mädchen.)
Problemgespräch : Jaichweißjaauchnichtwarumdassoist. Fühlmichtnichtwohl. Vermissedaswir. Fürwiristkeinvertrauenda. Daswarbeimirschonimmerso. Gebmirjaschonmühe. Duwarstmalanders. Kannmichnichterinnern. Rednichtmacheinfach. Habekeinegeduldmehr. Reißdichmalzusammen. Dunuwieder. Ichhabkeinenbockmehraufdiekinderkacke. Kippdaskindnichtmitdenbadeus. Welcheskind??? Lachen.
Ist das Liebe? Wir arbeiten dran.

Veröffentlicht unter Leben