Lebensläufe

Endlich mal wieder mit der summa cum laude promovierten Hausfrau telefoniert. Auch nach einem weiteren Jahr hat sich im Haushalt O.B. die Ruhe und Abgeklärtheit noch nicht eingestellt. Im Gegenteil. Das Feuilleton kräht, der Ehemann ist in einen intrigenbehafteten Hype um einen wichtigen Posten gekommen. He, dabei will er doch nur eins: einen guten Job machen. Egal, wer ihm da grade einen profilneurotischen Stempel mit der Aufschrift Meine Entdeckung aufdrücken will.

Ich habe mich verändert. Früher habe ich meine Freundin als erstes danach gefragt, wann sie endlich gedenkt zu arbeiten, statt bürgerlich-entspannt, das Söhnchen im Blick, auf dem Sofa zu hocken und auf Männe zu warten. Jetzt akzeptiere ich ihre Position als Familienmanagerin. Letztlich organisiert sie sein Leben zwischen drei europäischen Kulturmetropolen. Natürlich ist das risikobehaftet. Bei so viel Alltag und Bindung ist es nur wahrscheinlich, daß einer von beiden über die vermeintlich wahre Leidenschaft stolpert und eine Affäre anfängt.
Gehen wir neurotischen Egomaschinen, ob single oder grade in Beziehungsarbeit weniger Risiko ein? Und die entscheidende Frage: Haben wir mehr Spaß?

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Blogschick

Ich weiß garnicht, ob sich das gehört. Ich hab da einen Kollegen gefunden, der herrlich schreibt und sich auch eines Content-Management-Systems namens blog bedient wie ich. Ich hab so gelacht über seine stories. Und ich würde Erasmus von Meppen gern in die blogroll nehmen, so wie brittbee, die Spreepiratin. Muß frau da vorher fragen?
Beim rumlesen hab ich mitbekommen, daß die blogger Schreiber nicht unbedingt mit den twoday Leuten können und wollen. Und die beiden Fraktionen gemeinsam über die abgehobenen Snobs von antville die Nase rümpfen.
Und ich habe gelernt, daß es bäbä ist, nur zu lesen und nicht zu kommentieren. Aber wenn ich meinen Senf ungebeten bei jemandem dazugebe, halte ich das schlicht für Belästigung. Wir kennen uns doch garnicht. Muß ich mich vorher vorstellen/einführen?
Fragen über Fragen. Da habe ich mit dem durchgangsverkehr regen Daten- und Leseverkehr erzeugt, aber in zwei Jahren 4 Kommentare… Warum auch? Wir haben uns ja meist immer mal auf ein Bier getroffen und die Freunde wußten eben auch bei wenig Zeit wie es mir geht. Aber das ist wohl nicht der Sinn bei web 2.0.
Und ich machs einfach…

Epilog, vorerst

Wer nur den letzten Artikel liest, kann den Eindruck gewinnen, hier schreibt eine Hardcore-Esoterikerin. Weit gefehlt. Bis jetzt haben alle, die mir einen Guru oder Indianer aufschwatzen wollten, einen Korb bekommen. Ebenso wie Kartenleser, Bäumeumarmer und Elektrosmogfetischisten.
Oma geht es besser. Sie hat ein Ersatzteil mehr bekommen und kommandiert schon wieder alle herum. Aber es war haarscharf.
Als ich bei meinem ersten Besuch im Krankenhaus vorsichtig nachfragte, wann was passiert ist, war mir klar, daß meine Befindlichkeiten mit ihren parallel gelaufen sind. Das ist heftig.
Meine Freundin V., die glaubt, von Schamanen abzustammen (wenn das Gespräch darauf kommt, wechsele ich immer unauffällig das Thema) hat nach meiner Schilderung nur die Schultern gezuckt: Du hast den Tod gesehen. Oder besser deine Oma hat ihn gesehen. Du bist mit ihr innerlich verbunden und das kann herüberstrahlen.
Hm. Ich hüte mich davor, Dinge im Nachhinein passend zu reden, weil solche Dramatik ja durchaus attraktiv ist. Aber mir steckt die Sache noch tief in den Knochen. Ich war tagelang völlig daneben.
Wie kann das sein? Ich stehe im Tiergarten, sehe auf das Wasser, denke an meine alte Wohnung mit Wasserblick, die nicht weit von Omas Haus entfernt war und bekomme den totalen Flash. Ich hatte nur noch Todesgewißheit im Kopf. Und das völlig übergangslos und grundlos.
Du lieber Himmel.

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Blutbund

Kitty Mittwoch nacht. Nach einem feuchtphilosophischen Abend werde ich von einem Freund an der Haustür abgeliefert. Als ich die Wohnungstür hinter mir schließe, springt mich etwas an. Unruhe, Angst, Verzweiflung, Traurigkeit. Ich versuche über Stunden, mich in den Schlaf zu heulen und weiß nicht so recht, warum. Ich weine sonst wenig.
Sehr frühe Kindheitserinnerungen geistern durch mein Hirn. Immer wieder formt sich der Satz: Warum hältst du mich nicht fest? und Mama!
Todesgedanken. Aber ich liebe doch mein Leben.
Irgendwann schalte ich mich mit Valium aus. Ich habe einen anstrengenden Donnerstag vor mir und muß fit sein für eine Fotosession.
Kitty Donnerstag früh Ich rufe meine Freundin panisch und chaotisch an. Will eine vor Jahren geschehene Geschichte im Detail wissen. Wie war das, als ihr H. damals tot in der Wohnung gefunden habt? Warum ich das tue, weiß ich nicht.
Kitty Donnerstag mittag Ich erzähle meinem Seelendoktor von dem Nachterlebnis. Mich schwemmt es in Tränen davon, das hat es noch nie gegeben. Ich bin auf der Couch sonst immer ein harter Hund. Auf die Frage: Wovor haben Sie Angst? kann ich keine Antwort geben.
Kitty Donnerstag nachmittag HeMan fotografiert mich. Ich bin lockergeweint, endlich transparent und zugänglich für die Kamera. Gut so, denn für einen weiteren Versuch ist keine Zeit. Es ist ein glasklarer Herbsttag, ich stehe unter dem bunten Laub des Tiergartens und sehe auf das Wasser. In meinem Kopf der Satz Es ist so schön und es ist der Tod, ich will noch nicht. Mir steigen schon wieder die Tränen in die Augen. Ich sehe nach oben und atme tief, um mein Make up nicht zu ruinieren. HeMan läßt die Kamera sinken. Was ist los? Du siehst auf einmal so traurig aus? Ich springe ein bißchen im Kreis, lächele, denke an etwas angenehmes, dann geht es wieder.
Kitty Donnerstag abend Ich will nicht allein sein. Zum Glück will HeMan mit mir ins Kino. Ich halte mich im Dunkel des Saals an seinem Arm fest. An seiner Schulter werde ich endlich ruhig.
Kitty Donnerstag nacht Das Handy signalisiert eine Nachricht von meinem Vater. Wie immer kryptisch, als würde noch die Stasi mithören. Meld dich mal.

KKM Mittwoch abend Die Schmerzen in der Hüfte werden immer stärker. Hat der Arzt ihr eine falsche Spritze gegeben heute mittag? Sie entschließt sich, ins Bett zu gehen, zieht die Jalousien herunter und verschließt das Haus.
KKM Mittwoch nacht Die Treppe ins Obergeschoß bewältigt sie auf allen Vieren. Stemmt sich auf dem Hintern immer eine Stufe höher. Denn auf den Knien funktioniert es mit den künstlichen Gelenken nicht. Sie hat eine Krücke mitgenomen, die noch von der Operation von vor zwei Jahren stammt, damit sie oben an der Treppe weiter gehen kann.
Dann steht sie auf. Klammert sich mit der einen Hand am Geländer fest, in der anderen die Krücke. Sie weiß, daß sie beim ersten Schritt, den sie macht, stürzen wird. Und so steht sie. Steht stundenlang. Zitternd vor Kälte. Denkt an ihre zwei Söhne, denkt an Kitty.
KKM Donnerstag sehr früh Sie hat die sechs Meter bis zum Bett endlich geschafft. Robbend. Laufen ging nicht mehr. Sie zieht ihr Daunenbett über sich – endlich Wärme – und treibt weg.
KKM Donnerstag vormittag Sie erwacht immer wieder aus ihrer Trance. Redet, ruft, wenn das Telefon klingelt. Das hat sie gestern abend unten im Flur liegen gelassen. Aufstehen kann sie nicht.
KKM Donnerstag nachmittag Sie kann sich nicht bewegen und es gibt keine Hilfe. Das ist der Tod. Sie will noch nicht.
KKM Donnerstag abend Vor ihr stehen die Himmlischen Heerscharen. Dabei hat sie nie an Gott geglaubt.

KKM Katharina Käthe Meta. Familienadmiralin. Oma. Für die fünf ersten Jahre meine Mutter.

Das ist kein Text über Heldenmut und Intuition. Mein Onkel hat den ganzen Tag über angerufen, weil er mit seiner Mutter etwas besprechen wollte, ist am Abend zu ihr gefahren und hat dann die Feuerwehr gerufen. Die mit ihren Helmen, die zu tragen Pflicht ist, aussieht wie die himmlischen Heerscharen.
Das ist ein Text über Angst und Emotion, über das innere Band, das uns verbindet. So es Gott gibt, wäre ich froh über konkretere Botschaften von ihm. Oder ich muß lernen, sie zu verstehen.

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