Thilo wider die Sarazenen

Seit Tagen habe ich den Impuls, gegen die ganze Sarrazin-Häme ein, zwei knackige Sätze über Twitter loszulassen. Daß ich die Art der Auseinandersetzung idiotisch finde, denn sie köpft den Überbringer der schlechten Nachricht und will den Inhalt überhaupt nicht wahrnehmen.
Es hätte aber die Gefahr bestanden, daß ich genauso niedergebuht worden wäre. Der Mainstream des Netzes ist contra Sarrazin. Vielleicht, weil es viele Gebildete immer noch prima finden, laut im Chor „Nazi“ zu schreien, wenn die Argumente fehlen.
Sarrazin ist ein notorischer Querulant. Jede Gesellschaft braucht zu ihrer Entwicklung die Impulse notorischer Querulanten. Solche Leute haben auch der DDR den letzten Tritt versetzt. Ihre Polemik war nicht immer mehrheitsfähig und die meisten waren hinterher auch nur begrenzt politikfähig.
Sarrazin hat einen kapitalen Fehler begangen. Er hat seine Argumentation stark auf die Genetik gestützt. Das tut man nicht in Deutschland. Aus Gründen. Der politisch korrekte Deutsche wählt zwar die Rasse seines Hundes nach Zuchteigenschaften wie: familienverträglich, kinderlieb, sensibel, agil, verteidigungsbewußt und er nickt klaglos ab, wenn es heißt, daß der äußerste Nordosten Deutschlands verblödet, weil in der Uckermark nur die jungen Deppen nicht in den Westen gegangen sind und mit ihren Cousinen jede Menge Kinder zeugen, die dann auf die Sonderschule gehen.
Was mich stört ist, daß versucht wird, die Behauptung Der übewiegende Teil der in Deutschland geborenen Kinder entstammt aus einer Schicht bildungsferner Migranten, die auch in der vierten Generation noch nicht in der deutschen Kultur angekommen sind – was rein rechnerisch bedeuten kann, daß sich mit der fünften Generation die deutsche Kultur tiefgreifend ändern wird so schnell wie möglich von der Bildfläche verschwinden zu lassen, indem sie zum Unthema erklärt wird. Die Weigerung, sich damit zu beschäftigen, gleicht der eines Kindes, das sich die Ohren zuhält und „nana-nanana“ singt, wenn es etwas hört, das es nicht hören will.
Diese Reaktion ist einerseits verständlich. Denn kulturelle Veränderungen sind unaufhaltsam. Aber die Reaktion ist auch wenig selbstbewußt. Es wäre viel besser, sich das Problem einfach anzusehen. Denn bisher sind noch nicht viele stichhaltige Gegenargumente gekommen.
Wenn in einer Milionenstadt wie Berlin über 60% und mit generativer Kumulation bald 80% der geborenen Kinder aus Migrantenfamilien stammen, dann schafft sich Deutschland ab, wie wir es kennen, mit Dackel, Schützenverein und Jägerzaun. Daran ist nichts zu deuteln.
Das ist zunächst gut. Nur was tritt an diese Stelle? Und hier setzt Sarrazins Formulierung des Unbehangens an. Das kinderreichste Gesellschaftssegment Deuschlands sind Einwanderer aus den rückständigsten Regionen der Türkei. Sie kommen z.T. aus Dörfern, die weder Strom noch Wasserleitungen noch eine aktive moderne Gerichtsbarkeit oder Bildung haben. Eine Gruppe, die unter sich lebt und ihre mitgebrachten Lebensverhältnisse unter etwas mehr Wohlstand mit allen Mitteln zu konservieren versucht. Mit allen Mitteln heißt: Zuzug „unverdorbener“ Ehefrauen, adoleszenter Männlichkeitskult, brutal ausgetragene Konflikte mit in Deutschland aufgewachsenen „verdorbenen“ jungen Mädchen und Frauen, Dominanz streng religiöser Werte und Stärkung der Familienclans durch Vetternehen.
England hat ein ähnliches Problem mit pakistanischen Migranten, die nachhaltig fremd in Großbritannien bleiben.

Gegen eine Parallelgesellschaft ist zunächst nichts einzuwenden. Die amerikanischen Chinatowns haben sich gut 100 Jahre gehalten. Chinesische Migranten hatten eigene Areale, die kaum kontrollierbar waren. Dort herrschten eigene Gesetze, Clanchefs sprachen Recht. Die Söhne waren kleine Götter, das jüngste Mädchen überlebte nur, weil es die familiäre Funktion hatte, die Eltern im Alter zu pflegen. Es wurde untereinander geheiratet, Verwandte zogen nach und die Menschen arbeiteten hatten Läden, Wäschereien und Schneidereien.
Obwohl Asiaten eine besondere Begabung für Mathematik nachgesagt wird (Achtung! Genetik!), bestanden Aufsteigerbiografien zu Anfang vor allem darin, Gangster zu werden.
Erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts assimilierten sich die Chinesen in Amerika. Jetzt sterben die letzten chinesischen Wäschereien aus, weil die Kinder der Besitzer viel zu gebildet sind und lukrativere Jobchancen haben, als den Familienbetrieb zu übernehmen.

Der Unterschied zwischen Chinatown in San Franzisco und Arabtown in Neukölln ist vor allem der, daß ein Chinatown in der Lage war (und sein mußte), so autark zu sein, daß es sich selbst ernähren konnte.
Die Migrantengruppe, mit der Sarrazin sich auseinandersetzt, hat überdurchschnittlich viele Transferleistungsempfänger, vor allem unter Menschen im besten arbeitsfähigen Alter. Die jungen Männer nutzen die ihnen gebotenen Chancen nicht, die jungen Frauen dürfen sie oft nicht nutzen.
Das ist kein unbeeinflußbares Schicksal. Die Kinder der (teilweise unfreiwilligen, teilweise illegalen) vietnamesischen Migranten haben hervorragende Schulleistungen, ebenso die Kinder der aus der ehemaligen Sowjetunion eingewanderten Juden. Fleiß, Bildung und Leistung ist für deren Kultur ein hoher Wert. Diese Generation wird studieren und die deutsche Kultur ebenfalls prägen und verändern.
Anders sieht es mit den aus den Dörfern der kasachischen Steppe stammenden Rußlanddeutschen aus. Auswanderungsgrund ist häufig die Pflege und die medizinische Versorgung der Großeltern und die Hebung des Lebensstandards, basierend auf Transferleistungsempfang der ganzen Familie, die beruflich nicht Fuß fassen kann, selbst bei guter Ausbildung. Die jetzt Schulpflichtigen laufen daher aus lauter Fremdsein, Motivations- und Perspektivlosigkeit komplett vor die Wand.

Ich bin mit der Äußerung Sarrazin in „Lettre international“ (leider nicht im Volltext zu verlinken) d’accord: Wer nur kommt, um zu nehmen, ist auf die Dauer kein gern gesehener Gast. Und wer nicht nur Gast sein und weiterziehen will, muß seinen Beitrag für die Gesamtheit leisten.
Aber warum? Für eine Familie, die ein anatolisches Bergdorf verlassen hat und ihn Berlin lebt, herrschen angenehme Zustände. Wer sich – für modernen deutschen Geschmack – mit beengten und primitiven Wohnverhältnissen zufrieden gibt, hat in dieser kleinen, bescheidenen Welt einen enormen Wohlstandsprung gegenüber der Heimat gemacht. Wer krank ist, wird kostenlos sehr gut medizinisch versorgt. Die Kinder gehen zur Schule. Die Wege sind kurz und komfortabel. Es gibt für die Kurden keine großen politischen Probleme. In der Heimat konkurrierende Familien können sich aus dem Weg gehen. Und es gibt Geld. Sicher. Jeden Monat. Ohne Mühe. Ohne lange Buswege in industrialisiertere Gegenden, ohne schwere Landarbeit mit womöglich ausfallender Ernte oder verfallenden Marktpreisen, ohne Selbstversorgerwirtschaft.
Wer könnte es irgendeinem dieser Leute verdenken, daß sie sich auf dem Weg nach Deutschland gemacht haben?
Wären wir in dieser Situation, würden wir es genauso tun.

Das Fatale ist, daß eine ganze Gesellschaft so tut, als gäbe es damit keine Probleme. Es sei halt alles ein bißchen anders, aber das wär schon ok. und schön bunt so.
Das Aufräumen an den Reibungsflächen der Kulturen überlassen wir der sozialen Müllabfuhr. Den Lehrern in den „Brennpunktschulen“, von denen ich einige mit Burnout in der Psychiatrie traf. Den Sozialarbeitern, die nur mit den Kindern, nicht mit den Müttern arbeiten können, weil sie nicht verstanden werden und damit die Kinder wahrscheinlich in noch tiefere kulturelle Konflikte stürzen. Den Richtern, von denen eine vor ihrem Tod ein sehr gutes Buch schrieb, das nun leider im polemischen Lärm um Sarrazin unterzugehen droht.

Die Türken selbst kommentieren die Debatte wesentlich weniger dramatisch, ja zum Teil sogar verständnisvoll, weil sie um die Probleme wissen und in der religiösen Radikalisierung ihrer Landsleute ihre eigene Freiheit bedroht sehen.
Nur, wer sind „die Türken“? Ich habe in den letzten 15 Jahren mit 4 türkischen Migranten zusammengearbeitet.
Eine, Einwanderin der 3. Generation, vom Mittelmeer stammend, verwahrte sich immer vehement dagegen, wenn ein Journalist seine Vorstellungen von Kreuzberger Multikulti auf sie projizierte. Ihrer Familie würde es nie einfallen, in diesem Armenvierteln zu vegetieren. Ihre Mutter und ihre Schwestern hätten alle nur zwei Kinder, damit sie genügend Aufmerksamkeit für deren Bildung hätten. Mädchen und Jungen würden gleich behandelt. Leistung und Erfolg zählen. Eine ihrer Cousinen war Jetpilotin in der türkischen Luftwaffe, jetzt ist sie Anwältin. (Wohlgemerkt, diese Familie gehört nicht zur Oberschicht und auch nicht zu den Intellektuellen!) Sie wird immer wieder gebeten, sich zu den Migrantendebatten zu äußern, hält aber wohlweislich den Mund. Was sie zu sagen hätte, würde so gern keiner hören wollen. Unter multikultisentimentalen Deutschen genauso wie unter konservativen Türken.
Die drei anderen sind Kurden aus Anatolien. Zwei stammen aus der politisch aktiven Bürgerklasse, sie sind clever und kommen erfolgreich durchs Leben (unter anderem dadurch, daß sie sich den Aufenhalt in Deutschland sicherten, indem sie deutsche Frauen heirateten), aber sie sind mit der Zeit Kosmopoliten geworden.
Der dritte stammt aus einem der vielbeschworenen primitiven Bergdörfer, er weiß nicht einmal, an welchem Tag er geboren wurde. Die Bewohnerschaft stirbt aus, weil die gesamte junge Generation über die ganze Welt verstreut ist. In Fünfjahresabständen treffen sich die Auswanderer und arbeiten an ihrem modernen Netzwerk. Hier gingen nicht Familienclans mit all ihren Traditionen, sonden hier ließen wagemutige Menschen allen Halt und alle Fesseln hinter sich. Keiner von denen würde sich auf Weisung von Vater oder Großvater mit seiner Cousine verheiraten lassen.

Wo wir wieder bei der Genetik wären. Inzuchtdörfer, in denen alle irgendwie miteinander verwandt sind, kennen wir auch aus abgelegenen Gegenden in Bayern und Mac-Pomm. Daß dort das Intelligenzniveau nicht sonderlich hoch ist, sondern eher die Anzahl der Dorfdeppen, ist für uns kein aufregendes Thema.
Daß der Anteil der Erbkrankheiten unter Migranten enorm hoch ist, obwohl die Eltern noch jung sind wird selten thematisiert, wie hier. Nicht Dummheit vererbt sich, sondern eine Menge anderer Krankheiten. Die Dumpfheit hermetisch abgeriegelter archaisch-kultureller Verhältnisse wirkt viel nachhaltiger.

Das ist das Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Denn es ist nicht verkehrt, zu wissen, wohin das Schiff Deutschland segelt.

Veröffentlicht unter Exkurs

1.9. 10

Morgens begannen die ersten „ich hab kein Auto!“-Logistikprobleme. Vorm Termin mit dem Unternehmensberater noch mal ins Büro, den Laptop und Papiere abholen, die ich am Abend nicht auf dem Rücken nach C-Burg trandportieren wollte. Tja, entweder buckeln oder früher aufstehen.
Beim Unternehmensberater ging es nun in die vorletzte Stunde. Ich bin sehr glücklich, daß ich diese Chance hatte. Nicht, weil riesige Businesspläne dabei herausgekommen sind, sondern weil er mir behutsam und fordernd dort geholfen hat, wo es bei mir total klemmte. Oft habe ich mein Kopfchaos erst bei ihm sortieren können.
Er hat mir im schwersten Berufsjahr ever zur Seite gestanden. Ich kam vor einem Jahr zu ihm und war ein durch den Wind geschossenes Panikbündel. Nichts, womit ich einmal erfolgreich war funktionierte mehr und vor allem ich funktionierte nicht mehr.
Er hat mir Binsenweisheiten beigebracht, z.B. vor dem Beginn eines Jobs einen Preis zu verhandeln (das mußte ich ja nie, ich war 15 Jahre mit festen Prozenten erfolgsabhängig bezahlt) und mich mit der Nase beharrlich auf meine Qualitäten gestoßen.
Nun löste sich noch ein letzter Bann. Ich wollte Technikerin werden im neuen Beruf, damit ich mich nicht wieder an Menschen aufreibe.
Ich sträubte mich mit Händen und Füßen gegen den Berufsbegriff Coach oder Trainerin. Allenfalls Beraterin ließ ich gelten.
Nach dem Seminar am Wochenende wußte ich, daß ich nach wie vor mit Menschen arbeiten kann und will. Damit war auch endlich der Ansatz für die Hompage klar, an der ich schon seit Wochen erfolglos rumdokterte, weil sie mir nicht stimmig erschien.
Gut so.
Den Rest des Arbeitstages verbrachte ich mit dem Auspacken der letzen Umzugskisten. Langvermißte Küchenutensilien kamen zum Vorschein. Der Versuch, auf der Induktionsplatte mit der Edelstahl-Espresso-Kanne Kaffee zu kochen, scheiterte leider. Die Kanne ist zu klein, das merkt das Gerät scheinbar und schaltet sich sofort wieder aus, nicht ohne vorher hysterische Pieptöne von sich gegeben zu haben. Die Küche hat nun die Ausmaße einer Schiffskombüse. Es ist alles da, aber sinnvoll verpackt. Das ist schon gewöhnungsbedürftig. Zwei Leute passen garnicht rein. Das ist eine Solokochanstalt.
Es blieben zwei Kisten mit Tüdelkram übrig. Modeschmuck, Schönheitshelferchen, Damenaccessoires. Wo ich die hinpacke weiß ich noch nicht. Die Frisierkommode von Oma muß ich erst aufarbeiten und sie ist sicher zu groß für den kleinen Raum. Und das elgante Art-Deco-Stück, das mir seit Jahren vorschwebt, habe ich bisher weder gefunden, noch könnte ich es derzeit bezahlen.

Fakt ist, daß mit den Dingen, die mich in früheren Wohnungen umgaben hier nun auch eine Art Lebensmittelpunkt entsteht. In C-Burg, in der Wohnung des Mannes, bin ich nach wie vor nur zu Gast. Meine wenigen Dinge prägen sie nicht, sondern sie sind eher störende Stehrumchen oder sie sind verborgen. Schauen wir, was das mit mir und mit uns anstellt.

Der Abend war ruhig, ich war sehr müde und fiel nach einer Folge „Private Pratice“ mit Socken und Zweitdecke ins Bett.

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31.08. 10

Einer der Tage, die Nestchenendspurt bedeuten.
Doch zunächst badete ich morgens in aller Ruhe. Da ich momentan allein bin, darf ich das, ohne Genöle wegen der Warmwasserkosten. (Daß andererseits unter fließendem Heißwasser abgespült wird und die Heizungen nachts bei offenem Febster laufen, ist ja was gaaaanz anderes.)
Im Nestchen strich ich den letzten Rest Küchenwand, der sich in einem Einbauregal befand und putzte die Bretter blank. Ein klemmendes machte ich mit der Stichsäge gleich noch passend.
Dann befestigte ich noch ein Standregal an der Wand.
Die ganze Küchenkonstruktion ist schon abenteuerlich. Abgezirkelt eng (Geschirrspülen mit angelegten Ellenbogen) und in die Höhe gebaut, weshalb auch ein Tritt oder besser eine Leiter in Reichweite sein sollten.
Das Gaskochfeld hatte ich noch nicht installiert, ich wollte erst sehen, wo es genau hinkommt.
Zwischendurch kam noch eine Mail der Uni, an der wir das Seminar gehalten hatten: Gratulation für das hervorragende Feedback der Studenten, man freut sich auf die nächsten Termine.
Dann begann ich, die restlichen Kisten auszupacken. Es kamen jede Mange Küchenutensilien zum Vorschein, die auch schnell verstaut waren, aber leider fand sich auch noch jede Menge Blödkram, der noch keinen rechten Platz hat. Wohin mit Borten im Art-Deco-Muster und Spitzentaschentüchern von Oma? Wegwerfen rächt sich dann doch, denn gerade jetzt zum Beispiel könnte ich die bestickten leinernen Überhandtücher gebrauchen, um mein Gläserregal vorm Kochwrasen zu schützen.
Am späten Nachmittag hing mir dann der Magen in den Kniekehlen, ich hatte vergessen, zu essen und meine mittägliche Portion Schilddrüsenhormon lag in C-Burg. Deshalb brach ich Richtung des vollen Kühlschranks, Sofa und Bett auf.

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber zu meiner großen Freude kommt mein Körper wieder mit Weizenmehl zurecht. Vollkorn ist immer noch eine Katastrophe, aber Weißbrot funktioniert.
Das nutze ich natürlich aus, solange es sich hält. Deshalb aß ich gestern abend ein gegrilltes Ciabatta mit Käse und Schinken. 10.000 Kalorien und mehr Lebensfreude. Ha!

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30.8. 10

Ich würde mir ja wieder mal ein paar langweilige Tage wünschen.
Dieser Montag nun war der große Tag meiner Autorückgabe. Mein freundlich-protziger Panzer war mir im letzten Jahr doch eine ziemliche Last geworden. Obwohl ich ihn nach wie vor mochte, er war einfach ein gutes Stück Technik.
auto
Ich schwankte in den letzten Wochen immer wieder zwischen dem Gefühl, mich von dem Auto längst verabschiedet zu haben und dem Drang, noch mal richtig Stoff zu geben.
Nun wars also vorbei. Ich saß beim Händler und die Wertschätzungsfredis diskutierten ewig. Ich ging sogar zwischendurch mal zum Mittagessen und zu einem Termin. Nach meiner Rückkehr meinte der Verkäufer: Ich hole nur noch die Unterlagen! und verschwand eine weitere halbe Stunde.
Was mich in Habacht-Stellung gehen ließ. Wenn ich jetzt eine exorbitante Rechnung auf den Tisch bekäme, hätten sie ein Rendezvous mit meinem Anwalt gewonnen.
Aber es blieb alles beim Alten. Der Schaden vom umgefallenen Verkehrsschild war ohnehin ein Versicherungsfall. Im Gehen stellte ich mir vor, was für eine Möhre ich irgendwann im nächsten Jahr fahren würde. (Der 18 Jahre alte Mazda 121, den ich meiner Tochter für 600 Steine gekauft hatte, tat es auch ein Jahr lang.)
Aber nun erst mal: keine Parkplatzsuche, kein Fluchen über angedetschten Lack, keine Taxikosten im Winter um das Auto zu schonen. Dafür nun das Roulette des öffentliche Nahverkehrs und die ungewollte Nähe von Menschen.
Den Nachmittag und Abend verbrachte ich sehr ruhig. Der Rest der Woche würde rasant genug sein. Und manchmal ist es verdammt komfortabel, 180 cm Bett für sich zu haben.

Veröffentlicht unter Leben