Und dann

Es heißt gemeinhin, daß es als Ausdruck von Reife zu werten ist, wenn man/frau etwas aushalten kann bzw. nicht mehr vor jedem Problem wegläuft.
Was aber auch heißen kann, daß lange Jahre mit Spielen vergehen, die heißen „Tut ja garnicht weh-he!“ oder „Wir sind hier bei SO ISSES!“.
Weiterhin kann es als Ausdruck von Reife gewertet werden, daß auftretende Dissonanzen nicht mit Ohrenzuhalten und Gegenkreischen pariert werden, sondern mit gemessen geführten Gesprächen.

Blöd ist allerdings, wenn diese Gespräche zwei Stunden später zur totalen Paralyse führen. Da wären Ohrenzuhalten und Gegenkreischen wesentlich besser fürs Wohlbefinden gewesen.

Als meine Leistung werte ich in diesem Zusammenhang die Geste, einem Menschen – den ich trotz allem sehr mag – zu gewähren, daß er sich nun endlich, nach gut 40 Jahren des Zögerns und Suchens, daran machen kann, seine Träume zu verwirklichen.

Als meine Belohnung sehe ich an, daß ich im selbstgeschaffenen Nestchen sitze, mich wohl fühle und einen Martini Dry vor mir habe. Leider noch ohne Olive. Die kommt morgen.

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btw

schließzeit muß leider verlängert werden. gerade mächtig viel real life.

2.9. 10

Seit einigen Nächten wache ich zwischen 4 und 5 Uhr auf. Zum Aufstehen bin ich zu müde, das Einschlafen funktioniert erst gute anderthalb Stunden später wieder – kurz vor der Aufstehzeit. Das ist ägerlich, weil anstrengend. Vor allem weil ich das Problem ewig nicht mehr hatte. Grmpf.
Ich trat gestern mit einem vollen Tagesprogramm an: Wichtige Korrespondenz erledigen, das Chaos im Nestchen beseitigen, Werkzeug, Baumaterial und Kellerkisten verstauen, am späten Nachmittag ein Arzttermin und vor allem Suppe kochen.
Irgendwie muß ich meine Hefegebäckformen wieder in den Griff bekommen, wenn ich mich nicht in Zukunft mit dem Euphemismus „Rubensfrau“ beschreiben will.
Also nahm ich mir vor, nicht mehr um die Mittagszeit hungrig in den kleinen Supermarkt nebenan zu stürzen und mit Fleisch-, Geflügel- oder Kartoffelsalat und einem Eis wieder herauszukommen, sondern einen Topf Gemüsesuppe vorrätig zu haben.
Gesagt, getan. Ich machte einen Rundumschlag in der Gemüseabteilung: Möhren, Lauch, Sellerie, Kohlrabi, Hülsenfrüchte-Körnermischung für Minestrone und eine Scheibe Rinderhesse.
Den Vormittag verbrachte ich mit Schnipseln und Telefonieren und die Induktionsplatte machte ein Geräusch wie ein medizinisches Gerät. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Einzige Anmerkung: Ich werde eine der Arbeitsplatten mit der Wand verschrauben müssen, denn beim Schnipseln und Hobeln wackelt und klappert das Geschirr erbärmlich.
Am Nachmittag pflanze ich zwei Chrysanthemen-Büsche ein, die die inzwischen abgeernteten Tomaten ersetzen.
Dann noch ein Blick auf das neu entstehende Berlin-Blog der Cousine geworfen und schon mußte ich Richtung C-Burg zu meinem Arzttermin radeln.
Der Abend verging mit Schreiben und Lesen. Ich habe mir endlich Glams Empfehlung Nächte im Zirkus vorgenommen. Was ich vom Cover her kitschig-romatischen Zirkus- und Zigeunerschmus der 50er Jahre assoziierte, ist ein saftig schönes Buch.
Mit dem Versprechen an mich selbst, am Wochenende endlich das warme Daunenbett zu beziehen, trollte ich mich ins Bett.

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