Gestammel

Das ist immer noch nicht druckreif, was passiert.
Aber schön isset.

Erso: Dein Shirt hat tolle Ärmel.
Ickeso: Echt jetzt? Aber die sind viel zu kurz.
Erso: Ja, deshalb, deine Arme sehen da drin toll aus.
Ickeso: *kulleraugen* Die sind doch aber so dick geworden?!?
Erso: Die sind toll!
Ickeso: *schmelz*

Und tolle blaue Augen mit dichten dunklen Wimpern.

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Family Therapy

Familie, das ist das Netz, das dich trägt. Zäh gewebt aus Blut, Tradition und Gefühlen. Manchmal zur Überraschung aller leicht und schwebend, oft harsch, derb, in die Abgründe der anderen mitreißend.
Die Großmutter, die am wenigsten Freude am Leben hatte, ist nun 90 geworden.
Das Leben sah aus ihrer Sicht so aus:
Krieg: Mann nicht da, Kind stirbt fast nach der Geburt. Nachkriegszeit, Tuberkulose, Heilstättenaufenthalte, andere schwere Krankheiten (Gallensteine, Zysten, Myome etc.), Mann hat einen Herzinfarkt.
Die 70er: Mann stirbt mit 52, Witwendasein, plötzlich arbeiten müssen wegen Rente und Lebensunterhalt, Kinder kümmern sich nicht genug, Fürsorge für Enkel und Urenkel, nahe Nachbarin stirbt plötzlich, kein Mann ist wie der Verstorbene.
Die Jahrtausendwende: mehr Krankheiten, Einsamkeit, unaufhaltsames Alter, kein Kontakt zu den ohnehin raren Freunden, die Kinder kümmern sich, aber es ist nicht genug.
Ich gebe mal eine andere Sicht dagegen:
Krieg: Mann muß nicht an die Ostfront, ist nicht lange in Gefangenschaft, Kind überlebt schwere Erkältung mit drei Wochen.
Nachkriegszeit: die Tuberkulose überlebt, Kind ist sehr klug und fit, Mann macht Karriere, sie muß nicht arbeiten gehen, kann sich um ihre Gesundheit und die Familie kümmern.
Die 70er: Nach dem Tod des Mannes holen die Kinder sie in ihre Stadt und helfen ihr beim Berufstart, tolle Nachbarn, noch nicht zu alt für einen zweite Ehe, mehr Wohlstand durch viel Fleiß.
Die Jahrtausendwende: Hohe Witwenrente nach dem Mauerfall durch Bergmannsjahre des Mannes, Tochter kümmert sich sehr, trotz diverser Alters-Krankheiten klar im Kopf und fit, gute medizinische Versorgung, WG-ähnliche betreute Wohngemeinschaft.
So unterschiedlich kann man ein Leben beschreiben. Für meine Oma war das Glas immer halb leer und sie konnte auf keinen Fall etwas an ihren Lebens-Umständen ändern. Glücklich waren nur die anderen. Weil sie mehr hatten, bekamen, waren. Darüber beklagte sie sich immer, anhaltend, sehr laut und bei jedem. Und dann straft sie der liebe Gott auch noch damit, daß sie sich bis zum 90. Lebensjahr anzusehen hat, daß es anderen besser geht.
Sie schnitt sich aus Fotos heraus: Ich kann meine häßliche Fresse nicht sehen, später kommt sie garnicht mehr mit auf Fotos, sie betonte, weder singen, noch malen zu können, überhaupt ist ein Standardsatz „ich kann das nicht“, Menschen, die sich mit Freundschaftsabsicht annähern, findet sie blöd.
Selbst schöne Momente werden am Schluß irgendwie kaputtgemacht. Am Schluß jedes schönen Festes beginnt sie einen Streit, es kündigt sich schon eine Stunde vorher an, wenn sie immer stiller wird und ihre Mundwinkel nach unten rutschen, während um sie herum alle fröhlich und ausgelassen sind. Weil irgendwer sich falsch verhält, etwas falsches sagt, weil sie gerade jetzt mit jemandem schon immer etwas klären wollte, weil es ihr plötzlich nicht gut geht, etc., etc.
Schade eigentlich. Die alten Fotos zeigen eine vielleicht etwas angespannte, aber sehr schöne Frau mit dunkelblauen Augen, blonden Haaren, schönen Beinen und reiner, sahneweißer Haut.
Gestern saß ein altes Frauchen mit Witwenbuckel im Kreise der Verwandten. Eine Mischung aus heimlicher Freude, Genugtuung und böser Bitternis austrahlend.

Wenn Familie für etwas da ist, dann auch, um sich zu vergleichen.
Vielleicht haben ich meine depressiven Anfälle von ihr geerbt. Auf dem Gang zum Festort nahm sie mich beiseite und fragte mich, ob ich im letzten halben Jahr nicht auch Gedanken an Selbstmord gehabt hätte. Meine Antwort ließ sie zufrieden mit dem Kopf nicken.
Nein Oma. Wir stammen zwar aus dem selben Genpool, aber ich ziehe es immer noch vor, Schwierigkeiten zu überwinden und Glück zu genießen.

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Stand der Dinge

Da hat das fleißige Lieschen nun auch gelernt, daß ein Quilt seine Zeit braucht. Vor allem, wenn frau die Nadel nur einmal wöchentlich in die Hand nimmt, um weiter zu sticheln. Denn irgendwie kam alles anders.
Der Frühling hat bei mir ohne große Vorankündigung die Tür eingetreten, mich über die Schulter geworfen und ins Offene geschleppt. Und nun steh ich hier draußen, blinzele in die Sonne und grinse wie ein Honigkuchenpferd. Da sind Blümchen und Bienchen und jede Menge Gevögel. In den Bäumen natürlich, was dachten Sie denn! Nachts liege ich unter dem Vollmond und halte inne, murmele „daß ich das noch mal erleben darf“ und dann rast das Leben schon wieder weiter.
Angestrengte Poesie beiseite, ich bin grade ziemlich glücklich und nicht nur ich allein.

Die re:publica brachte, obwohl ich mal wieder verpennt hatte, ein Ticket zu kaufen, einen wunderbaren Abend mit der Frau Kaltmamsell, mit der ich Hans Scholzens „Am grünen Strand der Spree“ nachtrank und viel Gefallen an Champagner-Cocktails im Silberbecher gewann. Dann durfte ich auch noch den Herrn Beethoven kennenlernen. In diesem Zusammenhang lieferte ich ihm auch gleich ein plakatives Beispiel meiner sozialen Taubheit. Er fragte mich, ob er mir den Organisator des Abends vorstellen dürfe, ich verstand vor lauter Anspannung und Hintergrundgeräusch nur Bahnhof und war der Meinung, daß nun die beste Antwort auf seine fragende Körperhaltung „Nein“ wäre. Fünf Sekunden später hatte sich dann der Inhalt der Frage in mein Hirn vorgearbeitet. O-o
Nebenbei, Mädels, der Herr Beethoven ist ein sehr schöner Mann.

Da der diesjährige Sommer zu Ostern stattfindet, mache ich das Beste draus. Am Freitag wird der 90. Geburtstag der Oma gefeiert, die seit 40 Jahren sterben will und das Erbe aufteilt. Samstag nachmittag gibt es ein intimes Bloggerbiertrinken im Heinz Minki und die Zwischenzeiten werde ich mit Ausflügen nach Berlin Mitte füllen, für mich schon immer ein Ort mit hohem emotionalen Level. (Vor 10 Jahren wollte ich da mal einen Kurzfilm mit dem Titel „Mitte Sommernachtstraum“ drehen und einen Prosa-Entwurf gibt es auch noch.)
So also. Vielleicht wird das alles noch mal.

Auf dem Balkon habe ich jetzt die häßlichsten, aber billigsten und solidesten Blumenkästen der Welt. Leberkäsfarbenes Plaste mit Kannellierungen. Gestern habe ich Wicke und Kapuzinerkresse hineingesät und nun stehe ich immer an der Balkonbrüstung und stiere in die Erde, als könnte ich zuschauen, wie die kleinen Triebe herauskommen. Aber auch das dauert seine Zeit.

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Textlos

und überhaupt. sie müssen hier grad verzichten. es passiert eine ganze menge, das der zensur unterliegt.