9/7/14 Tagebuchbloggen

Da hatte ich wohl am Abend bei Fußballschauen zu tief ins Sektglas geschaut, ich wachte am nächsten Morgen mit einem Kater auf, trullerte so durch den Vormittag und legte mich Mittags besser hin.
Das Kleid, das ich als nächstes nähe, hat eine recht komplizierte Farbe. Ein kühles Graugrün, fast Türkis, haarscharf am Nilgrün vorbei. Ich wollte eine kontrastierende Paspel drauf setzen, aber ich glaube, das lasse ich. Rubinrot, Tiefviolett und Goldbraun wären eine Option, aber ich glaube, ich gönne dem fertigen Kleid besser ein Bad in gelber Stofffarbe, damit es mehr strahlt.
Am Nachmittag traf ich mich mit Barb Nerdy in der Oderberger Straße auf eine kleine Plauderei und wieder einmal kam mit Riesenkrach der Himmel runter. Wir flüchteten ins „Kauf dich glücklich“. Leider taten das auch gut 10 Prenzelmütter mit ihren niedlichen Kleinen, der Lärmpegel wurde unbeschreiblich.

Als der Regen aufgehört hatte, machten wir noch eine größere Runde. Wir zeigten uns gegenseitig unsere Orte im gleichen Kiez.
Auf dem Rückweg kaufte ich ein Pfund große pralle Kirschen für den Grafen und schaffte es gerade noch, im beginnenden Regen nach Hause zu kommen, bevor es goss wie aus Kannen.

Am Abend beschäftigte ich mich mit dem neuen Kleid und postete die MMM-Fotos, die der Graf freundlicherweise von mir gemacht hatte. Auch den Rest des wirklich schlimmen Spiels Niederlande-Argentinien sah ich mir an, das ist immer gut für den Strickstrumpf-Fortschritt.

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MMM – Der Palermo-Rock

Das Motto des letzten MMM vor der Sommerpause lautet „Ich packe meinen Koffer“. Da ich dieses Jahr schon gereist bin, kann ich mein bewährtestes Reisekleidungsstück vorstellen.
Jersey-Rock 1
Eine banale Notiz im Briefing für die 10tägige Weiterbildung in Palermo, die ich fast übersehen hätte, brachte mich kurz vor der Abreise in Panik. „Bringen Sie einen Tanzrock mit“ stand da.
Also sprang ich 24 Stunden vor der Abreise zu Frau Tulpe rein, weil der Laden drei Häuser von mir entfernt ist – sonst ist er mir zu teuer – und kaufte 80 cm Viskosejersey und 20 cm gerippten Jersey für Bündchen.
Jersey-Rock 2
Innerhalb einer knappen Stunde hatte ich den Stoff zusammengenäht, angeriehen und an den Bund genäht, der Saum ist eine gedehnte Zickzacknaht. Ich habe ohne Overlock gearbeitet, nur mit den Jerseystichen der Nähmaschine. Ich bin ja ansonsten eine reine Webstoffnäherin, weil ich finde, Jersey verleitet zur Schlamperei beim Nähen und zum bequemen jogginghosenmäßigen Rumhängen.
Nun ja. Ja! Der Rock wurde auf der Reise mein Lieblingsstück. Es war nämlich nicht so warm wie ebenfalls im Briefing angekündigt und so war ich froh über jeden Zentimeter Stoff auf den Beinen. Zum Tanzen trug ich ihn nicht, sondern an den kühlen Abenden in den Bergen und bei unserem Abstecher ans Meer. Und ich muss zugeben, er ist seeehr bequem und irgendwie doch recht figurgünstig. Nur der Bund wird mit der Zeit weiter und rutscht.
Eine Jerseynäherin wird aus mir trotzdem nicht.
Jersey-Rock 3
Das Shirt ist von Hasi und Mausi und die Schuhe verschnippte Flipflops aus alten Zeiten, die ich alle Jubeljahre mal trage, weil sie schön, aber leider nicht sehr bequem sind.

Und hier geht es zu den anderen Damen vom Me Made Mittwoch.
Außerdem sende ich einen herzlichen Dank an das Team, das mit uns in die Sommerpause geht, ihr habt die Betreuung wunderbar gemacht!

8/7/14 Tagebuchbloggen

Eigentlich war der Tag mit dem Vermerk „Schreiben“ im Kalender eingetragen, aber dann kamen zwei Beratungstermine daher. Die Zwischenzeit nutzte ich zum Entspannen, was konkret hieß, Pellkartoffeln und Eier kochen und Grüne Soße machen.
Kurz vor dem Abend-Gewitter ging ich noch einkaufen. Im REWE ist schon wieder die Hälfte des Schinkens vorgeschnitten und die Fetzen werden mit der blanken Hand aus einer Schüssel gezottelt. Ich sehe mir das jetzt noch einmal an und dann gibt es eine Beschwerde an die Zentrale.
Am Abend aßen wir Kaßler, Eier, grüne Soße und Kartoffeln und es gab einen Rosé-Sekt hinterher, denn der Graf hat nun Urlaub. Ich war wie oft an solche Tagen aufgekratzt und todmüde zugleich und hatte eigentlich gar keine Lust, den Fernseher mit dem Fußballspiel nebenher mitlaufen zu lassen, wenn ich einen Schnitt abpause.
Was dann kam, ließ mich auf dem Sofa bleiben und mit Kulleraugen ab und zu in meine Stricksocke beißen und den größten Teils des Sektes austrinken. 7:1, Heidewitzka.
Der Graf war in der Halbzeit dann so ermüdet, dass er den Rest des Spiels verschlief und ich brauchte noch gut bis zwei Uhr, bis ich so weit runtergekommen war, daß ich schlafen konnte.
(Als ich noch in Charlottenburg wohnte, wäre an Schlafen eh nicht zu denken gewesen, die Autokorsos lärmten oft bis drei Uhr nachts.) Hm, das ist nun also die Fortsetzung von 2006 mit anderen Mitteln am anderen Ort, mit fast der gleichen Mannschaft, nur gereift. Deutschland war vor 8 Jahren als Gastgeber nach dem Halbfinalspiel raus und es war genauso eine Gewitternacht. Ich war noch fit und mit Hochdruck mitten im Beruf. Heute schaue ich, dass ich ab September zweieinhalb Tage in der Woche arbeite, aber anders.

So ist das Leben.

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7/7/14 Tagebuchbloggen

Für den Montag hatte ich mir absolute Faulheit verordnet. Ich feudelte eine Runde durch die Wohnung, strickte an einer neuen Socke und dachte darüber nach, was ich denn als nächstes nähen würde.
Meine Wahl fiel auf ein hübsches Sommerkleid, das ich verlängern würde, Vogue 1152. Meine einzigen Vorbehalte: 14 Einzelteile und der Paspelschmuck ist genau auf meiner Problemzone, die frickelig angepasst werden muss. Mal schauen, ob ich das hinbekomme.
Dann recherchierte ich noch etwas zum Thema Tracht, inspiriert von Wiebke, die in Vorbereitung auf Julias Dirndl Sew Along einen Buchfund gemacht hatte.
Das wird wohl das erste Mal sein, dass ich an so etwas teilnehme. Traditionelle ländliche Kleidung hat mich schon immer sehr interessiert und ich habe auch schon Ideen dazu, wie sich so etwas auch in Berlin tragen läßt.

Am Abend war ein Damentreffen geplant. Wir wollten in den Rosengarten gehen. Einer der wenigen Orte, die noch nicht in Touristenführern stehen, weshalb 50 Meter von belagerten Best Places ein wunderbarer, verborgener Ort liegt, wie geschaffen dafür, in Sophisticated Music, Rosenduft und Aperol Spritz zu ertrinken.
Aber ein Viertelstunde vor dem Treffen fiel der Himmel in einer Art runter, dass die Touris  in meiner Straße rennend Wet-T-Shirt-Wettbewerbe veranstalteten und es tröpfelte noch lange nach.
Wir gingen daher ins „Lass uns Freunde bleiben“. Doch es ist alles nicht mehr so wie früher und man weiß nicht so recht, wer sich verändert hat. Es stand ein Dutzend englischsprechende Menschen mitten im Raum, die ihre nassen Jacken über alle Stühle verteilt hatten und die Musikanlage war so laut, da man sein eigenes Wort nicht verstand. Wir hatten keinen Bock uns den ganzen Abend anzubrüllen und gingen nach kurzer Überlegungspause weiter ins „Visite ma tente“. Da war wenigstens auf der Galerie der Lautsprecher aus, im Laufe das Abends mussten wir aber einmal intervenieren, weil die Bedienung, ein spanisches Mädchen, dass nur rudimentär englisch sprach, die Regler hochgedreht hatte.
Warum macht man so was? Trinken die Leute dann schneller und mehr? Gehen sie eher und setzen sich nicht fest? Um Platz zu schaffen für neues Publikum kann es nicht gegangen sein, der Laden blieb den ganzen Abend weitgehend leer, es war schließlich Montag.
Wir hatten viel Spaß und unsere Gespräche hätten mit Sicherheit keinen Bechdel-Test bestanden. Es ging um Männer. Große, kleine, dünne, dicke, alte junge, nette und blöde Männer. Lügner, Wahrheitsfanatiker, Seitenspringer, Bis-ans-Ende-der-Tage-willige.

Es ist ein weites Feld.

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