6/7/14 Tagebuchbloggen

Trotz Sonntag stand ich relativ früh auf und setzte mich an das Konzept. „Zusammenbacken“ nannte das der Co-Autor. Zusammenbacken war es auch wirklich, denn wir haben zwei vollkommen unterschiedliche Kommunikationsstile. Er bilderreich und ausführlich, ich knapp und prägnant. Gegen 11 Uhr war ich fertig, aber da fehlte noch ein weiteres Konzept, das ich für die Veranstaltungswoche einzeln einreichen wollte. Also ging ich auch noch über diesen Entwurf, das wurde auch nur ein Einseiter.

Dann war es früher Nachmittag und auch schon wieder so weit, die Badesachen zu packen und in Richtung Müggelsee zu fahren. Eine Freundin ist im Frühjahr vom Prenzlauer Berg nach Friedrichshagen gezogen, eine wunderbare Idee, wie ich finde. Meine Jahre an der Dahme in Grünau waren vom Wohngefühl her mit die schönsten.
Aber vor der Sommerfrische am See kommt die Fahrt mit dem ÖPNV. In der U8 die üblichen übrig gebliebenen derangierten Nachtgestalten, ergänzt durch sonntäglich geputzte Familien, die samt und sonders keine Deutsche waren. Scheinbar treffen sich nur noch Polen, Türken und französische sprechende Afrikaner zum sonntäglichen Kaffeeklatsch. – Oder aber die entsprechende deutsche Population nimmt das Auto.
Die S-Bahn war dann voller Menschen mit Fahrrädern und Badetaschen. Je weiter östlich und ländlich, desto größer wurden die Styling-Fails. Während die Mütter ihre nicht mehr ganz taufrischen Arschgeweihe nun unter voluminösen Shirts verstecken und ihr letzter modische Schrei die Bicolorfrisur ist, tragen die Töchter Schlachterstempel an besser sichtbaren Stellen, dazu mitten auf der Stirn schwebende schwarze Augenbrauen und zu Ballons aufgeblasene Brüste. Naja, in 10 Jahren kommt dann das weite T-Shirt drüber.

Bemerkenswert, dass Friedrichshagen schon immer, auch in DDR-Zeiten, eine kleine Insel der Seligen war. (die Maulbeerbäume gibt es noch und die Maulbeeren sind grade reif) Das war nicht der abbröckelnde Hype der kaiserlichen Ruder- und Segelclubs und riesigen Vergnügungslokale wie an der Dahme, das war schon immer klein, niedlich und gediegen, mit recht wohlhabenden und unspießigen Immobilienbesitzern im Umfeld.
Die Freundin hat dort eine hübsche Wohnung zu ziviler Miete gefunden, ein großer Glücksfall, wie sie berichtete, und statt der Säufer vom Helmholtzplatz gibt es nun riesige Joggingareale, nette Badestellen und gute Gastronomie.
Wir besichtigten die Wohnung und schwammen dann ein Weilchen auf den Müggelsee hinaus. Ich hatte einige Déjà-vu-Erlebnisse, dieses am Wochenende von unzähligen Booten aufgewühlte und kabbelige Wasser, der Geruch von Kiefern und Sommerstaub, die Wolken…
Zum Hinlegen war die Badestelle zu voll und so gingen wir weiter an die Müggelspree, um zu schauen, ob in der Arche unterkämen, aber das war wie erwartet, sinnlos. Wir hatten mehr Glück im Domaines, das auf der Friedrichshagener Seite des Spreetunnels liegt. Ein französisches Restaurant in einem winzigen Pavillon, das phantastisches Essen hat.

Gesättigt brachen wir auf und wenigstens auf dem Rückweg verteidigte die S-Bahn ihren Ruf als Chaotenschleuder. Zuerst fanden wir ob der wirren Ausschilderung auf dem Bahnhof Ostkreuz die nach Westen weiterfahrenden Bahnen nicht, das waren schon mal 20 Minuten, die wir in der Hitze mit vielen Leuten auf dem falschen Bahnsteig rumstanden. Dann stand die volle Bahn, mittlerweile war jede Lücke in den Gängen mit jugendlichen Spaniern aufgefüllt, deren Frauen die Lautstärke eines Nebelhorns entwickeln konnten, eine Viertelstunde auf dem Ostbahnhof herum, bis wir dann alle wegen einer Signalstörung aus der Bahn komplimentiert wurden. Irgendwas ist immer. Stellwerksstörung, Polizeieinsatz, Signalstörung. Zehn Minuten später ging es weiter.
Als wir zu Hause ankamen, waren wir total fertig. Ich ging nur noch unter die kühle Dusche, sendete das Konzept endgültig ab und legte die Beine hoch.

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5/7/14 Tagebuchbloggen und WMDEDGT

Frau Brüllen fragte wieder „Was hast du den ganzen Tag gemacht?“ und hier sind die Aufzeichnungen der anderen zu lesen.

Nach der doch ziemlich wilden Woche wollte ich eigentlich nur noch den ganzen Tag wie eine Kartoffel auf dem Sofa sitzen, aber der Graf hat ja keinen Kartoffelsack geheiratet und draußen war bestes Sommerwetter.
So begannen wir den Samstag sehr ruhig, mit Ausschlafen, Baden und Fellpflege und fuhren am Nachmittag zum Schlachtensee. Der Graf wollte den See längs schwimmen. Was ich auch ziemlich gern tun würde, aber ich hielt mich zurück, auch der Sonntag würde eine Schwimm- und Badeverabredung bringen und es war besser, wenn ich mir die Kräfte etwas einteilte.
Daher stieg er am südlichen Ende ins Wasser und ich fuhr ans Nordende zur Fischerhütte – Gott sei Dank gab es noch nicht das übliche Problem mit Parkplätzen – und setzte mich sockenstrickend auf die Wiese. Nach einer Stunde kam der Anruf von den See-Residents Glam und Lucky, die wie immer mit ihren Gummibooten in der Mitte ankerten, dass sie den Mann mit Keksen versorgt hätten und er nun weiterschimmt. Nach einer knappen weiteren Stunde war er angekommen.

Wir saßen noch etwas auf der Wiese, gingen dann in den Biergarten der Fischerhütte, um etwas zu essen und fuhren heimwärts.
Die dringend erwartete Mail meines Co-Autors war endlich angekommen, aber ich war so spät nicht mehr in der Lage, das Konzept fertig zu machen (Deadline ist Sonntag). Außerdem hatte ich noch eine Nähaufgabe vor mir, zwei Kissen als Geschenk, aber irgendwie scheiterte ich am Paper Piecing. Ich hasse Basteln und das ist mehr Basteln als Nähen. Dann versuchte ich Applikationen, die sahen einfach sch… aus. Gott sei Dank konnte ich auf eine Idee des Grafen hin in den Fundus greifen und hatte zwei Kissen für den Sonntagsbesuch bereit.

Aber wenigstens die Socken hatte ich am Abend fertiggestellt…

4/7/14 Tagebuchbloggen

Ich brachte mich gestern schon recht früh in Stellung, noch im Bademantel zwar, aber mit wachen Augen, ein Kurier war für 7:30 Uhr angekündigt, der etwas abholen wollte.
Der kam auch pünktlich und ich musste erfahren, dass auch Fahrradkuriere, die Eyecandies meiner jungen Selbständigenjahre, mitgealtert sind. Der da vier Treppen hochschnaufte war zwar sportlich straff, aber fast 60. Respekt. Der Biokistenmann ist ja in einem ähnlichen Alter und wuppt drei Kisten auf einmal in einem irren Tempo zu uns nach oben. Einmal hatte er einen Praktikanten bei sich, der nur jammerte.
Dann, kaum hatte ich den Blogbeitrag von gestern getippt, klingelte das Telefon. Primavera, die mit Maschinen auf Kriegsfuß steht, wollte ihren neuen Laptop einrichten. (Von Windows habe ich seit XP keine Ahnung mehr.) Das lief ungefähr so ab:
Sie so: „Ok. Weiter. … Hä, was ist das denn?“
Ich so: „Sag mir, was du siehst.“
Nebenher räumte ich die Biokiste aus oder googelte parallel, wie der Beitritt in die Windows-Cloud zu vermeiden ist und man diese Kacheln, die einem Nachrichten und Spiele anbieten, wegbekommt. Das ist eine Seuche. Man macht testhalber ein Bild von der externen Festplatte auf und bekommt eine tolle App dafür angeboten. Man wird dreimal gefragt, ob man sich nicht tracken lassen will und Microsoft einem die Daten verwalten soll. Nicht dass das bei Apple nicht mittlerweile genauso ist, aber da klingt es weniger technokratisch.
Wir frickelten rum und rums war es 11 Uhr und ich saß immer noch im Nachthemd da. Also machte ich etwas Betrieb, in eine zivile Klamotte zu kommen, für ein Skype-Gespräch um ein Uhr. Kaum war ich angezogen, klingelte das Telefon wieder. Entweder Verabredung für ein längeres Telefonat oder gleich. Ich entschied mich für gleich und ging gleich danach in das Skype-Gespräch. Das ist ja fast wie früher. Nur dass ich da die Gespräche nicht terminieren konnte und noch ein Rattenschwanz von Tätigkeiten für mich dranhing, die ich irgendwie zwischen die Telefonate hängen musste.
Dann legte ich mich erst einmal eine halbe Stunde hin. Ich hatte abends eine Verabredung mit dem besten Freund, so richtig war mir nicht danach, die Woche war anstrengend.
Aber ich fuhr dann doch an den Stadtrand, ein paar Törtchen auf Eis im Gepäck. Er hatte Chicken Wings gemacht (der Mann wird immer häuslicher) und Sekt kaltgestellt.
So schwammen wir ein halbes Stündchen durch den Bestensee und machten hinterher in wunderbarer Einsamkeit am Ufer Picknick bis es dunkel wurde. Ab und zu, wenn Gebrüll über das Wasser waberte, checkten wir den Spielstand des Deutschlandspiels. Wunderbar. So muss das.

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3/7/14 Tagbuchbloggen

So, jetzt habe ich dann auch endlich geschafft, das richtige Datum einzusetzen, mit Jahreszahl und allem pipapo.
Der gestrige Tag war ein Grummeltag, ich war unentspannt und nölig. Es fing ganz nett an, mit Joghurt mit Bergpfirsich und Banane, dazu Online-Zeitungsschau und Twitter nachlesen. Liisa hat Primavera interviewt. Das freut mich doch sehr.
Dann klappte ich meinen Mailaccount auf. Der Co-Autor hatte mein einseitiges, vorwiegend aus „hochdynamischen“ Substantivierungen bestehendes Paper in einen anderthalbseitigen Wortsee verwandelt und wir sind immer noch jenseits von fertig damit. Das hat so ein bisschen was von zwei Einäugigen, die versuchen, zusammen ordentlich zu sehen. Gnaaa…
Aber so schlimm isses nicht, bei mir ist es immer mit mieser Laune verbunden, in Neuland rumzustiefeln und das ist Neuland.
Dann ein Telefonat mit einer Frau, die am nächsten Tag ein Jobinterview per Skype hat und sich unsicher war, ob sie richtig vorbereitet ist, wir schraubten noch etwas am verlangen Roleplay – aber im Wesentlichen ging es um Weglassen und Authentisch sein. Eine Stunde Pixel schubsen, danach Hausarbeit. Zwei Patchworkkissen, die ich am Wochenende verschenken will und noch aus Einzelteilen bestehen, sahen mich derweil vorwurfsvoll vom Nähtisch aus an.

Nach dem Mittagskäsebrot hatte ich das dringende Bedürfnis, mich eine halbe Stunde hinzulegen. Da es bei mir derzeit wirklich wild zugeht (klar, kein Vergleich zu früher), legte ich Festnetz- und Funktelefon am besten gleich neben mich. Eine halbe Stunde Siesta ist die Garantie, dass es klingelt und es war so. Der Co-Autor wollte sich noch mal mit mir besprechen und Primaveras Computer lag in den letzten Zügen und ich wagte vorsichtig eine Ferndiagnose.
Zu allem Überfluss erinnerte mich mein Körper nach einem viertel Jahr Ruhe daran, dass ich mal einen Zyklus hatte. Das ficht mich 10 Jahre nach der Total-OP ja kaum an, war aber wohl der Grund für meine Gereiztheit.

Als der Graf nach Hause kam, ging ich in die Küche. Buletten, Süßkartoffelbrei und Blumenkohl standen auf dem Plan. Derzeit habe ich mit den mehlig kochenden Kartoffeln ein Problem, sie werden wässrig, egal was ich tue. Sie verändern die Konsistenz ruckzuck von hart zu zerfallen und wollen nicht richtig abdampfen vor dem Stampfen.
Mitten im Kartoffelkochen klingelte Primavera noch mal an. Sie stünde im Elektromarkt vor einem 17“-Laptop, was ich ihr dazu sagen könne. Graf und ich sagten unisono: „Warum 17“, das ist tierisch unpraktisch!“ Sie hatte dafür gute Gründe und nahm ihn erstmal mit, um ihn zu testen, da auf dem Land ist man ohne Internet vollkommen aufgeschmissen.
Das Essen war wie erwartet. Der Kartoffelbrei wässrige Pampe, der Blumenkohl sehr gut und die Buletten ok. Dass ich alles auch noch fettsparend zubereitete, tat das seine zum suboptimalen Geschmackserlebnis. Mit einem Schuss fetter Sahne kann man eine Menge retten.

Nach dem Essen beseitigte ich das Küchenchaos (ich träume ja von dem Tag, wo beim Servieren des Essens die Küche aufgeräumt ist, es soll Leute geben, die können das) und rief Primavera noch mal an. Der Laptop ist ja gemessen am vorherigen Equipment völlig ok. Aber der Graf hatte ein paar Bemerkungen zum wenig gängigen Format. Das zieht nämlich Konsequenzen nach sich: Schwierig zu besorgende Ersatzteile (stimmt, bei meinem großen Vaio dauerte die Lieferung eines Ersatzteils 10 Wochen), Grafik, die mehr Leistung bringen muss, Lüftung, die ggf. nicht optimal ist und ein in die Breite gegangenes Keyboard, das zumindest für ihn dann nicht mehr für lange Texte funktionierte.

Irgendwie war es mit all den Dingen dann schon 21 Uhr. Ich setzte mich nur noch ruhig in die Sofaecke an der Lampe und strickte an der Socke weiter. Das ist so entspannend.

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