Gibt es keine alten, hässlichen Frauen, die keiner mehr will?
Ich sprach mit einer etwa 50-Jährigen. Sie sagte, wir sind pensioniert, wir haben nur noch höchstens dreimal die Woche Sex.
Gibt es keine alten, hässlichen Frauen, die keiner mehr will?
Ich sprach mit einer etwa 50-Jährigen. Sie sagte, wir sind pensioniert, wir haben nur noch höchstens dreimal die Woche Sex.
In meinem XING-Account ist über Jahre nichts großartiges passiert. Da sammelten sich Leute in meiner Kontaktliste, die ich entweder privat regelmäßig sehe oder aber die Großabräumer, die darüber Veranstaltungen verklappen.
Nach der Einladung in eine Filmcommunity passiert so einiges. Ich war sogar auf einem Treffen in kleinem Kreise. (Also R.L.) Da gab es einige sehr angenehme Menschen, mit denen ich mich gut unterhalten habe. Ich hätte sehr gern auch noch weitere Gespräche geführt, nur das war schwierig.
Der Herr, der neben mir saß, gehörte zur Spezies Dampfplauderer. Kaum warf einer ein Thema in die Runde und die Plauderei sollte beginnen, riß er es mitten im Satz von anderen an sich und hielt einen langen, volltönenden Monolog. Daß er ja damals auch schon und heute wäre das ja nicht so toll, aber er kenne ja Gottseidank den und den und außerdem habe er letztens das und das… Und überhaupt, da fiele ihm ein Witz dazu ein!
Während die anderen gequält lächelten, hatte ich mit schwersten Aggressionen zu kämpfen. Da ich ein schüchterner Mensch bin, brauche ich für solche Zusammenkünfte Überwindung. (Noch auf dem Hinweg bin ich lieber erst einmal zum Zahnarzt gefahren, um etwas abzuholen und hätte ums Haar noch eine rettende Ausrede gefunden, um garnicht dort hinzugehen, wo nur fremde Leute sind.) Wenn dann jemand, der mir herzlich unsympatisch ist, auch noch verhindert, daß ich mich vorsichtig an andere annähern kann, wirds prekär.
So saß ich denn eingekeilt zwischen diesem Turboschwätzer und starrte ihm auf die faltigen Budapester und einem Rechtsanwalt, der seine Getränke auf dem kleinen Steh-Tisch über Gebühr ausbreitete und sogar angelegentlich meine Wasserflasche leerte. Ich rutschte instinktiv vom gestikulierenden Getöne weg und berührte dann peinlicherweise das breitbeinig ausgestreckte rechtsanwaltliche Knie, denn unterm Tisch machte er sich genauso breit. Den Platz zu wechseln war unmöglich, denn die Runde war mit Absicht kuschlig eng, um Kommunikation zu ermöglichen. Tja.
Bei mir war Ende Gelände, als der Satz fiel: Wir könnten natürlich einen Kameramann aufs Podium rufen, aber die sind ja meistens rhetorisch nicht so begabt, das wird nichts.
Ich schnappte zurück, ohne den Typen auch nur anzusehen: Leute, die reden können, sind nicht unbedingt Leistungsträger!
Na das hättest du jetzt aber nicht unbedingt sagen müssen!, kam das Echo vom Rechtsanwalt.
Aber mein Freund redete schon weiter und flocht in einen der Sätze die Formulierung jaja, wir Rampensäue vom Vertrieb ein.
Ich blickte immer mal sehnsüchtig auf die gegenübersitzenden Menschen am Tisch, die waren tausendmal interessanter, als unsere Verkaufstrainings und die Veröffentlichung, die ich dazu gemacht habe, ich hab ja auch einen Verlag!
Die Situation entspannte sich tatsächlich erst, als der Rechtsanwalt ging, der immer mal wieder versucht hatte, zu Wort zu kommen, wenn der andere auf dem Klo war. (Als ich kam, war der einzige freie Platz zwischen dem Anwalt und Mr. Volldampf, sie schienen sich also nicht so recht zu mögen.)
Da war dann eine PR-Dame das Opfer und ich konnte mich anderen Leuten widmen.
Heute nun habe ich ein Problem. Diesen Typen fängt man sich ein wie einen Tripper. Nachdem er mir gestern meine letzte Visitenkarte abschwatzte, will er mich über XING kontaktieren.
Ich möchte so einen Vollidioten nicht in meiner Kontaktliste haben. Und seine Kontaktliste ist eine Ansammlung von schönen MädchenFrauen und weiteren Schwätzern, wie mir scheint.
Ich glaube, ich rette mich in „ach je, ich kann dieses Internetdings garnicht richtig bedienen!“
Heute die erste Runde um den Schlachtensee gemacht. Mensch riecht dit schon nach Frühling!
Nur ins Wasser zu springen muß ich mir noch verkneifen . Es ist noch Eis drauf.
Ich habe die letzten Tage vorwiegend mit Arbeiten verbracht. Es ist zutiefst befriedigend, diesen Teil meines Lebens (und es ist der wichtige, der mich ernährt) wieder fest in der Hand zu haben.
Ansonsten ist meine neue Existenz Zen. Es ist nicht viel von meiner alten Umgebung mit mir gekommen. Ein Schreibtisch mit etwas Zubehör, die Plastik, ein paar Kisten Klamotten, ein Tisch, eine Bank und zwei Vasen. Alles andere findet innen statt.
Ich kann noch nicht einmal sagen, ob das gut ist. Ich merke, die Existenz des „sicheren Ortes“ (stammt von einer Therapeutin, trifft es aber genau), wo ich weiß, daß ich dort sein darf, wann und solange ich will und nicht weg muß, der gleichzeitig der Ort ist, an dem ein Mensch lebt, der mir nahe ist, das ist sehr viel. Besser als die Zerrissenheit und Verlorenheit der letzten 2 1/2 Jahre. Und doch ist es haarsträubend, dies überhaupt thematisieren zu müssen. Denn es wäre gut gewesen, wenn es von vornherein selbstverständlich wäre.
Noch ist nichts selbstverständlich. Während ich unter dem vorherigen Zustand litt, leidet jetzt mein Gegenüber.
Ich ziehe mir das gerade nicht an. Die Gelegenheit, Nein zu sagen war da. Auch auf die ewißheit hin, mich dann zu verlieren.
Sonderbar ist das schon, weil ich Schritt für Schritt meine Kindheitssituationen wiederhole. Erst das „draußensein“. Da ist jemand, der mag dich sehr, der kann aber gerade seine Zeit nicht mit dir verbringen und denkt ganz viel an dich. Dann das „aufgenommensein“. Ok., dann bleibst du eben hier. Da ist ein Platz für dich, aber sei brav. Und jetzt? Ich stehe wie damals in dem fremden Kinderzimmer, in dem längst ein anderes Kind lebt und möchte dazugehören. Aber ich bin ein Fremdkörper. Das ist mein Spielzeug, wir haben das immer so gemacht, das will ich aber… Ich spüre, daß das Bild, das mein Gegenüber im Kopf von mir entwickelt hatte, viel interessanter war als ich, der reale Mensch.
Er hätte mich lieber wieder zur Verfügung für gemeinsame Unternehmungen, die Intimität nicht unbedingt voraussetzen. Das bin ich nicht, das war ich nie, auch wenn ich mit viel Energie versucht habe, diese Erwartungen zu erfüllen.
Ich weiß nur nicht, ob es gut ist, das Problem nicht an mich heranzulassen und auf Lernfähigkeit zu hoffen oder ob ich mich tatsächlich damit konfrontieren und in ein paar Monaten die Konsequenzen ziehen sollte. Aber irgendwas ist immer.
In zwei Wochen bin ich für sieben Tage auf Sardinien. Abstand gewinnen, Steinmauern bauen und Olivenbäume pflegen.
Im übrigen wußte ich, worauf ich mich einlasse.