18.04. 2020

Der Rest des April wird wahrscheinlich strahlend, gleißend und warm sein, der Mai wird dann kalt und naß wie letztes Jahr.
Ich war früh wach und schrubbte die Polster des Standkorbes. Danach gab es Kleinkram. Das Rosenspalier sortieren und verschneiden, Büsche und Stauden versetzen und sich vorm Tapete abreißen in der Treppenkammer drücken.
Der Freund im Dorf offerierte uns Lehmziegel, er nahm einen Blutbuchenschößling und eine kleine Baldrianpflanze mit sich.
Die Katzen genossen den Tag und wälzten sich im frischen Gras.

Am Nachmittag fuhren wir nach Greifswald, die Baumärkte haben wieder offen. Vor dem ersten kehrten wir wieder um. Gedränge und Geschiebe, alte Herren auf Tuchfühlung.
Der zweite war leerer. Wir waren die Einzigen mit Maske, zwei junge Leute setzten ihre auf, als sie uns sahen, jetzt trauten sie sich wohl.
Wir kauften Farbe, Kräuter und zwei Dachrinnen. Es strengte an, ständig auf Distanz zu achten und andere Menschen zu umfahren.
Aber für Leichtsinn ist kein Anlaß. Das Dorf hat zwei Infizierte, einer davon lebt nicht mehr. Angesichts der geringen Infiziertenzahlen im Landkreis, der auch noch sehr weitläufig ist, ist das nicht beruhigend. Vor Wochen war ich der Meinung, es kommt nicht hierher, die Pest kam auch nicht bis hier. Ein Trugschluss.

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17.04. 2020

Geplant war es, daß ich ein bisschen Gras harke und dann in der Treppenkammer Tapeten abreiße. Wie es so ist, ich habe natürlich den ganzen Tag geharkt, das Gras war so lang, es waren Unmengen von Grasschnitt für April.
Die Hühner der Nachbarn haben sich gefreut, sie haben einen ganzen Haufen platt gescharrt.

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15.04. 2020

In Erwartung des angekündigten starken Windes schaute ich morgens, was alles wegfliegen könnte, aber es war dann doch eher ein gemäßigtes Lüftchen.
Bis zum Nachmittag knibbelte ich an meinem Pullover. Abends bin ich zu müde, um so komplexe Sachen zu machen, wie einen Ärmel einstricken und alles vorher durchzurechnen. So hatte ich bald einen Einstieg gefunden.
Erst um 15 Uhr ging ich raus, mittlerweile war es warm geworden.
Wir inspizierten die Treppenkammer, in der ich gestern lockeren Putz abgeschlagen hatte. Da sich dort im Winter oft die Feuchtigkeit staut, mußten die Öl- und Dispersionsfarbe von der Wand geholt werden. (Eigentlich wollte ich den ganzen Putz runterholen, doch der war fester als die Lehmziegel darunter.)
Der Graf schliff die Farbe ab, bis es früher Abend war und ich schaute ihm bewundernd zu.
Ich kochte danach Suppe und strickte weiter am Ärmel.
Nebenher schauten wir Nachrichten, um zu wissen, wann wir aus der Klausur wieder in den Baumarkt können und wann das Enkelkind wieder ihren Kindergartenfreund sehen darf.
Der Graf und ich reagieren auf die Vorschriften völlig unterschiedlich. Ich, die ich in einem restriktiven Staat geprägt wurde, war sehr unruhig, als die Seuche kam und noch jeder tun konnte, was er wollte. Ich wurde ruhig, als die Grenzen für alle definiert waren. Dem Grafen ging es umgekehrt. Die Beschneidung seiner Freiheiten macht ihn widerständig.

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