Apfelkuchen, Still-BH und Mutterehre

Nun komme ich ziemlich spät in diese Eva H.-Diskussion.
Aber ein paar Sätze kann ich mir dazu nicht verkneifen:

  1. Wenn diese Frau glaubt, daß Mutterschaft und Familienleben früher (vor den 68ern) besser waren, sollte sie mit Lesen biederster Hausfrauenblättchen von den 20ern bis zu den 60ern bestraft werden. Themen wie „Wie kriege ich meinen Mann dazu, mir einen Halbtagsjob zu erlauben? Wie stelle ich es an, über die Erhöhung des Haushaltsgeldes zu sprechen, ohne daß er mich anschreit? Ich will den Führerschein machen – er ist dagegen!“ sprechen, was die Machtverteilung in Ehe und Familie angeht, für sich.
  2. Nun ist die ganze Apfelkuchenlitanei und das Stillen, bis ein Kind die dritten Zähne hat keine genuine Erfindung von Frau H. sondern ein relativ deutsches Phänomen. Nirgendwo sonst gehen Frauen so endgültig aus dem Beruf, wenn sie Kinder bekommen. Und es ist ihnen nicht einmal unlieb, sonst hätten sie schon Jahrzehnte vorher politischen Einfluß ausgeübt, um bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu bekommen. Das ist nämlich nicht unmöglich, die AKWs sollen dank politischer Interessen auch demnächst abgeschaltet werden. Eine schlecht ausgebildete, nicht berufstätige Frau mit Kindern ist im Scheidungsfall abgesichert, auch wenn sie keine großen Sprünge machen kann. Nicht umsonst werden die meisten Scheidungen durch Frauen eingereicht. Neu ist, daß diese Frauen mit Frau H. eine öffentliche Stimme haben.
  3. Diese ganze „bei den Nazis war nicht alles schlecht“-Nummer war ganz dumm. So dumm wie „bei Hitler hatten sie alle Arbeit“ oder „in der DDR gab es Zusammenhalt und menschliche Wärme“. Ja, gab es und ja, hatten sie. Was diese autoritären, menschenverachtenden Systeme nicht rehabilitiert.
  4. Gedankensprung: Die einzige Partei, die in den letzten 20 Jahren tatsächlich in der Lage war, verkrustete Strukturen aufzusprengen, waren die Grünen. Sie standen zwar für eine Innovation der Genderpolitik, nicht aber der Familienpolitik. Das Frauenlager zerfiel in Gebärverweigerinnen und Berufsmütter. Keine der Politikerinnen hat tatsächlich und erfolgreich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gekämpft. Die erste greifbare Veränderung geht jetzt von den Konservativen aus. Das finde ich schon phänomenal.
  5. Ich wünsche mir, daß Kinder in der Gesellschaft wieder als das angesehen werden, was sie sind: diejenigen, die von uns bleiben, unsere Zukunft. Nicht Störfaktoren, finanzielle Belastung und berufsbiografisches Aus. Kinderhasser hassen sich selbst, denn sie waren selbst einmal Kind und sind mehr als nur ertragen worden.
  6. Wer diese Kinder nun aufzieht, ob Mutter, Vater oder die aus Eltern, Großeltern und Betreuern bestehende Großfamilie ist schnurzpiepe und berechtigt daher auch nicht zum Anspruch eines Verdienstkreuzes, Frau H. Denn das ist nicht als Ideologie, böse Ideologie, wie mir scheint.

Und gleich vorweg: Jeder nationalistische Kommentar wird von mir kommentarlos gelöscht.

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Und der Plan dahinter

Textpattern ist mir mittlerweile zu exotisch geworden. Ich denke, ich werde mal für eine Weile in die twoday-community wechseln. Allerdings unter Mitnahme meiner alten Texte. Die Öffentlichkeit dorten ist schon nicht schlecht. Da ich kein A auf mien Blog gestempelt sehen will, habe erreiche ich mit einer Insellösung nicht allzu viele Menschen.
Und dann wechsele ich vielleicht wieder zurück zu einem selbstgemachten wordpress-blog.
Dachte ich mir so…

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Benimmfrage

Darf man Blogger eigentlich per Kommentar auf Rechtschreibfehler aufmerksam machen? Also jetzt nicht Vertipper oder schräge Grammatik, sondern richtig üble Sachen, bei denen man den Leuten nicht wünscht, daß sie es im nächsten Geschäftsbrief auch so schreiben.
Es gibt da keinen zu verlinkenden Anlaß. Wir sind nur mittlerweile alle ein bißchen Pisa.

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porNO

Vor Jahren blieb ich am Empfehlungstisch der Stadtbibliothek hängen. Ich griff neugierig nach Dworkins Pornografie. Wo Porno draufsteht, steht bestimmt Porno drin. Ich las mich fest, wie jemand, der angesichts eines Unfalls nicht wegsehen kann. Die Hysterie und Emotionalität des Textes faszinierte mich zutiefst.
Ein bißchen erinnerte mich die Dame an meine Mutter, die als Vierjährige entdeckt hatte, daß die Eier bei den Hühnern aus dem Popo kommen und deshalb nur noch Eier aus dem Laden haben wollte und nicht mehr aus dem Stall.
Ich hatte als Vierzehnjährige am Großfamilientisch betretenes Schweigen ausgelöst, als ich meine Oma fragte, ob sie mir Lady Chatterley borgt, wenn sie es ausgelesen hat. Räusper…Hust. Ich habe das Buch bekommen, weil es wohl einfacher war, vor versammelter Mannschaft Ja zu sagen, als mir zu erklären, warum das nichts für mich ist.
Porno in der DDR, das waren zerfledderte, speckige schwedische Heftchen aus dem 70ern, in denen die G*ngbangs aussahen wie ABBA beim F*cken und die von ihren Besitzern gehütet wurden, wie ein Augapfel. Oder Fotos von Fotos von Fotos von abfotografierten Heftchen, die ein Schlitzohr mit eigener Dunkelkammer vor der Schule für zwei Mark das Stück vertickte.
Es ging sogar das Gerücht um, daß der Amateurfilmclub, in dem ich vierzehnjährig meine ersten Super-8-Filme machte, einen Teil des Jahreskontigents an Filmen zweckentfremdete, um Werktätige bei der aktiven Familienpolitik zu zeigen.
Die Bildungslücken waren nach Mauerfall schnell geschlossen. Ich zwängte mich mit einer Freundin in eine Kabine, um auf einem von der Decke hängenden Fernseher hektisches fleischfarbenes Gerammel anzusehen oder ging mit meinem Freund in eines der längst vergessenen Kudammkinos. Dort liefen amerikanische Schwarzweißfilme aus den 60ern, denen ein Kommentator wissenschaftlich erklärte, was die Männer mit den Koteletten mit den Frauen mit den langen Haaren da trieben. Manchmal gab es auch krude polnische Ware, in denen ein dickbäuchiger, schnauzbärtiger, nach Klempner aussehender Typ heftig um eine Erektion kämpfte und immer mal in die Kamera schielte, ob das denn jetzt so ok. sei, was er da macht.
An Carol Lynn kann ich mich auch noch erinnern. Das waren schon Qualitätsprodukte. Die Gute ist mittlerweile mittlerweile im Ruhestand eine breithüftige Mama geworden.
Den inneren Aufruhr von Frau Dworkin konnte ich nicht ganz teilen. Ich werde jetzt nicht schreiben, daß ich mir die Filme aus rein kulturhistorischen Interesse angesehen habe. Die waren schon ok. Wenn es auch nervig war, daß das Hauptmotiv blasende Frau, die von unten her zu ihm aufschaut war und zudem die Männer meistens ziemlich Scheiße aussahen.
Als die Mode begann, den Frauen viel Silikon unter hauteng zurechtgeschnittener Haut zu verordnen, stieg ich aus den Profiprodukten weitgehend aus. Das war nur noch Vaginalakrobatik und hatte nicht mal mehr den Anschein von Authentizität. Langweilig.
Das Internet scheint die Branche grade zu ruinieren. Wozu noch Filmchen kaufen? Einzig Pink Prison steht in meinem Regal. Schon um Lars von Trier die Filme zu finanzieren. Der ist ganz nett, zeigt hübsche Männer, die ihn aber allesamt nicht so recht hochkriegen. Und die ganze frauenaffine Romantik – keine Nahaufnahmen, Traumsequenzen – ist nicht so mein Ding.
Mittlerweile sind die briefmarkengroßen Internet-Bildchen, auf denen man nicht wußte, sind das grade Pixelsprünge oder action, was da ruckelt, ansehbare Clips geworden.
Globalsierter S*x. Brasilianische Bikinimädchen mit ihren stolzen Stechern, rumsudelnder, fetter White Trash, abartige japanische Praktiken (die haben echt nen Knall), vor Aufregung angesichts einer nackten Frau fast explodierende Türken und der banale besoffene, flachgelegte westeuropäische Teenger, gefilmt mit der Handykamera.
Demokratisch und unproblematisch zu konsumieren und daher sicher nicht unbedingt nur noch Männersache.
Tja, Alice, tut mir leid.

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