Alte Männer

Wir sind gestern bei einem Spazierganz zufällig an einem Harley-Davidson-Laden vorbei gekommen. Faszinierend.
Die Mitglieder der Motorradclubs stehen in Rudeln auf dem Pflaster, alle tragen die selben Jacken und hofieren den in der Mitte des Rudels stehenden Typen, der sich meist dadurch auszeichnet, noch die vollste silberne Matte auf dem Kopf und den eindrucksvollsten Schnauzbart zu haben. Leider hat er auch meistens die größte Plautze.
Auch jenseits der Rudel gilt: je schöner und glänzender die am Staßenrand aufgebockte Maschine, desto häßlicher und ungepflegter ihr Fahrer. Wampen, Warzen, Tränensäcke und schüttere Frisuren, die immer noch mindestens mit einigen Haaren über die Ohren und den Hemdkragen gehen müssen.
Mitunter aucht die eine oder andere Frau auf. Meist blond. Meist langhaarig oder – mangels Masse – auftoupiert und im Gesicht schwer vom Rauchen gezeichnet.
Man trägt Leder und da die taillierten Rennfahrerjacken und die engen Stiefelhosen den Herren schon seit Jahren nicht mehr passen, wickeln sie sich nun ganze Rinderhäute. Ganz beliebt, weil praktisch, ist die Lederweste. Sie geht bis bis über den Hintern und ist am Bund in Falten gelegt, so daß der Bauch warm eingepackt ist, die Arme bleiben frei zur Demonstration des immer noch beachtlichen Bizeps. Ihre vielen Taschen verhüten, ihr Träger womöglich ein lächerliches Herrenhandtäschchen benutzen müßte. Da paßt alles rein, Sonnenbrille, Geldbörse, Papiere, Zigaretten, Zippo, Schlüssel, Leatherman. Unter die Lederweste kommt das unvermeidliche karierte Hemd.
Im übrigens sammeln sich auch viele Lederwestenträger bei Dixielandkonzerten. Dort tauchen sie ihre grauen Schnauzbärte ins Bier, quatschen mit Kumpels über Krankheiten, rauchen Roth-Händle und schauen der in die Jahre gekommenen Bedienung mit der kecken, kurzen Lederschürze auf den nicht mehr ganz taufrischen Hintern, dem enge Röhrenjeans Form geben.

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So schnell

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Ich immer nur zufällig auf ihrer Seite, Reisebeschreibungen, später Krankheit, eine Frau aus der Provinz. Nix für mich Großstadtpflanze.
Gestern und heute habe ich mich von vorn bis hinten durchgearbeitet. Eine klare, kluge Frau, unprätentiös, keine verschnippte Selbstinszeniererin. Es sagt viel über meine Eitelkeit, daß ich immer wieder nur vorbei gegangen bin.
Es wird nicht nur geliebt gezeugt und geboren in Kleinbloggersdorf, es wird auch gestorben.
Knapp drei Jahre von der ersten Diagnose bis zum letzten Tag im Hospiz, vom „ich habe keine Angst“ bis zum „ich muß mich damit abfinden“. Davon zwei Jahre Hoffnung, daß der Krebs abdreht und immer wieder schwere Quälerei.
Ich habe mich gefragt, wie ich handeln würde, wenn ich heute oder morgen vor diesem Problem stünde. Würde ich die Ochsentour der Chemotherapien, Bestrahlungen und Operationen gehen? Würde es sich lohnen, die letzte, zerdehnte Lebenszeit kriechend und kotzend in Krankenhäusern zu verbringen? Ist der schnelle Untergang mit Würde und Trara besser? Oder sollte man doch lieber bei der Lebenslotterie mitspielen?
Das Blog von mariont, ihr virtueller Nachlaß, wird hoffentlich noch lange im Netz stehen.

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Mist!

Grade eine lange Kritik zur gestrigen Premiere geschrieben.
Im letzten Satz auf die falsche Taste gekommen, gelöscht.
Also. Ansehen. Gut gemachtes deutsches Kino.

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