Archiv des Monats: März 2007
Hypochrondrie light
Irgendwie habe ich ja ein Problem mit X-Berger Ärzten.
Die Gynäkologin nickte mitleidig, als ich bei der Untersuchung plapperte, daß ich mir bei meinem Freund sicher nichts aufgeschnappt haben könnte. Ich hatte schlichtweg übersehen, daß ausschließlich Lesben mit Kinderwunsch im Wartezimmer saßen.
Die nächstgelegene Hausarztpraxis schien mir das letzte ambitionierte Ärztekollektiv mit Einheitsgehalt zu sein. Rechts von mir ein krätziger Junkie, links von mir ein Alkoholiker im Endstadium, der sich imaginäre Tierchen von den Armen fing. An der Anmeldung eine großgedruckte Liste mit meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Ich fühlte mich so garnicht fehl am Platze, als ich dem blassen und überarbeiteten Arzt hyperventilierend meinen Wunsch nach dem und keinem anderen Sedativum vortrug, damit ich nachts schlafen konnte und mich tagsüber keine Panikattacken am Arbeiten hinderten. (Damit wir uns nicht falsch verstehen, von diesem Zeug habe ich in den letzten 5 Jahren 2 Packungen benötigt, die meisten davon vor Zahnarztbesuchen.)
Bei allen dasselbe. Sage ich: Ich kann derzeit nicht richtig arbeiten, weil es mir mies geht, tun sie was!, bekomme ich zur Antwort: Arbeiten Sie nicht so viel.
Sage ich: Dann und dann habe ich einen wichtigen Termin, bis dahin muß das ok. sein, greifen sie gaaaanz langsam nach dem Rezeptzettel mit den Worten: Ich schreib Ihnen da mal was mildes Pflanzliches auf oder wollen wir es doch lieber mit Homöopathie versuchen? Wie lange brauchen Sie denn die Krankschreibung?
Auch stereotypes Aufschwatzen von IGEL-Leistungen, die nicht mal meine Privatkasse zahlen würde, nervt. Der letzte Schrei: Vitamin-C-Infusionen. Verabreicht im Wartezimmer. Als ich die Praxis zum ersten Mal betrat, zuckte ich vor Mitleid zusammen und dachte: Gott, die armen Krebskranken, haben die keinen Platz im Krankenhaus bekommen für ihre Chemo?
Rufe ich nachmittags nach 16 Uhr an (soweit ich mich erinnere, öffnen normale Ärzte ihre Praxis dann noch einmal für arbeitende Menschen), bekomme ich ein glockenhelles Lachen geschenkt: Nee, wir schließen um 17 Uhr, irgendwann brauchen wir auch mal Feierabend.
Und so bin ich allmählich zu HeMans Ärzten nach Mitte und Charlottenburg gewechselt. Da kann ich sagen: irgendwas stimmt nicht, stellen Sie mich mal bitte auf den Kopf. Und siehe da, mitunter bekomme ich auch die völlig kostenfreie Auskunft: Diesen blöden grippalen Infekt hatten wir auch alle, keine Sorge, das ist völlig normal, daß sie sich noch drei Wochen später müde und schlapp fühlen.
Geht doch.
Au weia
So langsam wie die Schweizer? So träge und lasterhaft wie die Belgier?
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Aufgesammelt bei lu
Metamorphosengefahr
Gestern in X-Berg. Ich reite im Halbdämmer mit meinem roten Nuttenauto vom Hof, fahre langsam aus der Ausfahrt. Rechts neben mir auf dem Fußweg kommt langsam eine junge Frau gelaufen. Als ich halb halb auf der Straße bin, hat sie mich erreicht und es kracht. Sie steht neben mir und schimpft und zetert.
Ich mache die Tür auf. Schon ziemlich geladen. Was los sei, frage ich sie. Ich wäre ihr vor die Füße gefahren und und. Aha.
Und mir bläht und regt sich etwas, das aussieht wie Hulk. Trotzdem steige ich erstmal wieder ein. Fahre weiter. Hulk in mir sagt: he, die Alte hat dir grade ans Auto getreten und dich beschuldigt, sie fast überfahren zu haben.
Rennfahrermäßig schere ich links auf die nächste Einfahrt ein und knöpfe mir mir die Dame noch mal vor. Was das eigentlich solle? Die Antwort ist einfach: Ich hätte zu warten, bis sie vorbeigelaufen sei. Wunderbar, sagt Hulk, bei dem Tempo der Fußgänger in Kreuzberg kannst du gleich im Hof bleiben. Irgendeine Nase mit ziemlich viel Zeit kommt immer vorbeigetrödelt. Und außerdem: Sie hat ans Auto getreten, an den teuren rotgoldenen italienischen Lack mit ihren verdammten Dreckbotten und dich angeschrieen!
Die Logikerin in mir beschäftigt sich indessen mit dem Problem, warum Fußgänger keine Nummernschilder haben und ob ich jetzt womöglich von ihr den Personalausweis verlangen sollte, um sie wegen Sachbeschädigung anzeigen zu können.
Ein paar aufgeregte Frauenphrasen fliegen hin und her und dann kracht es noch mal, sie hat gegen den anderen Kotflügel getreten. Nun übernimmt Hulk das Kommando und startet mit mir durch: Du gottverdammte V…, jetzt reichts!!!
Die Logikerin merkt an, daß man in der Dämmerung weder Kratzer noch Beulen sehen könne und daß es praktisch wäre, sie am Weggehen zu hindern, vielleicht die Schuhe wegnehmen bis die Sache geklärt ist…
Icke selba hab Lust, ihr einfach eine zu knallen für die Unverschämtheit und es dabei zu belassen.
Hulk meint: Prima, mach ich. Ich schmeiß die Alte auf die Erde, zieh ihr die Schuhe aus und dann hau ich ihr mal richtig eine rein!
Schluß, jetzt reichts! Meine Vernunftanteile ziehen die Reißleine, bevor sie völlig überstimmt werden. Du steigst jetzt sofort ins Auto zurück, beruhigst dich und tobst dich in der Muckibude aus.
Großstadt kann anstrengend sein.
