Identifikation eines Mannes

Es ist wieder ein Jahr vergangen. Wenn du deine Legende aufrecht erhalten hättest, würdest du 50 werden. So feierst du ganz reell deinen 53. oder 54. Oder auch nicht – quien sabe? Da du immer wieder einen reset fährst, ist viel Spielraum. Scheinbar.
Das, was zu sehen und zu fühlen ist, bricht die jugendliche Attitüde.
Aber tröste dich, du bist nicht allein mit deiner Trauer um deinen vergehenden Körper, deine schwindende Kraft und die unerbittlich verrinnende Zeit.

Der Erzengel im Gedicht von Alberti sagt immer wieder: Ich war… – Yo era…
Benjamin schreibt über Klees Angelus Novus einen kleinen Text aus verwundenen Zitaten. Der Engel sieht in die Vergangenheit und wird vom Sturm des Fortschritts in die Zukunft getragen. Unaufhaltsam.

Irgendwann überqueren wir alle den Pass. Und sehen voll Entsetzen, daß es nur noch abwärts geht. Die Qualen unseres Aufstiegs haben wir längst verklärt und wir nehmen nicht wahr, wie viel leichter es ist, herabzusteigen.

Als ich dich zum ersten Mal sah, habe ich vermutet, du wärest Mitte/Ende 50. Später, unter der Behauptung, du seist 48, dachte ich, du hast ein Alkoholproblem oder zu exzessiv gelebt.
Was bist du dir wert, so, wie du heute in den Spiegel schaust? Weniger als früher? In der falschen Haut? Über Nacht bestohlen? Würdelos?

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Being Snow White

Die letzte Nacht habe ich mit wichtigen Menschen aus meiner Kindheit und Jugend verbacht. Mit dem namenlosen Bösen und der Furie, die immer schöner sein wollte und mit vielen kleinen Männern. Darunter der, der einst den Satz prägte: Mit sieben Männern in einem Bett pennen, du bist mir ein ganz schönes Flittchen. Ach, einer fehlt noch, Mr. Panik, dessen wunderschönes Lied Cello in keiner Downloadbörse zu finden ist, was ich sehr schade finde.
Denen gehörte der Abend und der Tag brachte eine Wiederbegegnung mit dem Holzsoldaten aus dem Norden. Noch immer ist er autoritär und möchte von einer Frau beim Essen bedient werden. Jünger ist er auch nicht geworden. Mir schien sogar, das letzte Jahr war für ihn so schwer wie drei. Aber ich habe seine Geste verstanden. Sich für einen halben Tag außer Dienst zu stellen, um mir seine liebste Bar zu zeigen und mit mir um die Alster zu spazieren, das tut er selten. Er hat dafür einen Kuß bekommen. Von ganzem Herzen.

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Das letzte Mal?

Schon vor drei Wochen war ich zum letzten Mal in diesem Jahr im Schlachtensee schwimmen. Gestern habe ich es noch einmal gewagt. Erst eine halbe Stunde die Uferpromenade entlanggejoggt, vorbei an fetten Walkerinnen und Spaziergängern mit Kinderwagen und dann ab ins Wasser. Der befürchtete Schock blieb aus, auch wenn ich es nur 10 Minuten ausgehalten habe. Neben mir sind zwei Jungs über den See geschwommen.
Aber folgenlos war es nicht. Auch wenn ich danach sofort bei HeMan unter die heiße Dusche gegangen bin, zwickt und zwackt es hier und da. Aber egal, das war es wert.
Schade, daß ich nicht nächste Woche mit ihm an die Ostsee fahren kann. Ich würde gern noch einmal ins Meer springen.

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