Eigentlich bin ich der komplette Fremdsprachenmuffel. Da ich ueber Doppelsinn, Hintergruende und Ambivalenzen kommuniziere, ist mir die deutsche Sprache viel zu wichtig. Und jegliche andere von mir im Leben angelernte Sprache gibt mir das – mangels intimer Kenntnis – eben nicht: Wortspiele und Ironie.
Je laenger ich im selbstgewaehlten Exil bin, desto mehr freunde ich ich mit der notgedrungen holzschnittartigen Ausdrucksweise in einer fremden Sprache an. Die Situationen koennen immer nur eindeutig sein. Will ich – will ich nicht. Willste – willste nicht. Haben – nicht haben. Etc. pp.
Ich flirte auf Spanisch und Italienisch ohne einen roten Kopf zu bekommen. Mache britische Konversation in der Strandbar mit James, dem Neurologen aus London (ich liebe diesen Akzent!). Grabe mein gar nicht so uebles Franzoesisch aus fuer Natalie, die Wirtin meines Abendlokals. Und manchmal spreche ich auch deutsch. Wenn ich nachts einen netten jungen Tramper aufsammle.
So langsam gefaellt mir dieses Leben. Vor allem, weil ich dieses Jahr den Weihnachtsabend mit einem Hitzschlag im Bett verbracht habe. Das waere mir in Berchtesgaden oder Salzburg nicht passiert. Wenn ich die Sache weiterdenke, muesste ich dann Silvester allerdings mit Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus verbringen. Lieber nicht. Lieber Gott, schick mir bitte was Angenehmes…
Lost
Bis auf weiteres. Es gibt da noch was zu erledigen in diesem Leben. Surfen und englische Konversation lernen.
Och Mensch
Heute gab es Kaelte (was hier so kalt heisst) und Wind. Und damit jede Menge gut gebaute Menschen in Neopren auf Boards. Ich habe aber nur dem schnoeden Konsum gefroent und mir ein suendteures Fleeceleibchen gekauft, um den Jungs am Stand besser zusehen zu koennen. Schwimmen ist wegen zu hoher Wellen ausgefallen. Leider.
Der Herbergswirt versucht in laengeren Gespraechen zu erkunden, warum ich so komplett allein in der Welt herumstreune. Die Antwort war einfach: Ich war auch schon allein in Andalusien, Norwegen und an der Ostsee. Nix von wegen Liebeskummer. Und doch wird mir der Hals immer eng, wenn ich mit ihm rede. Hat er doch denselben rheinischen Tonfall wie HeMan.
Irgendwie hab ich frueher solche Erlebnisse besser weggesteckt. Nach dem Motto „…wenn an der naechten Ecke schon ein anderer steht…“ Ecken, an denen Typen rumstehen gaebe es genug. Aber irgendwie gehts nicht. Verdammt!
Signal 2
Am ersten Tag meines wilden Nicht-Mehr-Pauschalurlaubs ist meine Uhr kaputtgegangen. Rationale Erklaerung: eine Rado vertraegt kein Salzwasser und ich bin eine Idiotin. Aber ich konnte es spirituell umwidmen in: ich lebe jetzt einfach nach dem Rhythmus meiner Seele. Nicht so ganz allerdings. Da mein Quartier in El Cotillo an der Hafenkante liegt, bestimmen vor allem die Gezeiten (bruellende Wellen um drei Uhr nachts bei Neumond) und eine Baustelle 20 Meter von meiner Eingangstuer meinen Schlaf-Wach-Wechsel. D.h. derzeit schreibe ich von 18 bis 22 Uhr und lese von zwei bis sechs Uhr morgens Trivialromane. Am Tag schlafe ich am Strand und um 10 Uhr abends krache ich vor Erschoepfung ins Bett. Bloederweise sind das die Zeiten, in denen es hier gesellschaftlich interessant werden und eine schuechterne Alleinreisende es schaffen koennte, den einen oder anderen Kontakt (vielleicht sogar zum anderen Geschlecht?!) zu knuepfen. Das sind aber auch die einzigen suboptimalen Momente.
Ansonsten fuehl ich mich Spitze. Sehe gut aus im Bikini. Bin mittlerweile schwarzbraun wie eine Haselnuss und optimal zerzaust blond fuer die Surferboys – wenn ich denn mal zur selben Zeit wie sie wach waere. Und schaffe es sogar, auf englisch dem Kellner beizubiegen, dass ich meine Gambas nicht pulen will. Einfach Naked Prawns odern, das wird verstanden.