mghmanney!

Ich habe von anderthalb Gläsern des untengenannten Gesöffs einen barbarischen Kater bekommen.
Und überhaupt finde ich es garnicht so Klasse, was sich bei mir momentan so mit Alkohol abspielt. Also nicht, daß ich abends eine Flasche kippen muß, sonst fehlt mir was.
Aber ich habe so Tage, da setze ich mir in den Kopf, was bestimmtes trinken zu wollen, meist harte Sachen, ich mag Schnaps. In Barcelona war es der spanische Brandy. Gestern wollte ich unbedingt noch vom Gorgonzola in den Würgeengel wechseln und was Rotes trinken. Und wenn ich einmal dabei bin, trinke ich von solchen Killercocktails auch noch einen zweiten und bin hackebreit, habe Wortausfälle, aber trotzdem die große Klappe. Also Kontrollverlust. Nix für Mutters Tochter.
Ich muß mir ein Verhaltensmuster erarbeiten, damit mir sowas nicht passiert (auch wenn es nur drei- oder viermal im Jahr ist), denn ich finde das extrem blöd und peinlich dazu.

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Negroni

(Campari, Noilly Prat, Gin) ist ab sofort von der Liste trinkbarer Cocktails gestrichen.

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Roll over Beethoven

Vorab: Ich verstehe nichts von Musik. Nicht mehr als das, was der Musikunterricht vermittelte (Sonatenhauptsatz, hä?) und das, was zur Geburt einer erträglichen Singstimme an Notenkenntnissen nötig war.
Ähnlich wie bei Architekur und Malerei kann ich Epochen einsortieren.
Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert, mit ein paar bemerkenswert schrägen Tönen? Schostakowitsch von 1954.
Wagnerhaftes Sirren, Klang- und Vibrationswolken, melodielos? Chausson, Ende 19. Jahrhundert. (Bei Mozart und Bach versage ich regelmäßig, die sind zu zeitlos und genial.)
Meine mentalen Speichern lagert das, was sich bei meinen Eltern täglich auf dem Plattenteller drehte oder (entsetzlich angezogen und aufgeregt) in Konzerten gehört wurde.
Seit einer Woche pilgere ich mit HeMan ins Konzerthaus. In einem Anfall von Wir müssen dringend mal wieder Musik hören hatten wir schon vor Monaten eine Schlange Eintrittskarten für die Young Euro Classics gekauft. Was wir hörten, war jenseits von Europa. Oman. – Lauter winzig kleine Frauen, rot und grün verschleiert, dazu schwärzliche Beduinen im Frack. Gespielt haben sie mit Schmackes. Die zeitgenössischen Kompositionen waren sehr hörbar (wann ist das moderne Klassik noch?), klangen nach Hollywoodfilm und werden den König, vor dem das Orchester sonst spielt, sicher trefflich unterhalten.
Australien. Eine Bratsche mit Irokesenschnitt, zahlreiche schlacksige irischstämmige Jünglinge mit roten Locken, zartsüße Mädchen mit eisenhartem Griff um den Hals ihrer Geige. Vor allem sahen sie sich untereinander immer wieder grinsend an. Denn nach dem Konzert wird es richtig Party gegeben haben. Weshalb sie Bartoks Konzert für Orchester auch nur noch brav erledigten (ist aber auch ein riesiger 5-sätziger Klops).
Shanghai.
Das sind sicherlich alles aufgezogene Musikmaschinen, die von europäischer Musik nichts verstehen. orakelte ich herum.
Wir saßen im ersten Rang und ich war eigentlich müde und hungrig und verdrehte so ein bißchen die Augen. Sibelius. Violinkonzert. Ein junger Solist. Ok., macht mal. Und dann bekam ich ganz spitze Ohren. Da steht vorn ein Typ mit einer Geige, hat ein Gesicht überm Frack wie ein Manga-Held, Haare im Gesicht bis zur Oberlippe. Und was er spielt, ist perfekt. Manchmal ein bißchen süßlich, zu sehr auf Wohlklang getrimmt. Ich kenne nur alte Aufnahmen, wahrscheinlich Oistrach, da hört man den Bogen krachen, da wurde viel auf Rauheit und Kanten Wert gelegt.
Aber da unten passiert etwas zwischen Orchester, Dirigent und Solist, das ich selten so gesehen und gehört habe. Es prallten keine künstlerischen Egos aufeinander und zerreiben sich an einem ohnehin nur seinen Stiefel spielenden Orchester. Da kam niemand in die Leithammelposition oder gab die Rampensau.
Da unten agierte ein großer, verschmolzener Klangkörper, der Zeit hatte, Töne kommen zu lassen (und doch in einem irren Tempo spielte, das war das schnellste Konzert der Woche). Teile der Tonmassen traten zurück, ließen anderen den Vortritt, stützen höchstens noch. Respekt. Und nicht Piano, nein Pianissimo. Töne kommen lassen, aus einem Rauschen, Wispern, Schwirren. Schwebende Einsätze.
Nach der Pause Ludwig van. Die Fünfte. Deutscher geht es nicht. Eines meiner Lieblingshaßobjekte neben Faust. Anschnallen zum Rundflug über dem emotionalen Bombast eines Volkes, das keine Emotionen zeigen kann.
Der Dirigent nimmt beiläufig den Taktstock, ist noch nicht mal richtig auf dem Pult und schon kommen die berühmten vier Töne, die drei Achtel G, das Es. Wir sind schon mittendrin. Das kann nicht sein. Ich hab doch nur an der Ampel gestanden und auf Grün gewartet und dann streift mich ein Bus, nein er schleift mich mit.
Ich sitze da und mir laufen Sturzbäche die Wangen herunter. Ich wußte nicht, daß ich jeden Ton dieser Sinfonie kenne.
Mein Vater hat sie bestimmt dreimal in der Woche gehört. In der Zeit, als er seine Doktorarbeit in Kernphysik schrieb. Aber das ist lange her. Seitdem habe ich die Fünfte bestimmt hundertmal gehört. Abgehakt unter Bildung, der kulturellen Zitatsammlung, wie so manche Stelle aus dem Faust. Und wie damals, als ich genervt noch einmal am Nachmittag in Steins Mammut-Faust ging (zwischendurch war ich in der Badewanne und habe geschlafen, ich konnte es einfach nicht ertragen), um den Schlußmonolog zu sehen. Und auch hier kannte ich jede Zeile. Und habe verstanden. Aufbruch. Traumverwirklichung. Zukunftsgesellschaft. Alles Quatsch. Da sitzt ein dementer, blinder Alter und glaubt, daß das Grabschaufeln für ihn die Arbeit an seinem letzten großen Entwurf ist.
Zurück ins Konzerthaus. Ich habe nicht an meine Kindheit gedacht. Ich habe überhaupt nicht mehr gedacht Meine Seele hatte ihr Tor sperrangelweit göffnet und hörte Musik. Und der Rest von mir war im Ausnahmezustand. Öffentlich losheulen ist schließlich genauso peinlich, wie öffentlich einen Orgasmus zu erleben. Ich bekam besorgte Blicke von links und rechts. HeMan tätschelte mir immer mal beruhigend die Hand und ich dachte immer nur: laßt mich doch einfach in Ruhe

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Ham se übahaupt jedient?

Setzen wir doch einmal den Reigen der peinlichen Geständnisse fort.
Ich mag Uniformen. Nicht das nach Schweiß, Stiefelwichse und Tabak riechende filzige Feldgrau. Nein. Maßgeschneiderte Stiefelhosen mit roten Generalsstreifen, silberne oder goldene geflochtene Schulterstücke und Interrimsspangen, die die Kurzform der Orden codieren. Barette, Kampfanzug und Schnürstiefel inclusive.
Ich kann mich auf eine frühkindliche Prägung herausreden, ich bin quasi beim Militär großgeworden.
Komischerweise sind meine sonderbare Fixierung und mein Schwerter-zu-Pflugscharen-Pazifismus nie miteinander kollidiert.
Uniformen in denen ein passabler Kerl mit adäquatem Dienstrang steckt (was hieße von Oberst aufwärts), sind relativ selten. Sie werden entweder von Studienrätinnen in den Schrank gehangen, die ein verbeamtetes Pendant suchten, das nicht ebenfalls ab Mittag im Haus rumhängt. Oder aber sie liegen in Beziehungskisten mit grünen Abgeordetinnen auf der Stuhlkante.
Mangels anzuschmachtendem Material habe ich einen Ersatz gefunden: Mann im Anzug. Also nicht der C*A-Knautschke für Versicherungsvertreter. K*ton, Z*gna, Nadelstreifen, dunkelblau, dunkelgrau, schlammfarben. Dazu italienische Hemden mit handgenähten Ärmeln und Knöpfen, am liebsten die hellblauen. Krawatten, die immer auf der Kante des farblichen Wagnisses sind und in der nächsten Saison gar nicht mehr gehen. Pferdelederschuhe und -gürtel, kein Unterhemd.
Also im Grunde ganz schlicht, mit wenig Chi Chi und nur wenigen zu variierenden Details. Und wenn ich in meinem nächsten Leben ein Mann werde (ich habe es bereits beantragt) trage ich genau solche Anzüge. (Es sei denn er beamt mich ins 18. Jahrhundert, dann wird es eine Husarenuniform.)

Unwiderstehlich. Freitag abend. Heman und ich kommen aus einem Konzert. Ich schraube an meinen Ohrringen. Er knibbelt an den Manschettenknöpfen, das Hemd aufgeknöpft und schon halb von den Schultern gezogen. Wir haben es dann nicht mehr geschafft, die Schuhe auszuziehen.

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