Wien war nett!

Aber back in Berlin: Hölle! Hölle! Hölle!
Kann mich jemand abschalten? Oder den Tag zurückspulen?

porNO

Vor Jahren blieb ich am Empfehlungstisch der Stadtbibliothek hängen. Ich griff neugierig nach Dworkins Pornografie. Wo Porno draufsteht, steht bestimmt Porno drin. Ich las mich fest, wie jemand, der angesichts eines Unfalls nicht wegsehen kann. Die Hysterie und Emotionalität des Textes faszinierte mich zutiefst.
Ein bißchen erinnerte mich die Dame an meine Mutter, die als Vierjährige entdeckt hatte, daß die Eier bei den Hühnern aus dem Popo kommen und deshalb nur noch Eier aus dem Laden haben wollte und nicht mehr aus dem Stall.
Ich hatte als Vierzehnjährige am Großfamilientisch betretenes Schweigen ausgelöst, als ich meine Oma fragte, ob sie mir Lady Chatterley borgt, wenn sie es ausgelesen hat. Räusper…Hust. Ich habe das Buch bekommen, weil es wohl einfacher war, vor versammelter Mannschaft Ja zu sagen, als mir zu erklären, warum das nichts für mich ist.
Porno in der DDR, das waren zerfledderte, speckige schwedische Heftchen aus dem 70ern, in denen die G*ngbangs aussahen wie ABBA beim F*cken und die von ihren Besitzern gehütet wurden, wie ein Augapfel. Oder Fotos von Fotos von Fotos von abfotografierten Heftchen, die ein Schlitzohr mit eigener Dunkelkammer vor der Schule für zwei Mark das Stück vertickte.
Es ging sogar das Gerücht um, daß der Amateurfilmclub, in dem ich vierzehnjährig meine ersten Super-8-Filme machte, einen Teil des Jahreskontigents an Filmen zweckentfremdete, um Werktätige bei der aktiven Familienpolitik zu zeigen.
Die Bildungslücken waren nach Mauerfall schnell geschlossen. Ich zwängte mich mit einer Freundin in eine Kabine, um auf einem von der Decke hängenden Fernseher hektisches fleischfarbenes Gerammel anzusehen oder ging mit meinem Freund in eines der längst vergessenen Kudammkinos. Dort liefen amerikanische Schwarzweißfilme aus den 60ern, denen ein Kommentator wissenschaftlich erklärte, was die Männer mit den Koteletten mit den Frauen mit den langen Haaren da trieben. Manchmal gab es auch krude polnische Ware, in denen ein dickbäuchiger, schnauzbärtiger, nach Klempner aussehender Typ heftig um eine Erektion kämpfte und immer mal in die Kamera schielte, ob das denn jetzt so ok. sei, was er da macht.
An Carol Lynn kann ich mich auch noch erinnern. Das waren schon Qualitätsprodukte. Die Gute ist mittlerweile mittlerweile im Ruhestand eine breithüftige Mama geworden.
Den inneren Aufruhr von Frau Dworkin konnte ich nicht ganz teilen. Ich werde jetzt nicht schreiben, daß ich mir die Filme aus rein kulturhistorischen Interesse angesehen habe. Die waren schon ok. Wenn es auch nervig war, daß das Hauptmotiv blasende Frau, die von unten her zu ihm aufschaut war und zudem die Männer meistens ziemlich Scheiße aussahen.
Als die Mode begann, den Frauen viel Silikon unter hauteng zurechtgeschnittener Haut zu verordnen, stieg ich aus den Profiprodukten weitgehend aus. Das war nur noch Vaginalakrobatik und hatte nicht mal mehr den Anschein von Authentizität. Langweilig.
Das Internet scheint die Branche grade zu ruinieren. Wozu noch Filmchen kaufen? Einzig Pink Prison steht in meinem Regal. Schon um Lars von Trier die Filme zu finanzieren. Der ist ganz nett, zeigt hübsche Männer, die ihn aber allesamt nicht so recht hochkriegen. Und die ganze frauenaffine Romantik – keine Nahaufnahmen, Traumsequenzen – ist nicht so mein Ding.
Mittlerweile sind die briefmarkengroßen Internet-Bildchen, auf denen man nicht wußte, sind das grade Pixelsprünge oder action, was da ruckelt, ansehbare Clips geworden.
Globalsierter S*x. Brasilianische Bikinimädchen mit ihren stolzen Stechern, rumsudelnder, fetter White Trash, abartige japanische Praktiken (die haben echt nen Knall), vor Aufregung angesichts einer nackten Frau fast explodierende Türken und der banale besoffene, flachgelegte westeuropäische Teenger, gefilmt mit der Handykamera.
Demokratisch und unproblematisch zu konsumieren und daher sicher nicht unbedingt nur noch Männersache.
Tja, Alice, tut mir leid.

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Im Grunde meines Herzens

bin ich Puristin und deshalb verirrt sich auch nur ab und zu ein Foto in das Textpattern-Blog. No-Go-Area für Videos.
Aber so langsam gerate ich in Versuchung, denn ich habe auf Youtube Videoclips von The Tea Party entdeckt.
Das zu Messenger ist gruselig. Aber das Lied ist noch immer Spitze.

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Nobody is perfect

Als ich HeMan zum ersten Mal besuchte, fiel mir seine extrem aufgeräumte Wohnung auf. So ein bißchen wie in Schöner Wohnen – sparsam verteilte, stylische Möbel, ein paar wunderschöne Nippes und das eine oder andere Buch.
Mittlerweile kenne ich ihn auch während Chaoseinbrüchen, wo sich plötzlich die ganze Wohnung mit Ramsch bedeckt: zerfledderte Zeitungen, Klamotten, volle Aschenbecher, benutzte Kaffeetassen, Einlegesohlen von Sportschuhen (vorzugsweise auf dem Küchentisch).
Eine ganze Zeit lang fragte ich mich, wo er in so einer Wohnung, die kaum Stauraum und Schränke hat, Sachen unterbringt, die grade nicht benutzt werden und kompliziert aufzuräumen sind oder aber lange nicht mehr benutzt und doch nicht weggeworfen werden. Ganz zu schweigen von erinnerungsbeladenem Kleinkram.
Und nach ein paar Monaten, als ich anfing, mich ungezwungen zu bewegen, sah ich Ecken. Hinter Türen und Sofas verbargen sich Liegestuhlüberzüge, Kamerastative, Petroleumlampen, alte Laptops oder schlicht und ergreifend getragene Socken, die, wenn Besuch kommt, dahinter fliegen.
Das ist auch eine Variante. Ich dagegen habe Sedimentschichten auf meinem Schreibtisch. Wenn ich etwas suche, dann weiß ich so ungefähr, wie alt die Ablagerung ist und wie tief ich deshalb greifen muß. Ablage ist die Hölle. Habe ich etwas eingeheftet, vergesse ich die Logik des Vorgangs (Feuersozeität? Unter F wie der Name unter V wie Versicherung oder unter H wie Hausratversicherung?) und suche mich tot. Meine Stapel gehe ich alle drei Monate durch, entsorge, was sich von allein erledigt hat oder nicht mehr aktuell ist und dann ist Platz.

Gestern abend steht in HeMans Küche ein einzelner Schuh, rechtwinklig zum Spülschrank, die Socke ist sorgfältig reingestopft. Ich erinnere mich, daß er die Schuhe vor drei Tagen getragen hat. Der zweite steht sechs Meter entfernt im Schlafzimmer. Rechtwinklig zum stummen Diener. Und so werden beide wohl heute abend noch stehen…

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