Da war doch was

Die Jahresrückblicke spülen es wieder an die Oberfläche des Gedächtnisses.
Da gab es einen jungen, körperlich ziemlich präsenten Regisseur, der für einen Debütfilm eine hohe internationale Auszeichung bekam. Und daraufhin in alle Welt krähte, was für ein toller Erfolgstyp er doch ist oder wie die „Zeit“ in dieser Woche schrieb: Der machte mächtig einen auf dicke Hose, ob er das denn nötig gehabt hätte?
Seine Produzenten standen derweil bescheiden auf deutschen Filmveranstaltungen herum. Sie waren ja nur diejenigen (auch noch nicht so lange von der Filmschule weg), die einen Debütfilm produziert hatten…
Und bevor ich vor lauter fremdschämen im Erdboden versunken bin, habe ich mir immer gesagt: Warten wir seinen zweiten Film ab. Warten wir ab, wessen Leistung dieser so viel besuchte und beachtete Film war (den ich bis jetzt immer noch nicht gesehen habe, weil er eher das Stasi-Thema für Wessis aufbereitet behandelt).
Wenn ich jetzt das Nähkästchen mal aufmache, dann kann ich daraus plaudern, daß der junge Mann bei der Arbeit viel von seinen sehr erfahrenen und bekannten Hauptdarstellern erklärt und gerichtet bekam. Und daß er in seiner großen Hilflosigkeit sehr viel Support auch von anderen bekam, die zum Teil kein Geld dafür erhielten und denen in der nachfolgenden One-Man-Show nicht einmal Anerkennung zuteil wurde. „Das Riesenbaby“ nannten ihn seine Kollegen und halfen ihm, damit das Projekt und die Produzenten nicht baden gingen.
Erfolgsbedingte Amnesie ist eine schöne Einrichtung…

Bilanz

Das Jahr geht zur Neige und ich schreibe schon die finale to-do-Liste, die abgearbeitet sein muß, bevor ich in den Flieger besteige. Dieses Jahr ist es nicht mehr viel. Ein paar Geschenke auf den Weg bringen, ein paar abschließende Taten und Telefonate, die ungeliebte Buchhaltung noch und die Bilanz 2006 überprüfen.
Kein Vergleich mit dem Chaos und Streß im letzten Dezember: Den Kerl in die Wüste geschickt (vorübergehend, wie sich herausstellte). Ein riesiges Mailing vorbereitet und dafür aber 1500 Fehldruckexemplare bekommen. Eine Party ausgerichtet. Mit der Druckerei gestritten. Und das alles am Ende eines Jahres, das ohnehin voller Umbrüche war. Eine böse Trennung gab es, dem Kerl hab ich eine Prostataexplosion gewünscht und ich hoffe, das ist auch passiert. Das Kind und ich zogen auseinander, ich lebte zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder allein. Eine OP mitten im heißen Sommer, die mich – bei laufendem Geschäft – drei Wochen in die Horizontale brachte. Das war alles ein bißchen viel.
Dieses Jahr ist viel von dem Quark und Gewirr der letzten zwei in die richtigen Bahnen gekommen. Ich bin körperlich wieder einigermaßen fit und gesund. Es gibt wieder eine Beziehung, die diesen Namen tatsächlich verdient. Meine Arbeit ist so strukturiert, daß ich nebenbei noch leben kann und nicht nur funktioniere. Das Kind ist auf der Uni und dort sehr fleißig.
Und mir ist fast ein bißchen langweilig…

Also

was die Leute an Dieter Nuhr finden? Tja, auf der anderen Seite würden die Zillertaler Schürzenjäger ebenfalls das Olympiastaion füllen. Da würde allerdings kaum jemand zugeben, dabei gewesen zu sein.

edit
Ich hab mich geirrt. Gleiche Kombi – mehrsilbiger Vorname, einsilbiger Nachname, anderer Mensch, anderer Humor.

Ich meine Mario Barth. Und der Herr Nuhr möge es mir verzeihen…

Mit dem Ausklinken aus dem Fernsehkonsum bin ich auch da nicht mehr so sattelfest. Das letzte, was ich live sah, war ein stand-up-comedian in Schöneberg. Der war gut, hatte aber was Lehrerhaftes. Er war allerdings Sozialwissenschaftler.

Veröffentlicht unter Exkurs