Grummel

Die Mordserkältung geht langsam vorbei und die Pollenallergie kommt.
Hatschi!
In Hamburg blühen schon die Erlen und Birken. Bei dem Mistwetter.

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Hamburg im Dauerlauf

Heute und morgen Hamburg. Leider nur für Teppichlauf, Film anschauen, Party, Rausch ausschlafen, den Morgenzug zurück erwischen.
Das Kind muß morgen wieder zu einer wichtigen Vorlesung und auch heute kommt sie direkt vom Seminar.
Wer also heute abend in Harburg vorm Kino was blondes junges langhaariges mit grünen Schuhen und schwarzem Tanzröckchen in Begleitung von was blondem älterem kurzhaarigem mit grünen Stiefeln und schwarzen Tanzrock sieht – das sind wir.
Und der Film heißt Fleisch ist mein Gemüse.

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Junge Mädchen

Grade packe ich eine Bewerbung aus. Ein blondes Mädchen, vom Styling und Gesichtsausdruck gefühlte 16. Sie ist aber schon Mitte 20. Ganz oben in den persönlichen Angaben stehen neben der Größe auch das Körpergewicht, das ist selbst für meine Branche ungewöhnlich, da sprechen vorteilhafte Fotos in der Regel für sich.
Ich rechne im Kopf und komme zu keinem Ergebnis, dann googele ich nach einem BMI-Rechner und gebe die Werte ein. Sofort ploppt ein Fenster auf „Sie haben Untergewicht. (BMI unter 18,0) Bitte sprechen Sie mit einem Arzt, es könnte Magersucht vorliegen.“
Ich sehe noch mal auf die Fotos. Der Kopf schiefgelegt, die Hände immer am Körper, sich selbst haltend und streichelnd, in Decken und Pullover gewickelt und sich doch entblößend: Knochige Knie, fettfreie Hüften, sichtbare Beckenknochen. Große Augen mit dunklen Ringen. Kaum Muskeln. Die DVD verrät noch mehr. Dünne, kranke Haare, schlechte Haut, kraftloser Gang. Auf eine modelhafte Art ist sie gut zu fotografieren, sie ist auch nicht ganz talentfrei, aber sie scheint ihre mentale Unreife, die immer wieder in der Mimik durchbricht, mit diesem Körper („Bin ich nicht schön? Und wenn ich die Zigarette so halte, bin ich ganz cool.“) zu kompensieren.
Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Eine Absage wird das in jedem Fall. Sollte ich sie begründen? Und sollte ich sie mit den Tatsachen begründen? Daß ich den Eindruck habe, sie ist magersüchtig und mental nicht stabil und ich finde nicht, daß sie in diesem hammerharten Beruf richtig ist.
Schwierig.

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Alte Männer

Wir sind gestern bei einem Spazierganz zufällig an einem Harley-Davidson-Laden vorbei gekommen. Faszinierend.
Die Mitglieder der Motorradclubs stehen in Rudeln auf dem Pflaster, alle tragen die selben Jacken und hofieren den in der Mitte des Rudels stehenden Typen, der sich meist dadurch auszeichnet, noch die vollste silberne Matte auf dem Kopf und den eindrucksvollsten Schnauzbart zu haben. Leider hat er auch meistens die größte Plautze.
Auch jenseits der Rudel gilt: je schöner und glänzender die am Staßenrand aufgebockte Maschine, desto häßlicher und ungepflegter ihr Fahrer. Wampen, Warzen, Tränensäcke und schüttere Frisuren, die immer noch mindestens mit einigen Haaren über die Ohren und den Hemdkragen gehen müssen.
Mitunter aucht die eine oder andere Frau auf. Meist blond. Meist langhaarig oder – mangels Masse – auftoupiert und im Gesicht schwer vom Rauchen gezeichnet.
Man trägt Leder und da die taillierten Rennfahrerjacken und die engen Stiefelhosen den Herren schon seit Jahren nicht mehr passen, wickeln sie sich nun ganze Rinderhäute. Ganz beliebt, weil praktisch, ist die Lederweste. Sie geht bis bis über den Hintern und ist am Bund in Falten gelegt, so daß der Bauch warm eingepackt ist, die Arme bleiben frei zur Demonstration des immer noch beachtlichen Bizeps. Ihre vielen Taschen verhüten, ihr Träger womöglich ein lächerliches Herrenhandtäschchen benutzen müßte. Da paßt alles rein, Sonnenbrille, Geldbörse, Papiere, Zigaretten, Zippo, Schlüssel, Leatherman. Unter die Lederweste kommt das unvermeidliche karierte Hemd.
Im übrigens sammeln sich auch viele Lederwestenträger bei Dixielandkonzerten. Dort tauchen sie ihre grauen Schnauzbärte ins Bier, quatschen mit Kumpels über Krankheiten, rauchen Roth-Händle und schauen der in die Jahre gekommenen Bedienung mit der kecken, kurzen Lederschürze auf den nicht mehr ganz taufrischen Hintern, dem enge Röhrenjeans Form geben.

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