7 Rainy Day

Was für ein usseliger Tag. Die Weigerung des Himmels, hell zu werden, quittierte ich mit Heizung anschalten und gesund kochen.

Rote Bete-Suppe mit Kokosflocken und Äpfeln

Eine Zwiebel und zwei Knoblauchzehen anschwitzen
Gewürfelte Rote Bete (ca. 1200 g) und drei kleine Äpfel dazugeben
mit Kreuzkümmel und Salz würzen (Ingwer wäre auch gut, hatte ich aber nicht)
weiter anschwitzen
1 Liter Hühnerbrühe zugeben
weich kochen, pürieren
2 feingehackte Chilischoten und 2 EL Kokosflocken zugeben
1 Stunde durchziehen lassen
wieder anwärmen, den Saft einer Limette zugeben

Mit auf der Suppe schwimmenden, in Butter gebratenen Kabeljaufiletstreifen servieren.
Schmeckt etwas krude, aber sehr lecker.

Dann wunderte ich mich im Verlauf des Tages darüber, was an Traffic auf meinem Blog verzeichnet wurde. Das zehn- bis zwanzigfache des Normalen. Das hatte mit Interesse nichts mehr zu tun, das sah nach Beschuss aus.
Der Abend endete im Rebkeller. (der Link tuts grade nicht, ich hoffe, das ändert sich wieder) Der lang ersehnte Terras de Lava ist wieder da. Muß man mögen, denn er ist heftig mineralisch und fast ein bisschen sauer, aber ich mag ihn sehr.

Veröffentlicht unter Leben

6 Sex und Geld

Position Null ist eine Leseempfehlung. Die trockenen Sätze dieser Dame sprachen mir sehr aus dem Herzen.
Aber erstmal geht es um die Nosex-Abteilung. Miz Kitty frickelte gestern unter Anleitung des Grafen eine kleine Website, weil sie etwas weiterzugeben hat. (Es wird viele mittlerweile langweilen, aber das Teil soll in gute Hände.) Ein Aushang mit einem QR-Code ergänzte die Sache. Die ebay-Auktion wartet noch bis nach den Herbstferien.
Danach bestieg ich mit dem Grafen standesgemäß die Limousine, um dem neueröffneten Möbel-Höffner im Wedding einen Besuch abzustatten. Man winkte eine Woche lang mit stark reduzierten Preisen und netten Publikumsbespaßungen. (Nun brauche ich ja so was wie einen Kropf, aber die Hoffnung, daß ein Zanotta-, Brühl- oder Machalke-Sofa vom LKW gefallen wäre und für ein Viertel des Preises angeboten würde, stirbt bekanntlich nie.)
Höffie im Wedding. Dit is harter Stoff und Integration hautnah erlebt. Damen mit Kopftüchern, die in Viererreihen am Rabattglücksrad anstehen und kein Wort Deutsch verstehen. (Hier war der Beleg: Mann gründet keine Familie mit den in Deutschland aufgewachsenen Landsfrauen.) Durch das Restaurant schlurfende Rentner in beigen Wetterjacken, denn es gab zwei Essen zum Preis von einem, ignoranterweise war der Hit auf der Speisekarte Schweineschnitzel.
Nachdem wir uns am zeitgenössischen Nicht-IKEA-Massen-Möbel-Design einen handfesten Depri geholt hatten, wechselten wir zum Media-Markt, um mit Fernsehern weiterzumachen, später probierten wir mit ein paar Schuljungs Tablets aus. Es ist leider so. Wer einmal ein iPad in der Hand hatte, ist angefixt und kommt davon nur noch schlecht weg.
Nach der Absolvierung des Misanthropie-Parcours retteten wir uns zu Chicken Madras und Jalfrezi in die Ackerstraße.
Der Abend war ruhig, der Graf verschwand um 22 Uhr, 6 Stunden vor seiner normalen Schlafenszeit im Bett und ich bügelte.

Themawechsel. Kind. Bitte nicht weiterlesen.
Frau Journelles Blogpost beschäftigt mich bereits ein Weilchen. Sie hat recht. Über Sex redet man nicht, ich will ergänzen: Über Sex und Geld redet man nicht. Bzw. man redet über real stattfindenden Sex genauso wenig wie konkret über eigenes akkumuliertes Geld. Komische Parallele. Die Schwanzlänge des Liebhabers ist genauso tabu wie die Höhe der Geldanlage.
Ich bewege mich schon mein Leben lang im Achtungs- und Vorsichtbereich, denn irgendwer, das heißt, ich weiß ganz genau wer, nämlich meine Oma, hat mir eine Menge sexueller Energie vererbt. Die war auch nie so richtig wegzusozialisieren, weil sie meine ganz ureigene Superkraft zu sein  scheint. Andere können schnell rennen oder irre lange Zahlen im Kopf zusammen rechnen, ich wollte lieber… ach lassen wir das.
Madame Journelles Frage war, warum? Warum überschreiten wir eine unsichtbare Grenze nicht? Reden ausgiebig öffentlich über die tiefsten Regungen unseres Inneren, aber nicht darüber, dass auf der Festplatte eines in dieser Wohnung stehenden Laptops Fotos gespeichert sind mit dem Hauptmotiv „Titten auf Glatze“?
Lust ist anarchisch und so gut wie nicht kontrollierbar. Eine Urkraft, die, wenn sie erst einmal wirken kann, kaum zu bremsen ist. Christlich-protestantisches Ethos (das gilt für eine Menge Religionen, aber diese kenne ich am Besten) ist vor allem Lustkontrolle, Triebbeherrschung. Lust ist realisierte Lebensenergie, Geld ist gespeicherte Lebensenergie. Deshalb hat man zu sparen: Geld und Lust.
Beide Existenzformen von Lebensenergie werden verschattet, verborgen. Pralles, volles Dasein ängstigt, weil es die Gefahr birgt, dass man sich und seine Lebensenergie verschenkt. Für ein gutes Gefühl, für einen Rausch, für Spaß, was auch immer. Wer sich verschenkt, muss nicht kaufen. Aber: wer sich verschenkt, verliert Sicherheit und Kontrolle.
Viele Frauen würden aufhören, ihr Geld in Yogakurse * zu tragen, wenn sie gut ficken würden. (Eines meiner Schock-Erlebnisse beim Yoga – das Stöhnen der Frauen, die gern ganz vorn die Nähe des Lehrers suchen.)
Ich war leicht erschüttert über die Reaktionen der Damen auf die wirklich geile Homo-Sex-Szene in Glams „Ashby House“. So mancher Geisteswissenschaftlerin hätte ich zugetraut, sie als das zu interpretieren, was sie ist, nämlich ein Politikum, ein Gay-Pride-Statement, das nicht moralinsauer ist, sondern Spaß macht, wenn man denn Spaß an der Aktion gutaussehender männlicher Körper hat. Die schmallippige Ablehnung schockierte mich etwas. Bei den Phantasy-Ladies war war es ja noch verständlich, die goutieren schließlich ganze Buchserien, in denen es vor allem darum geht, keinen Sex zu haben. (Und haben wahrscheinlich tatsächlich keinen.)
Ha, ich merke grade, daß ich mir vorgenommen habe, über meine Sexualität zu reden und ins Dozieren gerutscht bin. Soso.
Mit dem eigenen Partner über Sex reden zu können, ist ein großer Glücksfall. Denn die Konditionierung ist allgegenwärtig. Sie reicht von „mit so wertlosen Gedanken belaste ich mein Hirn nicht, wenns mich überkommt, überkommts mich eben und darüber reden tun nur hemmungslose Idioten“ (auf der Sex-Qualitäts-Skala nicht verwunderlich unter Null angesiedelt) bis zur hohen Kunst des Lobliedes auf das, was unsere Körper taten oder in Zukunft tun sollten (auf der Skala ganz oben, nicht umsonst mein erotischer Lehrmeister). Ich finde es wichtig, dass eine Frau es lernt, auch in dieser Hinsicht, auszudrücken, was sie will und braucht. Auch wenn sie sich vorher die gegebenenfalls schamvolle Arbeit machen muss, ihre Bedürfnisse kennenzulernen. Tanzen lernt man auch nicht von heute auf morgen. Fast noch wichtiger finde ich es, dass eine Frau lernt, einen Mann richtig anzufassen. Dass sie sich die Zeit nimmt, zu beobachten, was der Kerl in ihrem Bett überhaupt braucht, um durch die Decke zu gehen.
Journelle nennt Pornos als Lehrstücke für Frauen. Ja, es ist gut, daß Pornos für Frauen zugänglicher sind als früher, wo eine in der Schmuddelecke der Videothek befindliche Frau schnell von Taschenbilliard spielenden Männern umgeben war und Angebote bekam, auf die sie keinen Bock hatte. Wer hier mient, daß das alles Dreckszeug ist, vergisst, dass jeder Winkel des Internets Medienkompetenz voraussetzt. Amateur-Solo-Frauen- und Männerszenen schärfen den Blick. Nicht umsonst lernen Affen Sex, indem sie anderen in der Herde beim Machen zuschauen. Wachsen sie in Gefangenschaft auf, muss man ihnen  Pornos zeigen, sonst wissen sie nicht, wie das mit der Paarung geht.
Ich bedauere die Jahre meiner Wortlosigkeit und das tiefe Tal der Lustlosigkeit ob der hormonellen Verhütung sehr. Aber alles zu seiner Zeit. Ich hätte nie gedacht, dass sich mir jenseits Mitte 40 eine neue Welt eröffnet. Der Körper ist jetzt nicht mehr das Objekt. Was ich mit ihm machen kann, ist allerdings phantastisch.

 

* hier bitte die angesagte Ersatzbefriedigung des jeweiligen Milieus einfügen: Klamottenladen, Fitnessstudio, Schönheitschirurg, Pferdestall, Tierschutzverein, Konditorei, etc.

5 Ewig dieses Mimimi

Dieser Regentag, der nun mit Sicherheit den grauen Herbst einläutet, war angefüllt mit ungutem Ämterkram. Ich musste noch einmal die detaillierte Krankheitsgeschichte rausholen und überarbeiten. Nun bin ich schon immer Hypochonderin gewesen. Wenn ich über solche Dinge lese und sogar selbst schreibe, kitsche ich mich so ein, dass ich hinterher völlig fertig bin. Also war der gestrige Abend mit Kuscheldecke und Buch vorprogrammiert.
Ach, gibt es eigentlich schon vernünftige Austauschmöglichkeiten für eBooks? Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung und wer sich etwas leihen will, kann das gern tun

Veröffentlicht unter Leben

4 Ländliches Idyll mit Äpfeln

Am Einheitsfeiertag nahmen wir ein Päckchen Westkaffee mit und fuhren zu Freunden nach Brandenburg.
Nee, noch mal. Zwei der Leute, die mit mir auf dem Zauberberg waren, nämlich die, die mit mir geduldig Mau Mau und Domino spielten, auch wenn ich mal wieder nichts zusammenrechnen konnte, sind mittlerweile ein Paar. Sie haben in den letzten Jahren alles zusammengeschmissen und vom Rest ein Häuschen mit kleinem Garten in der Ruppiner Gegend gekauft. Nichts Spektakuläres, denn vor allem aber nichts Anstrengendes sollte es sein. Wir sollten sie nun endlich mal besuchen, was wir gern taten, zwei Rheinländer im mitteltiefen Osten.
Die Wegbeschreibung war übrigens eine Kabarettnumer für sich.
Er referierte in irrem Tempo (er berät Nahverkehrsbetriebe): „Du fährst bis Kremmen, dann links bis Staffelde und Kremmen an der Querstraße links und dann rechts“ – „Nee links!“, rief sie dazwischen. „Nein!“, meinte er. „Du fährst links an der Einfahrt nach R. und dann die dritte Kreuzung links, aber meine Frau protestiert grade schon wieder, ich geb mal weiter.“
Sie machte in genau dem gleichen Tempo weiter, aber etwas verständlicher, schließlich ist sie Sonderschullehrerin:
„Du fährst ab nach Staffelde. In Kremmen vor der Tankstelle links nach Sommerfeldt. In Sommerfeldt links nach Neuruppin und Beetz, dann x km bis R. und dann siehst du auf der linken Seite Häuser…“ Ich hatte immer wieder mit nachlassener Kraft in diese Sermone hinein nach der Adresse gefragt. „Ach so, die Adresse? Na Aufm Misthaufen 5 in Nebenruppin!“ Danke, nur das wollte ich wissen und strich meine 2 Seiten Mitschreibversuch wieder durch, um einfach die Adresse für den Routenplaner zu notieren. (In unserem späteren Gespräch ging es um Einführung von GPS-Überwachung bei Verkehrsbetrieben, da sind die Busfahrer wohl nicht für.)
Und so bastelte ich gestern nach dem Aufstehen erstmalig ein Apple Crumble unter Verwendung von 50% Buchweizenflocken statt Buchweizenmehl, wir packten den erbetenen Kaffee (die beiden hatten ihn vergessen zu kaufen, bei 15km bis zum nächsten Laden überlegt man sich, ob man noch mal losspringt) und den in ein Handtuch gewickelten heißen Kuchen ein und fuhren los.
Es hat ja idyllische Wiesen und sehr schöne Wölkchen im Ruppiner Land. Und wir saßen ein paar Stunden plaudernd und Kuchen essend auf der Terrasse. Hach, wie fein. Dann nahmen wir noch einen Berg Äpfel zurück.
Am Abend hatte uns dann die gute frische Landluft heftig müde gemacht, ich fiel mit Tempo ins Bett.

Veröffentlicht unter Leben