Fingerübung

Von 14 bis 24 habe ich eine Menge Klamotten genäht. Daher rafft es mich vor allem im Frühling, in die Stoffkiste zu greifen und das eine oder andere Kleid zu nähen. Vor allem seit ich in den Läden in meiner Umgebung so gut wie nichts mehr in meiner Größe kaufen kann. Außerdem ist es gut für mein Konzentrationsvermögen, das kann ich so trainieren.

Bei dem Stufenrock im Winter habe ich mir noch fast die Finger gebrochen, so ungewohnt war das. Am ersten Mai begann ich mit einer Kombi aus Faltenrock und Oberteil und bin nun um einige Erkenntnisse reicher.

  1. Burda-Schnitte sind Sch… Der Faltenrock hat eine Zeichnung, in der die Falten symmetrisch liegen, aber schon der gesunde Menschenverstand sagte beim Anblick der technischen Zeichnung, das das so nicht geht. War auch so. Viele andere Schnitte sind einfallslos, unraffiniert und haben Kirchentagschick.
    Die Hefte scheinen mittlerweile Variationen von drei Grundschnitten zu beinhalten. War das früher schon so?
  2. Ich kanns noch, wenn auch langsam. französische Nähte, Kappnähte, Blindsaum mit Maschinenstich etc. pp.
  3. 40er Jahre-Viskosekrepp aus dem Omi-Bestand, der, wenn er gewaschen wird, nur noch halb so groß ist, kann mit Stärke wieder großgebügelt werden und das hält dann auch.
  4. Kitty, merke dir endlich, auch nach 20 Jahren Versuchen: Karos stehen dir nicht!
  5. Hier sehen sie  nun das Modell, in dem ich aussehe wie eine Trümmerfrau beim Sonntagsspaziergang. (Nein, ich ziehe es nicht an und fotografiere mich damit!)

trümmerfrauenkleid

Kappnähte, weil der Stoff angestückelt werden mußte.

Kappnähte, weil der Stoff angestückelt werden mußte. Gelber Heftfaden kommt noch raus.

Maschinenblindsaum, links von innen , rechts am Pfeil der winzige Stich, der außen zu sehen ist.

Maschinenblindsaum, links von innen , rechts am Pfeil der winzige Stich, der außen zu sehen ist.

Perlmuttknopf und Reissverschluß (Stoffkante, wie ich sehe, noch nicht ausgebügelt)

Perlmuttknopf und Reissverschluß (Stoffkante, wie ich sehe, noch nicht ausgebügelt)

Hm, das kommt jetzt entweder zurück in meine Kiste oder jemand meint, Karos stehen ihr. Der Rock läßt sich problemlos verkleinern bis zur 38, dann sind die Falten auch besser zu legen.

Ich warte derweil, bis die von Mr. Glamourdick gesponsorten Vogue-Schitte ankommen, dann geht es weiter…

PS: Schade um die schöne Seide!

Tag der Arbeit

Durch geputzte Fenster sieht der 1. Mai doch viel besser aus. Und ich freue mich jedes Mal diebisch, daß ich nicht mehr die Plastenelke antüdeln, zu Winkelementen greifen und am Ende des Tages die volksfestbesoffenen Asis ansehen muß.
Als Kind fand ich das alles faszinierend, da saß ich immer mal auf einer Ehrentribüne und unten gabs MIlitärparade (besser gesagt Vorbeimarsch) mit Tambourmajor, Cabrios, in denen Kommandeure standen (gibts einen Namen dafür, den hab ich nur vergessen) und Raketenwerfern. (Tiefe frühkindliche Prägung: Millitärmärsche! Die besten sind übrigens von Beethoven.)
1981, zum selbständig denkenden den Menschen mutiert, war bei mir Schluss, zunächst innerlich, ich wußte, einmal muss ich noch, bis ich volljährig und aus dem Gymnasium raus bin. Dafür gab es auch einen konkreten Auslöser.

Da lachen sie noch, sechs Wochen später knallts…

Die Kreisparteileitung, Nationale Front, das Oberste Kundgebungsbüro (oder wer auch immer das organisierte) des Oderkaffs hatte beschlossen, daß es doch toll aussähe, wenn die Gymnasiasten der Stadt einen Fahnenblock bilden würden und daß dieser Fahnenblock am Anfang und am Ende der Kundgebung marschieren könne.

So ungefähr.

Was einmal hieß, wir mussten da über Gebühr rumhängen und uns die Parolen anhören und andererseits mich unheimlich ärgerte, da als Bestandteil eines laufendenden Potemkinschen Dorfes unterwegs zu sein. Mein Gefühl war: Wenn das gut ankommt, laufen in 10 Jahren ein paar Hanseln, die sich noch nicht drücken dürfen, mit Wink- und Sichtelementen einige Stunden im Kreis um die Ehrentribüne, um die winkenden Greise darauf zu erfreuen. Gott sei Dank kam es nicht mehr dazu.
Wir übten uns in passiver Aggression. Die zum lächeln aufgeforderten Mädchen lächelten nicht und die Jungs, die diese hohen Fahnen tragen mussten, stellten sich nach Leibeskräften blöd an und wackelten und wankten mit diesen Dingern herum. Mehr ging leider nicht, wir wollten schließlich alle noch Abitur und einen Studienplatz.

Daher war ich gestern gar nirgendwo unterwegs. Unten vor der Tür demonstrierte der DGB-Dachverband auf Motorrädern, die Jungs hatten Spaß und ich übte mal wieder meine eingerosteten Nähkünste.
In diversen Kammern habe ich noch immer größere Stoff-Vorräte und die derzeitige wunderbar weibliche Mode, die ohne großartige High-Tech-Materialien und -Verarbeitung auskommt, ist gut selbst machbar. (Das Kindchen hat zwar ne tolle Overlock-Maschine, aber die ist selbst mir Technik-Freak zu kompliziert, als daß ich mal eben vorbeikommen und was zusammennähen könnte.)
Meine alte Veritas habe ich vor 5 Jahren wegwerfen müssen, weil der Motor zu schmoren begann und ich bereue es jetzt etwas. Der Antrieb wäre vielleicht zu ersetzen gewesen, denn darüber hinaus war sie stabil, weil aus Metallguß und hatte ein klares Stichbild. Die Singer, die mir das Kind geschenkt hat, eiert im Unterfaden ziemlich oft, so wie ich es nur von meiner allerersten Schwingschiff-Victoria kenne.

Also knibbelte ich gestern den ganzen Tag an einem simplen Faltenrock aus schwarzrosa karierter Dupionseide. Ich habe noch etwas schwarzen Crêpe de Chine aus der Omikiste, das wird noch eine kleines Oberteil mit karierten Blenden dazu, allerdings werde ich stückeln müssen, der ist so komisch proportioniert. Gute Gelegenheit, mal wieder französische Nähte auf Seidenpapier zu üben.
Dazu habe ich mir Burda-Schnitte runtergeladen. Ey Leute, gehts noch? 89 pdf-A4-Seiten für ein Schnittmuster??? Irgendwie ist das noch keine optimale Technologie.
… Fotos gibt es, wenn ich fertig bin.

Kommen wir zum Kapitel Biokiste:
broccolihuhn
Irgendwie ist das Bild am unteren Rand etwas unscharf…
Also, ich habe das, was übrig war, nämlich (im Nudelwasser blanchierten) Broccoli, eine Möhre, mit Hähnchenbrust, Knoblauch und viel Chili im Wok angebraten und noch zwei Eßlöffel Hoisin-Soße dazugegeben. Die graubraunen Fäden sind keine Regenwürmer, sondern Süßkartoffel-Buchweizen-Nudeln.
Der Graf bekam einen halben Liter Orangensaft. (Nicht, weil ich nichts abgeben wollte, sondern weil er leidend ist und nichts essen mag.)
Jetzt sind noch zwei Datteln und eine Banane übrig und morgen kommt eine neue Kiste.

Dann las ich heute etwas, was mich echt triggerte. Ich bin ja sonst eher skpetisch bis zynisch, was Trendsportarten angeht. (Da erinnere ich mich gern an RTL Samstag Nacht „Extreme Mitessing“ „Streetchess“ „Extreme Homerunning“, ja Privatfernsehen war mal cool und innovativ…)
Aber die Aussicht, mit gutem Equipment Küstenwanderungen im Wasser zu unternehmen, Seatrekking genannt, ist der Hammer! Da würde ich sogar auf Spezialequipment sparen wollen, was ich sonst immer blöde und überflüssig finde.
Ich habe das ja schon mal gemacht, vor 11 Jahren. Da mein Bruder mein Kajak mit in dem Urlaub genommen hatte, bin ich halt um den Stechlinsee geschwommen. Ich hatte einen Neoprenanzug an, damit es nicht so kalt ist und einen wasserdichten Brustbeutel mit etwas Notfallausstattung.
Ich habe sogar mal eine Kurzgeschichte geschrieben, die „Das Meer-Projekt“ hieß, in der es um Menschen ging, die auf dem Grund von Flüssen in Richtung Meer wandern.
Mit kleinen Flossen, Schnorchel und Taucherbrille hätte man dann auch noch die Welt unter sich vor Augen, mit Zelt und trockenen Klamotten im Gepäck müsste man nicht mehr zurück und könnte an schönen Stellen übernachten. Das einzige Problem würde ich darin sehen, dass bestimmte Stellen bei hohem Seegang gefährlich werden.
Das kommt auf meine Bucketlist, auf der ja auch noch eine Skiwanderung in Norwegen steht.

Besen putzen

Ein häuslicher Arbeitsanfall sondergleichen. Fenster geputzt, Wohnung auch. Jede Dielenritze ausgesaugt, weil es darin manchmal krabbelt (altes Gemäuer eben) Boden gefeudelt, Kuchen gebacken. Das reicht jetzt aber wieder für ein paar Tage.

Biokiste
Das getan, was ich immer gern mache, in einem Rundumschlag verwendet, was da war. Pastinake, Mohrrübe, Tomate aus der Kiste und noch Zucchini und Broccoli von voriger Woche.
gemuesepfanne
Ich habe alles in neutralem Öl im Wok (mit Deckel) angebraten, der wird für Olivenöl zu heiß. Pfeffer, Salz, eine Prise Zucker, ein Stich Butter, Zitronensaft und Parmesanspäne drauf, fertig.
Es gibt diverse Streitereien, ob Bio nun besser schmeckt. Angeblich nicht. Die lagerfähigen Möhren würde man im Supermarkt nicht bekommen, die sehen aus wie kleine Rüben und schmecken leicht bitter. Bitter ist ja ein Geschmack, der vielen Nutzpflanzen abgezüchtet wird. Schade eigentlich. Ansonsten ist alles eben gigantisch frisch, selbst nach 4 Tagen im Gemüsefach noch. Das schmeckt man.
Am Abend bekam der Graf dann Kiwi-Bananensaft. Ich muss den Guten wieder aufpäppeln, der hängt ein bisschen durch…

Und jetzt, Mädels, ab auf den Besen, wir haben gleich noch Spaß!

(hübsche Hexen waren leider aus, bzw. kollidieren mit meinem Verständnis von Kunstgeschichte, lieber Dürer als einen wohlgefälligen Fleischmaler)

Ansonsten

wackele ich so durch diesen Montag. Vor einigen Tagen Vogue-Schnitte recherchiert, gezögert erstens aus Geldmangel, zweitens, weil die Versand-Kosten den Preis überstiegen und dann die Idee gehabt, sie mir schenken zu lassen. Inzwischen sind sie aus dem Sale raus und mehr als doppelt so teuer. Zum Kotzen!

Irgendein kluger Rabe hat wohl gelesen, was ich gestern über das freie Elsternnest im Hof schrieb und an seine Verwandten weitergesagt. Nun gibt es wieder mehrere lautstarke Interessenten.

Biokiste: Die Bananen und Birnen sind gemeinsam mit Joghurt, Quark oder Hüttenkäse mein Frühstück, die Datteln ißt der Graf und die Orangen trinkt er als Saft.
Morgen probiere ich Frau Kaltmamsells Pastinakensalat aus.

Wenn wir einmal beim Essen sind: Map hatte in Kleinerdrei dieses Video verlinkt. Allerliebst. Ich schaue mir so etwas am liebsten ohne Ton an, Silentcooking mag ich deshalb auch sehr. Menschen bei der Zubereitung von Nahrung. Sehr schön.
Ich suche nun ein Video, das mir zeigt, wie jemand Teig für Tarte macht. Ich habe gestern schon geschaut, aber die meisten mogeln sich um die schlichten, aber nicht so einfachen Dinge, wie Teig kneten und auswalzen herum und fangen gleich damit an, den Teig in der Tarteform zu haben. Hat jemand einen Tipp?

Veröffentlicht unter Leben