Dorfnotizen 2

Über Nacht hatten sich meine wehen Knochen wieder beruhigt. Da der Morgen mit Hochnebel, Kälte und Niesel begann, bei dem jeder Bauer am Ofen sitzen bleibt, tat ich das auch.
Ich machte ein paar Stunden Internetarbeit, dann begann ich das Arbeitszimmer einzuräumen und mir meinen Nähplatz zu bauen. Zwischendurch stiebte ich für eine Stunde nach draußen, denn die Sonne war gekommen und bevor sie wieder ging, schaute sie uns eine Stunde beim Laubharken zu.
Dann war Küchendienst angesagt: Suppe für morgen kochen, denn schließlich hatte ich Polen mit einem Kohlkopf und einem kleinen Sack Roter Bete verlassen. Die Katzen assistierten gern, denn es gab den Zadder von gekochten Beinscheiben abzunagen.
Der Rest des Tages verging mit einem Berg von Bettbezügen, die ich auseinander trennte und Herrn von Plüschow, der neben mir lag und schaute, das ich das auch richtig tat.
pluesch
Und ich bin schon wieder hundemüde!

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Dorfnotizen 1

Erster Tag bei Primavera. Der Graf hat mich gestern mit Gepäck, Werkzeug und Nähmaschine hier abgeladen.
Ich lasse morgens die vier Katzen rein, die schöne dicke Winterpelze haben und jogge den Sandweg hoch und wieder zurück, eine Gänsekette und zwei fliegende Schwäne kreuzen meinen Weg. Hier in der Einsamkeit kann ich endlich das tun, was mir beim Joggen in der Stadt so peinlich ist: Humpeln, schnaufen, krächzen und motivierend mit mir selbst reden (was heißt, mich beschimpfen).
Wir räumen ein Zimmer leer, noch das etwas Baustelle ist und unsere Werkstatt werden soll. Ich verpacke Schilf, Lehm und Stroh regenfest im Garten. Anschließend ist die wärmste Zeit des Tages, wir kruschteln ein paar Stunden durch Wiese und Beet, um den schon vorsichtig herauslugenden Schneeglöckchen Platz zu verschaffen.
Anschließend Komaschlaf™ bis die Sonne tief steht und in einem Dunstschleier verschwindet.
Dann geht es weiter, unter Katzenassistenz, irgendwo liegt immer eins von den Fellen rum. (Noch funktioniert das Asthmaspray – oder aber es liegt an der staubfreien Winterluft.)
Arbeitsplatten vom Boden holen,  mit neuem Papier beziehen, mein Zimmerchen bekommt einen seidenen Teppich, fette Spinnennester wegsaugen.
Dann meldet sich merklich der Hunger. Schon vollkommen hirnentleert beginne ich zu kochen, während Primavera weiterräumt. Mir tun die Beine weh und mein Schultergelenk erinnert mich daran, welchen runden Geburtstag ich vor zehn Tagen gefeiert habe. Ich mache Kartoffelbrei, Kohlrabigemüse, aufgebratenes Hack (für Bouletten wurde die Zeit zu knapp) und karamellisierte Mohrrüben mit Balsamico.
Nach dem Essen kommen noch ein paar Handgriffe, nun sitze ich neben dem Kamin, schreibe, auf dem Sofa nebenan schnarcht eine Katzen, nein zwei.

Ich glaube, mein Bett ruft…

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