Dorfnotizen 4

So, das war jetzt die erste gute Nacht, von Anfang bis Ende, da sich der Vollmond züchtig bedeckt hielt und das Seelchen weiß, dass der Graf bald kommt.
Die Katzen waren heute morgen etwas schräg drauf. Irgendwas passte ihnen nicht. Erstmal musste alles durchgetestet werden, auf verbotene Tische springen, in verbotene Räume gehen, mich böse anschauen… Die Menschen-Chefin schlief noch und der graue Katzenchef war aushäusig, vielleicht hatte das damit zu tun.
Ich bin sehr gespannt, was sie tun, wenn ich nächste Woche Haushüterin bin.

Ich baute meinen Entwurf zusammen, Primavera korrigierte ihn noch mal und ich war happy. Ich glaube, ich habe noch nie so akribisch an einer Sache geplant, sonst bin ich eher Trial and Error. – Was bei einer großen Patchworkdecke ziemlich kontraproduktiv sein kann.
Ein Teil der Zeit ging zwar dafür drauf, das Planungsverfahren zu lernen, aber nun kann ich es, das ist gut investiert.

Dann kam die Sonne und als sie die Erde getrocknet hatte, denn früh hatte es geregnet, gingen wir nach draußen. Wir machten ein Laubfeuer und ich durfte Feuermeisterin sein. Was vermisse ich das! Ich fand es immer hochgradig bescheuert, in Omas großem Garten jeden heruntergefallenen Ast in den Müll geben zu müssen, weil das nun mal Berlin war, wenn auch Randberlin.

Wir werkelten, bis es kalt und feucht wurde und dann hatschte ich müde und hungrig ins Haus. Am Abend war Besuch angekündigt, wir machten uns etwas zurecht und Primavera kochte Rindfleisch, Meerrettichsauce und Klöße. Es ist übrigens eine Kochparade geplant, als nächstes koche ich das Gericht und der Besuch will auch eine Variante machen.
(Zum Merken: Geriebener Meerrettich pur darf nicht lange warm und an der Luft liegen, er verliert zusehends die Schärfe, da reicht eine knappe Stunde.)

So, und jetzt bin ich müde. Nix Neues, ich weiß.

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Dorfnotizen 3

Das war eine ziemlich blöde Nacht mit Aufwachen, Herzklopfen und äußerster Verpeiltheit am Morgen. Deshalb schickte ich mich auf den Joggingparcours – siehe da, es ging besser als vor zwei Tagen.
Dann machte ich zwei Stunden Internetarbeit, während Primavera zwei Kindern Schlagzeugunterricht gab. Dann tüftelten wir Farbharmonien für mein Nähprojekt aus. Was ich ohne meine beste Freundin täte? Augenkrebs erregende Dinge zusammenstückeln.
muster1 muster2
Ich ging auf ein Stündchen in den Garten und sammelte Bruchholz zusammen, das morgen ein feines Feuerchen zusammen mit altem Laub geben würde.
Es hatte an diesem Tag:
Teich
Himmel, der sich im Teich spiegelt
scheegl
Noch mehr Schneeglöckchen

wasweissich
So süße gelbe Blümchen

voegel
Vögel
obelix
aufsichtsführende Kater
brennessel
und die Aussicht auf einen Wildkräutersalat.

Während Primavera mit der Dornröschenhecke vorm Haus kämpfte, kämpfte ich mit der Technik. Ich hatte schon lange vor, Patchwork-Projekte vorher in einem Grafikprogramm zu planen. Nur blöd, wenn man mit Illustrator nicht umgehen kann, weil die letzte Begegnung mit dieser Technologie Corel Draw 8 war.
Nachdem ich fluchend gescheitert war, weil ich viel zu sehr um die Ecke dachte, half der Graf, der ist da schließlich Fachmann.
Am Abend brannte das Herdfeuer, ich tüftelte am Rechner an den Mustern und wir plünderten den Kühlschrank, umgeben vom Katzenrudel, das dringend die Reste vom geräucherten Fisch brauchte.

In der Hoffnung auf eine bessere Nacht, aber der Vollmond kommt mich gleich besuchen.

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