Pause

Ich bin mit dem Nähen von Entspannungs- und Freizeitkleidung beschäftigt, bevor nun endlich der Koffer für die Kinderlandverschickung gepackt werden muss. Ich bin nunmehr Eilfall, es sollte in den nächsten 8-10 Tagen losgehen. Ob und wie es da Internet gibt, weiß ich nicht, denn dort behandelt man auch Internet-Sucht, also sollte Frau in den ersten Tagen das Handy und den Laptop nicht zu offensichtlich im Anschlag haben.

Deshalb gibt es hier eine Pause bis Mitte Oktober. Seid nicht allzu brav.

Sonntagsmäander in Wärme und Licht

Was für eine Woche.
Die Rentenversicherung so: Sie werden in Gulag V am Ende der Welt verschickt.
(Bewertungsportale so: Konfektionsgröße 40-42 gilt als adipös, Abnehmgebot bei gleichzeitigem Großküchenfraß und miesen Sportbedingungen, Frontalunterricht in gesunder Lebensführung gilt als Verhaltenstherapie, Tafelbilder müssen abgeschrieben werden.)
Ichso: Haben Sie meinen Antrag überhaupt gelesen?
Die RV so: Ups, nö, da hatten wir wohl was überlesen, da steht ja eine Wunscheinrichtung. Wir melden uns.
Tage später.
Die RV so: Geht alles gar nicht, auch wenn ambulant für uns billiger ist. Suchen Sie sich was unter drei anderen Gulags aus, aber mal flotti.
(Bewertungsportale so: Eins inakzeptabel, ein anderes am A… der Welt, das dritte ginge schon, aber ich will keine nette Auszeit, ich will Alltagstraining.)
Ichso: §9 SGB IX?
Die RV so: …

Da ich im Hinblick auf die Vertretung meiner eigenen Interessen oft verwirrt und etwas hilflos bin und komischerweise weniger formvollendet reagieren kann, als würde ich das als Beruf machen, muss da jetzt mal ne Anwältin draufschauen.
Von außen sind das Luxusprobleme. Aber ich lasse mich ungern als Verschiebemasse behandeln. Diese 5 Wochen sind wertvolle geschenkte Zeit. Ich möchte die nicht so verbringen, dass ich die Tage abstreiche, wann ich da wieder weg kann und mich ansonsten dort unsichtbar machen oder womöglich nur rumstreiten.

Freundschaft gekündigt bekommen. Sehr schade. Aber Reisende soll man nicht aufhalten.

Bei der Beerdigung eines Freundes gewesen. Vor fast 35 Jahren stand ich schon einmal für einen fast Gleichaltrigen auf diesem Friedhof. Ein Mitschüler. Einer der schlimmsten Arbeitsunfälle der Region. Damals war es blankes Unverständnis, dass Kläuschen, den alle mochten, in der Anspannung eines Jobbeginns einen kleinen Fehler machte – und eine Maschine strafbar falsch verschaltet war – und dann war er nicht mehr da. Das war Wut und Verrat für eine ganze Schule und die Elternschaft. Da war jemand schuld.
Es sterben hier keine Menschen mehr im Krieg. Wir leben unser Leben auf Sicherheit bedacht. Heute ist nur in seltenen Fällen jemand schuld. Im Straßenverkehrskampf vielleicht.
Heute ist es mein Trost, dass K. bei uns bleiben wird. Im Kopf und im Herzen.

Ein paar Parzellen weiter auf der anonymen grünen Wiese dieses Friedhofs liegen Großonkel, Großtante und die Großmutter. Sie sind sehr alt geworden und es war an der Zeit. Und sie wollten keine Umstände machen, niemandem.
Ich komme mit Begräbnisritualen immer weniger zurecht. Einerseits finde ich es gut, einen Platz zu haben. Das ist mein Lebensthema. Ist das auch über den Tod hinaus mein Thema? Andererseits finde ich, dass Trauer immer seltener auf Friedhöfen stattfindet. Diese Institution hat sich für mich überlebt. Aber wer weiß, wie ich in 15 Jahren darüber denke.

Das Lebenszukunftsprojekt hat einen herben Rückschlag erlitten. Das ist sehr traurig und bitter, aber durch uns kaum zu beeinflussen. Wir wollten nichts von Null aufbauen und über unsere Kräfte gehen, sondern etwas übernehmen und langsam weiterentwickeln und hatten etwas gefunden, das zu 90% passte. Aber wie so oft bei Nachfolgeregelungen sind bei dem, der ab- und aufgibt, sehr viel Emotionen, der Abschied von einem Lebenstraum und vielleicht auch der Einfluss des Umfelds mit im Spiel. Wir sind raus, es ist angeblich jemand anders zugesagt worden (scheinbar jemand aus dem Umfeld, der interessiert ist, aber nicht zu Potte kommt), obwohl wir die Favoriten waren. Aber eine endgültige Entscheidung ist immer noch nicht gefallen, wie wir hörten. Wahrscheinlich sind alle ernsthaften Interessenten erst mal an den Rand geschoben und die Entscheidung fällt dann, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Bei der Sache lohnt es sich schon, noch weiter dranzubleiben und abzuwarten, bis es so weit ist. Es ist aber, als wolle man einen Pudding an die Wand nageln.

Durch diese Sache wussten wir aber mit einem Schlag, wie das Projekt aussehen und funktionieren kann. – Wir suchen so etwas in der Art noch einmal. Das sind dann staubige, vermeintlich unscheinbare Solitäre, die sicher auch die eine oder andere Macke haben und selbst die liegen nicht zuhauf am Straßenrand. Im Gegenteil.
Es ist sehr anstrengend. Aber auf eine gute Weise. Vor fünf Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass so etwas mit einem Partner überhaupt geplant und angegangen werden kann.

Veröffentlicht unter Leben

Fleisch

Triggerwarnung: Dieser Text ist mit Sicherheit nix für Veganer*innen und Vegetarier*innen. Es wird hervorragendes Rindfleisch zubereitet und gegessen.

Frau Indica war wieder einmal für ihre Gastro-Kolumne im Analogblog unterwegs. Da ich ihr die Idee zugetragen hatte – über den Grafen und dessen Bekannten Wiemer Wiemers, so geht der Weg von Empfehlungen – über gut zubereitetes Fleisch und speziell über den Goldhorn Beefclub zu schreiben, nahm sie mich als Mitesserin mit.

Ich dachte erst einmal Club … ok., das ist so etwas ganz Schnöseliges, Elitäres. Voller Leute, die nachsichtig lächeln, wenn frau nur Filet, Entrecôte und Rumpsteak kennt.
Am Ende hatten wir einen lehrreichen, amüsanten Abend voller Fleischlust.

Am Anfang war der Grill, den Josh Jabs, der Inhaber des Clubs, konstruierte.
Ich muss mal ein bisschen ausholen. Ich bin – so es mir mein Wohnort erlaubt – leidenschaftliche Grillerin. Mit Kohle, unbedingt, ein Gasgrill ist für mich ein schlechter Kompromiß, ein Elektrogrill kommt mir nicht ins Haus.
Der Graf ist in Hinsicht Holzkohlenfeuer und Schmurgelaromen, die jede Menge andere weniger schöne Kohlenwasserstoffe huckepack haben, ein bisschen vorsichtig und mag es lieber in der Grillschale.
Der Grill von Josh Jabs trägt diesen Bedenken Rechnung und hat ein Ableitsystem für das Fett, das nun nicht mehr ausschließlich rauchend verbrennt. Trotzdem trifft das Feuer durch enge Schlitze auf das Fleisch und die Temperaturen des Grills sind so hoch, dass ein Steak mit Kruste gart und innen blutig-rot bis rosa bleibt.
Das ist schon erst mal prima.

Vor zwei Jahren war der Boss es leid, als Grillmeister große Empfänge und Events zu bespielen und hat sich einen flachen 60er-Jahre-Bau in der Mommsenstraße* als Niederlassung gesucht, um die Berliner zu begrillen.
Der Gastraum ist in Dunkel und Gold gehalten, es gibt eine Bar und eine Zigarrenlounge und ganz vorn in der Schauküche steht der Grill und speit Feuer. Ein großer Reifeschrank mit Salzfliesen (zur Aufnahme der Feuchtigkeit) nimmt eine ganze Wand ein und darin liegen viele Stücke Fleisch von unterschiedlicher Herkunft und Schnitt und in unterschiedlichen Reifestufen.
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Von Kobe-Rind bis zu deutschem Rindfleisch aus natürlicher Haltung geht das Angebot, dazu gibt es Iberisches Schwein, etwas Fisch und ab und zu Besonderheiten, wie Zebu oder Fleisch von alten Tieren (bei richtiger Zubereitung eine Delikatesse).
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(Ich muss echt für die Fotos um Entschuldigung bitten. Frau Indicas Fotograf hat die Speisen immer ins bessere Licht gestellt, die verlinke ich dann noch mal, wenn es so weit ist.)

Die Beilagen und Vor- und Nachspeisen sind zurückhaltend und aus erstklassigem Material. Wir teilten uns als Vorspeise das handgehackte, bereits gewürzte Tatar mit Wachtelei und einen Burrata-Käse.
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Dann kamen nach gebührender Zubereitungszeit, in der der Grill die Hauptrolle spielte und wir uns die Zeit mit Wasser und Wein vertrieben
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viele Speisen auf den Tisch: Tomahawk-Steak, ein Teres Major- und ein Flankenstück. (Auf dem Foto oben wird übrigens das Tomahawk zubereitet. Hinterher kommt es noch in den Garofen.) Mein Favorit war das Teres Major, ein Zuschnitt, den ich bisher nicht kannte.
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Dazu kamen Kartoffelgratin, Fenchel-Lauch-Gemüse und Spinat.
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Bei einem so dicken Stück wie dem Tomahawk gibt es in den aufgeschnittenen Stücken alle Garstufen, von Rot über Rosa bis durch mit Kruste. Das fand ich ziemlich interessant, denn beim klassischen blutig oder rosa gebratenen Steak ist das nicht so ausgeprägt.
Der Spinat war ein Träumchen, da haben wir gleich beim Koch nachgefragt, wie er den zubereitet hat.

Für Dauer-Club-Mitglieder gibt es natürlich die Möglichkeit, das eigene Stück Fleisch im Reifeschrank zu haben. Wer die 24-Stunden-Clubmitgliedschaft nimmt, findet eine große Spannbreite sorgfältig zusammengestellter Fleischsorten und kann im Preis wählen von die von „Ich bin reich, wo ist der Topf mit dem Gold!“ bis „Exzellent Fleisch essen und den Rest des Monats trotzdem nicht an den Nägeln knabbern.“

Chef Josh, der Restaurantchef, der Küchenchef und der argentinische Grillmeister sind mit viel Herz bei der Sache. Man merkt, die Jungs mögen das, was sie tun und haben hohe Ansprüche und Respekt vor dem Tier, das sie zubereiten.

Ich glaube, ich habe noch nie so viel Fleisch auf einmal gegessen, wie an diesem Abend. Jedes Stück war anders, der Rest des Tomahawk wurde am Schluss noch einmal aufgewärmt und war dann noch besser. Natürlich hätte es auch Sößchen dazu gegeben. Aber grobes Salz und die hauseigene Würzmischung reichten völlig, da vermissten wir nichts.

Am Schluss gabs dann noch ein paar kleine, vorwiegend frische Desserts. Dreierlei Sorbets aus der Eismanufaktur und weiß und dunkle Mousse au Chocolat, nicht im Bild meine obligatorische Creme Brulee.
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Ein großer Dank geht an Frau Indica und ihre Printmagazin-Restaurantkolumne!

Fazit: Unbedingt empfehlenswert!

*der vor 7 oder 8 Jahren als Gourmetrestaurant sehr teuer renoviert worden war, nur war Berlin damals in Hinblick auf sehr gute Küche noch nicht so ganz so weit und eine ganze Weile schlief die Location.

Man kennt das

Das sind grade wilde Zeiten. Wenn man Zukunft generiert, also schaut, wie man eine geplante Veränderung im Leben realisieren kann, testet, was geht und was nicht, hier und da vor Optionen steht, vordenkt, wie es in ein oder zwei Jahren sein könnte, es verwirft, etwas anderes prüft, es wieder verwirft und dann etwas findet, wo man glaubt: Ja, das könnte es sein. Viel Arbeit, viel Neues, aber den Vorstellungen von den nächsten 15 Jahren sehr entsprechend. Dann recherchieren, in die Tiefe gehen, schauen obs dann auch noch passt oder ob man sich was schönredet, hoffen, dass alle Beteiligten mitspielen. Das ist ein bisschen wie bei der Jobsuche, wo man sich manchmal schon am Schreibtisch sitzen sieht, im Vorstellungsgespräch überzeugend war und aber noch nicht weiß, ob doch eine Absage kommt oder ein winziges bißchen zweifelt, ob man dem Job gewachsen ist oder ob eine Nummer kleiner besser wäre. Puh. Das ist anstrengend.

Mal schauen, wie es weitergeht.

Veröffentlicht unter Leben