WMDEDGT April 2021

Es ist der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Ostermontag. Der Tag begann damit, daß ich nach zwei Uhr ins Bett ging. Wir waren vom Enkelkind zurückgekommen und heizten noch ein wenig unsere Zimmer warm, bevor wir zu Bett gingen. Es ist zwar nicht mehr so schwierig wie im Winter, aber es war als Vorbote des Sturms schon recht starker Wind, das kühlt die Mansarde schnell aus.
Morgens schlief ich bis zehn Uhr. Dann bekamen erst die Katzen und danach ich Frühstück. Der Graf ißt morgens selten. Shawn ist im Moment gar nicht so versessenen, gefüttert zu werden. Ich glaube, der haut sich alles an Mäusen und Vögeln rein, was er bekommen kann.
Danach schaute ich mir am warmen Ofen den Wechsel von Sonne, Sturm und Graupelschauer an und strickte weiter an meinem Pullover.
Am Mittag nutzte ich eine Sonnenphase. Ich holte Holz und suchte Grünzeug für den Salat: Scharbockskraut, Goldtaubnessel, Schnittlauch und Giersch. Dann pflückte ich noch Bärlauch, der hinter dem Schuppen der Nachbarn wächst.
Nachmittags kochte ich Pudding. Dann strickte ich weiter, draußen begann ein kleiner, lustiger Schneesturm. Ich bepuschelte den Grafen und schlief ein klein wenig. Als ich wieder wach war, waren draußen die Bäume und das Gras beschneit und es dachte garnicht dran, zu tauen.


Als es dunkel war begann ich, Essen zu machen. Es sollte Steak mit Bärlauchbutter, Wildkräutersalat mit Zitronen-Buttermilch-Dressing und Country Potatoes geben. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, aber mein Steak-Karma ist im Moment im Keller. Die letzten Steaks hatte ich totgebraten. Die heute behandelte ich wesentlich vorsichtiger und sie kamen trotz verlängertem Nachziehen lassen im Ofen über Englisch nicht hinaus. (Wir mögen sie beide medium rare.)
Es ist nicht so, daß ich dazu Ratschläge brauche. Ich habe in meinem Leben genug Steaks gebraten. Aber es hakt vielleicht grade an der Logistik (Küche zum hemmungslosen Braten auf der Nordseite, Ofen zum Nachziehen in der Ostwohnung, dort ist die Küche offen und es gibt keinen richtigen Abzug, 25 Meter Distanz zwischen den Küchen) und ich benutze die neue Kupferpfanne statt meiner schweren gußeisernen, weil erstere größer ist und die drei Steaks der Abpackung gemeinsam reinpassen. Mittlerweile glaube ich, es ist die Pfanne.
Hm. Das wird wohl eine Testreihe.
Danach saß ich grummelnd im Sessel uns strickte und sah mir Edgar-Wallace-Filme an. Mir fällt zum ersten Mal auf, daß die Grandes Dames der Filme in ihren dunklen und wahrscheinlich kalten Schlössern viele hinreißend schöne Pelze tragen.
Jetzt ist der Tag vorbei und ich schalte gleich die Heizdecke an, stricke noch meine Runde zu Ende und gehe ins Bett.

Die anderen Tagebucheinträge stehen hier.

04.03. 2021

Der Morgen heute war gedrängt. Ich kostete den Osterzopf, den uns gestern die Nachbarn geschenkt hatten. Er war wunderbar!
Noch vor dem Aufstehen hatte das Kind geschrieben, sie würden jetzt zum Testen fahren. (Geplant war ein Treffen draußen, Ostereier suchen mit dem Enkelkind und Kuchen essen. Aber es war ziemlich kalt.) Ich recherchierte nach Testzentren in Berlin. Die Apotheken waren zu und es gab sowieso über Tage hinweg keine Termine zu buchen. Ansonsten gab es drei Testzentren ohne Termin für eine Stadt von fast 4 Millionen Leuten.
Wir würden es im Land Brandenburg versuchen, vielleicht hatte man Mitleid.
Wir fuhren nach Süden. Es zog sich. Die Autobahn war leer. Das Testzentrum an des Kindes Wohnort auch. Die einzige Wartezeit war die auf das Testergebnis. Erwartungsgemäß negativ, wir hatten außer zum einkaufen schon längere Zeit niemanden in Innenräumen gesehen.
So kam es, daß ich zum ersten Mal seit wahrscheinlich Weihnachten 2019 mein Kind wieder umarmen konnte.
Das Enkelkind rannte mit Matschanzug und barfuß durch den Garten (schauder!) und während eines kurzen Spaziergangs war der Osterhase im Garten vorbei gekommen und hatte ziemlich viel dagelassen.
Die Erwachsenen aßen anschließend drinnen Kuchen und das Enkelkind packte all seine Schokolade aus und biß jedes Stück einmal an.
Dann lasen wir noch die neuen Bücher und spielten im Garten Fangen, Verstecken und Fußball.
Mit einem kurzen Abstecher nach Berlin fuhren wir zurück.
Nach so viel Sozialleben werden wir wohl morgen den ganzen Tag drin bleiben. Die Wetter-App kündigt Schnee und Kälte an.

03.04. 2021

Ein letzter strahlender, aber eiskalter Sonnentag, dann wird es erst einmal trübe.
Der erste Teil des Tages galt dem Berlin-Drama.
Dann spaltete ich Holz und der Graf arbeitete an seinem Terrassenbelag weiter. Mimi ließ sich kraulen, Shawn leckte derweil diskret unsere leeren Milchreisschalen blank, die noch auf dem Gartentisch standen.
Am späten Nachmittag fuhren wir in Richtung Rostock. Es hatte jemand einen Kanister Hydrauliköl annonciert, das wir für den Holzspalter brauchten. Zwischendurch sprang ich noch schnell in den Supermarkt, ich brauchte Butter.
Auf dem Rückweg riefen uns die Nachbarn hinten im Park an. Sie luden zum Osterfeuer.
Wir machten uns nur schnell frisch, zogen uns warm an und gingen rüber. Mimi begleitete uns. Nur leider war am Feuer schon ein Hund. Der Mimi zweimal wegjagte, als sie zu mir kommen wollte. Danach saß sie in sicherer Entfernung unter Büschen und wartete. Das Osterfeuer ist immer wieder ein Erlebnis. Es wird angezündet, wenn die Sonne im Trebeltal untergeht.
Wir standen eine Weile unter Wahrung von viel Sicherheitsabstand zusammen und plauderten. Als wir gingen – mit einem Osterzopf beschenkt – glitzerte der Frost auf den Grashalmen.
Wenn der ganze Scheiß wieder normal läuft, muß ich das mit den Menschen wieder lernen. Ich fühlte mich sehr übermenscht.

02.04. 2021

Es war kalt und meist grau, nachmittags schien etwas die Sonne, aber es wurde recht windig.
Der Graf schnitt die Terrassendielen zurecht, die wir gestern geholt hatten, ich räumte die Küche auf, aber so recht kam ich nicht in Gang.
Ich verbrachte den größten Teil des Tages strickend im Sessel und nickte immer mal ein.
Abends aßen wir Fisch und der Rest des Tages war ebenso unaufgeregt.