09.09. 2019

Es regnete den ganzen Tag bis auf ein paar Stunden am späten Nachmittag, aber es war recht mild.
Ich klopfte mir immer mal innerlich auf die Schulter, daß die Dachrinnen längst abgedichtet und gesäubert waren.
Ich klebte vormittags drei Türen in der dunklen Wohnung ab, weil wir dort staubend werkeln wollten.
Vorher fuhren der Graf und ich nach Tribsees in die Apotheke und zur Post im Edeka. Nebenher wurden Grundnahrungsmittel wie Schokolade, Steaks und Chips gekauft.
Zurückgekehrt, assistierte ich dem Grafen mit dem Staubsauger, eine Reihe dieser wirklich häßlichen terrakottafarbenen Profilfliesen zu entfernen. Das ging gut und ist ein Test, diese Fliesen demnächst alle zu wegzunehmen.
Plötzlich stand der Apothekenbote vor uns, mit den Medikamenten, die vormittags nicht vorrätig waren. Er war immer dem Lärm nachgegangen, denn wir hörten sein Rufen nicht, weil wir Gehörschutz trugen.
Danach testete der Graf ein Werkzeug, um den Rauhputz abzuschleifen, von dem wir wahrlich genug in diesem Haus haben. Das ging gut und schnell, machte aber Riefen und ungeheuer viel feinen Staub.
Ich wartete, dass der Staub sich etwas gelegt hatte und harkte währenddessen Grasschnitt. Die Wühlmäuse hatten sich wahrscheinlich wegen des Regens die Ränder der Senke hochgegraben. Ein Maulwurf lag tot im Gras und sah ertrunken aus. Letztens war es eine Maus, die ich so sah, sie war sogar halb im Gang verschüttet und scheinbar aus der klebrigen lehmigen Erde nicht mehr rausgekommen.
Ich harkte fertig und war noch eine halbe Stunde mit dem Staubsauger im Flur zugange. Morgen wird gewischt, wenn sich dann der letzte Staub gesetzt hat.
Ich wärmte den Rest des gefüllten Kürbis auf und war bald sehr müde.

08.09. 2019

Ein Sonntag in Sonntagskleidern. Ich groß die Draußenblumen, denn die Sonne schien und wir schauten uns die letzte Nacht geborenen Kätzchen der Nachbarn an. Drei rote und eine Glückskatze.
Wir fuhren in Richtung Pasewalk, der Graf hatte einen Trödelhändler im Kopf. Der Laden, der eher eine Werkstatt war, war geschlossen. Aber im Ort gab es einen Truckerimbiss mit sehr leckerem, über Holzkohle gegrilltem Schaschlik. Zeitgleich betreute der Verkäufer noch die daneben befindliche Grabsteinausstellung. „Grabstein und Grill“ wäre doch ein netter Firmenname. Wir aßen Schaschlik mit Pommes und Tzatziki und stellten fest, daß hier eine Menge Polen wohnten.
Dann machten wir eine Erkundungsrunde ins Ueckertal und sahen um ersten Mal eine der langen Autobahnbrücken über Sumpfgebiete von unten. (Man erinnere sich, unweit unseres Dorfes ist eine, die sich in ihre Bestandteile aufgelöst hat.) Als wir wieder zivile Straßen erreichten, fuhren wir in Richtung Lubmin an die See. Der Graf sprang dort noch mal ins Wasser und war selig. Ich sah einen Regenbogenfetzen überm Meer.
Es ging unter schönem Wolkenhimmel in Richtung Sonnenuntergang und als wir zurück waren, kam schon der Mond hinter den Wolken hervor.

07.09. 2019

Der Graf mähte und ich harkte. Zwischendurch tröpfelte es mal von Himmel und flogen schreiende Kraniche vorbei.
Dann fuhr der Graf nach Berlin und ich harkte weiter. Ich mag das ja. So unterkomplexe, aber abwechslungsreiche Tätigkeit, die einen im Fluß sein läßt. Schwimmen und Langlaufen sind auch so. Ich komme dabei in Trance und wenn ich nicht mal aufs Klo müßte oder Durst hätte, würde ich erst aufhören, wenn es dunkel ist.
Aber so weit ließ ich es nicht kommen, ich wollte noch etwas auf der Terrasse sitzen, bevor es kalt wurde.
Ich kochte Nudeln mit Ketchup und freute mich beim durchgehen immer wieder darüber, daß das Klima im Gartensalon so angenehm anders ist, seit das Loch zum Keller geschlossen ist. Wenn die Nachmittagssonne hereinscheint, wird der Raum ziemlich warm.
Ich blinzelte ins Abendlicht und trank mir mit Weinschorle einen kleinen Schwips an.
Dann ging ich hoch und saß lesend im Sessel. Es wird abends in der Mansarde schon etwas frisch. Also etwas. Frisch wäre 15 oder 16 Grad, nicht 19.
Ansonsten wird die Rückkunft des Grafen erwartet, der sich mit dem Zug verfahren hat.
(Die Horror-Vorstellung meiner Jugend in der DDR. Irgendeinen marginalen kurzen Halt während einer nächtlichen langen Fahrt in einem leeren Zug zu verpassen und an einem Endbahnhof im Nirgendwo stranden. Es hatte schon so mancher von 22 bis 4 Uhr in Müncheberg in der ungeheizten Schalterhalle auf einer Holzbank geschlafen. Auch das käme wieder, würde der Individualverkehr stark eingeschränkt.)

Ach und das noch. In der Senke einen großen bräunlichen Vogel gesehen, der mit langem Schnabel etwas aus der Erde pickte. War das womöglich die ominöse Waldschnepfe? Ich schlich mich an. Er ließ sich nicht stören und flog erst ein paar Meter vor mir weg. Es war aber ein Grünspecht, der konzentriert Ameisen aus der Erde geschleckt hatte.

06.09. 2019

Es war wieder mild und sonnig, ein schöner Frühherbsttag.
Nach dem Frühstück assistierte ich anfänglich dem Grafen dabei, das Loch zwischen Keller und Gartensalon zuzumachen. Dann hing ich Wäsche auf und begann, den Rasen vor dem Haus zu mähen.
Zwischendurch pflückte ich zwei Baumperlen vom alten Kirschbaum, eine kirschkern-, die andere walnußgroß.
Der Graf löste mich mit Rasenmähen ab und ich machte gebackene Kürbishälften mit Hack gefüllt und dazu Käse-Sahne-Sauce.
Nach dem Essen mähte der Graf weiter und ich harkte zusammen.
Gegen 19 Uhr machten wir Schluß. Wir setzen uns in die Senke und beobachteten die Kühe. Der Bulle hatte einige Damen ganz eng um sich und außen herum spielten sich Bullenkälber mächtig auf. Wie bei den Menschen.
Die Fledermäuse umflatterten uns und es wurde mit einem Schlag kühl, unser Bier war auch alle, so gingen wir ins Haus, den Staub des Tages abspülen.