22.05. 2020

Eine Mischung aus schwül und windig, als hätte jemand einen Fön angeschaltet.
Das kaum geschleuderte Bettlaken, das ich aufhing, war nach 20 Minuten so gut wie trocken.
Ich schnitt weiter das Gestrüpp im ehemaligen Hühnerhof weg, der Graf kam irgendwann dazu und sägte die Stämme mit der Motorsäge ab. Erkenntnis: Alte Holunderstämme können übel hart sein.
Dann grub ich eine große alte Wildrose und einen mannshohen Holunder aus. Wir brachten die beiden Pflanzen zu den Freunden ein Dorf weiter und plauderten etwas. Nach einem (alkoholfreien) Bier fuhren wir nach Grimmen einkaufen.
Es begann endlich zu regnen, wenn auch nicht stark. Der Boden braucht das hier wirklich dringend.
Abends gab es noch mal Hot Dogs, weil sie gestern so gut schmeckten.

21.05. 2020

Himmelfahrt. Es war warm und wunderschön in all dem Blühen und Duften.
Ich goß 20 Liter Wasser auf Mangold, Kohlrabi und Tomaten, hing Wäsche auf, riß die Fenster im Haus auf, damit die Wärme hineinkam und räumte auf dem Hof vom Kleinen Haus herum. Die Katzen bekamen eine Ampulle Spot on gegen alle möglichen Parasiten und scheuerten sich den Rest des Tages das Fell.
Als ich den Schutt von Gestern in den Container warf, war ich fast auf einen kleine Ringelnatter getreten. (Kein Baby, wie ich dachte, eine Halbwüchsige, den man wies mich auf Twitter darauf hin, daß die kleinen Schlangen bereits im Vorjahr geschlüpft sind.) Ich trug sie in den Efeuschatten und sie stellte sich tapfer tot.
Nachmittag half ich dem Grafen, die Fläche vor dem linken Seiteneingang aufzuräumen, die wir oft als Außenwerkstatt nutzen. Wir stellten ein Palettenpodest dort auf, als kleine Terrasse. Die Vorbesitzerin hatte schon immer an diesem Giebel gesessen. Es ist dort sehr warm und windstill.
Ich duschte und zog mir endlich mein Sonntagskleid an. Dann saß ich strickend auf der neuen Terrasse. Wir besprachen die Mittsommerremise, die stattfinden wird, wenn auch wahrscheinlich mit Einschränkungen.
Als es kälter wurde, gingen wir rein. Ich machte für uns Hotdogs mit Pommes und Salat zum Abendbrot.

20.05. 2020

Warm, aber nicht zu warm. Der Goldregen blüht auf, der Weißdornbaum sieht aus wie beschneit und ist voller Bienen. Es ist wunderbar, hier zu sein und Berlin, von wo wir heute nacht zurück kamen, wirkt dagegen fremd, grau und eng.

Heute früh schnitt ich noch einmal Äste und Ranken im Hof vom kleinen Haus zurück. Der wilde Wein ist schon wieder an der Dachrinne angelangt, Holunder und Wildrose haben die Fenster zugewuchert. Eigentlich war es schon für den Winter geplant, daß wir den Hof herrichten. Aber es war immer etwas anderes wichtiger und für die Hühner der Nachbarn war es angenehm.
Jetzt blutet mir etwas das Herz, wenn ich Rosen und Holunder kurz vor der Blüte abschneide.
Nachmittags assistierte ich dem Grafen, der den Rest der Wand im Gästebad herausnahm, damit das Mansarddach freiliegt. In all dem Schrums – Schüttung, Spinnweben, faules Holz und Dreck – fanden wir zwei Kuriositäten. Ein Ei, das innen schon völlig vertrocknet war (Marder stehlen gern Eier und schaffen es, sie unversehrt ins Dach zu bringen) und den Teil eines Tafelbilds, eine Blumenskizze, datiert auf (18)92, signiert mit den Initialien eines Mitglieds der Gutsbesitzerfamilie. Es war als Fensterlaibung verbaut.
Abends aßen wir draußen. Der Graf ne Schüssel Pommes und ich Lauchtarte mit Salat.

Es gab heute ein paar WTF-Momente. Eine achtlos herausgezogene Grenzmarkierung, die wohl beim Parken störte. Meine Baugrubenabdeckung gegen Regen, die immer griffbereit liegt und die plötzlich in einem fremden Zaun verbaut war (man könnte es natürlich auch für alten Schrott halten, der so rumliegt). Abgesägte Fliederstämme in voller Blüte, wobei es hier noch Dutzende gibt, das fällt nicht auf, aber ey. (Wahrscheinlich „ihr rodet doch sowieso den Hof“, ich habe gar nicht erst nachgefragt.)
Und dann das mit den Schuhen. Ich hatte Mitte April geschaut, ob ich eine bestimmte Sorte Holzpantinen bekomme. Ich fand sie neben anderen Anbietern in einem Onlineshop im Landkreis. „Support Your Local Dealer“, dachte ich, das zugehörige Ladengeschäft hat grade gar keinen Umsatz, und bestellte dort. Nach zwei Wochen kamen sie. Sie waren mir zu klein, ich sendete sie zurück, mit der Bitte um Umtausch eine Nummer größer. Dann wurde es kompliziert. Ich telefonierte immer mal mit einer rumjammernden Angestellten. Es wäre alles so blöd und nervig, der Online-Shop funktioniere schlecht, das Internet wäre eine Katastrophe, sie wäre froh, daß keine Urlauber da wären, die könnten von ihr aus wegbleiben etc. pp. Was die Schuhe betrifft, sie wäre am Limit und könne deshalb nicht umtauschen, sondern müsse stornieren, ich solle neu bestellen, sie hätte noch ein Paar da, das sie extra für mich reserviert.
Zur Sicherheit und wegen des „am Limit“ wartete ich, bis sie storniert hatte und das Geld wieder auf dem Konto war, das dauerte keine fünf Tage, und bestellte noch einmal. Heute packte ich das neu erhaltene Paar aus, es paßt prima. Nur ist es schwarz statt dunkelbraun. In den fünf Wochen hätte ich problemlos bis Saßnitz und zurück laufen können, um das mit den Schuhen selbst zu regeln. Sie gehen jetzt zurück. Ersatzlos. Ich habe sie nun bei Amazon bestellt, sie sind am Montag da.

Cat News: Angebissene Mäuse überall, eine aufgebissene Tüte Trockenfutter, aus der ordentlich was fehlt, dazu Balgerei um Dosenfutter, es würde mich nicht wundern, wenn sie irgendwann platzen.

19.05. 2020

Vormittags Äste im Hof vom kleinen Haus verschnitten, der ist völlig verwuchert. Nebenher ein Huhn und einen Hahn gejagt, die wieder auf ihren alten Spielplatz geflattert waren. Ließen sich aber nicht fangen.
Dann nach Berlin gefahren und wieder Lebenszeit in das dortige Drama investiert. Ein gutes Gespräch gehabt, ob es zielführend war, weiß man noch nicht.
Zurück gefahren durch die nordische Nacht.