22.11. 2020

Den Sonntag genutzt, um den Kontakthausstand zu besuchen. Dem Enkelkind vorgelesen.
Als sie fragte, was Ballett und eine Ballerina und wer Tschaikowski sei, habe ich ihr auf YouTube den Tanz der Zuckerfee aus dem Nußknacker gezeigt. Irgendwie überkam mich dabei heftige Rührung. Ich habe als Kind Filme und Fernsehsendungen mit klassischem Ballett sehr geliebt. Das Enkelkind führte eine Yogaübung vor (Handstandversuch durch mit dem Füßen an der Wand hochklettern) und als ich sie fragte, ob sie sich erinnern könne, wie die Ballerina getanzt hätte, trippelte sie auf den Zehenspitzen durchs Wohnzimmer. <3

21.11. 2020

Es war kalt und windig. Nicht viel getan. Lange im Bett liegen geblieben. Das Bad geputzt, Wäsche aufgehängt und mit dem Grafen gekocht. Der Tag war einfach so vorbei.

Einen Gedankenblitz gehabt. Der Kinoschlaf könnte eine vergessene Kulturtechnik werden. Ich habe halbe Festivals im Kinosaal verschlafen. Ab und zu bin ich aufgewacht und sah ein paar Bilder zu der Tonspur, die je nach Schlaftiefe an- und abschwoll. Ich weiß bis heute nicht, welchen der Filme über das Columbine-Massaker ich in München verschlafen habe. Ich hörte Schüsse und Schreie, dann tauchte ich auf und alles war voller Blut und ich tauchte wieder weg.
Ein Regisseurfreund schlief immer sofort ein. Er meinte, wenn er schliefe, hätte er Vertrauen zu dem Film. Wenn er wach blieb, hat es ihm wahrscheinlich nicht gefallen, weil er sich dann so aufregen mußte. Vermute ich.
Komischerweise ist vor dem Fernseher einschlafen für mich das Zeichen, das mein Leben außer Kontrolle geraten ist. Im Kinosessel schlafen, das ist Luxus.

20.11. 2020

Klar, sonnig und kalt.
Vormittags Laub geharkt. Die Katzen begleiteten mich und saßen bald wieder vor der Tür und warteten darauf, daß ich wieder reingehe. Die fanden das zu kalt.
Dann hatte ich mein wöchentliches Telefonat mit dem Notariat des Grauens. Es ist nun alles, den Vertrag betreffend, geklärt. Nein, nicht alles. Das Notariat braucht Dokument XY in beglaubigter Abschrift. (Vor 11 Jahren bei der Kanzleivorgängerin und Ex-Chefin erstellt.) Ein Griff und ich habe Dokument XY in der Hand. Ja, davon solle ich jetzt eine beglaubigte Abschrift anfertigen lassen, es gäbe keinen Zugriff mehr auf diese Dokument in diesem Haus, auch wenn die langjährige Kanzleichefin dieses erstellt hat. Man bräuchte die Passagen zu Fakt Z, die man in den neuen Vertrag übernehmen müsse. Wie, ich wolle das Original einreichen, das ginge ja nun wirklich nicht. Ja, ok., man könne ja als Notarbüro selbst eine beglaubigte Abschrift…
Es fühlt sich an wie bei einem unmotivierten Amt, nicht wie bei einem qualifizierten Dienstleister.
Schreiend im Kreis gerannt. (Beglaubigte Abschrift in Vorpommern machen lassen, in Zeiten von Corona, sind die alle bekloppt?)
Am Nachmittag Rauputz von der Wand gespachtelt, bis zum Abend.
Dann mit dem Grafen gekocht. Bratwürste mit Apfel-Malzbiersoße, Kartoffelbrei und Rotkraut. Dann war es auch schon spät.
Morgen mache ich nichts.

19.11.2020

Heute schlug das Wetter um. Mit viel Wind und Sonne und später auch einem klaren Sternenhimmel. Abends ist es dann kalt.
Vormittags gab es erst einmal eine Art Telefonkonferenz. Dann gingen wir raus. Der Graf verputzte Löcher in der Fassade und ich harkte Laub gegen den Wind. Die Katzenbrigade fürchtete um ihre Frisuren. Besonders Shawn war not amused.
Dann ging es im dunklen Flur weiter. Bevor der Graf den Fußboden repariert, muß der Rauputz von einigen Wandstücken entfernt und die versotteten Stellen an einem Schornstein behandelt werden. Das war für den Grafen viel Gezerre an modernen Baustoffen.
Nachdem ich zumindest teilweise fertig war, verschob ich das geplante Kochen um einen Tag, denn es war kein Schnellgericht.
Abends strickte ich und wir beobachteten ein großes Tagpfauenauge, das im Herrenzimmer seine Runden flog, als wäre es eine Fledermaus.