20.05. 2020

Warm, aber nicht zu warm. Der Goldregen blüht auf, der Weißdornbaum sieht aus wie beschneit und ist voller Bienen. Es ist wunderbar, hier zu sein und Berlin, von wo wir heute nacht zurück kamen, wirkt dagegen fremd, grau und eng.

Heute früh schnitt ich noch einmal Äste und Ranken im Hof vom kleinen Haus zurück. Der wilde Wein ist schon wieder an der Dachrinne angelangt, Holunder und Wildrose haben die Fenster zugewuchert. Eigentlich war es schon für den Winter geplant, daß wir den Hof herrichten. Aber es war immer etwas anderes wichtiger und für die Hühner der Nachbarn war es angenehm.
Jetzt blutet mir etwas das Herz, wenn ich Rosen und Holunder kurz vor der Blüte abschneide.
Nachmittags assistierte ich dem Grafen, der den Rest der Wand im Gästebad herausnahm, damit das Mansarddach freiliegt. In all dem Schrums – Schüttung, Spinnweben, faules Holz und Dreck – fanden wir zwei Kuriositäten. Ein Ei, das innen schon völlig vertrocknet war (Marder stehlen gern Eier und schaffen es, sie unversehrt ins Dach zu bringen) und den Teil eines Tafelbilds, eine Blumenskizze, datiert auf (18)92, signiert mit den Initialien eines Mitglieds der Gutsbesitzerfamilie. Es war als Fensterlaibung verbaut.
Abends aßen wir draußen. Der Graf ne Schüssel Pommes und ich Lauchtarte mit Salat.

Es gab heute ein paar WTF-Momente. Eine achtlos herausgezogene Grenzmarkierung, die wohl beim Parken störte. Meine Baugrubenabdeckung gegen Regen, die immer griffbereit liegt und die plötzlich in einem fremden Zaun verbaut war (man könnte es natürlich auch für alten Schrott halten, der so rumliegt). Abgesägte Fliederstämme in voller Blüte, wobei es hier noch Dutzende gibt, das fällt nicht auf, aber ey. (Wahrscheinlich „ihr rodet doch sowieso den Hof“, ich habe gar nicht erst nachgefragt.)
Und dann das mit den Schuhen. Ich hatte Mitte April geschaut, ob ich eine bestimmte Sorte Holzpantinen bekomme. Ich fand sie neben anderen Anbietern in einem Onlineshop im Landkreis. „Support Your Local Dealer“, dachte ich, das zugehörige Ladengeschäft hat grade gar keinen Umsatz, und bestellte dort. Nach zwei Wochen kamen sie. Sie waren mir zu klein, ich sendete sie zurück, mit der Bitte um Umtausch eine Nummer größer. Dann wurde es kompliziert. Ich telefonierte immer mal mit einer rumjammernden Angestellten. Es wäre alles so blöd und nervig, der Online-Shop funktioniere schlecht, das Internet wäre eine Katastrophe, sie wäre froh, daß keine Urlauber da wären, die könnten von ihr aus wegbleiben etc. pp. Was die Schuhe betrifft, sie wäre am Limit und könne deshalb nicht umtauschen, sondern müsse stornieren, ich solle neu bestellen, sie hätte noch ein Paar da, das sie extra für mich reserviert.
Zur Sicherheit und wegen des „am Limit“ wartete ich, bis sie storniert hatte und das Geld wieder auf dem Konto war, das dauerte keine fünf Tage, und bestellte noch einmal. Heute packte ich das neu erhaltene Paar aus, es paßt prima. Nur ist es schwarz statt dunkelbraun. In den fünf Wochen hätte ich problemlos bis Saßnitz und zurück laufen können, um das mit den Schuhen selbst zu regeln. Sie gehen jetzt zurück. Ersatzlos. Ich habe sie nun bei Amazon bestellt, sie sind am Montag da.

Cat News: Angebissene Mäuse überall, eine aufgebissene Tüte Trockenfutter, aus der ordentlich was fehlt, dazu Balgerei um Dosenfutter, es würde mich nicht wundern, wenn sie irgendwann platzen.

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19.05. 2020

Vormittags Äste im Hof vom kleinen Haus verschnitten, der ist völlig verwuchert. Nebenher ein Huhn und einen Hahn gejagt, die wieder auf ihren alten Spielplatz geflattert waren. Ließen sich aber nicht fangen.
Dann nach Berlin gefahren und wieder Lebenszeit in das dortige Drama investiert. Ein gutes Gespräch gehabt, ob es zielführend war, weiß man noch nicht.
Zurück gefahren durch die nordische Nacht.

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18.05. 2020

Ein Tag mit leichtem Regen, der sehr nötig war.
Ich säte Gras auf den neu freigelegten Stellen des Parks und öffnete den Hof vom kleinen Haus wieder, der jetzt über ein Jahr Hühnerauslauf für die Nachbarn war.
Eigentlich wollte ich heute dort den Müll der letzten Mieter aufsammeln, den die Hühner freigescharrt hatten, aber es regnete anhaltend.
Wir fuhren nach Grimmen, Post aufgeben, Schrauben und Farbe kaufen (also der Graf, während ich im Auto ein Nickerchen machte.) und etwas Essen beim REWE jagen.
Dann war die Arbeitszeit auch schon vorbei.
Ich machte zum Abendbrot Lauchquiche mit Boden aus Kichererbsen- und Maismehl.
Jetzt bin ich müde.

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17.05. 2020

Ein Sonntag mit Gartenarbeit. Es war sonnig und warm, aber durchgehend so windig, daß es den Katzen das Fell scheitelte, was sie natürlich nicht mögen.
Ich harkte Gras und danach pflanzte ich. Erst zusammen mit dem Nachbarn zusammen Kürbis, sie hatten Pflanzen über. Dann setzte ich noch zwei Sellerie- und vier Tomatenpflanzen. Jetzt ist das kleine Beet voll.

Ich rechne damit, daß die Plastiktüten, in denen die Tomaten stecken, morgen weggeflogen sind. (Hoffentlich nicht unter Mitnahme der Pflanze.) Und ob überhaupt etwas das Stadium der Erntereife erreicht, werden wir sehen. Den Vögeln schmecken die Kohlrabiblätter recht gut, den Mangold haben sie nur noch nicht entdeckt und Tomaten sind im Freiland unberechenbare Zicken.
Aber ich habe Spaß.
Abends probierte der Graf seine aus dem Innenleben eines 80l-Boilers gebaute Feuerschale aus und ich setzte mich mit einen Bier daneben.

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