WMDEDGT Dezember 2020

Frau Brüllen ragt an jedem Monatsfünften, was wir den ganzen Tag gemacht haben.
Ich stand zu normaler Zeit auf. Die Sonne schien und die Katzen, plüschige Fellkugeln, stürmten nach der kalten Nacht draußen hungrig an die Futternäpfe.
Ich heizte das Herrenzimmer und die Ostwohnung, der Graf räumte auf und ich arrangierte ein paar Kekse auf dem Teller, es hatte sich Besuch angekündigt. Ich aß neben dem Räumen noch schnell etwas Frühstück und dann überfiel mich eine Panikattacke, die klassische im Zusammenhang mit Zeitdruck und Gesellschaftskontakt. Hups. Lage nicht mehr gehabt. Das muß an unserem sehr zurückgezogenen Leben und am Winter liegen, das sind zwei Sachen auf einmal.
Die nächsten Stunden vergingen mit Gesprächen mit dem Besuch und der Planung von Internet-Access-Points im Haus. Wenn es denn irgendwann hier mal Internet gibt.
Dann war eigentlich geplant, daß wir den Türdurchbruch dämmen, der uns das Bad kalt macht, wahlweise draußen arbeiten. Aber ich machte etwas, wonach mir die ganze Woche schon war, ich legte ich auf die Wärmedecke ins Bett und schlief. Es war die totale Entspannung, die ich seit Wochen gebraucht und mir bne gegönnt hatte: Einfach nichts machen, wegdämmern, dann wieder ein bisschen lesen, kein schlechtes Gewissen, daß ich nichts tue. Das habe ich gebraucht.
Als es dunkel war, stand ich auf und machte mir einen Rest Nudeln mit Ketchup warm.
Der Graf sprach mit mir über den Entwurf eines offiziellen Schreibens und dann drehten wir, nachdem wir Holz geholt hatten, eine Runde durchs Dorf. Es war viel wärmer geworden, was man auch daran merkte, daß die Luft den Rauch aus den Schornsteinen nach unten drückte.
Ich setzte mich mit meinem Strickzeug vor den Fernseher und sah mir den vorletzten Harry-Potter-Teil an. Naja. Alles ziemlich dunkel.
So langsam finde ich den Einstieg in den Pullover ich mußte nur noch dreimal ein paar Reihen auftrennen.
Nach dem Film, der von fürchterlich viele Werbepausen hatte, schickte ich die Katzen auf Nachtschicht.
Ich war noch nicht müde und schaute mir noch Mephisto an. Ich war etwas skeptisch, ob der Film gut gealtert ist. Aber ich war angenehm überrascht. Vor allem um wie viel differenzierter und komplexer der Film gegenüber dem bösartig-hassvollen (oder satirisch überhöhten, wie mans sehen mag) Roman ist. Szabó bringt zu dem, was Mann schrieb, noch seine Erfahrungen von Künstlern in kommunistischen Staaten ein. Man merkt das. Die Balance zwischen Arbeitsbesessenheit, Anerkennungshunger und dem Sog des Systems, das einen als Aushängeschild nutzen will.
Als ich den Film das letzte Mal gesehen habe, war ich in den Zwanzigern. Ich habe damals viele Details nicht gesehen und verstanden. Der Film ist brilliant. Brandauer (den ich privat nicht mochte) ist phantastisch.
Jetzt ist es weit nach Mitternacht. Schlafenszeit.

Die anderen Blogposts stehen hier.

04.12. 2020

Heute Morgen schien die Sonne, aber der Fotografen meldete sich nicht, weshalb der Park nicht fotografiert wurde und wir noch im Bett liegen blieben.
Nach dem Frühstück besprachen wir uns zu einigen Sachen.
Ich harkte dann Laub und der Graf machte einen Entspannungsspaziergang. Das Berlin-Drama setzt ihm derzeit wieder einmal zu. Ich konnte allerdings die Laubhaufen nicht allein lassen. Sonst schaffe ich es bis zum Frühling nicht.
Zwischendurch checkte ich die Wildkamera. (Übrigens das dritte Exemplar. Nr.1 ging beim ersten Anschalten kaputt, Nr.2 funktionierte 4 Wochen und nun versuche ich mein Glück mit Nr.3, immerhin mit WLAN.) Sie steht auf der Terrasse. Es war die weiße Katze zu sehen, die immer nur nachts unterwegs ist, Mimi und Shawn tapsten auch durchs Bild, nur der Randalemacher, der immer die Schnuffeldecke aus dem Katzenhaus zerrt, war nicht gekommen. Der Temperatursensor zeichnete um 3:30 Uhr -4 Grad auf. Kein Wunder, daß wir zur Zeit täglich drei Körbe Holz verheizen.
Dann holte ich neues Holz und wir erklärten die Bauarbeiten für diesen Tag für beendet.
Ich tüftelte lange über der inzwischen gewaschenen Maschenprobe und der Strickanleitung für den Patentmuster-Pullover mit Raglan-Ärmeln. Wie immer ist mein Plan nicht ganz die Anleitung. Ein Rundhalsausschnitt steht mir nicht und die Maschenprobe paßte auch nicht ganz.
Als es dunkel war, heizten wir die Küche an und kochten. Es gab Köfte mit Karottensalat.
Dann strickte ich den Anfang des Pullovers (eine Reihe stricken, eine auftrennen). Der Graf nahm währenddessen an einem Onlinetreffen teil. Das Netz machte es sogar möglich.

Veröffentlicht unter Leben

03.12. 2020

Papa wäre heute 77 geworden. In Nachdenken, was gewesen wäre, wenn er vor zweieinhalb Jahren überlebt hätte, komme ich immer wieder zu dem Schluß, daß es ihm wahrscheinlich dieses Jahr nicht gut ergangen wäre.
Der Tag war kalt und düster. Ich ging pflichtbewußt meine Dinge an, kam aber nicht so recht vorwärts. Holz holen, einen Geschirrspüler anschauen, der in die Gästewohnung soll, Wäsche aufhängen, Buchhaltung machen. (Eigentlich völlig ok.für die Jahreszeit, aber die Leistungskonditionierung sitzt tief.)
Der Graf sortierte Schrauben und räumte auf.
Abends strickte ich eine Maschenprobe für einen Patentmuster-Pullover.

Veröffentlicht unter Leben

02.12. 2020

Kalt und sonnig.
Der Fotograf für den Park, der sich für morgen, weil Sonne, angekündigt hatte, wird enttäuscht sein. Die Sonne fand schon heute statt.
Wir fuhren nach Rostock, um bei einem Holzhändler Dämmstoffplatten zu kaufen. Das Bad der Ostwohnung hat eine Türöffnung in der Wand, die nur von einer Schicht Gipskarton verschlossen ist. Das ist nun erbärmlich kalt. Der Graf will sie vom Flur aus schließen.
Nach der Rückkehr Laub geharkt. Eine hoch erfreute Mimi war bei mir. Sie schnappte sich den Rest meines Mittagessens, ein viertel Brötchen mit einer dicken Fleischkäsescheibe und versuchte, alles am Stück hinunterzuschlucken. Meine zwei Hungerkinder lernen es nie, manierlich zu essen.
Dann noch etwas geräumt und den Bullerjan im Gartensalon beheizt.
Das Zeitfenster für Arbeitsenergie auf den Baustellen ist gerade schmal. Es ist kalt und wird früh dunkel.
Außerdem spielte sich das Berlin-Drama mal wieder in den Vordergrund.
Den Rest des Abends verbrachte ich strickend vorm Fernseher.

Veröffentlicht unter Leben