Sonntags vor dem Ofen sitzend

Nebenan liegt das Telefon und macht den Hotspot und ein Zimmer weiter schraubt der Graf selbst gefertigte Fußleisten an die Wand. So langsam kommt der Moment näher, wo man Vorher-Nachher-Fotos zeigen könnte.

Ich habe heute sogar kurz im Garten gearbeitet. Nach draußen kommen wir noch immer äußerst selten, außer zum Schutt abkippen.

Im Park blühen Veilchenteppiche und so langsam kommt der Gedanke an, daß ich inmitten der Veilchen tatsächlich auf eigener Erde stehe.*

 

*Klingt superomantisch. Ist aber des Grafen Erde und mein Verantwortungsbereich.

Das ist der Endspurt,

wurde mir, als wir heute Abend am überschwemmten Fluß standen, bewußt. Wir haben noch 7 oder 8 Tage im kleinen Haus zu arbeiten und dann ist das Gutshaus frei.

Natürlich sind wir noch nicht fertig. Aber es nimmt Form an. Die Dusche steht und es war ein Genuß, die Feuchttuchära für beendet zu erklären. Die Löcher in der Decke, die die Styroporplatten hinterlassen hatten, sind zugeputzt. (Inklusive der Lehre, daß Wespen auch unter Zimmerdecken Nester bauen können und Eichhörnchen in der Schüttung vom Dachboden Nüsse verstecken.)

Wer zuschauen mag, der Graf hat seit längerer Zeit ein Videoblog, auf dem auch immer mal Innenansichten auftauchen.

Sonntagabend in der Sofakuhle

Wenn es Frühling wird, sieht die Welt gleich ganz anders aus.
Obwohl. Wenn wir zu Gründonnerstag wieder in den Norden fahren, gibt es nachts noch mal richtig Frost und tagsüber Schnee.
Im Ganzen hat die „wir richten das kleine Haus auch im Winter her“-Aktion heftige Heizkosten verursacht. Ob wir die in Berlin vollständig gespart haben, ist fraglich. In Kleinmengen kaufen sich Holz und Kohlen teuer. Und diese Öfen, deren letzten wir diese Woche rausgeworfen haben, waren große Fresser, die wenig Wärme zurückgaben. Dafür aber andere Nettigkeiten. Ich weiß jetzt, warum ich Kopfschmerzen hatte, die sich nach Migräne anfühlten, mir die Augen tränten, ich morgens immer ewig schlief (nein, es war nicht die Ruhe) und ich eine Nacht lang das Gefühl hatte, mein Herzrasen käme davon, dass ich zu wenig getrunken hätte. Der Kachelofen im Schlafzimmer unmittelbar an meiner Bettseite war verstopft und zerbröselte immer schneller, weil wir ihn von ganz kalt auf ganz heiß heizen mussten. Als wir ihn abbrachen, sahen wir verrußte Spalten, wo sich Abgase den Weg nach draußen gesucht hatten. Eigentlich hätte ein Fußtritt gereicht und er wäre zusammengefallen. (Ja, wir hatten einen CO-Warner, der sagte wochenlang, alles sei ok. Der hat nur irgendwann die Kälte nicht überlebt.) Gott sei Dank meinten mein Bauchgefühl gemeinsam mit dem gesunden Menschenverstand vor einer Woche, da stimme etwas zunehmend nicht. Nun schlafen wir ein Zimmer weiter.
Die letzten 10 Tage brachten eine Kumulation des Chaos. Man kennt das ja vom Klamotten nähen: Alles auf links gedreht, einiges ganz gut, anderes problematisch und braucht Lösungen, aber je mehr Form es annimmt, desto weniger Spielraum gibt es für großzügiges, durchorganisiertes Arbeiten. Das ist der Moment, in dem man glaubt, es ist besser, alles in die Ecke zu schmeißen. Im kleinen Haus war das letzte Woche der Fall.
Das Bad kam nicht weiter. Erst wegen der eingefrorenen Leitungen, dann wegen einer Preßspanplatte, die einen 97×97 cm-Zuschnitt haben sollte, aber 100×100 cm war. Die Küche kam nicht weiter, weil Kalkputz und Temperaturen unter 5 Grad nicht zusammengehen. Dann kam der kaputte Ofen dazu…
Aber hey, das Haus hat neue Wasserleitungen und ein fast fertiges neues Bad. Die Zuleitung durch die Scheune ist nicht mit Bruch aufgetaut. Bis auf ein Zimmer sind die Tapeten ab und die Böden überall freigelegt. Die Öfen sind auf dem richtigen Weg. Es gibt eine Werkstatt. So langsam ist die Wundertüte leer, die uns drei Monate auf Trab hielt.

Und wir haben freundliche, aufmerksame Menschen kennengelernt, die ein ähnliches Projekt vor einigen Jahren absolviert haben. In einer Gegend, in der es Rehe, Kühe, Sumpf und Gras hat, aber nur wenig Einwohner, ist das ein großes Geschenk.

Alles wird gut.

Also fast. Als wir gestern nach Berlin fahren wollten, hatte ich meinen Schreck in der Morgenstunde. Mein Ehering war weg und die Wahrscheinlichkeit war groß, dass er bei einem Möbeltransport in den Schnee geplumpst war, weil ich ihn neben die Westentasche gesteckt hatte. Ich habe ja ein paar sehr konservative Seiten und eine davon ist, dass mein Ehering mir ziemlich heilig ist – außerdem ist er in Material und Fertigung sehr selten und kaum zu kopieren. Ich war völlig neben mir.
Der Graf rekonstuierte mit mir, ob er wirklich so schnell aus der Weste fallen könnte. Dann durchsuchte er heute morgen minutiös alle Sachen. Er war tatsächlich beim Ausziehen aus der Weste gefallen und während ich auf Höhe des Kopfendes des Bettes stand, in eine Tasche gesprungen-gerutscht, die am Fußende auf der Erde lag.
Diese Nummer lässt sich nicht vorführen, die passiert nur einmal im Leben…