Fünf Fragen zur Demokratie

Isabella Donnerhall hatte ein Stöckchen in die Runde geworfen. Ich hatte es gleich Anfang der Woche aufgegriffen und zu schreiben begonnen und dann ließ ich den Text liegen, weil ich dachte, das wäre zu privat. Aber jetzt habe ich es doch fertig geschrieben. (Ich werde mich um Kommentare nicht richtig kümmern können, falls es welche gibt, denn so halb bin ich ja schon weg.)

Was bedeutet der Begriff Demokratie für dich – unabhängig von seiner Definition?

Volksherrschaft. Die Beteiligung möglichst vieler Menschen, egal welchen Standes, Bildung oder Familie an der Auswahl seiner Interessenvertreter. Das Volk wählt Menschen, die die Entwickungsrichtung einer Nation, Region oder Verwaltungseinheit für die nächsten Jahre gestalten.
Durch die Vereinigung vieler Interessen kann Demokratie nicht übermäßig gerecht sein und steht immer in der Spannung von trägen Mehrheitsinteressen, Besitzstandswahrung und dem Druck der Modernisierung und den Wünschen von Vordenkern.
Das ist ok. Daß es Konflikte gibt, ist auch ok. Keine Konflikte ist Nordkorea, wo sich theatralisch freuende Militärs mit Notizblöcken um einen Erbherrscher scharen, bis der nächste von ihnen zum Tode verurteilt wird.
Und Volk ist nicht unbedingt das, womit ich mich identifiziere. Aber das muss ich aushalten. Mein Leben, wie ich es lebe, basiert auf den vielen Leben einfacher Menschen in der Provinz. Sie sind die Basis. Sie sind zu respektieren.

So gesehen kehrt plötzlich der von mir sehr kritisch beäugte Spruch meines Großvaters: „Bei allem, was du tust und sagst, frag dich, nützt es der Arbeiterklasse?“ in mein Leben zurück. Nicht, weil ich meinen Frieden mit ihm gemacht habe, oh nein. Ich werde mich nach wie vor in meinem Denken und Handeln nicht beschneiden. Ich will aber mein Leben und meine Ziele nicht auf andere projizieren. Meine Existenz, Werte, Ziele sind nicht das Maß der Dinge.
Leute wie ich, sind wenige. Leute, die erwarten, dass etwas über ihnen wacht, dem sie sich unterordnen, sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut beschützt und versorgt und die gegenüber Menschen, die anders sind als sie, mehr oder weiniger lautes und aggressives Misstrauen haben oder die das Gefühl haben, bei der Verteilung zu kurz zu kommen, sind zahlreich und ebenfalls durch das Konstrukt Demokratie in ihrer Existenz berechtigt. Wir brauchen einander, auch wenn wir uns selten verstehen. Im Gegenteil. Viele solche Spacken wie ich würden den Staat destabilisieren.

In welcher Form bzw. unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen dich außerhalb der Stimmabgabe politisch zu engagieren? Anders gefragt – was hält dich ab?

Ich bin seit den Neunziger Jahren Mitglied einer politischen Partei. (Nachdem ich es in der DDR vermieden hatte, obwohl die Familie erwartete, dass ich mit 18 pflichtschuldigst SED-Mitglied werde.)
Ich habe eine einjährige Schulung für Frauen in der Kommunalpolitik absolviert. Inklusive Gastgesprächen von älteren Kommunalpolitikerinnen, die erzählten, was einen als Frau so erwarten kann und wie frau damit umgeht. (Schützenfeste! Politische Rituale! Männerbastionen! Mausischreibmalprotokoll-Kultur!))
Ich habe zwei Mal versucht, mich aktiv zu engagieren und wußte hinterher, ich bin dafür nicht geeignet. Ich bin Analytikerin, nicht Politikerin.
Beim ersten Mal haben mich Männer im Vorstand lächelnd ausgehebelt, indem sie ein hübsches blondes Mädchen programmierten und gegen mich und eine andere, sehr taffe Mittelständlerin zur Wahl stellten. (Verbündete finden und Allianzen machen war nie meine Stärke.) Das war noch die Zeit der Männerbünde, die noch so unfähig sein konnten, Frauen ließen sie nicht ran. Auf Bundesebene gab es Interesse an mir, da war ich schnell in Netzwerken drin und hatte Unterstützung. Das war schade, denn mich hätte aktive Medienpolitik sehr interessiert. Ich habe das verkackt.
Bei zweiten Mal stand ich für eine gänzlich andere, moderne Richtung: Politik für erfolgreiche, arbeitende, gebildete Frauen und Mütter. Gute Schulen, gute Kinderbetreuung, moderne Steuergesetze.
Ich verstand nicht, warum jemand anders in der Gruppierung immer in Richtung Sicherheitspolitik und Schutz von Frauen und Familie orientierte. Ich machte mich darüber lustig, dass Berlin scheinbar aus geprügelten Unterschichtsmuttis und bei Dates vergewaltigten Frauen bestand.
Was ich übersah: Diese Person arbeitete tief unten im gesellschaftlichen Flöz, sah das Elend und die Konflikte, die sich in manchen Vierteln und mit einigen Typen zusammenbrauten. Fünf Jahre später hat die Zeit ihr Recht gegeben. Sie gilt nun als Sicherheitsexpertin und wird bestimmt bei der nächsten Wahl eine politische Position bekommen.
Mein Fazit? Das ist nicht meine Tasse Tee. Ich bin zu ignorant und arrogant und interessiere mich nur für eine kleine Gruppe Menschen. Und für den Weg in die Politik, um zu buckeln und gleichzeitig abzusahnen, fehlt mir das Hofschranzen-Gen.
Denn die Politik, die Gestaltungsfeld von Allgemein- und Gruppierungsinteressen ist, wird nun mal von Menschen gemacht, die dort ihre persönlichen Interessen verwirklichen und die sind in den seltensten Fällen altruistisch.

Kannst du dir vorstellen freiwillig in einer anderen Regierungsform als der Demokratie zu leben? Falls ja, in welcher?

Da habe ich die ersten 25 Jahre meines Lebens gelebt, wenn auch hineingeboren und nicht freiwillig. Von der Struktur her war die DDR (für mich) eine aufgeklärte Monarchie, nicht säkulär, sondern von der religionsähnlichen marxistisch-leninistischen Lehre geprägt.
Mir ging es sehr lange verdammt gut damit, weil ich zur richtigen Familie gehörte. Als ich anfing, selbständig zu denken und zu handeln, rannte ich gegen Wände: Das darf ich nicht so denken, jenes nicht so sagen, darüber muss geschwiegen werden, das hingegen schrei laut und kämpferisch heraus, auch wenn es nur ein Euphemismus und faktisch absurd ist! Ich kam in massive Konflikte.
Natürlich hätte ich es mir in den damals bestimmenden Eliten bequem machen können, die Türen standen weit offen. Nebenher hätte ich das dumme Volk bekopfschüttelt und beschimpft, das unsere Segnungen nicht zu schätzen weiß.
Nichts für mich.
Insofern weiß ich nicht, welche andere Regierungsform für mich in Frage käme. Ich finde die westliche Demokratie von der Gestaltungsfreiheit schon ziemlich gut, im Vergleich zu dem, was noch zur Auswahl steht.

Hast du schon einmal „aus Protest“ gewählt? Wenn nein, kannst du es dir vorstellen? Oder wäre Nichtwählen deine Form des Protests?

Nichtwählen kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe seit 1989 tatsächlich die Wahl. Warum sollte ich dieses Privileg nicht nutzen?
Ich zucke sogar bei Briefwahl. Denn 1989 wurden wir Studenten zu vorfristiger Wahl am Studienort animiert (das Pendant zur Briefwahl) und in diesen Sonderwahllokalen wurden massiv Ergebnisse gefälscht.
Ich habe ein Mal in den frühen Neunzigern protestgewählt bzw. meine Stimmen an absurde rechte und linke Splittergruppen verschenkt. Deshalb hatte ich zwei Jahre ein schlechtes Gewissen. Es ging mir damals nicht gut. Ich war sehr arm und verzweifelte daran, dass die Gesellschaft von mir erwartete, dass ich arbeiten sollte, um mich zu ernähren und mir gleichzeitig alle Türen dazu verschlossen blieben.
Nichtwählen ist kein Protest, sondern Feigheit und Trägheit. Leute, die nicht wählen gehen, aber sich hinterher beschweren, dass „die da“ mal wieder nicht ihre Interessen vertreten, kann ich nicht ausstehen.

Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem politischen Gegner – unter allen Umständen? Gibt es eine Alternative zur Diplomatie?

Definiere politischer Gegner. Das Wort hat für mich durch exzessiven Gebrauch in der DDR seinen Wert verloren. Es bedeutete irgendwann nur noch: Leute, die nicht so denken, wie wir und uns etwas von unserer Macht wegnehmen könnten.
Ganz oft werden Gruppen, auf die Unzufriedene ihre Wünsche projizieren, durch Ausgrenzung noch attraktiver. Das ist die Steigerung von Opposition. Opposition muss nur dagegen sein, Korrektiv statt Konstruktiv sein. Ein isolierter politischer Gegner bekommt den Glow des Märtyrers. Das halte ich für gefährlich.
Das, was heute als politischer Gegner dasteht, halte ich eher für eine Ansammlung von Opponenten, die durch den Zulauf von durch Parteienmodernisierung politisch heimatlos Gewordenen gestärkt werden. So unangenehm es für Manche klingen mag: Auch Traditionalisten, Angstbeißer, Ewigzukurzgekommene und Liebhaber von Autoritäten haben in einer Demokratie das Recht auf Interessenvertretung, egal ob rechts, links oder Eichhörnchen.
Für alle, die mit ihren Ansichten außerhalb der Verfassung stehen, gibt es Gesetze, um sie zu maßregeln.

In der praktischen Politik findet der „Du bist mein Feind!“-Kindergarten in der Regel für die öffentliche Show statt. Die Leute reden nun mal miteinander, wenn sie sich bei der politischen Arbeit begegnen. Was nicht immer heißt, dass man miteinander befreundet ist, aber man respektiert und schätzt sich auch manchmal. – Und sammelt natürlich hinter dem Rücken Kompromat (auch über die eigenen Leute), das im geeigneten Moment eingesetzt wird, um jemanden aus dem Feld zu kicken. Da Leute in der Politik in der Regel gleich ticken, weil sie diesen Job ergriffen haben, verstehen sie sich auch. Nicht umsonst sieht Joschka Fischer heute zu 150% aus wie ein x-beliebiger konvervativer Bonze.
Leute mit wirren und radikalen politischen Ansichten schickt man man am besten gut betreut auf den Praxisparcours, das entzaubert sie meist schnell.

Natürlich gibt es Alternativen zur Diplomatie. Aber die sind halt Haudrauf und wenig elegant. Am Ende der Diplomatie gibt es meist Krieg.

 

Pause

Ich bin mit dem Nähen von Entspannungs- und Freizeitkleidung beschäftigt, bevor nun endlich der Koffer für die Kinderlandverschickung gepackt werden muss. Ich bin nunmehr Eilfall, es sollte in den nächsten 8-10 Tagen losgehen. Ob und wie es da Internet gibt, weiß ich nicht, denn dort behandelt man auch Internet-Sucht, also sollte Frau in den ersten Tagen das Handy und den Laptop nicht zu offensichtlich im Anschlag haben.

Deshalb gibt es hier eine Pause bis Mitte Oktober. Seid nicht allzu brav.

Sonntagsmäander in Wärme und Licht

Was für eine Woche.
Die Rentenversicherung so: Sie werden in Gulag V am Ende der Welt verschickt.
(Bewertungsportale so: Konfektionsgröße 40-42 gilt als adipös, Abnehmgebot bei gleichzeitigem Großküchenfraß und miesen Sportbedingungen, Frontalunterricht in gesunder Lebensführung gilt als Verhaltenstherapie, Tafelbilder müssen abgeschrieben werden.)
Ichso: Haben Sie meinen Antrag überhaupt gelesen?
Die RV so: Ups, nö, da hatten wir wohl was überlesen, da steht ja eine Wunscheinrichtung. Wir melden uns.
Tage später.
Die RV so: Geht alles gar nicht, auch wenn ambulant für uns billiger ist. Suchen Sie sich was unter drei anderen Gulags aus, aber mal flotti.
(Bewertungsportale so: Eins inakzeptabel, ein anderes am A… der Welt, das dritte ginge schon, aber ich will keine nette Auszeit, ich will Alltagstraining.)
Ichso: §9 SGB IX?
Die RV so: …

Da ich im Hinblick auf die Vertretung meiner eigenen Interessen oft verwirrt und etwas hilflos bin und komischerweise weniger formvollendet reagieren kann, als würde ich das als Beruf machen, muss da jetzt mal ne Anwältin draufschauen.
Von außen sind das Luxusprobleme. Aber ich lasse mich ungern als Verschiebemasse behandeln. Diese 5 Wochen sind wertvolle geschenkte Zeit. Ich möchte die nicht so verbringen, dass ich die Tage abstreiche, wann ich da wieder weg kann und mich ansonsten dort unsichtbar machen oder womöglich nur rumstreiten.

Freundschaft gekündigt bekommen. Sehr schade. Aber Reisende soll man nicht aufhalten.

Bei der Beerdigung eines Freundes gewesen. Vor fast 35 Jahren stand ich schon einmal für einen fast Gleichaltrigen auf diesem Friedhof. Ein Mitschüler. Einer der schlimmsten Arbeitsunfälle der Region. Damals war es blankes Unverständnis, dass Kläuschen, den alle mochten, in der Anspannung eines Jobbeginns einen kleinen Fehler machte – und eine Maschine strafbar falsch verschaltet war – und dann war er nicht mehr da. Das war Wut und Verrat für eine ganze Schule und die Elternschaft. Da war jemand schuld.
Es sterben hier keine Menschen mehr im Krieg. Wir leben unser Leben auf Sicherheit bedacht. Heute ist nur in seltenen Fällen jemand schuld. Im Straßenverkehrskampf vielleicht.
Heute ist es mein Trost, dass K. bei uns bleiben wird. Im Kopf und im Herzen.

Ein paar Parzellen weiter auf der anonymen grünen Wiese dieses Friedhofs liegen Großonkel, Großtante und die Großmutter. Sie sind sehr alt geworden und es war an der Zeit. Und sie wollten keine Umstände machen, niemandem.
Ich komme mit Begräbnisritualen immer weniger zurecht. Einerseits finde ich es gut, einen Platz zu haben. Das ist mein Lebensthema. Ist das auch über den Tod hinaus mein Thema? Andererseits finde ich, dass Trauer immer seltener auf Friedhöfen stattfindet. Diese Institution hat sich für mich überlebt. Aber wer weiß, wie ich in 15 Jahren darüber denke.

Das Lebenszukunftsprojekt hat einen herben Rückschlag erlitten. Das ist sehr traurig und bitter, aber durch uns kaum zu beeinflussen. Wir wollten nichts von Null aufbauen und über unsere Kräfte gehen, sondern etwas übernehmen und langsam weiterentwickeln und hatten etwas gefunden, das zu 90% passte. Aber wie so oft bei Nachfolgeregelungen sind bei dem, der ab- und aufgibt, sehr viel Emotionen, der Abschied von einem Lebenstraum und vielleicht auch der Einfluss des Umfelds mit im Spiel. Wir sind raus, es ist angeblich jemand anders zugesagt worden (scheinbar jemand aus dem Umfeld, der interessiert ist, aber nicht zu Potte kommt), obwohl wir die Favoriten waren. Aber eine endgültige Entscheidung ist immer noch nicht gefallen, wie wir hörten. Wahrscheinlich sind alle ernsthaften Interessenten erst mal an den Rand geschoben und die Entscheidung fällt dann, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Bei der Sache lohnt es sich schon, noch weiter dranzubleiben und abzuwarten, bis es so weit ist. Es ist aber, als wolle man einen Pudding an die Wand nageln.

Durch diese Sache wussten wir aber mit einem Schlag, wie das Projekt aussehen und funktionieren kann. – Wir suchen so etwas in der Art noch einmal. Das sind dann staubige, vermeintlich unscheinbare Solitäre, die sicher auch die eine oder andere Macke haben und selbst die liegen nicht zuhauf am Straßenrand. Im Gegenteil.
Es ist sehr anstrengend. Aber auf eine gute Weise. Vor fünf Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass so etwas mit einem Partner überhaupt geplant und angegangen werden kann.

Fleisch

Triggerwarnung: Dieser Text ist mit Sicherheit nix für Veganer*innen und Vegetarier*innen. Es wird hervorragendes Rindfleisch zubereitet und gegessen.

Frau Indica war wieder einmal für ihre Gastro-Kolumne im Analogblog unterwegs. Da ich ihr die Idee zugetragen hatte – über den Grafen und dessen Bekannten Wiemer Wiemers, so geht der Weg von Empfehlungen – über gut zubereitetes Fleisch und speziell über den Goldhorn Beefclub zu schreiben, nahm sie mich als Mitesserin mit.

Ich dachte erst einmal Club … ok., das ist so etwas ganz Schnöseliges, Elitäres. Voller Leute, die nachsichtig lächeln, wenn frau nur Filet, Entrecôte und Rumpsteak kennt.
Am Ende hatten wir einen lehrreichen, amüsanten Abend voller Fleischlust.

Am Anfang war der Grill, den Josh Jabs, der Inhaber des Clubs, konstruierte.
Ich muss mal ein bisschen ausholen. Ich bin – so es mir mein Wohnort erlaubt – leidenschaftliche Grillerin. Mit Kohle, unbedingt, ein Gasgrill ist für mich ein schlechter Kompromiß, ein Elektrogrill kommt mir nicht ins Haus.
Der Graf ist in Hinsicht Holzkohlenfeuer und Schmurgelaromen, die jede Menge andere weniger schöne Kohlenwasserstoffe huckepack haben, ein bisschen vorsichtig und mag es lieber in der Grillschale.
Der Grill von Josh Jabs trägt diesen Bedenken Rechnung und hat ein Ableitsystem für das Fett, das nun nicht mehr ausschließlich rauchend verbrennt. Trotzdem trifft das Feuer durch enge Schlitze auf das Fleisch und die Temperaturen des Grills sind so hoch, dass ein Steak mit Kruste gart und innen blutig-rot bis rosa bleibt.
Das ist schon erst mal prima.

Vor zwei Jahren war der Boss es leid, als Grillmeister große Empfänge und Events zu bespielen und hat sich einen flachen 60er-Jahre-Bau in der Mommsenstraße* als Niederlassung gesucht, um die Berliner zu begrillen.
Der Gastraum ist in Dunkel und Gold gehalten, es gibt eine Bar und eine Zigarrenlounge und ganz vorn in der Schauküche steht der Grill und speit Feuer. Ein großer Reifeschrank mit Salzfliesen (zur Aufnahme der Feuchtigkeit) nimmt eine ganze Wand ein und darin liegen viele Stücke Fleisch von unterschiedlicher Herkunft und Schnitt und in unterschiedlichen Reifestufen.
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Von Kobe-Rind bis zu deutschem Rindfleisch aus natürlicher Haltung geht das Angebot, dazu gibt es Iberisches Schwein, etwas Fisch und ab und zu Besonderheiten, wie Zebu oder Fleisch von alten Tieren (bei richtiger Zubereitung eine Delikatesse).
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(Ich muss echt für die Fotos um Entschuldigung bitten. Frau Indicas Fotograf hat die Speisen immer ins bessere Licht gestellt, die verlinke ich dann noch mal, wenn es so weit ist.)

Die Beilagen und Vor- und Nachspeisen sind zurückhaltend und aus erstklassigem Material. Wir teilten uns als Vorspeise das handgehackte, bereits gewürzte Tatar mit Wachtelei und einen Burrata-Käse.
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Dann kamen nach gebührender Zubereitungszeit, in der der Grill die Hauptrolle spielte und wir uns die Zeit mit Wasser und Wein vertrieben
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viele Speisen auf den Tisch: Tomahawk-Steak, ein Teres Major- und ein Flankenstück. (Auf dem Foto oben wird übrigens das Tomahawk zubereitet. Hinterher kommt es noch in den Garofen.) Mein Favorit war das Teres Major, ein Zuschnitt, den ich bisher nicht kannte.
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Dazu kamen Kartoffelgratin, Fenchel-Lauch-Gemüse und Spinat.
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Bei einem so dicken Stück wie dem Tomahawk gibt es in den aufgeschnittenen Stücken alle Garstufen, von Rot über Rosa bis durch mit Kruste. Das fand ich ziemlich interessant, denn beim klassischen blutig oder rosa gebratenen Steak ist das nicht so ausgeprägt.
Der Spinat war ein Träumchen, da haben wir gleich beim Koch nachgefragt, wie er den zubereitet hat.

Für Dauer-Club-Mitglieder gibt es natürlich die Möglichkeit, das eigene Stück Fleisch im Reifeschrank zu haben. Wer die 24-Stunden-Clubmitgliedschaft nimmt, findet eine große Spannbreite sorgfältig zusammengestellter Fleischsorten und kann im Preis wählen von die von „Ich bin reich, wo ist der Topf mit dem Gold!“ bis „Exzellent Fleisch essen und den Rest des Monats trotzdem nicht an den Nägeln knabbern.“

Chef Josh, der Restaurantchef, der Küchenchef und der argentinische Grillmeister sind mit viel Herz bei der Sache. Man merkt, die Jungs mögen das, was sie tun und haben hohe Ansprüche und Respekt vor dem Tier, das sie zubereiten.

Ich glaube, ich habe noch nie so viel Fleisch auf einmal gegessen, wie an diesem Abend. Jedes Stück war anders, der Rest des Tomahawk wurde am Schluss noch einmal aufgewärmt und war dann noch besser. Natürlich hätte es auch Sößchen dazu gegeben. Aber grobes Salz und die hauseigene Würzmischung reichten völlig, da vermissten wir nichts.

Am Schluss gabs dann noch ein paar kleine, vorwiegend frische Desserts. Dreierlei Sorbets aus der Eismanufaktur und weiß und dunkle Mousse au Chocolat, nicht im Bild meine obligatorische Creme Brulee.
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Ein großer Dank geht an Frau Indica und ihre Printmagazin-Restaurantkolumne!

Fazit: Unbedingt empfehlenswert!

*der vor 7 oder 8 Jahren als Gourmetrestaurant sehr teuer renoviert worden war, nur war Berlin damals in Hinblick auf sehr gute Küche noch nicht so ganz so weit und eine ganze Weile schlief die Location.