Eigentlich nicht

Edit: Die Diskussion über sexuelle Belästigung ihn Berufsleben und Alltag ist eine endlose Tapete, gemustert mit dem patricharchen Stereotyp „Damsel in Distress“ oder Deutsch „Jungfrau in Nöten“. Gemischt mit einer guten Portion Voyeurismus, nicht umsonst sagt man der modernen westlichen Welt Sexbesessenheit nach.

Man kann es nicht laut genug sagen: Es geht nicht um Sex. Sex ist ein Symptom, nicht die Ursache. Es geht um Macht und direkten Zugang zu Ressourcen, um das Messer und den Tortenheber, um das richtige Stück vom Kuchen abzubekommen.

Bei der Damsel in Distress-Diskussion zu bleiben, heißt, bei der Definition zu verharren, daß der größte Wert einer Frau ihre sexuelle Unversehrtheit ist und andere über den Wert bestimmen, während er Frau allerhöchstens die Ja/Nein-Entscheidung über ihre Unversehrtheit zugebilligt wird. Objekt mit Schlüssel. Aber kein freies Subjekt.

Edit Ende.

Vor ein paar Wochen dachte ich noch, och nö, bitte nicht schon wieder so ein Hashtagaktivismus, bei dem sich Frauen alles von der Seele brüllen und hinterher so weitermachen wie bisher, weil sie glauben, eskalieren und brüllen reicht schon für Veränderung. Nun weiß das jeder von Ehekrächen, rumbrüllen ist nur ein Ventil. Schweigend das eigene Verhalten zu ändern, um das Gegenüber in Bewegung zu bringen – womöglich um den Preis des beiderseitigen Verlustes von Teilen der Komfortzone – ist zielführender.

Überhaupt ist Veränderung nie einseitig. Wer vom Gegenüber Veränderung verlangt, stellt das gesamte Setting um und muss sich ebenfalls bewegen. Die eigene Rolle wird eine andere.

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie wenig Frauen in (West-)deutschland ernst genommen werden und wie rigide die konservativen Mann-Frau-Machtstrukturen sind, die Belästigungen und Übergriffe erst entstehen lassen*. Betrachte ich, wie gelernt und kommod das Leben in diesen Machtstrukturen für Frauen sein kann und wie anstrengend das Leben „draußen“, verstehe ich die Zählebigkeit der Strukturen.

*Machen wir uns nichts vor. Es geht in den seltensten Fällen um Sex. Kein Mann, der eine Frau blöd angeht, rechnet damit, dass sie sich ihm beeindruckt hingibt. Die Botschaften sind „weil ich es kann, Mäuschen und du nicht“ oder „eine Frau wie dich bekomme ich nie im Leben, dann zeige ich dir wenigstens, dass du noch weniger wert bist als ich“ (tbc).

Irgendwann schrieb ich, darüber befragt, wie das denn war im Osten mit dem Liebesleben, „es war wild“. Aber der wesentliche Unterschied war, dass Frauen keine sexuellen Objekte waren. (Zumindest nicht in meiner Generation.) Die Frauen waren wirtschaftlich selbständig, verdienten so viel und manchmal auch mehr als die Männer. Also gab es keine Verknüpfung zwischen Beziehung, Sex und Versorgung. Eine „alleinstehende“ Frau wurde nicht in erster Linie an ihrer F*ckbarkeit/Attraktivität/Erreichbarkeit bewertet (dieser schmale Grat, die Ambivalenz: Heiße Braut oder Schlampe?).
Es war kein Riesenereignis, wenn eine Frau im Chefsessel saß. Wenn ideologisch und fachlich alles ok. war, ging das fix.

Allerdings war es nicht so, dass die Männer darüber erfreut waren. Im Krankenhaus meines Heimatkaffs ließ sich eine Chirurgin die Gebärmutter entfernen, damit sie stundenlange OPs durchhielt. Um dem satten Chefarztgrinsen, Frauen müssten doch ständig aufs Klo, etwas entgegenzusetzen.
Meine Mutter erhielt jahrelang obszöne Anrufe. Ich bin mir sehr sicher, dass der Anrufer einer ihrer Untergebenen war, eine dummes, rotzfreches Arschloch, den die Stasi ihr hingesetzt hatte.
Ich hörte vom Kindsvater mehr als einmal „aber du bist doch nur ein Mädchen“(scherzhaft vorgetragen, mit bitterernstem Kern), wenn ich Zukunftspläne schmiedete.
Auf dem Dorf waren die jungen Agronomieaspirantinnen „det Fleesch“ und trotzdem war die nächste Generation, die die alten Säcke in der Chefetage demnächst ablösen würde, weiblich.

Die Hoffnung, Dinge nur laut genug anzuprangern, damit die Schuldigen einsichtig ihr Verhalten ändern, ist relativ gering. Die Schicht an dumpfem Alltagssexismus war in der wesentlich gleichgestellteren Gesellschaft der DDR ebenfalls da. Die Frauen waren nur weniger kränkbar und stabiler. Es war nicht ihr Kernwert, ein schützenswertes sexuelles Objekt zu sein. Sie fühlten sich nicht sofort als Opfer, wenn ein Idiot sich daneben benahm und konnten sich bei Übergriffen ziemlich gut wehren.

(Mir fehlte es oft sehr, als Frau nur durch Frau sein Dinge bewirken zu können. Schutz und Aufmerksamkeit zu bekommen, geborgen zu sein. Das weibliche Spiel von Attraktivität, Anziehung und Verweigerung zu spielen.
Anderseits wußte ich, dass die Welt, in der sich die Frauen-Frauen bewegten, klein und beschränkt war. Bürgerliche Freiheiten, Werte und Wohlstand gab es in dieser proletarisierten Gesellschaft kaum noch. Meine Großmutter war die erste und letzte der Familie, die ein großes Haus führte. Sonst hatte kaum jemand die Ressourcen dafür.
Und: Das, was Männer machten, war viel interessanter. Sie gingen in die Welt, erlebten Abenteuer, machten Erfindungen, schufen große Dinge. Und diese Männerwelt stand im Sozialismus den Frauen offen. Warum sollte ich in einer kleinen Welt hocken bleiben und Mangel verwalten?
Trotzdem wußte ich, dass der Preis hoch war. Frauen arbeiteten doppelt und dreifach. Für den Job, den Haushalt und die Familie. Das war extrem hart.)

Mir fällt noch etwas dazu ein. Wenn die viktorianische Epoche das Sexuelle rigide verdrängte, dann war es, weil in den Städten die Spielregeln des Dorfes nicht mehr funktionierten. Im Dorf kannte jeder jeden und wußte man, wer welchen Stand hatte oder aus welcher Familie kam. Welche Konsequenzen der Kontakt zwischen den Geschlechtern hatte. Welche Paarbeziehungen existierten oder angebahnt wurden und welche Frauen niemand und damit allen gehörten.
In der modernen Welt ist Geld- und Einflussakkumulation kein dynastisches Spiel mehr. Frauen sind als Instrument, Pfand und Verhandlungsmasse für Machterhalt nicht mehr nötig. Sie müssen nicht mehr als Gebärerinnen von Söhnen, den Kraftmaschinen der Familie, herhalten. Zugang zu Wohlstand nicht mehr von Körperkraft und Aggressivität bestimmt, sondern von Bildung.
Bildungsressourcen können nicht mehr verschwendet werden, weil immer weniger geeignete Menschen für die übriggebliebenen teilweise hoch anspruchsvollen Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Es macht keinen Sinn mehr, Frauen teuer zu bilden und sie dann in niedrigschwelliger Familienarbeit einzusetzen.
Also begegnen sich Frauen und Männer in der Arbeitswelt neu. Sie müssen nun auf Augenhöhe zusammen arbeiten und konkurrieren miteinander. Dafür braucht es neue Spielregeln.

Insert: Die sexuelle Revolution hat Sex und Zeugung und Sex und dauerhafte exklusive Paarbeziehungen entkoppelt. Trotzdem haben sich in Deutschland die Hausfrauenehe und der Mann als Familienernährer lange gehalten. Ergebnis ist die sonderbare Gemengelage von hochgradig sexualisierter Atmosphäre (Männer sehen in einer Allmachtsphantasie Frauen als Ansammlung von für sie immer verfügbaren T*tten und Ä*schen) und drögem, aber empfindsamem Biedermeier (Frauen haben das Bedürfnis nach übersichtlicher, kleiner Welt, solange der Lebensstandard stimmt).

In veränderten Bedingungen, wo Bildung, aber nicht Geschlecht über den Zugang zu bezahlter Beschäftigung entscheidet, knallt es immer dann, wenn die mit der Allmachts- und die mit der Empfindsamkeitsphantasie gegeneinander laufen.
Da werden sich eine Menge Allmachtsgefühle verabschieden müssen und es müssen dicke Felle über zarte Haut wachsen es muss der Wille (Druck/Lust, was auch immer) vorhanden sein, sich zu beteiligen, Verantwortung zu übernehmen, zu scheitern, Gegenwind zu bekommen.
Das Ziel ist Respekt voreinander, Allianzen schmieden.

***

Über das, was in der Entertainmentbranche abgeht, könnte ich lange Artikel schreiben. Das mache ich nicht, weil ich keine Namen nennen möchte. Es ist ein Fleischmarkt mit viel Angebot und Nachfrage. Es sind eine Menge narzisstische schwarze Löcher, wunderhübsche Supernovae und Borderliner-Pulsare in diesem Universum unterwegs.
Aus meiner Sicht: Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich kapiert hatte, dass die Avancen, die junge attraktive Schauspieler mir machten, wenig mit mir zu tun hatten, sondern mit dem, zu dem ich Zugang verschaffen konnte. Ich für mein Teil wollte nie erpressbar sein und war nicht ansprechbar. Macht über andere hatte ich genug und Sex mit im Job Abhängigen machte mich nicht an.
Ich hörte da aber mal eine Geschichte über eine Kollegin, die im normalen Leben längst Rentnerin gewesen wäre. Sagen wir mal so, in heutigen Zeiten wäre das eine himmelschreiende sexuelle Belästigung gewesen. Einen ganzen Nachmittag lang, ohne viel Aussicht auf Flucht für den Mann. Er hätte sich wehren können, hätte gehen können und hat sich nach Stunden irgendwie charmant lächelnd aus der Affäre gezogen. Er wollte nicht allzu viel Porzellan zerschlagen, schließlich besorgte sie ihm die Jobs und hatte exzellente Verbindungen. Aber das ist schon länger her und die alte Dame ist nun schon einige Jahre tot.

Edit: Nicht gut? Wir waren uns doch immer einig, daß die Männer die Schweine sind. Die Geschichte ist mit Absicht gewählt und kein Einzelfall. Denn es geht um Macht und um Zugang zu Ressourcen. Es geht nur am Rande um Sex.

Alles hygge – oder was?

Der gestrige Tag brachte ein Gespräch mit einer Dänin im Alter meiner Tochter.
Sie versucht, in Berlin in der Kulturbranche einen Job zu finden. Viel Mut machen konnte ich ihr nicht. Natürlich gibt es Arbeit, nur gut oder überhaupt bezahlt ist diese Arbeit selten. Wenn man in den 30ern in der Kulturbranche nicht in einem Netzwerk steckt, das sich zunehmend etabliert, rotiert man lange und quälend in prekären Jobs herum.
Nein, ich formuliere es noch einmal optimistischer: Um die 30 rum hat man das Gefühl, man kommt nie da an, wo die anderen sind und rennt ständig Zügen hinterher, die bereits fahren. Die Besonderheit für die Kulturbranche ist, dass die Zahl derer, die versuchen, auf fahrende Züge aufzuspringen, überdurchschnittlich hoch ist.

Wir redeten über die heutige Zeit, in der junge, flexible Menschen überall in Europa oder auf der Welt arbeiten. Kein Job in Stockholm? Versuchs in London oder Berlin!
Offen sein für alle und alles, nicht abgrenzen, nicht zumachen. Tolerant sein für Fremdes. Andere Kulturen akzeptieren.
Mein Kommentar zur Jobsituation grenzte wieder ein und erdete: Es macht wenig Sinn, nur nach englischsprachigen Jobs zu suchen. Die Berliner Expats leben in einer Blase und haben noch höhere Konkurrenz.

Nun aber zu hygge. Unser Gespräch ging nämlich weiter. Sie erklärte mir hygge. Wir Deutschen kennen ja nur die konsumistische Seite: Zu Hause sitzen, nicht rumrasen, die Wohnung hell streichen, kuschelige Kissen und Decken ausbreiten und bei Kerzenschein Kakao trinken.
Es geht aber darüber hinaus um enge Bindungen. Bindungen an Orte und Menschen, ob Familie, Nachbarn oder Freunde. Man hat ähnliche Ziele, tickt ähnlich, hilft sich, schafft sich Geborgenheit und Sicherheit. Die Nebenwirkung ist, dass es sich um enge Zirkel handelt, in die Fremde nur nach eingehender Prüfung gelassen werden.
So weit ich sie verstand – wir sprachen ausschließlich Englisch und ich bin nicht so superfit in dieser Sprache – sah sie hygge kritisch. Zu hermetisch, zu ausgrenzend.
Dann wechselte plötzlich das Thema und ich kam im Verstehen kaum hinterher. Es ging um Harressment, um unangenehme Erfahrungen im Netz, um feindliche Menschen allüberall da draußen.

Und da hatte ich den luziden Moment. Manchmal ist es ganz gut, nicht jedes Detail zu mitzubekommen, um das große Ganze sehen zu können. (und ich habe sicher ne Menge durcheinander gewürfelt.)

Ich frage mich oft, warum die jungen Menschen in meinem Timelines der sozialen Medien so viel darüber klagen, dass sie Belästigung und Feindseligkeit erleben oder mit ansehen und warum diese Generation das Konzept safe space erfunden hat.
Gleichzeitig predigen sie bedingungslose Akzeptanz von noch so kleinteiliger Diversität.

Ich vermute mittlerweile, dass diese Verletzbarkeit systemimmanent ist.
Je ungebundener, flexibler, offener, entgrenzter, desto mehr kollidieren diese Leute wider ihr Erwarten mit diversen Menschen und Lebensstilen. Mehr noch, sie sind schutzlos gegenüber Kollisionen und Reaktionen, weil sie selbstgewählt nirgends Deckung und Rückhalt haben – dafür bräuchte es enge Kreise, Kontinuität und bindende Arrangements. Und – auch wenn ich mir hier nicht sicher bin – sie glauben, alle denken so wie sie, bis es die ersten ernsthaften Interaktionen mit dem Anderen gibt. Vielleicht gab es in diesen Biografien auch nie großartige Erfahrungen mit Ablehnung, Feindseligkeit oder Desinteresse, weil das Umfeld immer wertschätzend alles gelobt und Probleme aus dem Weg geräumt hat.
Um diesen Double Bind „Ich bin ok. und  akzeptiere alles, das egal wie, anders ist“ vs. „Da sind Leute, die halten sich auch für ok., die sind anders und drücken das mir gegenüber auch aus“ auszuhalten, wird das Böse auf ein paar Stereotype projiziert und der Rest verdrängt. Aggressoren, Belästiger und Machtmißbraucher sind ausschließlich alte weiße Männer. (Papa?) Je nach Situation wohlhabend und etabliert oder Angehörige der Unterschicht.
Alle anderen, die Freunde oder zu Missionierende sind oder wegen ihrer Opferstatus zu zu den Edlen zählen, dürfen keine Verhaltensweisen von Bösen zeigen. Auf keinen Fall. Wenn sie es tun, sind sie sicher traumatisiert. Also wissen eigentlich nicht, was sie tun.
Solche Moraljonglagen sind sehr energiezehrend.

So, genug der Küchenpsychologie. Es ist eine Altersfrage. Vielleicht. Das schiebt sich zurecht.

(Und ich weiß nicht, ob das nicht alles wirre Gedanken sind. Ich schlage mich seit zwei Tagen mit dem Text rum.)

WMDEDGT November 2017

Frau Brüllen fragt, was wir heute den ganzen Tag gemacht haben und ich hatte heute einen richtig netten Sonntag.

Ich stand um 8:30 Uhr auf und ging für eine Stunde in die Badewanne.
Als es um halb 10 zum Kirchgang läutete, machte ich mir Joghurt mit Banane und Ananas und trank einen halben Eimer Kaffee dazu. Ich hatte schlecht geschlafen, obwohl ich vom Vollmond in keiner Weise beeinflusst werde.

Um 11 Uhr machte ich mit dem Grafen zusammen einen Rundumschlag durch das Gästezimmer und das Bad: Betten beziehen, Staub wischen, durchfeudeln.
Seit wir Kisten packen, um Teile unserer Existenz nach Norden zu verlegen, haben wir des öfteren Kurzzeitmitbewohner in einem unserer Zimmer.
(Aber es bleibt spannend. Nach der Ansage, 30. September, nein doch nicht, 31. Oktober, gibt es nun die Information, dass vielleicht nach dem 30. November das kleine Nebenhaus für uns frei wird.)

Dann setzte ich mich gegen 12 Uhr an den Nähtisch. Es gibt jetzt eine schicke Lupenleuchte, da trenne ich doch noch mal so gern auf. Ich musste den Versuch von gestern Abend, einen nahtverdeckten Reißverschluss einzunähen und gleichzeitig den Karorapport nicht zu verschieben, noch mal wiederholen. Es wird ein Glockenrock mit Schottenkaro, wenn ich das mit dem Reißverschluss denn mal hinbekomme.

Um 13 Uhr kamen unsere Gäste an. Zwei chinesische Studentinnen. Wir rannten erstmal frontal in höflich kommunizierte unterschiedliche kulturelle Erwartungshaltungen. Die jungen Frauen wollten am nächsten Morgen zum Frühstück kochen und fragten nach Töpfen, Pfannen und Gewürzen – obwohl sie weniger als 24 Stunden bei uns sein würden. Das war dann auch das erste Mal für uns. Sonst sieht man von den Leuten nichts, sie sind den ganzen Tag unterwegs und machen sich höchstens einen Kaffee oder stellen ein Doggy Bag von letzten Restaurantbesuch in den Kühlschrank.
Aber ok. Ich glaube, die Welt des Gastgebens sieht in Asien anders aus. Vielleicht wundern sie sich über unsere komische Distanziertheit und dass kein Essen auf dem Herd kocht. Während unsere Botschaft ist: Fühl dich frei, mach dein Ding und störe unsere Kreise nicht.

Eine halbe Stunde später packte ich eine angestrickte Babyhose in meine Tasche und fuhr zu Kind und Schwiegersohn nach Pankow. Das mittlerweile schon fast 7 Monate alte Enkelmädchen war beim Essen. Was in dieser Phase heißt, dass der Kartoffel-Broccoli-Brei auf Gesicht und Armen klebt und sich in die Haare vorarbeitet und es neben einem wasserdichten Lätzchen noch eine Windel um den Hals gibt, in die das Essen gut eingearbeitet wird. Aber es schmeckt ihr und sie nagt ebenso begeistert an Apfelstückchen.
Der Schwiegersohn putzte das Mausebärchen sauber und ich schnallte sie mir warm angezogen vor den Bauch. Ich lief mit ihr in Richtung Schloßpark Niederschönhausen. Zuerst wippte sie noch begeistert in ihrer Trage (Omas Bauch ist scheinbar wie ein Wasserbett), aber nach ein paar Minuten schlief sie. Ab und zu spannte ich den Schirm auf, weil es leicht regnete. Ich schaute mir den Majakowskiring an, da, wo bis in die 60er die DDR-Regierung wohnte. Vor langen langen Jahren war ich in einem dieser Häuser, das damals Gästehaus war, auf einer Party. Aber Pankow war nie richtig meine Go Area, ich erinnerte mich erst allmählich daran, dass das hier gewesen sein muss.
Die Freunde, denen ich kurz Hallo sagen wollte, waren leider nicht da und so fuhren wir zwei Stationen mit der Straßenbahn zurück und liefen den Rest der Strecke. Das kleine Mädchen war längst wach und amüsierte sich königlich darüber, wenn ich mit ihr wie ein Pferd durch die Gegend galoppierte.
Um 16 Uhr war ich zurück und wurde gebeten, noch zu bleiben, weil die beiden Eltern beim Möbel rücken waren. Ich spielte noch ein bisschen mit der Kleinen – in Holzkugeln beißen, durch die Gegend robben, Mamas Tasche anlutschen, ich fing sie immer wieder ein, wenn es in Baustellennähe ging. (Sie robbt mittlerweile nicht mehr nur Mama hinterher, sondern erkundet von sich aus die ganze Wohnung.)
Da mein Telefon extrem interessant war, versuchte sie sich zum Sofa hochzuziehen, um es zu erhaschen. Da geht es wohl bald mit Stehen weiter.

Kurz vor 18 Uhr brach ich auf und fuhr nach Hause. Der Graf war inzwischen von einem ausgedehnten Flohmarkttrip zurück.
Wir grillten uns Hamburger und als Dessert gab es Crème brûlée. Für den Grafen gab es dann als Charlotte-Lindholm-Fanboy den Tatort.

Die zwei Mädels sind seit zwei Stunden wieder da. In der ersten Stunde haben sie Tee gekocht. bzw. heißes Wasser. Meine Grüntee fanden sie komisch. Die Gutschlafen-Teemischung von Primavera haben sie nicht angerührt. Jetzt duschen sie seit einer Stunde.

Es ist 22 Uhr, ich stricke jetzt noch etwas an der Babyhose weiter, mit einem Hörbuch auf den Ohren und werde gegen Mitternacht ins Bett verschwinden.

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Müde

Wieder eine wilde Woche. Ich hoffe, das wird demnächst wieder ruhiger.
Das Enkelkind durch Weißensee getragen, Heizkörper aus Weimar geholt, inspirierende Gespräche gehabt, bei einer Vernissage im Jandorf gewesen.
Die Nachricht erhalten, daß es wohl diesmal doch einen Baum im zukünftigen Garten erwischt hat.
Ich hätte gern einen Zusatztag zum Schlafen.