The Diary of Kitty Koma

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26/01/2015
von kitty
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Test Olaz Regenerist

Olaz Regenerist heißt der Ritter im Kampf gegen Falten und Hautalterung, der mir von Olaz zur Verfügung gestellt wurde. Eine Creme und ein Serum, zwei Produkte, die etwas enthalten, das Lys Lastine V® heißt und aus Dillsamen gewonnen wird.
olaz-regenerist
Nun ist das mit mir und Cremes so eine Sache. Als ich vor Jahren mal eine Hautärztin aufsuchte, meinte die nur nach einem Blick auf mein Gesicht: “Die überpflegte Haut der feinen Dame! Sie nehmen einfach nichts! Keine Creme, kein Peeling, nichts!”

Das habe ich dann ein paar Jahre gemacht. Wenn die Haut zu trocken wurde, nahm ich irgendeine Body Lotion und im Winter Cold Cream. Das Ergebnis war auch nicht so großartig anders als der Zustand vorher. Ich neige zu kleinen Talgknötchen oder Whiteheads unter der Haut, das wurde weder mit Pflege mit Nivea oder Bebe besser, noch ganz ohne Pflege. – Und ich bin in der Hinsicht extrem experimentierfaul, ich will keinen Aufwand und kein rausgeworfenes Geld.
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Deshalb habe ich mich für den Test beworben, ohne allzu hohe Erwartungen, denn zu meinen Falten stehe ich, ich bin nun mal über 50, aber ich war neugierig.

Ich habe die Olaz Regenerist Creme und das Serum seit Weihnachten benutzt und das Ergebnis erstaunt mich sehr. In den ersten Tagen brodelte es in meiner Haut, wie das oft ist, wenn die Pflege wechselt. Die oberen Hautschichten schuppten sich ab und eine ganze Menge der oberflächlichen Talgknötchen öffneten sich. Das fand ich super, machte mich aber etwas skeptisch, wie es weitergeht. Der Fortgang war etwas gemächlicher, die Haut beruhigte sich wieder und wurde allmählich dünner und feiner. Das ist jetzt seit zwei Wochen konstanter Zustand. Feine, lebendige und frische Hautstruktur, ohne schuppige Schichten, ohne alles zuzufetten und neugebildete Talgknötchen öffnen sich schnell.
Olaz Regenerist hat meine Wirkungs-Erwartungen damit weit übertroffen.

Die Konsistenz der Creme und des Serums finde ich gut, sie sind nicht fettig und erzeugen trotzdem kein Spannungsgefühl auf der Haut. Allerdings hatte ich Probleme, wenn ich mein Make up darüber legte, dann pillte alles ab. Das lässt sich vielleicht mit einem andere Make up lösen oder man wendet das Produkt nur abends an, wenn man täglich geschminkt aus dem Haus muss.
Der Geruch ist mir zu stark und zu blumig, ich mag es mehr diskret und pudrig.
Die Umverpackung ist Aufmerksamkeit erregend, für die Botschaften von Rot, Silber, Boost, Blingbling und massig kleinem Text bin ich aber nicht Zielgruppe. Ich kann ihn ohne Lesebrille beim Kauf nicht lesen (und Olaz ist ja für den beratungsfreien Verkauf in Supermärkten gedacht) und vom Design her mag ich es schlichter. Außerdem bin ich so alt, dass ich Olaz-Produkte noch in Weiß und Pastellfarben abgespeichert habe.
Nebenher: Der Serumspender neigt dazu, sich selbst aufzudrehen und bei Luftdruckwechsel undicht zu werden.
Für mich ist dieses ganze wissenschaftliche aussehende Marketing, das dann doch wieder mit eigenen Wirkstoffen und deren komplizierten Markennamen operiert, reines Gedröhn das ich überhöre. Bei manchen sehr teuren Produkten ist es ja so schlimm, dass man sich die Namen weder merken noch aussprechen kann.
Das eiert so zwischen “Ist aus der Weltraumforschung einself!!!” und “Ist aus Pflanzen und ganz mild!” um alle mitzunehmen.
Ich möchte guten, hautverwandten Geruch, unaufdringliche Textur, eine schlichte Verpackung, einen eingängigen Namen und vor allem Wirkung, mehr nicht.

Last, but not least. Ich habe dann noch mal ein wenig in der Zutatenliste geschaut und recherchiert, denn in Sachen Chemie bin ich gar nicht fit, im Gegensatz zu Frau Brüllen, die ja alle Tage in der Chemiefabrik Cremezutaten und Medikamente kocht.
Das Zauberwort ist Niacinamid, eine Form des Vitamin B3. Das war scheinbar der Turbo, der die Haut in Bewegung brachte. Das mag mir recht sein.


25/01/2015
von kitty
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Spitze, Schmeichler, Schwarze Löcher

Es ist mal wieder Zeit für einen Sonntagsmäandertext.

Die Woche verging u.a. mit Pixelschubsen, die Frau Montez hat jetzt ein neues Heim.
Ich war in einem schönen Stoffladen und lernte dort die Inhaberin kennen, die mich sehr an mich selbst vor 15 Jahren erinnerte. – Alleinerziehend, was auf die Beine stellend, aber auch etwas überarbeitet. Ich könnte so etwas nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Jetzt sind andere Sachen dran, kontemplative Geduldsarbeiten zum Beispiel.
Letztes Wochenende machten wir einen Gang über die zwei Flohmärkte in Laufweite und brachten als Beute Druckknöpfe, einen elfenbeinernen Lochstecher für Lochstickerei, ein riesiges Knäuel mercesiertes weißes Baumwoll-Spitzengarn und einen ganzen Kasten tschechisches Schulgarn heim.
schulgarn

Das Schulgarn ist sehr viel feiner als das deutsche und so erlegte ich mir ein paar Übungen im Spitzenstricken auf.
estonian lace
Das ist ein Schal nach dieser Anleitung, logischerweise sieht der mit hauchdünnem Mohairgarn wesentlich mehr nach Spitze aus als bei mir. Ich brach mir an den Nuppsies, die estnische Spitzen charakterisieren, fast die Finger. Um die richtig hinzubekommen, habe ich mir ein halbes Dutzend Videos auf Youtube angesehen, denn jede Strickerin macht sie anders. Ich benutze die Methode einer nuschelnden amerikanisch-estnischen Oma, die ein herrlich schrottiges Wohnzimmer hatte, wo im Hintergrund Baketball im Fernsehen lief.
Das alles ist Übung, um einen Schwung dieses Materials zu verarbeiten. Wobei ich hoffe, dass es langsam vorbei ist mit diesen Farbmelangen. Uni ist mir lieber.

Der Graf fragte mich, warum denn jede zweite oder dritte Frauengeneration wieder solche Sachen machen müsse, schließlich sei davon genug in den Nachlässen vorhanden. Seine Tante Hilde, die Lochstickerin, hätte so etwas auch schon gemacht. (Und meine Urgroßtante Meta auch.)
Einen entscheidenden Unterschied gibt es. Baumwoll- und Leinenspitzen überdauern locker 80-100 Jahre. Kunstseide ist wäh. Mohair und Seide war für unsere Vorfahren oft unerschwinglich, findet sich auf den Menükarten kleiner Feinschmecker und zerfällt auch ganz gern nach ein paar Jahrzehnten zu Staub.
Außerdem gibt es nichts entspannenderes als dieses Gepussel.

Aber da wir gerade bei guten Materialien waren. Ich bin schon immer ein Fan von Seide gewesen. Ob Organza, Taft oder Crepe, ich hatte früher immer Seide im Vorrat. Sie war gut zu färben und haptisch ist sie unerreicht, nur leider mittlerweile in guter Qualität auch unbezahlbar. Leider…

Der Graf suchte gestern mit mir nach Material für einen Schal. Was für einen Menschen mit frühkindlichem Extremkratzwolle-Trauma (Westdeutschland, Provinz, 60er, strickende Mutter und Tanten) nicht so einfach ist. Wir klapperten drei Läden ab, das Liljedahl-Verkhus, die Fadeninsel und Handmade. Am Schluss war es wie in diesem Witz: Es war ein Garn, das ich schon verarbeitet hatte (das rote nämlich). Ich hatte ja schon immer gesagt, die Lösung wäre Seide statt Wolle.
Zurückgekehrt von der Woll-Laden-Odyssee schnappte ich mir das Restchen und die Strickmaschine und produzierte diese Probe:
Maschenprobe
Das ist Tao von Colinette. Ein Dochtgarn aus Seide, ganz fest, langsam und achtsam auf der Maschine verstrickt. Leider gibt es kein Fühlinternet, es fühlt sich an wie Babypopo.

Dann dann noch was ganz anderes. Dass es Orte gibt, deren Atmosphäre sich nicht ändert, ist für die Menschen, die dort wohnen, sicher ärgerlich. Esoteriker würden wahrscheinlich nicht verwundert sein.
Der Helmholtzplatz ist derzeit wieder Thema in Bürgerversammlungen und in der Berliner Zeitung. Alle paar Jahre wird dort gegen herumlungernde Gestalten vorgegangen. In den 90ern, in der DDR zum Berlinjubiläum 1986 und auch 100 Jahre zuvor, 1897.
Im Prenzlauer-Berg-Museum in der Dunckerstr. (Seite ist schwer zu googeln weil eine robots.txt sie dichtmacht. Warum das?) gibt es dazu Dokumente.
Mitte des 19. Jahrhunderts stand auf dem Platz ein großer Ziegelofen, 1885 wurde dieser gesprengt und der Platz bebaut. In den Resten der Ziegelei setzte sich allerlei Volk fest, Obdachlose, Huren, Trinker. Erst nach Protesten der Anwohner, die sich über unsittliche Szenen erregten, wurden die Reste entfernt und der Platz 1897 hergerichtet. Und so geht das nun alle 20 Jahre. Der Platz scheint Leute, die den ganzen Tag draußen rumlungern und ihren Drogen frönen, magisch anzuziehen.
Dabei gibt es kaum noch sozial Schwache in der Umgebung, das ist ja alles zweimal durchgentrifiziert, die nächsten billigen Mieten gibt es im Thälmannpark. Dort ist zwar jede Menge Grün, aber das ist giftig und Gerüchte behaupten, die Kontaminierungen aus dem alten Gaswerk wandern langsam ins Gentrifizierungsgebiet.
Aber das ist eine andere Geschichte..

21/01/2015
von kitty
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Auf dünnem Filz

Gestern Abend stellte wir in einem Freundinnengespräch fest, dass der größte Teil der Freundinnen, die in unserem Alter sind und die auch unser berufliches Netzwerk bilden, malhiermalda jobben, Teilzeit arbeiten ohne Verantwortung, selbständig sind mit Partner-Fallback oder aber heftig um die Existenz kämpfen. Nur einige sehr wenige sind in Führungspositionen mit Etat- oder Personalverantwortung.
Es geht mir gar nicht um das übliche Lamento, dass Frauen keine Führungspositionen einnehmen, weil (hier bitte Argument der Wahl einsetzen). Sondern um die tote Erde und die fehlenden Synergien für andere, die das bedeutet.

Ich habe den ersten Job nach dem Studium, der mich zu meiner Selbständigkeit brachte, nur bekommen, weil die Frau, die mich eingestellt hat, eine ähnliche Biografie hatte wie ich. Nicht alleinerziehend, aber alleinernährend, mit einem Lebensgefährten, der sich ums Kind kümmerte und jeder Menge Ehrgeiz. Im Vorstellungsgespräch nickte sie lächelnd, als ich ihr erzählte, dass der Wahlvater nur halbtags arbeitet und checkte kurz ab, ob wir ein leicht malades Kind auch mit dem Taxi von der Schule herbringen und mit Buch und Hörspielkassette auf dem Sofa im Besprechungszimmer einkuscheln könnten – falls alle Stricke reißen. Dann hatte ich den Job.

Wir kümmern uns immer gern um Menschen die uns relativ ähnlich sind. Was für Frauenkarrieren ab einem bestimmten Punkt ein Problem bedeutet. Solange frau hübsch, nett, kompetent und vorzeigbar, aber keine Konkurrenz ist, funktioniert die Förderung durch die Männer in Entscheiderpositionen.
Die Frauen haben zwar Mentoren, sind aber damit nicht automatisch Bestandteil eines noch über Jahrzehnte wirksamen Buddynetzwerkes, das ab einer bestimmten Karrierestufe, wenn die Luft dünner wird, dringend nötig ist. Klar katapultiert es immer mal eine im Machtvakuum-Situationen nach oben, aber da ist sie auch lange verdammt einsam. Angela Merkel war als Kanzlerkandidatin das beste Beispiel.
Da Frauen oft nicht so leben und agieren (können) wie Männer, fehlt irgendwann das stumme Übereinkommen. Wenn dann aus einem Männernetzwerk ein Ruf kommt, der so nicht beantwortet werden kann, weil Kinder oder ein Ehemann dranhängen, dessen berufliche Existenz seine Identität ausmacht, weil eine Schwangerschaft dazwischen kommt, regiert das stumme, mit Schulterzucken garnierte Unverständnis. Jeder Mann hätte zugegriffen, warum will die jetzt nicht?
“Die ist ja genauso wie ich vor ein paar Jahren” funktioniert in gemischt geschlechtlichen Netzwerken kaum. In den meisten Fällen geht es ganz banal um äußere Attraktion oder um sexuelle Anziehung, nicht nur um die Wahrnehmung von Kompetenz und der Chance von nachhaltiger gegenseitiger Unterstützung. (Übrigens wächst das nicht nur auf dem Mist von Männern. Frauen haben von früh auf gelernt, ihre Deals mit weiblichen Waffen zu machen. Langfristige gegenseitige Unterstützung ist sehr sehr selten. Das haben auch Frauen nicht gelernt. Meist sind solche Episoden wie Strohfeuer.)

Das klingt furchtbar nach Steinzeit, ich habe es aber immer wieder so erlebt. Man sichtet einen Stapel vorbereiteter Bewerbungen und schiebt dem Herrn Entscheider die Favoriten zu, der kramt selbst noch mal in den anderen Unterlagen und dann glänzen die Augen und der Satz “Aber die sieht doch gut aus!” fällt. Und dann kann man an den Herrn Entscheider dranreden wie an einen tauben Ochsen – nicht die erforderliche Qualifikation, null Arbeitserfahrung und Eignung in dem Gebiet, Bewerbung voller Rechtschreibfehler… alles egal, die junge Frau wird als Favoritin zum Gespräch eingeladen. Noch schlimmer ist, wenn der Herrn Entscheider irgendwo eine Bekannte aus der Tasche zieht, die er toll findet, weil so unverbraucht und frisch!

Es geht hier nicht um Männerbashing, auch wenn ich eine Menge Anekdoten auf Lager habe. Wo sind die Frauen, die andere Frauen beruflich fördern? Reicht das für vielen Frauen, die im Berufsleben was reißen wollen? Können und wollen Frauen das? Sind die Deals ausgewogen und zukunftsträchtig? – Was heißt, wird dann auch zurückgefördert?

Ich bin mit meiner Situation gar nicht unglücklich, im Gegenteil. Auch wenn es nicht bis ins Studium zurückgeht, weil die meisten Kolleginnen und Kommilitoninnen tatsächlich rumkrebsen. Aber es gibt das Internet :)
Mir fällt das nur seit langen auf. Haben die Netzfeministinnen eigentlich ein Berufsnetzwerk oder wird das nach dem Politologie- oder Soziologie-Studium schwierig? Solche Fragen stelle ich mir.

13/01/2015
von kitty
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Vigilien unterm Januarhimmel

Arnold Böcklin Der Krieg.jpg
Arnold Böcklin Der Krieg“ von Arnold Böcklin – Repro from an Artbook. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Man kann nur hoffen, dass das Jahr nicht so weitergeht, wie es anfing. Inmitten von Sturm, Gewitter und Horrornachrichten kam mir der Tagesrhythmus völlig durcheinander. Ich ging spät schlafen und nachts um drei Uhr stand ich im Bett, an weiterschlafen war erst am frühen Morgen zu denken, wenn andere zur Arbeit gingen. Also schrieb ich stundenlang für die Entwurfsordner, um dann den grauen Tag wie festgeleimt im Gehirn zu verbringen und halb zu verdämmern.
Das geht mir nicht oft so. Aber ich bin nicht umsonst voller Scham, wenn ich zu spät aufstehe. Plötzlich sind alle Bezugspunkte von Hell und Dunkel, Tag und Nacht weg und ich bin völlig ohne Zeitgefühl. Ich schlafe und wache kaum noch auf, bin ich wach, esse ich, um wieder zu schlafen, um nachts dann über die Stadt zu wachen.
apoka