The Diary of Kitty Koma

Burda 7078

02/10/2014
von kitty
1 Kommentar

MMM – Die Zufallstracht

Burda 7078Das Kleid stammt von der Spätherbstnähaktion letzten Jahres. Der Schnitt ist Burda 7078, die weiße Variante gefiel mir ausnehmend gut. (Fotos lassen sich mit anklicken in den Galeriemodus bringen.)
Ein bißchen hatte ich Zweifel, daß das, was an dem sehr dünnen, großen Model gut aussieht, an mir auch funktionieren würde, aber probieren geht über studieren.
Natürlich sollte mein Kleid schwarz werden. Ich hatte am Maybachufer einen dünne, aber sehr fest gewebten Baumwollstoff gekauft, der auch nach dem Waschen noch steif war und raschelte. Das fand ich sehr schön.

Burda 7071

Ich änderte das Übliche: Erweitere den Brustumfang, verlängerte das vordere Oberteil und den Rock und machte die Ärmel weiter, die mir viel zu eng erschienen. Hinten setzte ich Abnäher ein, die es nur beim anderen Modell gab.

Burda 7071Mittlerweile habe ich etwas mehr Übung, hier sieht man recht genau, was nicht stimmt – der Rücken ist viel zu weit und die Schultern zu breit. Ich habe nun mal auf dem Rücken und bis zur Brust die 42, danach wird üppiger.
Mittlerweile gehe ich tatsächlich von der 42 aus und erweitere den Bauch und die Hüften.
Die vordere Verlängerung reicht auch nicht aus und am Rücken hätten 2 cm weggekonnt, wegen des Hohlkreuzes.
Letztes Jahr hatte ich Angst, den Stoff zu verschneiden, weil der kein bisschen nachgibt. Klamotten, die um Rücken und Schulter zu eng sind un dich nicht mal den Arm heben kann, habe ich noch massenhaft im Altbestand (das ist dann aber die 40).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Burda 7071 Burda 7071

Da mir das Schwarz zu kahl erschien, überlegt ich, wie ich es aufpeppen könnte – die üblichen Paspeln waren mir zu langweilig – und kam auf eine rote Borte. Richtige Borten erschienen mir zu kunstgewerblich (außerdem sind sie schwierig in die Kurve einzupassen), daher kombinierte ich zwei Zierstiche miteinander. Das gleiche Muster kam noch auf die Ärmel. Ich verkniff mir, noch eine Runde um den Rock zu machen, denn als ich ein Foto auf Twitter zeigte, kam aus Nähnerdrichtung: “Sieht nach Tracht aus!” So ganz verjodelt wollte ich nicht durch Berlin laufen. Ich machte noch rote Knopflöcher und nahm ein paar Wildwestknöpfe ebenfalls vom Maibachufer.
Burda 7071 Burda 7071
Die inneren Nähte versäuberte ich mit rotem Satin und ein Label gab es auch (meistens vergesse ich das).
Burda 7071
Zuerst fremdelte ich mit Schnitt und Dekor, doch als mir einfiel, daß ich den weißen Unterrock, den ich mir für einen Stufenrock genäht hatte, darunter tragen konnte, gefiel mir das besser.
Die Feuertaufe hatte das Kleid bei einem Folkkonzert, in das ich mehr oder weniger durch Zufall geriet. Ich dachte, das Kleid wäre angemessen, aber mir wurde stutenbissig auf dem Klo hinterhergezischt. (Hamburger Umland, die Damen waren samt und sonders in Jeans, Fleece und Steppwesten erschienen.) Das war ein gutes Kompliment, fand ich und mochte das Kleid ab da.

Hier geht es zu den anderen Damen, die ihre Kleider beim Me Made Mittwoch vorstellen.

 

 

 

 

 

 

23/09/2014
von kitty
23 Kommentare

Der Blick des Fremden

Seit 17 Jahren lasse ich mich von Profis fotografieren. Mein Beruf hat es mit sich gebracht, dass ich auf gute Porträts in der Öffentlichkeit Wert lege, in Internetzeiten noch mehr als vorher und natürlich auch unaufwändiger an so eine Session komme – oft als freundliches Dankeschön.
Mit den Jahren sind diese Fotos zu einem Indikator meiner Entwicklung geworden. Mal sehe ich fertig und verkrampft aus, mal wunderschön und ohne Herz, mal todtraurig und vollkommen leer, mal wie ein Mädchen und diesmal? Ich habe lange gezögert. Seit einem Jahr habe ich die Session hinausgeschoben, aber da ich auf den alten Fotos kaum noch wiederzuerkennen bin – die Haare 30 cm länger und die Wechseljahre sind nicht nett zu Frauen – war es nun Zeit.
Seit 2004 werden die Fotos von einem Freund gemacht, der Fotograf, Videokünstler und Filmemacher ist. Wir gehen an den Potsdamer Platz, laufen dort den Lichtreflexen der verglasten Gebäude nach und es passieren erstaunliche Dinge.

Aber der erste Termin im Frühjahr war es noch nicht. Nett aber müüüüde. Außerdem hatten wir ein neue Location probiert, das ging irgendwie nicht. Vorige Woche waren wir wieder am Potsdamer Platz und Madame hatte einen guten Tag.
Jana Kunath
Ansonsten war alles wie immer. Fotografen achten ja nicht so recht aufs Styling, dafür hat man Personal. Dass meine Kette schief hing und die Frisur auch, das ist eben jetzt so. Ich bin zufrieden, sehr sogar. Jetzt muß ich nur noch gut auswählen. Es gibt solche Glowposen wie oben, dann Frauen gegen den Sturm (hab ich gleich auf der About-Seite verwurstet), nette Damen
Kitty-2014-b_1
und wilde Gorgonen.
Kitty-2014a_1
Jetzt muss ich die Bilder nur noch gut abhängen lassen und nicht auf die Schere zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung hereinfallen. Wir sehen uns anders als Fremde. Was wir als Makel oder Sonderbarkeit empfinden, ist für andere nur Lebendigkeit. Nächste Falle: So einen Glow wie im oberen Foto kann man leider nicht mit sich führen, wenn man irgendwo Hände schütteln geht. Also eher tiefer stapeln, auch wenn die Eitelkeit mit den Zähnen knirscht.

Aber der Indikator sagt mir: Alles richtig gemacht. Nein, nicht gemacht. Es istso gekommen, es bleibt nur noch anzunehmen. Ich bin ok. Ich fühle mich nicht dick und alt, obwohl ich es nach landläufigen Selbstgeißelungsansichten von Frauen wohl bin. (Mir so was von egal.) Ich habe ehrlich erworbene Falten, ein paar Kilo zu viel sind die beste Haut- und Haarpflege, die ich je hatte und ich zögere seit anderthalb Jahren, das Grau zu überfärben und finde es gut.
Ich sehe eine Frau, der es gut geht und die dafür sehr dankbar ist.
Jetzt muss ich die gut 200 Bilder nur noch ein paar Tage abhängen lassen, bis ich mich entscheiden kann.

15/09/2014
von kitty
8 Kommentare

Schatten und Licht

Achtung,das wird ein Mäandertext, ich hatte einiges zu prokrastinieren.

Dirndlalarm

Die Woche über begleitete mich der Anfang eines Nähprojektes. Das Dirndl nimmt Gestalt an und hat in der ersten Ausführung nichts mehr mit einem Dirndl zu tun.
Aber dafür muss ich etwas ausholen. Seit langen Jahren liegt in meiner Stoffkiste ein fester schwarzer Seidenrips, Überbleibsel einer Gianfranco-Ferré-Kollektion. Da er 2002 aufhörte und 2007 starb, kann man ungefähr ermessen, wie lange mich der Stoff schon begleitet. Ich wollte schon immer einen langen, schmalen Rock mit Godets daraus machen, eine Art Reitrock. Dann kaufte ich in üppigeren Zeiten in meinen 30ern dieses Complet von Anna Scholz.
Anna Scholz
Schwarzer Seiden-Jaquard mit Leomuster, dazu gehört noch eine Jacke, die ein rotes Seidenfutter hat. (Passt mir heute leider nicht mehr, liegt aber noch im Schrank.)
Das Interessante daran ist der Schnitt. Anna Scholz näht für Frauen mit viel Busen, Bauch und Po. Deshalb hat dieses Kleid ein separates Körbchen für den Busen, damit das Oberteil nicht verrutscht, Schlitze an der Hüfte und quere Abnäher unter dem Hintern, damit der Rock kein Sack ist. Vor allem ist es ein Zweiteiler. Frau kann sich in der Taille bewegen und in Gegensatz zum Etuikleid, das dann entweder zerrt, zu eng ist oder aber ein bequemer Sack sein muss, bleibt die Bewegungsfreiheit erhalten. Das Schößchen mit den Schlitzen rutscht beim Drehen und Beugen einfach über den Rock und schlägt keine Falten.
Der Plan für den Seidenrips änderte sich, es sollte ein Zweiteiler werden. Unter anderem, weil ich mich an diese Szene aus Boccaccio ’70 erinnerte:

Was das mit Dirndl zu tun hat? Ganz einfach, das enge Leibchen, das die Figur formt, bleibt erhalten, man könnte sogar, wenn es nicht ganz hauteng ist, und Madame es züchtiger und bedeckter mag, eine Bluse darunter ziehen oder ein großes Tuch oder Cache-Coeur darüber nehmen. Nur der Rock hat sich geändert. Er ist eng und kurz geworden und damit ist er das Zugeständnis an die Moderne und die Stadt. Nächste Ausbaustufe ist dann ein kurzes Spenzer-Jäckchen, das braucht noch etwas. – Und ein klassischer weiter Rock, der wahlweise dazu getragen werden kann.

Ich nahm einen Nadelstreifenstoff und passend gekauftes Futter, die beide teurer aussehen als sie sind und begann auf der Basis meiner Grundschnitte für Rock und Oberteil zu arbeiten. (Ich hatte kurz die Idee, ein ganz klassisches Trachten-Dirndl aus Nadelstreifenstoff zu machen, dazu reichte der Stoff leider nicht.) Einziger Makel ist, dass meine Grundschnitte hinten unperfekt ausgearbeitet sind. Ich variiiere ja bisher noch Kaufschnitte, die sind oft so gemacht, dass die Alleinnäherin damit zurecht kommt und hinten nicht anpassen muss bzw. sich von hinten eh nicht sieht. Während ich vorn Teilungsnähte habe, habe ich hinten nur Abnäher, das muss ich noch perfektionieren.
n-dirndl
Vorn bin ich bei dem Ausschnitt geblieben, der mir am besten steht und den ich aber auch mit Bluse tragen kann. Hinten hatte ich einen Patzer zugeschnitten, über der Hüfte war es zu eng. Also wird dort mittig ein Keil eingesetzt, das ist dann auch die Stelle, wo Stickerei hinkommt.
Lily Embroidery
Osterlilien oder wie der Graf zutreffend bemerkte: “Oh, ein A…geweih!” Vielleicht mache ich das noch mal in Schwarz, Silber ist schon sehr indezent. Ich bin gerade im Innenausbau, der mir sehr wichtig ist, ich soll ja in der Klamotte wohnen, das ist ja nicht nur Fassade. Der Rock braucht dringend eine Mischung aus Formbund hinten wegen Hohlkreuz und Gummizug vorn, wegen wechseljahresbedingter irrsinniger Bauchweitenschwankungen.
Das ist erstmal der Stand der Dinge. Zum Spenzerjäckchen könnte ich mir noch eine kleine drapierte Schürze aus Nadelstreifen vorstellen. Nächste Ausbau- bzw. Variationsstufe sind der klassische Trachtenmiederschnitt mit Trägern und Geschnür, dafür habe ich schon schwarzes Leinen und Futter und den Stoff für den Rock habe ich auch hier. Und wenn mir irgendwann langweilig ist, mache ich noch mal was aus Moleskin, das hat mich nämlich enorm beeindruckt, dass Heike von rothedinge eine Bezugsquelle für gutes Englisch Leder, wie der Stoff auch heißt, aufgetan hat.
Dann habe ich hoffentlich genug Übung und auch einen richtigen Rückseitenschnitt, um an den Seidenrips zu gehen, wenn mir den bis dahin nicht irgendein blödes Viehzeug aufgefressen hat.

Oh, und gerade ruft der Mann an, der mich seit langen Jahren fotografiert, wir haben seit Mai eine angefangene Fotosession liegen und Sitzung zwei folgt am Mittwoch. Bis dahin muss ich also fertig sein…

Archimedes und Gruppendynamik

“Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein.” hat der gute Mann gesagt und wer noch richtigen Schulunterricht hatte, hat das in Physik gelernt. Die Erkenntnis soll ihm gekommen sein, als er in die Badewanne stieg und er Wasser verdrängte. Wäre er vor eine solide Steinwand gelaufen, hätte er wahrscheinlich nur geflucht. Es kommt auf die Konsistenz des Körpers an bei der Entscheidung, wer wen verdrängt. Aber fest steht, es kann oft nur einen geben, wenn der Raum begrenzt ist.
Mir lief gestern dieser Artikel über den Weg und ich hing mich etwas daran fest und der Graf und ich lieferten uns einen heftigen Disput dazu.
Einschub – ich trenne die ersten beiden geschilderten Fälle, in denen ein Mann ganz selbstverständlich meint, die Distanzschwelle einer Frau unterschreiten zu können, mal ab. Eine scharfe Zurechtweisung wie geschehen ist da das Mindeste, ich habe in solchen Situationen früher auch ganz gern mal reflexartig Backpfeifen verteilt. Das war sehr wirksam. Mag sein, dass Deutsche eine größere Distanzschwelle haben als Amerikaner, aber man fällt auch keinem Japaner laut schreiend, Rotz und Wasser heulend um den Hals, ohne größere kulturelle Verwerfungen auszulösen (mögen die auch ganz stumm sein).
Der letzte Fall von dem Mann, der gar nicht merkt, wie er immer mehr Raum nimmt und eine Szene dominiert, in die er freundlich integriert wurde, löste das Streitgespräch beim Grafen und mir aus. Sitzen wir doch auf zwei verschiedenen Polen. Ich bin die Frau, der Hang zur Dominanz unterstellt wird, die bei Männern (mitunter auch schwere) Irritationen auslöst, weil ich mir einfach völlig selbstverständlich meinen Raum nahm. Nun bin ich keine kleine zarte, dünne Frau, aber auch nicht überdurchschnittlich körperlich präsent. Ich bin Durchschnitt in Größe und Gewicht – in der natürlichen Verdrängung also, mein Verhalten scheint das Anstößige zu sein. Die Kommentare waren nicht nett, aber sehr vielredend. “Trampel, Maschine, Bulldozer, Mannweib, Hexe… etc. pp.”
Ich war eine Bedrohung, weil ich nur da war und ich habe es trainieren müssen, mich, wenn ich es denn brauchte, kleiner und unauffälliger zu machen, ohne mein Ego zu verletzen. Meine Strategie ist entweder Distanz (so interessant sind diese Bläher nicht) oder aber nicht ausweichen, Blickkontakt und immer mal einen gezielten Ellenbogenhieb verteilen bzw. kommunikativ gnadenlos in die Luftholpausen gehen. Manchmal gebe ich halt auch die Uschi und baue darauf, unterschätzt zu werden. Das ist ein gutes Manipulativ, auf Dauer widerspricht mir das aber.
Der Graf wiederum als sanfter, zurückhaltender Mann, hatte ein halbes Leben unter solchen Männern zu leiden und seine eigenen Strategien entwickelt, um aus ihnen die Luft rauszulassen oder sie wirkungsvoll in die Schranken zu weisen.
Ich greife, um einer solchen Situation beizukommen gern zu der alten Theaterweisheit “Den König spielen immer die anderen”. Es wäre zu kurz gegriffen und wirkungslos, einfach zu verlangen, das Leute das nicht tun sollen und Mimimi nutzt schon garnichts.
Wer erzieht Männer zu Männern? Zuerst die Mütter. Es sind ihre bewundernden Blicke auf den kleinen Mann. “Er ist so wild! … Er braucht so viel Platz, um sich auszutoben!” (Es wäre interessant, mal zu schauen, ob das nicht die natürlichere Form der Existenz ist, natürlicher jedenfalls, als Mädchen auf Diät zu setzen und ihre Wildheit zu kontrollieren. Aber Affektkontrolle und gezieltes Ausagieren von Affekten in Gesellschaften, in denen Menschen eng zusammenleben, ist ein weites Feld, siehe Japan.)
Dann gibt es die Vorbilder. Papa (so es den überhaupt gibt), Anführer, Helden, Superhelden. Und dann gibt es Herden von Frauen, die aggressive Körperlichkeit und dominantes Verhalten billigen und bestätigen. “Unter 1,85 sehe ich mir beim Daten gar keinen Mann an.” – “Er muss mir körperlich überlegen sein, sonst rührt sich bei  mir nichts.” – “Er muss wissen, was er will und spüren, was ich will!” – “Er muss mir zeigen, dass er ein Held ist.” “Ich will einen Alpha!” – “Ich ergreife auf gar keinen Fall die Initiative.”
Ich glaube, was nötiger ist, ist mit der eigenen Präsenz ein Korrektiv darzustellen und kein dankbares Publikum abzugeben (wenn auch aus Konvention und mit Zähneknirschen). Den König spielen immer die anderen und diese kleinen Könige suchen sich schon den Hofstaat, mit dem sie sich wohl fühlen. Aber mitunter sind sogar sie lernfähig.

Schlechtes Karma oder was?

Wir reisten gestern wieder ins Brandenburgische, um Sommerhäuschen anzusehen. Ein schönes Hobby, viel besser als Windowshopping. Diese Landschaften, die ich immer schlammig, staubig, übernutzt und frustrierend in ihrer Kargheit in der Kindheitserinnerung abgespeichert hatte, sind wunderschön geworden und ich weiß nicht, welchen Anteil daran mein Zustand und welchen der Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie mit ihren Dreckschleudern hatte. An die entlegenen schönen Ecken kam ich nur mit den Eltern oder der Schulklasse, das war für mich selten entspannend. Als ich älter war, beschränkte sich mein Aktionsradius, weil ich kein Auto besaß.

Wir fuhren an einen größeren See, der zur Hälfte mit Seerosen bewuchert war. Er war von Wäldern und Sümpfen umgeben, ich fand gerade erst gewachsene Schirmpilze, ein wunderschöner Fleck Erde. Die Häuschen, die wir sahen, waren ok., aber nicht für diesen hohen Preis, der der Schwierigkeit, dort bauen oder besser erhalten zu können, nicht Rechnung trug. Die Verkäufer, die seit über zehn Jahren in diesem kleinen Paradies wohnten, sahen vollkommen fertig aus. Gesundheitlich und auch mental. Nach dem, was sie uns erzählten, hatte es wohl keine Zeit gegeben, die frei von harter Arbeit, Katastrophen, Streit und Schwierigkeiten war. Das geplante Konzept, mit dem sie angetreten waren, ist nie verwirklicht worden. Als wir nach Hause zurückgekehrt waren, recherchierten wir etwas tiefer zu dem Ort.
Eigentlich wirklich ein gesegneter Fleck Erde, der See und seine Umgebung. Seit Urzeiten besiedelt, was meist ein Zeichen ist, dass es sich in einer Landschaft gut leben lässt. Aber der Hof, den wir uns ansahen, der über hundert Jahre besteht, sitzt scheinbar über einem unguten Knoten Weltenergie. Hier lebte ein Serienmörder und begrub zwei seiner Opfer und hier wurden Terrorpläne gemacht, die jüngere deutsche Geschichte schrieben. Ungut. Was macht man mit so etwas? Ausräuchern und Gras drüber wachsen lassen? Mit einem Ritual umwidmen? Neu und mit anderem Leben beschreiben? Ich habe keine Ahnung. Ich bin gespannt, wer sich dem stellt.

Zumindest gibt es heute Pilze.
parasol