The Diary of Kitty Koma

14/12/2014
von kitty
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White Trash Fast Food Abzocke

Der 36. Blog’n’Burger fand wieder im White Trash statt. Aus Gründen. Eine Menge burgerfutternder Leute hatten wieder richtig Spaß und neue Bekanntschaften gab es auch.
Aber so wie es aussieht, wird es das letzte Mal in dieser Location gewesen sein. Das White Trash war ja schon immer etwas speziell und bahnbrechend, was ruppigen, konsequent englisch sprechenden Service, hingeknallte Speisen und die absolute Weigerung zu getrennten Rechnungen anging. Das Essen war gut in einer Zeit, in der es Burger und anderes Streetfood nur bei McDonalds gab, das hat sich mittlerweile sehr geändert. Die Konkurrenz ist fit und besser.

Nach dem Auszug aus der Schönhauser Allee residiert man nun in Laufweite der Arena und diverser Hostels am Ende der Schlesischen Straße. Das seit langem vom Szenepublikum vertriebene Autohaus wurde in einen Tempel des zweifelhaften Geschmacks im Ed-Hardy-Style verwandelt.
Die Musikkneipe im Keller und das Restaurant sind nun vereint, was mit sich bringt, daß man am frühen Abend 1€ Eintritt für den DJ zahlt und später 5€ in Erwartung einer Liveband.
Die Euphemismen der Restaurantbeschreibung im Netz endeten da, wo auf unserem Tisch nur die Burgerkarte lag. Auch da – die Speisekartenpoesie endete angesichts eines Burgers, den ich fast genau so bei mir um die Ecke im Rosenburger bekommen könnte, für nicht mal zweidrittel des Geldes und ebenfalls Bio. Da verbarg man unter jeder Menge Salat, daß es es dolle nun doch nicht ist.

White Trash Burger

Die für den Classic Cheese Burger angekündigte dicke Scheibe Cheddar schien mir eine simple Scheiblette zu sein, das Fleisch war ok., aber nicht umwerfend. Die Fritten waren normale Convinience und das Ganze kostete 10€. Dazu der halbe Liter Warsteiner für 5€. Der an den Nebenplätzen georderte winzige Cheesecake für 7€ (Dessertkarte gab es nur auf Nachfrage) ging als Frechheit zurück. An den Investitionen für die Einrichtung kanns nicht liegen, ich saß auf einem Gartenklappstuhl. Die Bedienung kam im Fünfminutentakt, um zu fragen, wer noch was zu trinken braucht.

Das ist nicht mehr ironische Inszenierung amerikanischen Unterschicht-Lifestyles, das ist Ballermann meets Oktoberfest-Abzocke.

Aber der Hammer war die Sache mit der Rechnung. Schon bei der Reservierung kam mit der Bestätigungsmail der Satz, dass man 10% Trinkgeld erwarte. Kann man in Deutschland nur mit einem loriotschen “Achwas!” quittieren, die Rechtslage ist da eindeutig. Der Betreiber hat sein Personal zu bezahlen und das Trinkgeld ist die freiwillige Anerkennung für guten Service. Dass am Ende des Essens das Glas rumgeht, weil man hier Bargeld will und eine getrennte Rechnung ablehnt, war bekannt.
Wir rechneten zusammen (die Rechnung belief sich auf über 500€), füllten das Glas und als Chris, der Organisator der Veranstaltungsreihe, für uns zahlte und die Trinkgeldforderung um ein paar Prozent unterschritten wurde, weil keiner von uns zufrieden war, gab es ein Problem. Man wolle 10%, das sei so vereinbart gewesen. Auf einen freundlichen Hinweis, dass das nur eine Empfehlung sein könne, holte man den nächsten Oberhäuptling. Der meinte allen Ernstes, die Reservierungsbestätigung mit der 10%-Forderung an Trinkgeld sei ein bindender Vertrag und er könne die Annahme unseres Geldbetrages auch verweigern. Als er gesagt bekam, das er das gern tun könne, fing er an zu argumentieren. Wir würden den ganzen Abend eine Menge Plätze blockieren, man hätte sechs Tische für uns zusammengeschoben…
Irgendwann zog er mit dem Schlußsatz ab, Blog’n’Burger käme hier nie wieder rein.
Ich glaube auch nicht, dass wir das müssen. Berlin ist voll von hervorragenden Burgerläden. Im Muse oder im Zsazsa Burger gibt es zum gleichen Preis wesentlich besseres Essen. Und das ganze “wir sind stolz auf unseren Proletengeschmack”-Ambiente ist auch sehr Nullerjahre.
Aber das funktioniert sicher noch eine ganze Weile bei den Touristen.

Edit: Nur um das noch mal klar zu stellen, wir geben an diesen Abenden gut Geld aus und keiner von uns knausert mit dem Trinkgeld. Es aber von vornherein als Forderung zu behandeln, geht gar nicht. Für das Personal ist das eine Sch…situation, auf so eine Weise Geld fordern zu müssen, das wahrscheinlich – ich weiß es nicht – eine unzureichende Bezahlung kompensieren soll.

Edit zwei Tage später: Jetzt steuert wohl jemand gegen und die sich stapelnden schlechten Bewertungen auf Yelp werden von extrem positiven überdeckt, deren Schreiber sich komischerweise gerade erst angemeldet haben.
Honi soit qui mal y pense…

14/12/2014
von kitty
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Streit um Fernbedienung war gestern

Sven Dietrich schreibt über das Bedienen von Heizungen, schön zu wissen, dass es nicht nur bei uns Gezänk Meinungsverschiedenheiten zum Thema Heizen gibt. Ich bin diejenige, die auch in eine Decke gewickelt dasitzen würde, um Gas zu sparen (aber nicht vom Kühlschrank in der Größe eines Wandschranks lassen kann), der Graf hat es lieber kuscheliger (und braucht keinen Kühlschrank).

Nun wohne ich zum ersten Mal mit Gasetagenheizung, sonst drehte ich einfach eine Zentralheizung auf oder zu und der Graf hielt sich vor meiner Zeit eher in Kaffeehäusern mit WLAN und auf Lauf- und Fahrradstrecken als in seiner Wohnung auf. Um einer Kostenexplosion vorzubeugen und um uns von den Gesellen der Heizungsfirma nicht einen vom Pferd erzählen zu lassen (“Ach, dit is wahscheinlich die interne Steuerung/der Ausdehnbehälter/die Pumpe, tauschn wa aus und schaun mal, wat passiert. Kostet 300 Euro.”), habe ich mich irgendwann auch in die Bedienungsanleitung für Handwerker eingelesen, um die Heizung zu beflüstern.
Irgendein Held aus der vorher hier wohnenden WG hat nämlich den laut tickenden Thermostat aus dem Zimmer verbannt und im Flur (ungeheizt, Obergeschoß, ungedämmte, 140 Jahre alte Wohnungstür) montiert (Heizungsfredi: “Nö, dit jeht schon so.”).
Das Ergebnis war, daß die Heizung, so sie von außen thermostatgesteuert wurde (eine Einstellung, die sich “Energiesparen” nennt), volle Pulle lief, bis in den Zimmern die Heizkörperthermostate schlossen, was meist sehr schnell ging, denn das umlaufende Wasser war so um die 80 Grad heiß. Im Flur und am Thermostat blieb es kalt, die Heizung lief weiter volle Pulle, pumpte heißes Wasser durch die Rohre, das keiner abnimmt und spuckte laut knallend das mittlerweile kochende Wasser durchs Überdruckventil in die Abwasserleitung. Deshalb füllten wir alle drei Tage Wasser nach, ich bekam Hautprobleme ob der zu trockenen Luft aus den überhitzten Heizungen, das Geknalle nervte und vom Verbrauch wollen wir mal nicht reden. Die “Energiespar”-Einstellung schaltet einfach den Thermostat für die Wassertemperatur aus und überträgt die Aufgabe an den Thermostat im Zimmer (oder eben im Flur). Den Themostat zweckdienlich zu verlegen, hieße, das Geticke im Wohnzimmer zu ertragen, eine tragende Wand zu durchbohren ist auch blöd. Einen nicht tickenden Thermostat für eine mehr als 15 Jahre alte Heizung zu kaufen, auch.
Dann erinnerte ich mich daran, daß meine Oma morgens, am Nachmittag und abends in den Keller ging und an der Heizung die Wassertemperatur des Kessels etwas umstellte, Heizkörperthermostate gab es gar nicht, nur simple Sperrventile. Also tat ich das, denn das kann die Heizung aus Mitte der 90er auch noch.
Ich drehte morgens die Heizung auf mittlere Temperatur, sie wurde zwar etwas langsamer warm, kochte aber nicht mehr. Die Heizkörperthermostate blieben auf Stufe 4, denn 20 Grad an an der Heizung heißt noch lange nicht 20 Grad in einem großen Zimmer. Da ich den Thermostat im Flur aber nicht ausschalten konnte, denn er reguliert den Betrieb der Umwälz-Pumpe, schraube ich da immer mal phantasievoll rum, bis die Pumpe anspringt oder ausgeht.
Alles ein bisschen albern und umständlich, aber ohne zusätzliche Investitionen machbar.
Und dem Typen, der die Heizung installiert hat und mit Sicherheit zu faul war, den Thermostat bis ins größte Zimmer zu legen, dem würde ich gern vors Schienbein treten.

 

08/12/2014
von kitty
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eBook-Jagd

Ich war in Sachen kommerzielle eBooks in Deutschland early adopter. Dass der Besitz von eBooks noch ein paar Haken hat, war mir klar. Damit, dass ich nun meinen frühen Käufen hinterherrennen darf, um die Kopie noch einmal zu bekommen, damit hatte ich nicht gerechnet.
Aber der Reihe nach.
2010 kaufte ich mir das erste iPad und erinnerte mich daran, dass ich im Sommer 2009 ein längeres Gespräch mit einem Mitarbeiter von Textunes hatte. Damals noch im Rahmen eines Innovationswettbewerbs, denn ich plante das Geschäftsfeld zu wechseln und wollte einen eBookverlag gründen. Es kam dann alles anders, ich wurde krank und an eine inhaltliche Neugründung war nicht zu denken.
So wollte ich 2010, weitgehend ruhiggestellt und sehr lesehungrig, zumindest ein engagiertes Startup unterstützen – außerdem hatte Kindle noch keine App und iBooks vorwiegend englische Titel – und kaufte eine ganze Reihe Bücher bei Textunes. Da das Angebot beschränkt war (man lieferte übergangsweise als Ersatz Papierbücher aus, die als eBook noch nicht vorlagen und die Verlage listeten scheinbar nicht alles bei Textunes) wechselte ich nach ein paar Monaten zu iBooks. Im Bookshelf der Textunes-App standen ca. 10 Titel.

Ende 2012 kam die Nachricht, daß Textunes demnächst zu Thalia gehört, was mich für die Unternehmer sehr freute und dazu ein App-Update, dass das Lesen fast unmöglich machte, die App stürzte ständig ab, die Bücher waren problematisch zu laden und ein Buch aus einer Sonderaktion fehlte außerdem.
Ich beschwerte mich, nach ein paar Tagen fand man das Mavil-Comic und schob es mir wieder in die Datenbank. Das mit der App dauerte etwas länger, aber funktionierte auch, so dass ich den ersten Teil der Quicksilver-Trilogie endlich zu Ende lesen konnte.
Daraus hatte ich gelernt, ich machte von iBooks und Kindle Datensicherungen über Calibre, damit mir niemand die Bücher unter dem Hintern wegziehen konnte, für die ich einen Euro weniger als den Listenpreis für Papierbücher bezahlt hatte. Mit Textunes bzw. der Thalia-App ging das Anfang 2013 noch nicht, die Bücher wurden scheinbar immer wieder neu geladen und nicht gespeichert.
Erst jetzt machte ich die App noch einmal auf. Hm. Fragmente waren noch zu sehen, die Buchtitel waren noch da, die Texte nicht mehr. Ich machte ein Update, denn es gab längst eine neue Version und dann war alles weg. Das Textunes-Login funktionierte nicht mehr, ein Thalia-Login hatte ich nicht. Ein Blick auf die Thalia-Seite zeigte mir, ok. man kann jetzt auch die Dateien sichern, man sollte es sogar.

Der Telefon-Service von Thalia meinte, nach über einem Jahr seien die eBooks nun weg, man hätte sie lange genug vorgehalten für die alten Kunden. Einen Hinweis, die Daten zu sichern bzw. ein neues Konto anzulegen, hatte ich nicht bekommen. Aber man wolle sich kümmern. Zumindest heute erreichte mich die Mail, man habe das Problem an Textunes weitergeleitet. Ich bin gespannt, was passiert, dort war man damals bei meiner Nachfrage nach dem verschwundenen Comic auch eher genervt bis pampig. Und ich hoffe nicht, dass ich uralte Kreditkartenbuchungen zusammensuchen muss, um meine Käufe zu belegen.

Meine Schlussfolgerungen aus der Geschichte:

  1. eBooks immer selbst sichern. Wenn man sie nicht eigenhändig sichern kann, dann woanders kaufen.
  2. Möglichst ein Format für teure Bücher von etablierten Verlagen, einen Reader  oder eine App für alle Bücher benutzen. Da bin ich dankbar für Ratschläge, welche App das sein könnte.
  3. Sich nicht erzählen lassen, der Datenverlust von eBooks beim Anbieter der Bücher und der App wäre eigene Schuld. “Als hätten Sie ein Buch liegen gelassen.” Nö. Ich verschmeisse meine Sachen lieber selbstverantwortlich.
    Wer Bücher im eigenen Regal behält, nachdem er sie mir verkauft hat, muss dafür sorgen, die mir wieder zur Verfügung zu stellen. Ich sehe auch keine Notwendigkeit, im Monatsabstand in einem Laden nachzuschauen, ob man die Bücher jetzt mitnehmen darf oder ob sie noch da sind.

Tja, Neuland eben.

Edit: Vorbildlich. Es hat tatsächlich nur zwei Tage gebraucht, bis die Bücher wieder da sind. Der Kundendienst von Thalia hat sich gut gekümmert.

06/12/2014
von kitty
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WMDEDGT Dezember 2014

Der gestrige Tag war so wie der Himmel draußen, graue Suppe.
Ich stand später als geplant auf, der Graf mußte sehr früh los und meinte, ich solle ihm keinen Kaffee machen und dann bin ich wohl noch mal eingeschlafen.
Ich schoß dann gegen 9 Uhr aus dem Bett und frühstückte wie fast immer Joghurt mit Banane. Nach kurzer Zeitungsschau schubste ich ein paar Pixel, schraubte am eBook-Projekt, sichtete ein mehrseitiges Amts-Formular, das ich die Tage fertig machen muss und dann war auch schon die Luft raus.
Seit dem Desaster bei dem ich in einem Job, den ich sonst mit links mache, plötzlich stimmlos dastand plus bösem grauem November, kämpfe ich mit alten Dämonen. Aber das wird wieder. Auch wenn ich mich seit vier Wochen fühle, als hätte mir jemand mit Anlauf in die Kniekehle getreten.
Ich aß ein Käsebrot, las ein Stündchen in einem Krimi und telefonierte danach mit mit dem eBook-Support von Thalia. Meine eBooks, die ich noch bei Textunes gekauft hatte (das wiederum von Thalia gekauft wurde), sind nämlich seit dem letzten Update der Thalia-App weg. Man will nachschauen und ich habe sicher demnächst was zu berichten zum Thema teuer bezahlte Daten zusammenhalten unter Kopierschutz. Danach schrieb ich an dem Blogartikel zum Thema downdating weiter, an dem ich schon seit zwei Tagen sitze.
Dann, es war mittlerweile später Nachmittag, sichtete ich mein Stoffmagazin für Geschenke für meine Eltern, die am Sonntag nach Berlin kommen, die Wikingerausstellung im Gropiusbau besuchen und uns hinterher zum Geburtstagsessen einladen. Ok., mein Vater bekommt ein Mixtape mit bestickter Hülle und meine Mutter ein Kissen aus einer Stepprobe für den Quilt.
Der Graf kam zurück und ich bepuschelte ihn erstmal ein wenig, die U8 fährt derzeit nicht durchgehend, da sind seine Wege beschwerlicher. Wir gingen in die Schule, um etwas zu essen, ich hielt mich tatsächlich an Salat, weil die überall herumliegenden Kekse so furchtbar satt fett machen.
Danach, es war schon nach 22 Uhr, lud ich mir scrivener herunter und studierte das Tutorial. Ich will es mal für 30 Tage testen, Langtext mit Word zu schreiben ist machbar, aber ätzend.
Dann war es auch schon Schlafenszeit, ich wanderte mit meinem Krimi ins Bett.

Die anderen Tagesbeschreibungen sind wie immer bei Frau Brüllen verlinkt.