The Diary of Kitty Koma

02/08/2015
von kitty
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Sonntagmäänder in steigender Hitze

Diese Woche brachte eine Premiere im Job. 21 Riesenverträge. Leider nicht in Umsatz, sondern nur in Aufwand und Papier. Ich meldete mich am Dienstag für anderthalb Stunden vom Telefon ab, um die Dinger zu schreiben. Ich habe drei Tage gebraucht, bin aber noch lange nicht fertig, denn nun müssen diese Monster noch in Papier raus, mit Anschreiben versteht sich.
Proudly presented by Deutscher Ämterwahnsinn, denn man glaubt, mit der extremen Kontrolle dieser Vertragsform den Arbeitsmarkt zu regulieren. Statt dessen ist es nur Ärger für alle Beteiligten.

Ansonsten tat ich, was in der letzten Woche wohl alle taten: Ich kramte kopfschüttend die warmen Hoodies aus dem Schrank und ging zur Arbeit. Immer noch besser, als in diesem mistigen Wetter den Jahresurlaub zu absolvieren. Am Freitag trug ich sogar Kniestrümpfe zum Kleid (Feinkniestrümpfe, seit ich das mal bei einer Schauspielerin sah, mache ich das auch) und kapitulierte so nur teilweise, denn zwischen Mai und September trage ich prinzipiell keine Strumpfhosen.

Überhaupt der Freitagabend. Im Freundeskreis, mit sehr gutem Essen und fettem Vollmond über der Kaserne des Wachregimentes. (Wo wir, als sie leer stand, 1990 einen fürchterlich schlechten Studentenfilm auf umatic drehten, in dem der jetzige Chefdramaturg einer großen Filmproduktionsfirma ein ganzkörpergrün angemaltes Alien spielt.)
Dann kamen wir nach Hause und ich las, dass Bert Neumann tot ist. Es ist lange her, dass ich mit ihm zu tun hatte, 25 Jahre, in der Vorbereitung auf Castorfs Volksbühnenzeit. Aber verdammt noch mal, der war drei Jahre älter als ich.
So langsam macht sich in mir die Erkenntnis breit, dass die 50er ein gefährliches Alter sind. Freunde, Weggefährten und Bekannte sitzen plötzlich beim Tod auf der Schippe und haben arg Mühe, heil wieder runterzukommen.
Wobei es sein kann, dass das Leben in den folgenden Jahren nicht ungefährlicher wird und die Zeit, in der wir uns für unsterblich hielten, definitiv vorbei ist.

Auf Twitter gab es dieser Tage eine Diskussion, ob Fotos für den Empfänger einer Bewerbung wichtig sind oder nicht. Das ist in 140 Zeichen schwierig zu diskutieren, aber ich habe einiges dazu zu sagen.

Bewerbungschreiben mit oder ohne Foto?

Eine schriftliche Bewerbung kann sehr viel über eine Person sagen, ohne dass die Entscheider diese je gesehen haben. Aber eigentlich ist sie ein Trick. Sie beinhaltet die Aufgabe, Informationen zu organisieren und sich selbst und sein Können möglichst kommunikativ und technisch korrekt, in die Kultur der Branche und auf die Anforderungen der Stelle passend und nicht zuletzt noch die eigene Person merkfähig darzustellen.
Eine Bewerbung kann keine Passung herstellen, denn entweder es passt oder es passt nicht. Sie ist das erste Level im Bewerbungsprozess, das man absolvieren muss, um ins nächste zu kommen.
Das Ziel einer schriftlichen Bewerbung ist, nicht aussortiert zu werden und die Möglichkeit für ein (Video-)Telefonat, eine Einladung in ein Assessment-Center oder gleich für ein Vorstellungsgespräch zu bekommen. Mehr nicht.

Die purste Form der Bewerbung wird in manchen Orchestern zelebriert. Die Kandidaten spielen hinter einer Wand, damit ausschließlich die musikalische Leistung zählt. Da Orchester verbeamtete Zwangsgemeinschaften von kreativen Individualisten sind, die zudem noch großes Mitbestimmungsrecht haben, ist das sehr nötig, ansonsten würde nichts entschieden werden.

In anderen Ländern ist eine Bewerbung mit Foto (teils auch mit Angaben über Alter, Kinder und Familienstand) nicht erwünscht. In Deutschland gibt es Experimente zu anonymisierten Bewerbungsverfahren, die den Fokus völlig auf Bildungs- und Berufsbiografie und Beurteilungen legen. Mal schauen, ob sich das durchsetzt.

Ich komme aus einer Branche, in dem das Foto – zumindest bei Schauspielern –  die Produktverpackung war und einen kleinen Ausblick auf das zu erwartende Potential bot.  Was mich verpflichtete, sehr genau hinzusehen und die vielen kleinen Mogeleien und Selbsteinschätzungsmängel zu erkennen*.
Jetzt wiederum arbeite ich für eine Branche, in der Fotos in Bewerbungen total nebensächlich sind, weil die Leute nicht in die Teams integriert werden und zum Teil Schutzkleidung oder genormte Arbeitskleidung tragen, mit der sie sowieso nicht richtig erkennbar sind. Da in dem Pool, auf den ich zugreife ca. 50% Migranten sind, sind auch die Nationalität und die ethnische Erscheinung weitgehend egal.
Das klassische 08/15-Foto in der Bewerbung bringt ohnehin nur die Information: Ok, ich bin über dieses Stöckchen gesprungen, habe mich in Klamotten gezwängt, die ich nur zum Bewerbungsgespräch anziehe und eine blöde Pose eingenommen, die überhaupt nichts über mich aussagt. Mehr als ein Haken an „ok., hat die Nase mitten im Gesicht und zwei Augen“ kommt da selten rüber.

Was bedeutet es, kein Foto in der Bewerbung mitzuschicken? Nun, es ist wie immer, wenn man etwas vermeidet, handelt man sich etwas anderes ein. Die instinktive Entscheidung, ob jemand in die Firma passt oder nicht, ist nur aufgeschoben.
Plötzlich kommt im Vorauswahlprozess der Textinformation viel mehr Bedeutung zu. Das kann gut sein, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, wenn diese Informationen ein ausreichendes Potential und gute fachliche Passung auf die Stelle verraten. Muss es aber nicht. Letztlich zählt Leistung im Job nur zum Teil. Der Rest ist Chemie, sowohl mit den Mitmenschen am Arbeitsplatz und als auch den Kunden und die Berufsrolle, die man spielen soll.
Fehlen Foto oder essentielle Angaben, die für manche Personalentscheidungen wichtig sind, haben Personalberater sehr schnell Hilfsmittel parat, anhand derer diese Informationen zwischen den Zeilen oder im Internet herausgefunden werden können. Oder man macht vorab, statt eine teuere Einladung auszusprechen, ein Videointerview.  – Was wiederum einen recht guten Blick in die Wohnung erlaubt. Das mag nicht jeder.
Letztlich müsste man so viel weglassen – Geburtsort, Studienorte, Beschäftigungsjahre, Namen -um wirklich keinen Aufschluss über Herkunft, Geschlecht, Intaktheit oder Alter zuzulassen. Dann kann man es auch gleich lassen, weil solche Bewerbungen, außer bei ganz jungen Leuten, keine wären.
Noch bitterer ist es, eine Projektion ausgelöst zu haben. Wir haben alle Stereotypen im Kopf, wie jemand mit einer bestimmten Berufsbiografie sein und aussehen soll. Diese Stereotypen ändern sich sehr langsam und meist erdrutschartig, wenn die Zeit reif ist.
Wer sich ungern mit direkter Ablehnung konfrontiert und dadurch sehr gekränkt und frustriert wird, sollte nicht zu solchen in Deutschland unorthodoxen Mitteln greifen. Das ist etwas für Steher und Kämpfernaturen.

Ich hatte das mal unfreiweillig getestet. Ich hatte als Studentin dem Nachrichtenchef eines Fernsehsenders einen Brief geschrieben, meinen Lebenslauf mitgesendet (ich war mit Bewerbungen immer gern informell)  und er rief mich an und lud mich zum Casting ein. Er mochte meinen Brief und er mochte meine sehr gute Telefonstimme.
Als ich dann kam und er mich sah, zuckte er zusammen. Ich war 5 cm größer als er und einen ganzen Tick breiter. Der Rest der Veranstaltung war Spießrutenlaufen. Er gab mich fix an gernervte Studiotechniker ab, die mich kleines, angststarres Greenhorn mit Wonne mit rotem Licht und Teleprompter quälten. Nichts, was ich noch mal haben müsste.

Bei welchen Gelegenheiten ist es möglich, kein Foto mitzusenden? Bei Stellen, die keinen visuellen Publikumskontakt haben, zum Beispiel im Callcenter und abgeschotteten Büros oder bei den Gelegenheiten, bei denen man eine gesuchte und rare Arbeitskraft ist. Bei jeglichen Gelegenheiten, wo die Berufsrolle Äußerlichkeiten nicht braucht, weil man sowieso nicht zu sehen ist oder womöglich eine Unternehmensbotschaft verkörpern muss.
Oder, wenn man sämtlichen Erwartungen an die Berufsrolle und das Äußere eines Bewerbers überhaupt nicht entspricht und trotzdem für die Stelle gut geeignet ist und keine andere Möglichkeit hat, als die direkte, trockene Bewerbung ohne weitere Kontaktmöglichkeit. Damit verschafft man sich die Chance, dass die Aufmerksamkeit am Text bleibt und nicht vom Foto abgelenkt wird. Denn dann hat man nichts zu verlieren, braucht aber ein dickes Fell.

Machen wir uns nichts vor. Jemand, der tiefe Vorurteile zu Hautfarbe, Nationalität, Alter oder Körpernorm pflegt oder Mitarbeiter als Objekt der sexuellen Begierde in Reichweite haben will, ist ohnehin nicht zu überzeugen.
Meist ist es günstiger als die harte Tour, einen anderen Weg zu wählen. Wer anders als erwartet, aber bereits bekannt ist oder Fürsprecher hat, hat mehr Chancen. Schließlich passiert unsere berufliche Entwicklung  nicht im luftleeren Raum. Ein bisschen Netzwerk gibt es immer und wer an den richtigen Stellen zupft, wird wohlwollende Aufmerksamkeit und Fürsprache bekommen. Wenn das nicht passiert, schätzt man sich vielleicht falsch ein oder hat andere Defizite, die einen wirklich nicht zum Wunschkandidaten machen.

In meiner Berufspraxis sehe ich eher Menschen Schwierigkeiten haben, die schlecht ausgebildet sind, keinen Bock haben, sich nicht gut organisieren und fokussieren können, sich überschätzen oder sichtliche Defizite im Sozialverhalten haben.

Ansonsten empfehle ich für solche Themen immer das Buch von Malclom Gladwell. Gladwell ist selbst jemand, der der Berufsrolle eines Universitätsprofessors überhaupt nicht entspricht, er weiß also, wovon er redet, wenn er über intuitive Entscheidungen spricht.

*Das hilft einem dann auch sehr beim Onlinedating.

26/07/2015
von kitty
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Sontagsmäander in der kühlen Ruhe nach dem Sturm

Unser Wolkenkuckucksheim ist an der Spitze eines Eckhauses, das hoch über dem in einer Senke liegenden Berlin Mitte thront. Hier oben tobte gestern der Sommersturm gegen die Fenster, so dass wir trotz Hitze und stickiger Luft nur eines im Hof öffnen konnten, das im Windschatten lag.
Ich musste trotzdem nach unten in diesen Kessel aus Touristenherden*, Staub, Sturm und Lärm. Mir waren nämlich essentielle Kleidungsstücke ausgegangen.
Jahrelang saß ich im Sommer nur mit Jerseykleidchen auf dem Leib im Homeoffice, die öfter gewaschen und immer mal ersetzt wurden.
Nun muss ich jeden Tag 8-9 Stunden in ziviler Kleidung in einem am Nachmittag recht warmen Büro sitzen. Was heißt, wieder täglich BH zu tragen und überhaupt Unterwäsche, möglichst ordentlich, denn man könnte ja überfahren und ins Krankenhaus… man kennt das ja.  Abends werfe ich alles von mir, weil es mindestens dreimal schweißnaß geworden ist und stecke es in die Waschmaschine. Besser werden die Sachen davon nicht, vor allem die BHs. (Und nein, ich werde meine Unterwäsche nicht selbst nähen, wie manche Nähnerds, ich bewundere das, aber das ist mir zu fummelig und unterm Strich sind die Zutaten für BHs zu teuer. Bzw. wenn ich den Dreh drauf habe, dass alles so aussieht wie die schlichte schwarze Satin-Unterwäsche von Dolce und Gabbana, in die ich nicht mehr reinpasse, dann nähe ich selbst)
Zu diesem Zweck musste ich zum Alexanderplatz. Eine Viertelstunde zu Fuß von uns gelegen, aber wenn wir es vermeiden können, gehen wir dort nicht hin. Gestern musste es sein, denn ich kann meine Unterwäsche Körper-Diversity-bedingt nur noch bei C&A und in den No-Name-Ecken beim Kaufhof beziehen. Die Marken, die ich früher trug, führen meine neue Größe nicht und ein Besuch in einem Spezialwäscheladen mit sensibler Beratung war mir und meiner Geldbörse nicht möglich, denn ich brauchte in diesem Fall Masse.

Ich rollte mit dem Rad bergab, an der Dircksenstraße wurde ich von einer Familie mit süddeutschem Dialekt gefragt, wie sie denn nach Kreuzberg kämen, ich schickte sie mit der U8 ans Kottbusser Tor, damit sie gleich die volle Breitseite bekommen. Dann wand ich mich zwischen der S-Bahn, der Straßenbahn, der Galleria Kaufhof und dem Berolinahaus durch und stand mitten drin.

Der Alexanderplatz ist der Vorhof zur Hölle.

Man nehme die Szenen, mit denen in Filmen mittelalterliche Märkte und Straßenszenen auf fremden Planten illustriert werden und versetze sie in die Jetztzeit.**
Die Mitte des Platzes ist übersät mit Brat- und Tinnefbuden wie mit fetten Pickeln, aus jeder Ecke brüllte andere Musik. Auf freien Arealen verteilten sich extra laute Straßenmusiker die mit Trompete und Dudelsack dagegen tröteten und die üblichen Ostblock-Militär-Devotionalien-Händler. In bekotzen Ecken hingen rastahaarige Drogies, die sich verfahren hatten und sicher an den Kotti wollten.
Menschenmassen, die scheinbar auf der anderen Seite des Platzes aus Bussen nach 18 Stunde Herfahrt von unaussprechlichen Orten Südosteuropas abgekippt wurden, walzten kaufwütig über den Platz, meist schon mit 5-8 Primark-Tüten versehen. Gestern kamen noch Minderjährige dazu, die sich so kostümiert hatten, wie man sich in der Provinz nach Lesen der Bravo Raver vorstellt, denn es war der Tag vom Zug der Liebe. Durch diese Menge rasten Bettler auf Elektrorollstühlen und mehrere Grillwalker brauchten auch noch Platz.
Also genau das Richtige für jemanden wie mich.

Ich floh zuerst zu C&A, wo man mittlerweile eine von Touristen stark freqentierte Dirndl- und Lederhosen-Ecke hat (kannste dir nicht ausdenken!). Ich fand in der Wäscheabteilung nach langem deprimierenden Probieren ein bisschen neutrale Baumwolle. Probierte auch die eine oder andere Bluse an, wandte mich mit schaudern, weil ich plötzlich aussah wie ein Mensch, der ich nie werden wollte und ging hinüber in die Galleria Kaufhof.
Das war besser. Ich finde die Architektur diese Kaufhauses nach wie vor sehr angenehm, weil sie komplett unsichtbar ist. Natürlich zog mich der erste Ausverkauf der Sommerkollektionen an. Ein schmales schwarzes Jerseykleid mit Raffung, zwei weiße, ein korallfarbenes und ein schwarzes T-Shirt wollten zu mir, denn aus mir wird nie eine richtige Jerseynäherin.
In der Wäscheabteilung fand ich dann zwei, drei Teile, die nicht für 80jährige designt waren und mir trotzdem passten.
Nach einem kurzen Abstecher in die Freßabteilung, in der jede Menge Damen um die 60 hinter Käse- und Salattheken wie in alten Zeiten auf Kunden warteten, fuhr ich vollkommen platt wieder nach Hause, brauchte erst einmal einen großen Kaffee und etwas Schokolade und schaute mir vom Sofa aus den Sturm in den Platanenwipfeln an.

Weiter gehts. Die Arbeit war heftig, aber ok. Im Moment hat sie ein Maß, wo ich nicht jeden Abend mit dem deprimierenden Gefühl, ein 30% liegen gelassen und 20% vergessen zu haben, raus gehe. (Was weniger an mir liegt als an der Arbeitsorganisation/der Personaldecke und meiner Routine.)
Ich habe immer Mal wieder die Begegnungen mit alternden Alphamännchen in der Krise. Früher habe ich darunter gelitten, weil ich ihre Spielchen mitmachte. Heute werde ich ziemlich knapp bei Wort und auch schnell sauer. (Wobei extrem zutexten und loben, dass sie so fein ins Töpfchen gemacht haben, mehr bringt. Das erinnert sie an ihre Mutter, da fliehen sie schnell und weit.) Es ist immer das Gleiche, sie blasen sich auf, erzählen uns Frauen, wie wir unsere Arbeit machen sollen, sind aber  – wenn wir sie denn irgendwohin vermitteln – nicht so der Bringer, was sie dazu bringt, sich bei uns noch mehr aufzublasen, denn schließlich sind die anderen (also unter anderem wir) daran schuld. Grau-en-voll! Allerdings sind die Typen tatsächlich eine aussterbende Spezies. Das löst sich biologisch.
Der vollkommen leergefegte Markt an Vertretungsingenieuren bringt die skurrilsten Leute aus dunklen Ecken. Aluhüte, die Mailadressen und Handynummern verweigern, 75jährige Pensionärinnen, die gern Angebote per Post möchten und einsame Windkraftwerker vom Lande, die das mit diesem Internet nicht mehr anfangen wollen, man hätte sich doch gerade ein Fax angeschafft.

Ja, hm, das war es dann für diese Woche. Esst fein ordentlich Eis, damit ihr groß und stark werdet.

*Freitag abend um 11 Uhr liefen gut 20 Minuten lang junge Menschen dicht an dicht den Fußweg an der Veteranenstraße hinauf, es sah aus wie eine Demo, war aber nur Touri-Abend-Verkehr.
**Ich hatte versucht ein Video zu drehen, aber irgendwie war ich zu blöd dazu.

19/07/2015
von kitty
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Sonntagsmäander unter Platzregen

Mittelprächtig müde und erschöpft. Es gibt immer noch mal einen Ruck und ich werde effizienter, auch wenn ich dachte, das wäre jetzt schon das Ende der Fahnenstange. Die Arbeitswoche endete mit der Nachricht, dass es wahrscheinlich noch eine weitere Arbeitskraft geben wird, die uns unterstützt. Gut so.
Ich bin mittlerweile so weit, dass ich den Zustand, dauerhaft 10 Bälle in der Luft zu haben, als normal betrachte und erst panisch werde, wenn man mir weitere 5 zuwirft. An den seltenen Tagen, an denen ich es schaffe, meinen Projektordner aufzuräumen und auch mal wieder strategisch zu denken, bekomme ich dann ein schlechtes Gewissen, nichts zu tun bzw. tue beschäftigt.* – Das wäre als Selbständige genau der Moment gewesen, mir mal einen fetten lauen Tag im Biergarten zu machen. Als Angestellte geht das nicht.
Was aber auch heißt, als Angestellte rechtzeitig Laut zu geben, wenn die Belastung in den Spitzen zu hoch ist. Denn schließlich gehe ich nicht mehr mit dem Satz „Tschakka drölfzigtausend Euro Umsatz gemacht!“ aus dem Büro, sondern habe mein Gehalt und die Boni bringen mir jetzt auch nicht die Euphorie, mit der ich mich um die Gesundheit bringen wöllte.
Das Team ist toll, die Chefs sind super, die Arbeit macht Spaß und trotzdem geht es mir immer wieder über die Grenze der Kraft.

* Dabei entsteht gerade in diesen Momenten, die faul aussehen bei mir sehr viel, was mich weiterbringt. Ich brauche diese Leere zum „inneren Arbeiten“. Ohne die verblöde ich.

Ich stehe immer wieder neben mir und frage mich, wie lange ich das noch hinkriege. Mein Privatleben besteht nur noch aus grundlegender Regeneration meiner Arbeitskraft, mehr nicht. Sich säubern, auf kleinstem Level Kleidung und Nahrung organisieren, die notwendigsten Worte zur Beziehungspflege sprechen (ich telefoniere so viel, ich mag abends nicht reden), essen, kurz entspannen, um schlafen zu können, schlafen. Sobald Wochenende oder Urlaub ist, droht Freizeitstreß und dabei will ich mich doch nur ausruhen und vor mich hinpusseln.
Vielleicht komme ich aber auch mit entfremdeter Arbeit nicht zurecht. Es ist halt nicht meine Firma, große Bereiche meiner Fähigkeiten – analysieren, lenken, entscheiden, Zusammenhänge erkennen, Schlußfolgerungen ziehen – liegen brach und ich mache Detailkram, den ich hasse, der mich anstrengt und für den ich zu unstrukturiert bin.

So. Genug gejammert. Schließlich liegt es an mir, das wieder zu ändern. Bis zum Herbst nächsten Jahres bleibt das erst mal so, es sei denn, ich komme an einen Abzweig, der vielversprechender ist.

Kleine Anekdote am Rande, wenn ich kurz vor sechs aufstehe, um das Büro frühmorgens zu besetzen – wir wechseln uns dabei ab – produziert mein noch nicht ganz waches Hirn üble Ohrwürmer, die den ganzen Tag in meinem Kopf musizieren.
Zum Beispiel das

oder das

oder noch schlimmer!

Ich weiß nicht, womit ich das verdient habe. (und bis vorhin wußte ich nicht mal, dass die meisten dieser Lieder von Tony Marshall gesungen werden.)

Gestern saß ich mit Nähnerds zusammen, ein schöner Abend mit gutem Essen und guten Gesprächen. Ein schöner Abend und ich bin froh, so wunderbare Menschen zu kennen.
Hier noch mal ein Link, des Vortrages von Frau Crafteln in Hamburg

Erfrischend, jemanden auf einer Internetkonferenz zu sehen, der tatsächlich einen Vortrag halten kann.
Btw. ich habe es auf Twitter bereits herumgesendet, hier ist noch zwei Links, die zum einen dazu dienen können mit den Vorurteilen über handarbeitende Frauen aufzuräumen, denn er stammt einer der Nähnerd-Damen, die Volkswirtschaftlerin mit Universitätskarriere ist und zum anderen keine leichtverdaulichen aber komplexe Fakten darüber bietet, warum das mit Griechenland so ist wie es ist.
EIN PAAR GEDANKEN ZU GRIECHENLAND – WIE KAM ES ZU DER JETZIGEN SITUATION?
DER GRIECHENLAND-GEDANKEN ZWEITER TEIL: UND WAS HAT DAS GANZE MIT DEM EURO ZU TUN?
von Frau Siebenhundertsachen
Das ist für mich der Punkt. Klar kann man sich laut Schäubele als bösen alten Mann aufregen und Fotos von weinenden alten Männern teilen, die vor einer griechischen Bank sitzen und kein Geld bekommen. Mich lässt das nicht kalt, ich bin da emotional genauso drin. Aber ich erhoffe von mir und von den Menschen in meiner Umgebung, die qua Bildung und Reife mehr als eindimensionale Weltsicht haben sollten, die Mühe, sich der Komplexität dieser Dinge zu stellen. Es gibt keine einfache Wahrheit. Was wir lokal erleben und uns zu Handlungsimpulsen oder Erkenntnissen bringt, kann global zu völlig anderen Ergebnissen führen, als wir glauben. (im übrigen wird im zweiten Text auch mit der oft nachgeplapperten Behauptung aufgeräumt, dass deutsche Banken von Entscheidungen betr. Griechenland profitieren würden)

Damit bin ich beim nächsten Thema. Am Donnerstag Abend machte ich Twitter auf und eine Kakophonie, gebündelt in #merkelstreichelt schwallte mir entgegen. Sensen, Dreschflegel, Mistgabeln, Teerfässer und Federbetten waren bereit. Denn Kanzlerin Angela Merkel hatte ein weinendes Flüchtlingskind gestreichelt und ein paar unbeholfene Sätze jenseits des Protokolls gesagt.
Warum das nun erwachsene Menschen dazu bringt, sich in sozialen Medien so aufzuführen, als übten sie für die Schlagzeilenredaktion der Bildzeitung, weiß ich nicht. (Nebenher, man sollte eigentlich alle, die, die in der Nacht der letzten Bundestagswahl laut herausposaunten, sie wollten auswandern, denn Deutschland sei als Heimat nicht mehr akzeptabel, mal fragen, wo sie heute wohnen.)
Für mich ist diese Szene ein Stück lebendige Geschichte. Es kracht und knirscht plötzlich und wird offensichtlich, dass es eine riesige Diskrepanz zwischen politischen Leitlinien (hilflose, gestenreiche Asylgesetze, keine Einwanderungspolitik) und der Realität gibt (die Menschen sind einfach da und auf der Suche nach Lebensglück und Sicherheit). Plötzlich platzten alle Flicken weg, Politik trifft wahres Leben. Man denke an die legendäre Pressekonferenz am 2. November 1989. Nur dass da keine wütenden Herden den Schabowski beschimpften, sondern eine Flüchtlingswelle ohnegleichen losgetreten wurde.
Das wird immer vergessen. BRD hat vor 25 Jahren mit dem Einigungsvertrag ein sehr spezielles Einwanderungsgesetz beschlossen. Es ging zwar nicht um territoriale Migration, aber um die schlagartige Vermischung zweier Kulturen (sehr wahrscheinlich auch, um extremer territorialer Migration vorzubeugen), von denen man geglaubt hatte, sie würden sich völlig ähneln. Wie reibungsintensiv das war und was das gekostet hat, den einzelnen wie auch die Gesellschaft, sollte jedem über 30 in Erinnerung sein. Auch, welche Veränderung in diesem Land passiert ist.
Ich schreibe das ohne jegliche Bewertung.

Ich stehe seit Wochen stumm vor dem, was passiert. Haben die Leute im Osten wirklich vergessen, was es heißt, ins bessere Leben aufzubrechen, weg von armseligem Leben, Restriktionen und oft auch Verfolgung, hin zu idealisierter Freiheit und Wohlstand? Haben sie vergessen, was es bedeutete, aus seiner kleinen gesellschaftlichen Position rauszufallen und plötzlich Almosenempfänger ohne gesicherte Lebensperspektive zu sein? Nicht geachtet zu werden, weil für den hochindustrialisierten Arbeitsmarkt unbrauchbar? Mit plötzlich komischen Sitten und dummen Worten, mit lächerlicher Kleidung und inakzeptablen Werten.
Aber zumindest anerkannt und mit gesicherter Staatsbürgerschaft. Vielleicht ist es das. Ein scheeler Blick in den Spiegel – da ist jemand nun noch weiter unten und sitzt nicht fest im Sattel, da kann man draufhauen, denn man ist wieder wer, mit Eigenheim, Auto und Bausparvertrag.
Es hat scheinbar Ähnlichkeit mit der Ablehnung der Leute, die nach 1945 in kleiner gewordene Land kamen. Man nannte sie Flüchtlinge und feige, sie nannten sich Vertriebene und fühlten sich verraten. Wie viel Hass und Brutalität da an der Tagesordnung waren, wie viel Arroganz und Überhebung – von Menschen die gerade die Nazizeit verdrängten.

Aber zu angenehmeren Themen. Ich habe mein Strohwitwenwochenende zum Schlafen und zur Fellpflege genutzt und ich war beim Kind im Garten, bis mich ein heftiger Regenguss vertrieb. Vorher raufte ich noch etwas Mangold aus und erbarmte mich eines der vegetativ explodierten Riesenkohlrabis und wurde noch von den Nachbarn mit Unmengen Zucchini beschenkt.
Danach fand ein denkwürdiges Gespräch statt:

Ich hatte wohl der Roten Bete eine Glatze gerupft. Die Kaltmamsell klärte uns schließlich darüber auf:

Das mit dem Kohlrabi war komplizierter. Was ich glaubte, vorm holzigwerden zu retten, ist die Sorte Superschmelz, die bei Kindskopfgröße noch lange nicht aufhört zu wachsen.
Ja nun, die gab es zu einer Zeit, als ich Gärtnerin gelernt hatte, noch nicht. (War mir das peinlich!)

Zum Abschluß einen Link zu Journelle.
google
Sie schreibt über Essen und darüber, daß sie keine Diäten mehr macht und sich damit gut fühlt und wird in den Kommentaren – wie fast immer bei dem Thema – mit Diättipps belohnt.

Kannste dir nicht ausdenken.

12/07/2015
von kitty
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Sonntagsmäander in der Stachelbeerzeit

Ich mag keine Stachelbeeren. Sie haben so etwas wie Tomaten in sich, schlabberige Masse mit Kernen (weshalb ich auch lange keine Tomaten aß und auch nie einfach so in eine beißen würde) – wäh! und dann außen auch noch Stacheln. Wer isst denn so was?
Die Biokiste enthielt Jostabeeren, in der DDR hießen die Jochelbeeren, eine Kreuzung aus Schwarzen Johannisbeeren und Stachelbeeren. Ich weiß noch nicht, was ich damit mache.

Mäandern wir weiter. Eine Hochzeit im Freundeskreis, deren Feier ich leider schwänzen musste, weil ich am Mittwoch um 5 Uhr von der Arbeit nach Hause und völlig erschlagen gleich in Bett ging. Am Morgen hatte ich noch gehofft, wenigstens für eine Stunde da sein zu können.

Ein sehr schöner sommerlicher 50. Geburtstag gestern Abend. Herzwärmend.

Schwimmen und Picknick mit dem besten Freund. Einmal im Jahr machen wir das und diesmal hatten wir ein perfektes Timing. Am Dienstag fuhr ich zu ihm an den Stadtrand, in der S-Bahn lief mir der Schweiß in Strömen herunter. Dann packten wir gegrillte Hühnerbeinchen, Kartoffelsalat und eine Flasche Cremant ein und fuhren an einen See. Wir schwammen eine Runde, aßen und plauderten und am Himmel näherte sich eine schwarze Wand. Am Ufer sprangen plötzlich die Fische aus dem Wasser, warum auch immer. Als die ersten Blitze zuckten, packten wir gemächlich zusammen und als die ersten Tropfen fielen, stiegen wir ins Auto. Wir fuhren langsam zurück und hörten sehr nette Club-Musik. Der beste Freund hat einen Dienstwagen, der super-duper-öko ist, aber standardmäßig eine 700 Watt-Soundanlage hat.
Dann, nach 25 Minuten Warten, stieg ich wieder in die S-Bahn, fuhr mit den üblichen Schwierigkeiten dieses Verkehrsmittels (erst Verspätung, dann Pendelverkehr, dann Streckenänderung) in strömendem Regen und Gewitter wieder in die Stadt, ließ mich auf dem Fahrrad von der Schönhauser zum Zionskirchplatz genüsslich nassregnen und plumpste ins Bett.

Fahrradfahren. Seit das Büro eines Arbeitgebers Anfang April in den Friedrichshain umgezogen ist, fahre ich mit dem Fahrrad, nur manchmal chauffiert mich der Graf mit dem Auto. Da meine Kondition zu Anfang nicht die Beste war, fuhr ich sehr defensiv und vorsichtig. So langsam bin ich fitter und werde offensiver. Gut ist das nicht, denn zumindest morgens schlafen alle noch halb, die da auf der Straße unterwegs sind. Ich fahre quer zu den Hauptverkehrsströmen und kreuze die Schönhauser, die Prenzlauer, die Greifswalder und die Landsberger Allee. Das ist schon erstmal gut, da habe ich freie Strecke, ich muss nur auf den Kreuzungen sehr aufpassen.
In der Schönhauser Allee rast meist ein Pulk Radfahrer – 20-30 Leute – den abschüssigen Teil herunter, da kommt man kaum zum Kreuzen dazwischen.
Oft sind auch Eltern mit ihren kleinen Kindern dabei, Fünf/Sechsjährige auf Rollern oder kleinen Rädern, bei denen ich nicht das Gefühl habe, sie könnten auf irgendein Problem angemessen überhaupt reagieren. Beim Roller ist das logisch, der hat ja nicht mal Bremsen und sich auf dem Fahrrad zu halten, erfordert von den Kindern noch so viel Konzentration, dass sie auch mehr eiern als fahren. Ich vermute mal, das sind Eltern, die ihre Kinder nie allein zur Schule laufen lassen würden. – Zu gefährlich. In „ich bin dabei, da passiert meinem Kind nichts!“ kann auch ein ganzes Stück Selbstüberhebung stecken.

Letzte Woche gab es einen kleinen Reminder an meine Fahrschulzeit auf dem LKW. Selbst wenn das Auto einen Seitenspiegel hat, der dir zeigt, was unmittelbar an deiner rechten Tür und deinem rechten Rad passiert – du nimmst es so weit oben über der Straße nicht wahr und schaust im entscheidenden Moment nicht hin, sondern verlässt dich darauf, dass sich niemand mit dir anlegt, weil du der Größte bist.
Ich machte damals auch den Satz „Hups, die Oma auf dem Rad hab ich nicht gesehen!“, als der Fahrlehrer beim Rechtsabbiegen auf die Klötzer ging. Ich war nämlich vollauf damit beschäftigt, in für den Anhänger ausreichendem Radius so schnell wie möglich auf die Kreuzung zu fahren, jeden Fußgänger zu sehen, der da noch angerannt kommt, etc.
Als ich die Saarbrücker Straße entlang fuhr, überholte mich ein LKW und fuhr dann irgendwann, als er halb an mir vorbei war, rechts ran, um zu parken. Ich konnte auf den Fußweg ausweichen und alles war jetzt auch nicht gefährlich eng, aber mir war schlagartig wieder klar, dass der Typ mich einfach nicht gesehen hatte. Mir war vor Jahren schon mal ähnliches passiert, da bin ich nur mit viel Glück nicht unter einem Posttransporter gelandet, der in der Möckernstraße ins Paketpostamt einbog, sondern konnte noch so lenken, dass ich an sein Vorderrad krachte.
Mir steckt das noch in den Knochen. Ich habe in den letzten Tagen recherchiert, einfach um ein paar Handlungsszenarien im Kopf zu haben, wenn es mal ganz blöde kommt. Aber selbst wenn noch Zeit zum Reagieren bleibt, sich vom LKW weg in den Verkehr dahinter werfen, das ist die Wahl zwischen tot und nicht ganz tot.
Jede Familienkutsche hat mittlerweile Kameras, bei einem riesigen LKW sollte das nicht die Welt kosten. Aber es gibt ja keinen Druck. Da das überwiegend tödlich endet, zahlt die Versicherung die Beerdigung, das kostet so viel wie ein mittlerer Blechschaden und gut ist. Wenn die Versicherungen jahrelange Schwerst-Pflegefälle finanzieren müssten, sähe das anders aus. Ich finde das ziemlich zum Kotzen. Berlin hat so viel mehr Radfahrer bekommen, vor allem auch auf Straßen, die massiv für den Autoverkehr ausgebaut sind, da muss was passieren. Was für mich heißt, meine örtlichen Abgeordneten zu fragen, was sie in der Hinsicht zu tun gedenken.
Derzeit mache ich eines: Ich mache mir bewusst, dass ich auch nicht zwei Meter neben einem Dinosaurier herradeln und mich darauf verlassen würde, dass der mich beim um die Ecke biegen wahrnimmt.

Zumindest habe ich nun einen Helm. Der nutzt mir zwar im Zusammentreffen mit einem LKW nichts, aber sollte ich mal einen Laternenstunt wie Frau Brüllen letztens probieren, hilft er mir doch.
Das mit dem Helm ist eine Geschichte für sich. Ich recherchierte nach Stetson-Hüten, weil ich jemandem auf Twitter eine leichte Sommerkappe empfehlen wollte und sah: Ja Wahnsinn, die haben einen sehr coolen Fahrradhelm.
Der Graf und ich gingen zum Hollandradimperium ein paar Häuser weiter (btw. ein Hollandrad von dort wird die nächste große Investition) und fragten, ob sie den Helm hätten, weil es da sehr schöne und ausgefallene Fahrrad-Accessoires gibt. Der Chef schaute und meinte, die das Design sei von ABUS, hieße Metronaut und sei ohne Stetson-Label um die Hälfte billiger, er würde mal einen zur Ansicht bestellen. Letzte Woche war er dann da und ich probierte ihn auf, aber so richtig happy war ich nicht. Das Geschirr war aus fipsigem Kunstleder, die Schnalle kein Magnetverschluss und der graue Filzbezug gefiel mir auch nicht so recht. Also wollte ich noch mal drüber schlafen.
Ich beschloss, mir den Stetson-Helm im Netz zu bestellen, weil ich wissen wollte, ob der Material-Unterschied wirklich so groß wie der im Preis ist. Ich war schon am Bezahlen, ärgerte mich aber über die Versandgebühr, die ich bei dem Preis für unangemessen hielt, recherchierte nach einem anderen Anbieter ohne Versandgebühr und stieß auf einen, der den Helm gerade im Angebot hatte. Ok., den ließ ich mir erst mal schicken und als die Bestellbestätigung kam, sah ich, der war nicht auf 75% herabgesetzt, sondern um 75%. Ich wartete einen Tag darauf, dass eine Mail kommen würde, es hätte sich um einen Fehler gehandelt, aber die kam nicht. Dafür kam der Helm innerhalb von 36 Stunden und war genauso wie er beschrieben war, solides Geschirr, Magnetverschluß, schöner Bezug.
Und ich bin ganz krumm vor schlechtem Gewissen, weil ich doch den örtlichen Einzelhandel unterstützen wollte.

Über Arbeit schreibe ich diesmal nichts. Es ist so mitten in der Saison, dass es ohnehin kaum noch jemanden zu vermitteln gibt, alle sind ausgebucht. Nun werden workflows gebaut und Verträge optimiert. Ich bin wieder etwas versöhnt, wie immer, wenn der Druck nachlässt.

Auch wenn ich derzeit kaum zum Nähen komme, ich hatte da so einen Plan von einem längeren Tüllrock aus zwei Lagen mit Sternchen bestickt.sternentuell
Nur leider Gottes ist die untere Lage beim Färben übel zusammengeschnurrt. (die obere bekommt noch ein sehr dezentes Hellgrau) Selbst nach dem Bügeln hat die Rocklänge -10%. Mal schauen, ob das, was mal als wadenlanger Rock gedacht war, auch mit Rocklänge kurz unterm Knie funktioniert oder welchen Trick ich finde, das ganze an den Jersey-Darunter-Rock zu montieren, dass er länger wird und ich nicht mit einem geriehenen Rock so lang wie breit aussehe wie ein Sahnebaiser.

Hier endet der Mäander. Machen wir nächste Woche weiter.

Ach so. Einen habe ich noch. Weil das doch hier Mäander heißt, nach einem griechischen Fluss. Letztes Jahr war ich bei einem von der EU finanzierten Workshop. In den Gesprächen beim Essen wurde mir klar, dass uns die Griechen, Rumänen und Bulgaren (zumindest die, mit denen ich mich unterhielt, alles Lehrerinnen) uns mit unserem way of life und unserer Art zu arbeiten für ziemlich bescheuert halten. Also diese Art von Wohlstand und Sicherheit finden sie gut. Aber den Preis, den wir dafür zahlen, würden sie dafür nicht zahlen wollen. Die Frage ist nur, warum sollten alle am protestantischen Arbeitsethos genesen? Warum ist das, was Zentaleuropa da anstellt, der Maßstab?
Das ist meine unmaßgebliche Meinung dazu, am Abendbrottisch, mit Wein und sizilianischem Essen entstanden.