The Diary of Kitty Koma

05/02/2016
von kitty
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WMDEDGT Februar 2016

Frau Brüllen fragt wieder, was ich den ganzen Tag gemacht habe, aber heute ist einer dieser Tage, an denen nichts passiert.

Der Graf und ich sind immer noch angeschlagen. Für mich ist es Tag 9 der Virusgrippe, für ihn Tag 11. Wenn es nach uns beiden ginge, wären wir längst wieder normal unterwegs, aber das dauert.

Um 7:30 Uhr morgens klingelte es, die Biokiste wurde geliefert. Ich öffnete die Haustür, ließ die Kisten aber erst einmal vor der Wohnungstür stehen und legte mich noch einmal hin.
Natürlich schlief ich noch einmal ein, um 9 Uhr stand ich auf und machte mir Joghurt mit Mango und Banane und Kaffee und frühstückte im Bett.

Dann duschte ich und zog mich straßenfein an. Ich mußte dringend eine Stunde spazieren gehen, von der tagelangen Liegerei und Schlaferei baut mein Kreislauf immer mehr ab.
Als ich dem Grafen den Kaffee ans Bett brachte, bat er mich, auf ihn zu warten, er will mitkommen. Da er erst gegen Morgen schlafen gegangen ist, dauerte das noch etwas. Ich räumte erst einmal die Biokiste aus, las erst das Internet quer und fotografierte den Stamp Quilt, der 8 Tage auf die letzten Handgriffe gewartet hatte.
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Ich habe wieder einen Schlafplatz gemacht, mit Kissen und Tragegurt. Ich hatte so eine transportable Nickerchen-Picknickdecke vor langer Zeit mal im KaDeWe gesehen, natürlich war sie englisch und unglaublich teuer. Seitdem wollte ich so etwas selbst machen.

Gegen 12 Uhr liefen wir eine Runde durch Mitte. Erst zur Bibliothek, einen Stapel dicke Krimis abgeben und neue einpacken (auf das Internet und vor allem Twitter habe ich derzeit gar keine Lust), dann – mit kurzen Stops bei Ocelot und in einem Möbelladen – gingen wir zur Post, ein Päckchen abholen.
Ich war schon müde und setzte mich kurz, aber der Graf war bald dran und nahm ein sehr schönes altes Schreibmaschinenreinigungsset von Primavera in Empfang. Wir liefen den Weinbergsweg hoch, der Graf kaufte bei Soda Books ein DIY-Magazin und ich hatte schon wieder dringend das Bedürfnis nach meiner Sofakuhle. Ich war völlig nassgeschwitzt, aber mir war eiskalt.

Der Graf lieferte mich zu Hause ab und brach noch einmal zu einer Runde auf und ich legte mich hin.
Gegen 14 Uhr machte ich mir etwas zu essen, die Reste vom Vortag, Kartoffelbrei und Sauerkraut mit einem Spiegelei.
Dann musste ich erst einmal dringend schlafen und als ich aufwachte, war es kurz vor 18 Uhr.

Ich las etwas und mein Vater rief an. Die Mutter ist jetzt eine Woche im Krankenhaus und bisher ist die Ursache für Anämie und Eisenmangel nicht gefunden. Es stehen noch zwei Ergebnisse aus, aber die könne auch immer noch ganz blöde Nachrichten bringen.

Ich las weiter, inzwischen war es 20 Uhr. Zeit, sich ein Leberwurstbrot und den Rest vom Sauerkraut zu machen. Der Graf schlief ein Stündchen. Vorhin gab es noch ein Telefonat mit La Primavera und schon ist wieder Schlafenszeit. Ein völlig ereignisloser Rekonvaleszenztag.

Die anderen Einträge stehen hier.

31/01/2016
von kitty
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Sonntagsmäander aus dem Plumeau

(tl;nr Alle krank hier.)

Das war alles ganz anders geplant. Es sollte heute ein Kaffeetrinken mit Kind und Mann geben, abends ein Diner in schönen Kleidern und anschließend Champagner.

Ist aber nicht. Am Mittwoch legte sich der Graf morgens nach dem Aufstehen wieder ins Bett. Ihm war nicht so. Ich darf ja da nie viel machen, nicht anfassen, kaum mit ihm reden, vielleicht mal Tee hinstellen. Ich schielte immer mal zu ihm ins Zimmer, wo ein zitterndes, hustendes Bündel unter den Decken lag und schlief, und schwankte zwischen „Nun übertreibt er aber wirklich!“ und „O-o! Vielleicht doch besser einen Arzt?“.
Am Donnerstag morgen ging es auch bei mir los. Nur hatte ich erst einmal einen Termin in Charlottenburg. Den wollte ich hinter mich bringen, danach etwas einkaufen und dann ab ins Bett. Aus einer Fahrt nach Charlottenburg wurden zwei, denn der Mensch von dem Termin hatte auf einem Formular ein ungeheuer wichtiges Kreuz vergessen.
Ich nahm am Hackeschen Markt, beim Umsteigen von der S-Bahn in die Straßenbahn, noch die Notwendigkeiten mit, die uns fehlten: Kaffee, Klopapier, eine Familienpackung Taschentücher für empfindliche Nasen und ein Großpack Hustentee.
Dann stellte ich mich noch 20 Minuten in der Post in der Torstraße an, um das Formular mit dem ungeheuer wichtigen Kreuz wegzuschicken.

BTW, die Post in der Torstraße ist noch eines der wenigen klassischen Postämter in Berlin. Außen graue preußische Repräsentationsarchitektur, innen die letzten Beamten, die sich dem goldenen Handschlag der Frühpensionierung verweigert haben. Ihre Kunden sind mittlerweile die internationalen Mitte-Menschen, die selten deutsch sprechen. Als ich hierher zog, gab es noch Genervtheiten, mittlerweile haben sich die vier oder fünf älteren Herrschaften, die dort arbeiten, darauf eingestellt und sprechen Post-Fachenglisch.

Zu Hause angekommen, warf ich die Einkäufe in die Küche, kochte auch für mich eine Thermoskanne Hustentee und legte mich hin. Dann drehte es mich durch den Wolf. Mit Schüttelfrost, Glühen und Schwitzen.
Am Abend wärmte ich etwas auf, der Graf hatte den zweiten Tag fast nichts gegessen. Wir saßen uns am Tisch gegenüber, stocherten im Essen, wollten lieber den Kopf auf den Tisch legen, ließen die fast vollen Teller stehen und gingen wieder ins Bett.
Ich hatte noch vor, mir die Haare zu waschen, weil ich am nächsten Tag ein Vorstellgespräch hatte, aber ich hatte kaum noch die Kraft aufs Klo zu gehen, an Kopf unter die Dusche und nasse Mähne striegeln war nicht zu denken. Ich verbrachte die Nacht zähneklappernd unter drei Decken, nebenan hatte der Graf Fieberträume.

Am Freitag Morgen nahm ich Aspirin Complex, das lässt einen ja für ein paar Stunden ganz normal in der Spur laufen, man muss nur hinterher Regenerationszeit haben, denn die Energie kommt vom inneren Dispokonto. Ich malte ich mir irgendwie ein Gesicht auf, machte mir so was wie eine Frisur, zog etwas Bürgerliches an, ging den Weinberg herunter und absolvierte vollkommen neben mir, aber halbwegs korrekt (unter Vermeidung von Klinken anfassen, Hände schütteln und Distanzunterschreitung) das Gespräch. Ich wollte es nicht absagen, die Firma hatte ohnehin viele Wochen gebraucht, um sich zu melden, dann wäre die Luft ganz raus gewesen. Ich sah es auch eher als Infogespräch, denn es ging nicht um eine Anstellung, sondern um eine freiberufliche Tätigkeit auf Provisionsbasis. Ich wollte wissen, ob das für mich mit dem Zeitrahmen, den ich mir gesetzt hatte, funktionieren könnte. Alle um mich herum sind ohnehin skeptisch, denn das würde mir die Möhre komplett erfolgsbasierte Bezahlung mit (wenn auch geringen) Betriebskosten vor die Nase hängen. Ich kann das, ich bin eine sehr gute Vermittlerin, aber das hatte ich 2010 nicht umsonst aufgegeben.
Wir verblieben so, dass ich mal einen Vormittag zuhöre, wie das Callcenter dort arbeitet.
Ich habe in dem Gespräch natürlich den Burnout und meine Einschränkungen, eine volle Arbeitszeit betreffend, nicht erwähnt. So mies wie es mir gerade ging und wie ich auch aussah, wäre ein Gespräch zum Thema allgemeine gesundheitliche Einschränkungen vollkommen in die Hose gegangen. Die Frau (sehr interessante Lady übrigens, diese Geschäftsführerin, man kann mit einem Soziologiestudium auch erfolgreiche Unternehmerin werden) hätte mich wahrscheinlich für eine lebende Leiche gehalten, so was verstärkt sich ja gegenseitig.
So ging sie durch die Biografie, die nun mal keine klassische Arbeitnehmerbiografie ist und pickte sich hier und da etwas raus. Was ich ihr nur sagen konnte war: Ich habe für alles, was ich mache, einen Grund. Kohle verdienen und von der Straße weg sein, ist in der Regel nicht der einzige. Ich will etwas mitnehmen und lernen. Da kam natürlich dann auch irgendwann der klassische „Und was machen Sie dann eigentlich hier?“-Ausdruck in ihr Gesicht.
Naja, egal.
Ich ging auf dem Rückweg nach Hause noch in die Bibliothek und holte mir drei fette Schmöker.

Wieder im Bett und nach einigen Stunden Schlaf kurz aufgewacht, googelte ich. So schlecht ging es mir zum letzten Mal vor 12 Jahren, als ich mir etwas im Flieger aufgeschnappt hatte. So, wie sich diese Erkältung anfühlte, mit dem komischen Husten, den starken migräneartigen Kopfschmerzen und dem sehr hohen Fieber war das wohl eine klassische Virusgrippe. Was man halt so beim U-Bahn fahren aufschnappt. Hrmpf. Hoffentlich hatte ich niemanden angesteckt.
Dem Grafen ging es an Tag drei wieder besser und er saß zumindest für ein paar Stunden im Sessel, sah allerdings immer noch sehr elend aus. Ich konnte nichts essen und nicht lesen, sondern schlief nur, das ist ein Zeichen, dass es wirklich ziemlich ernst ist.

Am Freitag nachmittag rief mein Vater an. Leider konnte ich ihm nur begrenzt die Ohren volljammern, um bemitleidet zu werden, denn er berichtete mir, dass er die Mutter vor ein paar Stunden ins Krankenhaus gebracht hatte.
Mist. Ihr ging es schon seit Wochen nicht gut, sie fühlte sich schwach und elend und brachte das mit den Betablockern in Zusammenhang, die man ihr verschrieben hatte.
Nun muss man wissen, dass meine Mutter aus irgendeinem Grund von Ärzten nie ernst genommen wird. Sie hat nicht das sehr präsente Krankheitsdrama-Auftreten ihrer Mutter Charlotte, sondern wird, je schlechter es ihr geht, immer leiser. In der Regel bekommt sie ein beherztes „Ham sie sich nicht so und nehmse ihre Tabletten, wir fühlen uns alle mal nicht gut!“ zu hören.
In den letzten Jahren wurden ihr zweimal sofort nach dem Messen des Blutdrucks Betablocker verschrieben. Ältere Frau, hoher Blutdruck, Standardtherapie, kann nicht schaden. Nur hat meine Mutter bis auf einige wenige Ausnahmen, wenn sie beim Arzt aufgeregt ist, wenn es zu heiß ist oder so, gar keinen hohen Blutdruck. Von den Betablockern geht es ihr scheinbar nur extrem Scheiße. Es gab weder eine 24-Stunden-Blutdruck-Kontrolle noch irgendeine andere Maßnahme, mal zu schauen, was ihr Körper da überhaupt macht.
Nachdem sie in den letzten zwei Wochen dreimal beim Arzt war, wegen extremer Schwäche und Schmerzen in der linken Schulter, wurde beim dritten Mal(!) ein Blutbild gemacht . Mit dem Ergebnis, dass sie am nächsten Tag morgens um 7 Uhr angerufen und dringend einbestellt wurde und drei Stunden später im Krankenhaus war. Sie ist schwer anämisch und bisher weiß man nicht, warum.
Verdammter Mist.

Hier ging das Krankenlager weiter. Zumindest konnte ich gestern wieder etwas essen. Der Graf hatte Chicken Madras vom Inder an der Ecke geholt. Aber einfach so rausgehen ist noch tierisch anstrengend.
Ich verbrachte den Tag mit Lesen und mal kurz die Augen zumachen, worauf meist wieder drei Stunden vergangen waren. Auch der Graf schlief fast den ganzen Tag.
Man kann sich dem einfach nur ergeben, vor sich hin jammern und warten, dass es wieder aufwärts geht.
Frühstück mit den Kindern, Diner und Champagner sind nur verschoben, aber nicht aufgehoben.

24/01/2016
von kitty
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Sonntagsmäander im kalten Matsch

[TW: Bin heute völlig grundlos etwas grummelig und schwafelig. Der Text könnte daher zu lang sein und Spuren von Zynismus enthalten.]

Während in New York jede Menge Schnee Ausgangsperren und Gesundheitswarnungen fürs Schneeschippen bringt, machen sich die Polizei und Snowboarder einen Spaß:

Was mich an eine Erinnerung erinnert – als ich zwischen den Jahren „Zurück in die Zukunft“ sah, dachte ich an die Skateboarder, die sich in den 90ern auf dem Kudamm an Bussen und LKWs festhielten.

Zum Thema „Die Polizei tut wilde Dinge“. Berliner Polizei hat mit 500 Leuten ein besetztes Haus umgekrempelt, nachdem ein Beamter beim Autos kontrollieren geschlagen wurde und die Schläger in diesem Haus verschwanden. Große Empörung. Nee, nett ist das nicht. Aber ich habe das Gefühl, dass die, die sich so empört haben, diese Geschichte im sonntäglichen Tatort oder einer amerikanischen Serie ziemlich geil gefunden hätten.

Der Stamp Quilt hat einen Abnehmer gefunden, was mich sehr, sehr freut. Ich bin mit dem Steppen fast fertig. Natürlich frage ich mich mittendrin wie immer, warum ich auf schöne Steppmuster Wert lege. Es ist nämlich eine brachiale Arbeit, so ein Monster durch die Maschine zu trecken.
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Er hat Wellen bekommen
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und kleine gestickte Fische. Das Kissen und das Tragegeschirr fehlen noch, damit es ein richtiger Schlafplatz wird.

Wenn wir beim Wasser bleiben. Dirk Franke bloggt bei Iberty.net (unter anderem) über Schwimmbäder.
Ich war am Montag wieder in der Gartenstraße. Von der Zeit her habe ich mich immer noch nicht wesentlich verbessert, was mich kreppt. Aber ich bin mit Brustschwimmen genauso schnell wie junge dünne Männer beim Kraulen. Ich habe mich noch mal ein bisschen auf Technik konzentriert. Es ist wunderbar, mit langen, spannweiten, enorm Kraft sparenden Zügen unterwegs zu sein. Es gab am Montag Momente, als die Sonne schräg durch Wasser schien, da fühlte ich mich wie ein großer alter Rochen. (Das Gefühl des Altsein kommt vielleicht daher, weil ich solche Dinge zum zweiten, dritten, vierten Mal erlebe und mich freue, wenn ich sie wieder erringe.)

Für die Nähnerdessen könnte das, was Frau Indica schreibt, interessant sein. Sie war nämlich auf der Curvy  (Insgesamt 3 Blogposts). Die Curvy ist eine Messe für Kleidung für Frauen jenseits von Normgröße. Warum das nun Curvy is Sexy heißen muss, weiß ich nicht. Mir kommt das wie „ich bin fett, aber trotzdem f…ckbar“ daher, gemeint ist es aber sicher als „wir wollen keine Säcke tragen“. Ja nun.
Vor allem bei Anna Scholz schaue ich sehr aufmerksam hin, wie die Schnitte konstruiert sind – wo ist die Taille, was macht sie mit Abnähern etc. Wobei mir die Konstruktionen nicht hundertprozentig passen. Ihre imaginierte Frau hat viel mehr Busen und Hintern als ich. (Aber der Skater-Rock aus blümchenbedrucktem schwarzen Neopren!)
Kaufen würde ich das nicht mehr. Es ist Konfektion, ich habe weder Einfluss auf die richtige Passform, noch auf Innenverarbeitung und Material.

Für andere Menschen, die die Welt der Nähnerds interessieren könnte: Muriel von Nahtzugabe 5cm hat mittlerweile 14 Podcasts über nähende Frauen auf ihrer Seite stehen. Wer die hört, dem sollte endgültig klar sein, dass das Klischee des nähenden Hausmütterchens nicht stimmt.

A propos Haushalt. Ich habe jahrelang einen Ersatz für die De Longhi-Vaporiera aus den 80ern gesucht, mit der ich bei Heman gekocht habe und bin endlich fündig geworden. WMF hat eine Serie kleine kompakte Haushaltsgeräte aufgelegt. Mit dabei ist ein knuffiger zweistöckiger, getrennt programmierbarer Dampfgarer, den ich nun zum Geburtstag bekomme. Beim Internet-Großkaufhaus gibt es ihn momentan auch recht günstig. (WMF Küchenminis Dampfgarer – Affiliate-Link)

Machen wir einen Sprung zu Männern. In meiner Filterblase scheinen sie momentan europaweit so etwas wie unkontrollierbare, triebgesteuerte Affen zu sein, denen frau mit Mühe etwas angezogen hat.
Bei Edition F beklagt sich eine anonyme Autorin bei ihrem Vater, warum er die alltägliche sexualisierte Gewalt (die url spricht sogar von Missbrauch) gegen Frauen ignoriert und belegt das mit vielen eigenen Erlebnissen. Sie verlangt von ihrem Vater, sich damit auseinanderzusetzen, was es für sie bedeutet, eine Frau zu sein. Er habe Verantwortung übernommen, als er sie in die Welt gesetzt habe.
Nun ist diese Frau, dem Schreibstil nach zu schließen, längst erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Ok., der Vater scheint selbst zu bloggen und vor allem über „Genderwahn“.
Sehr dramatischer Post, der mir  – was – sagt? Dass in Frieden, intakten Bindungen und Wohlstand aufzuwachsen nicht unbedingt die eigene Verantwortungsfähigkeit und Resilienz stärkt? Dass um mich herum Sodom und Gormorrha herrscht, ich habe es nur noch nicht gemerkt? Warum leben wir Frauen dann noch nicht zusammen wie die Amazonen und benutzen Männer nur noch zu Botengängen und zum Kinderzeugen? Warum ist für die meisten Frauen die Hochzeit trotzdem der größte Tag im Leben? Warum leben dann Frauen nach der Geburt der Kinder in finanzieller Abhängigkeit vom Mann? Warum tun sich Frauen freiwillig mit unzivilisierten, brutalen Monstern zusammen?
Da ist mir im Moment ein bisschen zu viel Larmoyanz unterwegs.

Bleiben wir bei Männern und Frauen. In einem Prozess wird Mutter und Tochter vorgeworfen, dass sie durch Vernachlässigung den ungeliebten Familienvater an Suff und Folgeschäden krepieren ließen wie einen Hund. Die beiden waren über den Tod des Familienoberhauptes sehr erleichtert, endlich waren sie aus der Falle der Co-Dependenz entronnen.
Doch ihr Handeln wird von der Staatsanwaltschaft als Mord durch Unterlassen interpretiert. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen.
Nein, es ist umgekehrt.

Widmen wir uns nun differenzierteren Betrachtungen. Es gab in Europa eine Zeit, in der Männer beim Anblick eines versehentlich entblößten weiblichen Knöchels der Angebeteten hyperventilierten und Frauen in sonderbaren Spasmen in Ohnmacht fielen. Alles Sexuelle außerhalb der Ehe war verboten – zumindest für normale, gläubige Christen. Vorbei die Zeit der losen Sitten in Badehäusern, vorbei die Zeit der Ausschweifungen an Fürstenhöfen. Die Bürger der sich industrialisierenden Vormoderne sollten keusch sein und sich beherrschen. Die Frau, die ihren Weg kreuzte, auch wenn sie nicht mit einem Beschützer unterwegs war, war unantastbar. (Das galt nicht unbedingt für Dienstmädchen, Wäscherinnen und Bauernmädchen. Da konnte man sein Glück probieren. Die standen außerhalb der Respektswelt.)
Als ich letztens endlich einmal Stolz und Vorurteil las, gruselte es mich. Die dumme Schwester der Heldin brennt mit dem falschen Mann durch und lebt mit ihm ehelos zusammen. Fazit der Familie: Das ist der gesellschaftliche Ruin. Sie wäre besser tot. Der Vater reist dem Paar hinterher, was die zurückbleibenden Frauen der Familie seinen Tod befürchten ließ, denn um die Ehre der Familie zu retten, muss er den jungen Mann zum Duell fordern. Aber es gibt aber eine Ehrenrettung in Form von viel Geld und einer hastigen Trauung.
In der Erfolgszeit dieses Buches unternimmt Napoleon seine ägyptische Expedition und das gebildete bürgerliche Europa phantasiert von den wunderschönen, leicht bekleideten Frauen des Orients. Das Verhältnis der Osmanen zum Sex im Vergleich zu den Europäern verhielt sich vor reichlich 200 Jahren umgekehrt zu dem, wie wir es heute erleben.

Wenn es nur nicht so verdammt zwiespältig wäre. Natürlich haben die herzhaft zugreifenden Herren vom Kölner Bahnhofsvorplatz Respekt vor Frauen. Vor denen, die es wert sind, dass sie sie einmal heiraten. Und diese Frauen halten ihren Körper bedeckt, achten auf ihre Jungfräulichkeit und schauen Männern nicht einfach so in die Augen. Das ist eine völlig andere Definition des Werts einer Frau.
Bisher haben die Konsequenzen dieser kulturellen Kluft vor allem selbstbewußte junge Frauen aus nichteuropäischen Migrantenfamilien getragen. Im Moment schwappt es über, wird aber auch überzeichnet. Fremde, die sich an Frauen ver-greifen, das ist eines der archaischsten Konflikt-Motive. Das triggert jeden und jede.
Ich bin sonst keine Freundin von Frauenbewegungs-Feministinnen, aber ich finde einige Fragen Fragen, die Eva Quistorp stellt und die über die Silvesternacht in Köln hinausgehen, ziemlich berechtigt. Auch wenn sie die Zahl von 80% junger Männer unter den Flüchtlingen wiederholt. Sie fragt, wer eigentlich diesen jungen Männern Partnerin sein soll.
Klar, man könnte genauso abwiegeln, wie man das abwiegelte, als es um Gastarbeiter ging. – Ist doch deren Sache. Ist es nicht, wenn wir nicht demnächst wieder victorianische Verhältnisse haben wollen.

20/01/2016
von kitty
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MMM mit buntem Tweed

Der schmale Tweedrock tauchte ja im Lieblingsstückpost letzte Woche schon einmal auf.
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(Es ist übrigens immer wieder eine Übung für mich, naturbelassene Fotos zu machen. Einfach so geschossen, ohne richtiges Licht, kurz vorm Losgehen und dazu nicht richtig gesund, was man sieht. Da schlägt der Perfektionsanspruch des Berufes immer wieder durch. Aber das nur am Rande.)

Der dunkelbraune Fischgrat-Tweed, der bestimmt 100% Acryl ist, sprang mich beim vorweihnachtlichen Stoffmarktbesuch an und wollte auf den Arm. Ich habe ihn auch noch einmal mit schwarzer Grundfarbe gekauft, das soll ein Etuikleid werden, wenn ich denn mal den Schnitt passend bekomme.
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Das klassische Web-Muster, das ich schon naturbelassen sehr mag, ist mit verschwommenen Blüten bedruckt. Darüber liegen noch einmal dunkle, grafisch aussehende Streifen, auf die ich auch gern verzichtet hätte, denn sie sind aus Flockenmaterial (so wie bei beflockten T-Shirt-Motiven) und machen den Stoff etwas steif. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum der Stoff für 3 Euro das Meter auf dem Markt auftauchte.

Zuerst hatte ich unglaubliche Pläne, aus dem Stoff einen kurzen Tournürenrock zu machen. Und dann fragte ich mich, ob ich denn wirklich wie ein kleines Zirkuspferd ausstaffiert meine Weihnachtseinkäufe machen will.

Quelle: https://curiousoddities.wordpress.com/tag/ruff/

Der klassische Konflikt zwischen Kopf- und Herznähen also.

Für den Schnitt habe ich dann meinen schmalen Rockgrundschnitt benutzt, den ich nach Memas Anleitung angepaßt habe. (Memas Blog ist für mich übrigens ein hervorragender Wissensspeicher. Vielen, vielen Dank an die Autorin!)
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Ich mag es gern körpernah, habe derzeit aber keine Lust auf aufwändig zu fertigende und das Hinterteil abkühlende Schlitze. Deshalb habe ich hinten ein Godet eingefügt.
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Dafür habe ich ein halbes Oval aus dem Schnitt genommen und aufgedreht. (Beim Wiedereinfügen – Überraschung! – war das aufgedrehte Teil viel größer geworden. Das gab noch zwei tief eingelegte Falten.)
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Hinten habe ich nach der Nähschlampenmethode einen Reißverschluss und wie immer – statt eines Knopfes – Haken und Öse eingefügt. Ein nahtverdeckter Reißverschluss hätte mir zu sehr aufgetragen.
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Der obere Abschluss ist nur ein Beleg, damit der dicke Stoff nicht so aufträgt. Wo Beleg und Rock zusammengenäht werden, habe ich ein festes schmales Baumwollband mit gefasst, damit der Bund nicht ausleiert.
Sonst setze ich einen Bund an, mache ich einen Formbund hinten und seitlich füge ich breites Gummiband ein, damit sich ein Rock meinem klimakteriumsbedingt mondartig veränderlichen Taillenumfang anpasst. Mit dieser Schnittlösung, die sich nicht anpasst, saß der Rock nach Weihnachten drei Zentimeter zu tief. Das kanns geben.

Das Innenleben ist wie immer kommod. (Das mag ich am Selbernähen, nicht auf das unbequeme Innenleben billiger Konfektion angewiesen zu sein.)
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Die Stoffkanten sind mit Bändern gefasst und der Saum ist per Hand angenäht. Wenn ich dann noch graues Garn gehabt hätte… aber lassen wir das. Der Futterstoff ist ein rutschiger Baumwoll-Viskose-Mix, den ich einmal völlig verfärbt hatte. In dem Grau, das beim Entfärben übrig blieb, ist er gut als Futter geeignet.
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Das Futter ist an den Beleg genäht und ich habe diesmal sogar gleich daran gedacht, Aufhänger mit zu fassen.

Fazit: Ich glaube, ich brauche noch 1-2 schmale Röcke, wenn sie so bequem sind wie dieser. Machen Bella Figura, brauchen nicht viel Stoff und sind genauso schnell zu nähen.

Die anderen Damen und ihre Kleider am Me Made Mittwoch sind hier zu finden.