The Diary of Kitty Koma

23/10/2014
von kitty
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Kalte Eier

Bleiben wir bei Eiern. Das hatte ich noch im Entwurfsordner.

Es wird derzeit zwar heftig über eingefrorene Eier gesprochen. Zum Aufreger “Social Freezing” nur so viel:
Es wird immer nur über Frauen geredet, die entweder selbstbestimmt handeln oder unter Annahme des Angebots, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, Opfer ihrer Arbeitgeber werden.
Ich habe das Gefühl, das ist nur die Hälfte der Angelegenheit. Zum Machen eines Kindes gehören immer zwei. Und zu dem Fakt, beruflich erfolgreiche Frauen immer seltener, später und damit schwieriger Kinder bekommen, gehören auch Männer, die ihre eigene Meinung zum Zeugungsprozeß haben. Ein Gebärstreik ist zuallererst ein Zeugungsstreik eines oder beider Beteiligten. Komischerweise wird öffentlich nur über die sich verweigernden Frauen geredet.
Mir sind nur in den seltensten Fällen Männer begegnet, die wirklich darauf scharf sind, Kinder zu machen. Bis auf die eher proletarisch daher kommende Kategorie “Bezirksbefruchter”, die überall Kinder laufen haben und meist aber kein Geld, ihren Unterhalt zu bezahlen und nicht grade die vertrauenswürdigste Sorte Erzieher darstellen, wollten in meiner Umgebung nicht viele Männer Kinder. Zumindest nicht mit den Frauen, mit denen sie gerade aktuell zusammen sind. “Später” und “das ist nicht die Richtige” waren Standardauskünfte zu dem Thema.
Insofern war ich ganz froh, dass dieser Kelch qua früher Mutterschaft an mir vorübergegangen war und ich die Problemfront paarungsbereiter Großstädter nur von Ferne beobachten durfte. Müsste ich heute noch mal jung sein, studieren und wäre ähnlich karriereorientiert wie früher, würde ich spätestens mit Mitte 20 Eizellen einfrieren lassen, um wenigstens einen Beitrag zur Problemminimierung in späteren Zeiten getan zu haben.

Nebenher: Dass eine Russin, Polin, Ukrainerin oder Tschechin mir nach einer körperlich hoch belastenden Behandlung ihre Eizellen verkauft, ist mir … nach drei Versuchen, das richtige Wort einzusetzen: Ich würde das nicht wollen.

21/10/2014
von kitty
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Soulfood – Saure Eier

Das ist so ein typisches Familienessen, das nur die Leute zu schätzen wissen, die es kennen.
Ich habe das nie großartig jemandem erzählt, dass ich verlorene Eier in süßsauer Milchsauce mit Speckgrieben über alles liebe, weil ich immer komisch angeschaut wurde. Und siehe da, Lotti Katzkowski nannte es, als die #nähnerds neulich über schnelle und beliebte Familiengerichte twitterten.
Ich halte es für meine Pflicht, das Gericht an die Nachwelt zu überliefern. Meine Oma Charlotte, die aus einfachen Verhältnissen aus dem Erzgebirge stammte, hat es uns Kindern gekocht und neben Kartoffel- und Möhreneintopf und Kartoffelpuffern mit Apfelmus war das unser Lieblingsessen.
In späteren Jahren kam mein bereits volljähriger Bruder mit zwei, drei Freunden zu ihr zu Besuch, weil sich alle mal wieder Saure Eier gewünscht hatten. Dann musste der große Topf ran und es wurden ein Dutzend Eier und fünf Pfund Kartoffeln verarbeitet.

Man braucht für 4 Personen:

1 Liter Milch
4-8 Eier, je nach Hunger
50 g Speck, je nach Geschmack fett, durchwachsen oder Schinkenwürfel, mit fettem Speck schmeckt es archaisch, aber genial
3 geh. EL Mehl
1 Tl Zucker
1 große Prise Salz
weißer Pfeffer
1 Zitrone oder 1 EL weißer Essig
Kartoffeln für Kartoffelbrei oder Salzkartoffeln, auch je nach Hunger

Kartoffeln für Kartoffelbrei oder Salzkartoffeln kochen. Kalten Speck fein würfeln.

Die Milch einen breiten Topf mit dickem Boden schütten, eine halbe Tasse voll übrig lassen, erwärmen, Zucker, Salz und Pfeffer zugeben. Zeitgleich den Speck auslassen bis er knallt und goldbraun ist, dann mit dem ausgelassenen Fett in die Milch geben.
In der kalten Milch das Mehl anquirlen. Kurz vor dem Kochen das Mehl einrühren, die Sauce andicken und unter Rühren auf kleiner Flamme 3-4 Minuten kochen lassen.
Wenn das Mehl vollständig abgebunden hat, den Zitronensaft je nach Geschmack langsam zugeben, gut verrühren.
Dann die aufgeschlagenen Eier in der Sauce versenken, so dass sie nebeneinander, nicht übereinander, landen.
Noch 2-3 Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen, dann abgedeckt ohne Feuer weitere 5 Minuten stehen lassen.

Viel Spaß beim Eier rausfischen!

Bemerkung: Die Mengen sind geschätzt. Das ist ein typisches Hausfrauengericht, das nach Gefühl gekocht wird.
Wichtig ist, daß die Milch frisch ist und das Mehl gut ausquillt, damit die Sauce unter der Säure nicht gerinnt.
Oma hat dezenter gewürzt als ich, ich würde wahrscheinlich mehr Zucker nehmen.

Ich habe es in den letzten 10 Jahren kaum noch gekocht (deshalb auch kein Foto, es sieht aber sowieso aus, wie schon mal gegessen), weil ich Weizenmehl nicht gut vertrage und alternative Mehle, wie Buchweizen oder Reis – oder noch schlimmer Johannisbrotkernmehl – einfach nicht das “wie bei Oma”-Gefühl geben, sondern nur Schleim produzieren. Aber einmal die Woche geht Weizenmehl schon, ich muss demnächst mal das Kind einladen und Saure Eier kochen.

20/10/2014
von kitty
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Super.

Also nicht nur Seelchen, sondern auch Stimmwerkzeug angedetscht. Sagt der HNO-Arzt. Könnte grade gepflegt kotzen.

17/10/2014
von kitty
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Den Schuß nicht gehört

TL;NR -> selbstreferentielles Gejammer zum Thema Arbeit

Doch, irgendwie schon. Nur manchmal verhakeln sich bei mir Kausalitäten und actio und reactio.
Auch in der Geschichte aus dem Gleimkiez (letzter Abschnitt) ging es mir so. Der Typ schoss auf mich und ich zog zu einem Freund, weil ich so etwas nicht noch mal erleben wollte. Auf die Idee, dass es legitim sei, zur Polizei zu gehen, kam ich nicht. Das war schließlich eine Schreckschusspistole, für die man damals noch nicht mal einen Waffenschein brauchte. Ich habe es auch sonst ewig niemandem erzählt, weil ich dachte, die lachen mich alle aus. Ich war der Meinung, ich dürfte meine Angst und Verwirrung nicht zeigen und müsste das aushalten.

Aber eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben. Ich bin gerade dabei, noch mal etwas am Leben zu schrauben. Ende letzten Jahres war es die monatelange Übung, wie arbeitsfähig ich überhaupt bin. Die ging im März dieses Jahres mit positivem Ergebnis zu Ende, aber auch mit der Erkenntnis, dass es mich umhaut, sobald ich der Meinung bin, ich kann da noch zwei Tage oder eine kleineren, aber sehr streßbeladenen Termin draufpacken.
Das fand alles in liebevollem, freundschaftlichen Umfeld statt, wo die Chefetage und die Menschen an meiner Seite Bescheid wussten, mich schützten und ich nicht Theater spielen musste.
Der Sommer tat mir sehr gut, ich bin körperlich wieder viel besser drauf, weil das Schilddrüsenhormon gut eingestellt ist und ich habe mich einfach auch von vielen Dingen verabschiedet. Man schmeichelt mir nicht mehr mit “nur du kannst $tollklingendenjob machen” und mein Ehrgeiz, alles Mögliche gut zu können und selten Nein zu sagen, ist mittlerweile deutlich zurückhaltender, ohne dass mein Ego heult.
Der Graf arbeitet im Brotjob wieder halbtags, Vollzeit hat ihn sehr belastet. Jetzt lächelt er wieder, das ist wichtig. Zeit, dass ich meine Arbeit etwas mehr hochfahre, ich hatte Luft seit Anfang 2011. Nur wie?
Noch vertraue ich meinem Zustand nicht so, dass ich reinen Herzens viel Aufwand für langfristige Verpflichtungen treiben möchte.
Wenn ich eine 100km-Umkreis-Akquise für meine Seminare machen würde und mich Leuten verpflichte, die mich nicht kennen, aber an dem, was ich biete, interessiert sind, dann bringt das eine Menge Druck mit sich. Vielleicht ist das auch Käse, aber der Druck ist in mir drin. Das ist nicht der Zweifel, es nicht gut genug zu können, da bin ich ganz sicher. Wenn ich erstmal vor Leuten stehe und den Laden rocke, dann ist es super.
Es ist die klassische Angst nach dem Sturz vom Pferd und diese Angst ist vertrackt. Sie überfällt einen, wenn der Zug zum Termin nur zwei Minuten zu spät kommt oder der Fahrkartenautomat streikt oder aber in der Entspannung hinterher, wenn womöglich der nächste Termin vor der Tür steht. Dann passieren blöde Sachen. Eine Panikattacke in der Öffentlichkeit ist für mich noch irgendwie zu händeln. Die Leute halten einen zwar für verrückt, aber kennen einen nicht. Wenn der Druck auf den Körper zielt, wird es für mich unangenehm. Eine BPLS-Episode macht mich 3-4 Tage gesellschaftsunfähig, keine Chance, das Haus zu verlassen, wenn man mit ruckenden Augen wie ein Stein umfallen könnte. Aber meist ist es banaler. Mein Körper zieht die Reißleine, in dem er sich den nächsten Infektcocktail schnappt, der vorbeisegelt. Das ist in meinem Fall meist eine üble Erkältung mit Husten und langanhaltendem Nebenhöhlengedöns. (Andere kriegen an der Stelle Magen-Darm, aber mein Magen gibt nichts wieder her, was er einmal bekommen hat.)
Körperbotschaft: Halt mal schön die Füße still, das wird hier grade zu umtriebig.
Die andere Sache ist das Organisationslevel, das ich ab einem bestimmten Arbeitsvolumen wieder bräuchte. Ich habe ein stetes Rinnsal von Menschen, die zu mir kommen und sich von mir beraten lassen und daran habe ich viel Spaß. Aber wenn ich das hochfahre und aus dem Bereich Zufall und Mundpropaganda rausgehe, hängt da eine ganze Menge dran. Der Arbeit angemessenen Raum zu geben z.B. Das ist dann kein Wohnzimmerjob mehr, denn ich zeige mich in dem Moment nicht als Privatperson. Man bekommt zwar in Berlin jederzeit einen Mietschreibtisch mit anderen zusammen oder einen Besprechungs- und Seminarraum. Aber ein kleines, schalldichtes Zimmer in akzeptabler Lage, in dem Menschen sich geborgen fühlen und sich konzentrieren und entspannen können, das ist teuer. Was sehr wahrscheinlich heißt, die Hälfte der Arbeit würde ich machen, um arbeiten zu können – nämlich die Miete zu zahlen.
Dann kommt noch ein sich potenzierender Rattenschwanz hinterher – konstante Akquise (nichts ist schlimmer als eine Hauruck-Akquiseaktion, deren Ergebnis einen umrennt, dann drehen die Interessenten ab, dann kriegt man wieder Panik wegen Kundenmangel, macht wieder ne Hauruck-Akquise etc.), Netzwerken, Buchhaltung, Terminkoordination und obendrauf noch die kleinen Internetprojekte und Websites, die der Graf und ich oft zusammen machen. Entweder liegt es an mir, weil ich ein “ganz oder garnicht”-Typ bin, dann lasse ich mich gern korrigieren, aber ich habe das Gefühl, für eine Vergrößerung der Teilzeit-Selbständigkeit im Trainings- und Beratungsbereich sind der Aufwand und das Risiko sehr hoch.

Ich erinnerte mich daran, dass ein Freund, der ansonsten als Freiberufler arbeitet, seiner Existenz eine solide Grundlage gegeben hat, die unabhängig von “das ist derundder und der ist gut!” ist. Er macht ein paar Tage in der Woche etwas wenig glamouröses, sehr spezialisiertes, in das seine bisherigen Arbeitserfahrungen einfließen, es aber nicht um ihn geht und deshalb strengt ihn das nicht sehr an. Er verdient ein Basisgeld und dass er wieder im sozialen Netz hängt, fand er auch gut. Also sozusagen “ich will bei Mutti aufn Arm!” light. Auch ein paar Schauspieler, mit denen ich zu tun hatte, begegneten so jahrelang ihren existenziellen Herausforderungen, als Immobilienmakler oder Büroangestellter, je nach Eignung.
Nach diesem Vorbild hatte ich mich seit dem Sommer auf die Suche gemacht. Beim Lesen mancher Stellenanzeigen wurde mir kurzzeitig schwindelig. Schon erstaunlich, was man alles in 20 Stunden reinpacken soll, das wären Tätigkeiten für drei Vollzeitstellen gewesen. Oder man suchte Mrs. Perfect, jung, unfehlbar, schön, nicht sehr anspruchsvoll, allzeit bereit und devot. Die eine oder andere Sache verbot sich, weil es schon wieder zu viel Ehrgeiz erfordert hätte. Aber wenn ich Seminare gebe, sage ich den Leuten immer, dass die Stelle, die man in der jeweiligen Lebensphase gerade braucht, sicher nicht mit extremer Selbstverbiegung auszufüllen ist.
Man sagt zwar immer, Akademiker hätten den Vorteil, auch einfache Arbeit machen zu können, was ihre Arbeitsmarktchancen vergrößert, aber man vergisst dabei gern das soziale Umfeld, in dem so etwas stattfindet. Es gibt einen diffusen, archaischen Gruppen-Hass auf Leute, die nicht dazu gehören, den falschen Stallgeruch haben. (Unterhalte dich mit einem Abteilungsleiter übers letzte Konzert in der Philharmonie und sei gleichzeitig nicht bei Mario Barth im Olympiastadion dabeigewesen, das reicht in manchen Firmen schon.) Menschen, die ggf. auch Können verbergen müssen, weil sie sonst Vorgesetzte oder Kollegen beschämen könnten, brauchen dafür innere Größe und Entspanntheit, aber meist kommen sie sinister rüber. Es kann manchmal ein Blick oder ein Halbsatz sein, mit dem man in so einer Situation seinem Gegenüber das Gefühl gibt, 12 Jahre alt zu sein und nicht gelernt zu haben.
Aber zurück zum Thema. Meine Anforderungen an den Job waren, dass ich eine erprobte, dichte Arbeitsorganisation mit Standardhandlungen vorfinden und etwas tun wollte, bei dem ich tatsächlich mental Feierabend habe. Ich hatte mir irgendwann klar gemacht, das ich ein paar Fähigkeiten, die ich im Schlaf kann – nämlich gern auf mich gestellt und freundlich sein, Ruhe und Souveränität bewahren, Technik bedienen und angenehm mit Worten umgehen – vermieten wollte. Und das war auch genau das Segment, das eine ganze Menge Angebote hatte.
So war ich also diese Woche zu einer Fahrstuhlführerinnen*-Schulung unterwegs.

Heute, am Freitag, hocke ich etwas desillusioniert in der Sofaecke. Die Schulung war gut, auch wenn ich kritisch beäugt wurde. Wahrscheinlich fragte man sich hinter meinem Rücken “Wat willn die hia?” Aber da hilft mir mein hohes Ignoranzpotential weiter.
Ich habe alles gelernt, weiß, wie ich die Stockwerke in der richtigen Reihenfolge anfahre und Leuten mit Stock über die Schwelle helfe. Ich klingele zur rechten Zeit und rufe charmant und lächelnd die Stockwerke aus. Man braucht derzeit händeringend jede Arbeitskraft, die Bezahlung ist nicht gut, aber ok., der Job ist so, dass es Leute gibt die ihn schon Jahrzehnte machen, alles paletti.
Aber am Montag morgen hustet mich in der U8 jemand verschleimt an, am Montagabend hatte ich Halsweh, am Dienstag und Mittwoch Fieber, das ich mit Aspirin bewarf und den Rest des Tages besser im Bett verbrachte und gestern, beim ersten Fahrstuhltest mit Publikum, war ich mit einem Schlag stockheiser. Wenn ich etwas angespannt bin und erkältet, passiert mir das. Nun ja. Heute nacht versagte meine Stimme dann vollständig. Den letzten Schulungstag sagte schrieb ich ab. Langsam kann ich mich wieder verständlich machen, huste aber dafür erbärmlich. Mein innerer Hypochonder zählt manisch schlimme, chronische Krankheiten auf. Montag und Dienstag werde ich je 8 Stunden mit Betreuung probearbeiten.

Ich bin sehr gespannt, ob ich gerade den Schuss nicht gehört habe oder ob das eine ganz normale Erkältung ist.

 

*Berufsbezeichung von der Redaktion geändert