Unbedingt ansehen!

Also, was nun hat mich – einen kahl werdenden, dickbäuchigen Deutschen mit Conterganbehinderung – bloß bewogen, als Aktmodel für Fotoaufnahmen zu posieren? Ich sehe aus wie ein rosafarbener, rundlicher, bebrillter Pinguin, und wegen meiner kurzen Arme kann ich mich am Strand immer kaum überwinden, mein T-Shirt auszuziehen. Und trotzdem habe ich mich selbst und elf andere Nicht-Fotomodels, die auch contergangeschädigt sind, dazu überredet, sich splitternackt auszuziehen und für die Kamera zu posieren.“ (Niko von Glasow)

Die Lawine wird kleiner

In den letzten Wochen kamen mir die Versäumnisse der letzten Monate mit geballter Kraft entgegen. Lange Zeit dachte ich: wird schon irgendwie gehen. Dann ein falscher Schritt, ein Husten und ein Steinchen kullerte, schlug andere los und das Poltern und Krachen läßt gerade langsam nach.
Heute gibt es noch ein Telefonat, von dem ich hoffe, daß es das letzte dieser Art ist. Ich mache mittlerweile mit mir selbst die Roßkur. Keine Ausreden mehr. Die Wahrheit: Ich weiß es nicht, ich habe vergessen, ob ich es erledigt habe oder nicht. Nein, ich habe keinen schriftlichen Nachweis. Ich werde versuchen, den Schaden zu heilen, zu ersetzen, was geht. Nicht hinbiegen mit: das hätte sowieso nicht geklappt, die anderen sind schuld, sondern: ich habs verbockt und stehe dafür gerade.

Vor ein paar Tagen habe ich mit jemandem über meine Ausfälle der letzten Monaten geredet. Ich war kaum in der Lage, eine korrekte Rechnung zu schreiben, von allem anderen ganz zu schweigen. Mir fiel einfach alles aus dem Hirn, war nur noch Darstellerin meiner selbst und hoffte, daß es niemand merkt. Ich mußte mich fragen lassen, warum ich nichts gesagt hätte. Ich hätte sagen sollen: Ich kann nicht mehr! Ich brauche Hilfe! ?! Das ist ein schwieriges Pflaster.

edit: Vor allem, wenn man, wie ich, die Befürchtung hat, daß einen dann alle unverständig ansehen und sagen, daß das nicht ginge, daß ich doch immer funktioniert hätte. Oder aber mir Schwäche und/oder Faulheit unterstellt würde.

Veröffentlicht unter Leben

Der Herr Schneck hat da einen sehr schönen und anrührenden Text geschrieben. Zwischendurch fiel mal das Wort „peinlich“. Nee, ehrlich und berührbar. Unpeinlich sind Leute, die eine Show abziehen oder denen in Wahrheit etwas am A… vorbeigeht.
Ich stell im Denken grade so viel von den Füßen auf den Kopf und umgekehrt oder sehe mich von außen, das ist auch nicht grade angenehm.
Ich habs schließlich auch gemacht, einem Mann ein Kind weggenommen, weil ich das Gefühl hatte, da stimmt zwischen mir und dem Mann etwas nicht mehr. Und ich habe späterhin nach einem Mann mit ebenso erwachsenem Kind/Kindern gesucht oder eben nach einem Kinderlosen, wie ich ihn dann auch fand, weil ich sagte: Kleine Kinder tue ich mir nicht noch mal an und die Ex als Sorgeberechtigte mit im Boot, das muß nicht sein.
Vielleicht geht es darum, nicht immer so viel machen zu wollen. Es kommt wie es kommt, seien es nun fette Jahre oder ägyptische Plagen.

Veröffentlicht unter Leben