Ode an ein dürres Pferd

Frau Nessys schönen Beitrag über Kontaktanzeigen im Zeit-Magazin fortsetzend…

Andiedünnefrauohnealter. Spring‘ über den Zaun, edles Pferd Du, ich fange Dich auf, wir laufen zur Kirche die Orgel spielen, reiten die Wände ‚rauf bis in den Turm, zuzuschauen dem Tun der Welt, so weit unten.

Ähm… Ich versuche, mir das bildlich vorzustellen und muß immer nur lachen.

PS Besonders, die Stelle, wo er versucht, das Pferd aufzufangen.

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Wahl-o-Mat

Piraten oder FDP?
Mannmannmann. Ich kenne mich selbst nicht.
Noch erschütternder, daß die Partei, in der ich seit Jahren Mitglied bin, am Ende der Liste stand.
Wird wohl Zeit für einen Austritt.

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Schon GEZahlt?

Doris Heinze hatte ein Jahresgehalt von 80.000 € und einen Pensionanspruch, dessen Berechtigung derzeit geprüft wird. Der Schaden, den der NDR beziffert, der sich daraus errechnet, daß H. als Fernsehdirektorin lediglich einen halbierten Honoraranspruch auf ihre Drehbücher hätte, hat die Höhe von 47.000 €, die reichliche Hälfte ihre Jahresgehaltes. Solch ein Betrag fällt in einem Filmbudget fast unter die Kategorie ein Tütchen Peanuts.
Wenn man sich weiterhin vor Augen führt, daß der Schaden, den Werbemanager Ruzicka angerichtet hat, ca. 49 Millionen € betragen soll, ist die Bereicherung der Doris Heinze nichts als eine halbe, müde Erdnussschale.
Wozu die Aufregung fragt man sich und hat auch ganz schnell das Wort Siemens im Mund und den Gemeinplatz, daß Deutschland schon längst und immer Tummelplatz von Korruption und Vetternwirtschaft ist. Wo es etwas zu verteilen gibt, da wird klammheimlich das private Scheibchen abgeschnitten. Das betrifft den Mitarbeiter im Bauamt oder den Einkäufer für den Großbetrieb genauso wie die öffentlich-rechtliche Tycoona. Wer wenig Geld für den Besitz von Macht bekommt, versucht diese zu Geld zu machen. Das ist halt menschlich…
Der Ruzicka-Fall hat es selten über die Wirtschaftsseiten der überregionalen Zeitungen hinaus geschafft, dem Fall Heinze widmet sich das Feuilleton, obwohl es kaum Neuigkeiten zu vermelden gibt, weil der NDR den Ball niedrig hält. (In einem anderen Fall von Bereicherung schweigt ein anderer Sender sogar ganz.)
Keiner will sprechen oder wenn er es tut, dann hat er nichts mehr zu verlieren, wie Heinzes geschaßte Lektorin Loretta Wollenberg oder der sich in Verschwörungtheorien gefallende Ex-Polizeiruf-Kommissarsdarsteller Uwe Steimle.
Dabei ist sich jeder, der Branchenwissen hat, im klaren darüber, daß die Drehbücher des Ehepaars Heinze/Lüders die Spitze eines Eisbergs sind.
Denn das ZDF agiert ganz offiziell so:
Für eine derartige Praxis gibt es ein Beispiel aus einem anderen öffentlich-rechtlichen Haus: Die Autorin Christine Rohls hat seit 1997 für das ZDF 65 Bücher für „Unser Charly“ geschrieben und 47 für „Hallo Robbie“ – Serien, die in der Hauptredaktion Unterhaltung und Wort angesiedelt sind. Diese führte bis 2007 ihr Ehemann, Claus Beling. „Ein transparenter Fall, der nach außen und innen klar war“, sagt ZDF-Sprecher Alexander Stock. Generell verlange das ZDF, dass „Geschäfte mit Verwandten“ der nächsthöhere Vorgesetzte, in diesem Fall der Programmdirektor, genehmigen muss. Außerdem müsse ein solches Engagement „gesondert begründet“ werden. Nicht zuletzt gilt – ähnlich wie beim NDR – die Regel, dass der unmittelbar zuständige Redakteur nicht der Verwandte sein darf.
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Aha, der Redakteur darf nicht der Verwandte sein. Der Chef darf es allerdings.
Beleuchten wir dieses von der ZDF-Intendanz abgesegnete Geschäft genauer, wissen wir, um welchen Deal es sich hier handelt. Für eine Folge eines 45-Minüters erhält ein Autor zunächst nicht viel Honorar, bei 100 Folgen (und damit einem unangefochtenen Monopol auf zwei maßgebliche Serien des ZDF) summiert sich das mit den Jahren. Doch viel wichtiger ist es zu wissen, daß mit jeder Wiederholung eines Filmes oder einer Serienfolge in der Regel wiederum Honorare ausgeschüttet werden. So häufig, wie die Affen- und die Robben-Serie wiederholt werden – die durch die Tierpräsenz von der Dramaturgie und vom Plot her ohnehin einfach gestrickt und somit schnell geschrieben sind – bedeuten die Autorenrechte an 100 Folgen eine kleine Lizenz zum Gelddrucken für das Ehepaar Beling/Rohls.
Frau Beling hat nicht schlecht verdient, mutmaßlich zwischen zwei und sechs Millionen Euro.
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Das ist noch immer weit von den Beträgen entfernt, die ansonsten bei „richtigen“ Insidergeschäften gemacht werden. Warum rege ich mich also darüber auf?
Weil es den Anfang und die Schwächsten der Verwertungskette trifft, die Autoren. Drehbuchautoren gehen auf eigenes Risiko in Vorleistung. Sie haben (so sie nicht als Lohnschreiber für tägliche Serien arbeiten) keine Position im sozialen Netz, sie müssen sich selbst renten- und krankenversichern, sie müssen aus Aufträgen Rücklagen für die nächste unbezahlte Vorleistung, in der Regel das nächste Treatment oder Exposé, bilden. Sie sind freie Künstler in einer Branche, deren Regeln industriell geworden sind.
Das Acht-Punkte-Papier „zur Optimierung bei Fernsehfilm und Hauptabendserie“ forderte damals die „konsequente Kontrolle und Durchsetzung der Vorgaben, Kriterien und Sendeplatzbeschreibungen durch die zuständigen Redaktionen in allen Stufen der Planungs- und Produktionsprozesse“ (epd 43-44/2000). Für die „Erzählweise“ wurde „durchgängige Verständlichkeit“ gefordert, sie soll „einfach, klar, auf keinen Fall verwirrend“ sein. Das Milieu soll „attraktiv, interessant, zumindest nicht abstoßend sein“. Auch für die Figuren gab es Vorgaben: „Zumindest eine Figur muss Träger von Sympathie und/oder Mitleid der Zuschauer sein.“ Verblüffend war an dem Papier auch, dass es Selbstverständlichkeiten als Negativkriterien benannte, die zu vermeiden seien: „Vermeintlicher und verquaster Tiefsinn“ etwa oder „unverständliche, unattraktive Anfänge“. Das Zuschauer-Bild, das sich hinter Vorgaben wie denen des Acht-Punkte-Papiers verbirgt, zeugt von einer großen Publikumsverachtung.
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Unter diesem Wust an Vorschriften ist von Freiheit des Autors nichts mehr zu spüren und Ideenklau, gerade bei simplen Genreplots, ist allgegenwärtig.
Wer dann trotzdem noch so verrückt ist, seine Stoffe in einem enger gewordenen Markt anzubieten (denn die Privaten produzieren kaum noch fiktionales Programm), ist abhängig von einigen wenigen Entscheidern.
(Nichts gegen deren Sachverstand, der ist unbestritten. Ich habe kein Problem mit dem als „Süßstoffpapier“ beschimpften 8-Punkte-Plan, hält er doch simple Genreregeln für ein wenig flexibles Massenpublikum fest. Zementiert allerdings damit auch die Entwicklung der Gattungen Fernsehfilm und -serie.)
Wenn ein guter Prozentsatz des Jahreetats vom Gatten oder der Gattin des Chefs absorbiert sind, wird es noch enger und es kann mir keiner erzählen, daß für diese Personen ein irgendwie gearteter Wettbewerb stattfand. Denn nicht umsonst sind diese Produkte simple und seichte Fernsehdutzendware, da sind keine audiovisuellen Leuchttürme dabei und noch weniger Herzblut. Das schreibt man für die Miete und das würden auch gern viele Autoren tun, die sich ansonsten für ihre anspruchsvolleren Stoffe engagieren.
Wo sonst, wenn nicht in Deutschland ist die Klage laut, daß es keine guten Stoffe und keine guten Autoren gäbe? Wo sonst, wenn nicht in Deutschland macht man lieber Fernsehredaktionskarriere mit Nebeneinkünften und Pensionsberechtigung, statt so hirnverbrannt zu sein, für Demütigungen und Selbstausbeutung kreativ zu sein?

PS:Besonders gea…t sind übrigens Autoren, in deren Filmen vor einigen Jahren Product-Placement versteckt wurde. Ein Gutteil dieser Produktionen liegt nun im Giftschrank und hat nur mit teurer Nachbearbeitung eine Chance auf Sendung bzw. Wiederholung. Da die öffentlich-rechtlichen Autorenhonorare sich erst bei Sendung und Wiederholung lohnen, ist vielen ein Schaden entstanden, der bis jetzt nicht ersetzt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte…

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