Vigil 01

Seit dem Jahreswechsel 2 Wochen gesund gewesen. Den Rest entweder ganz krank, halb krank oder in einer zähen Erholungsphase. So langsam schlägt mir das erheblich aufs Gemüt. Ich bin schon fast bereit für Alternativmedizin.

Ich denke in diesen Tagen über Menschen nach, die ihre Gewichtsreduktion öffentlich zeigen. Das kann jeder machen, wie er will, ich denke halt nur darüber nach. Ich bin da furchtbar zwiegespalten. Einerseits verstehe ich, dass Menschen ihre Freude über eine von ihnen ersehnte wichtige Lebensveränderung mit anderen teilen wollen. Die „Rezepte“ auf diesem Weg dorthin sind interessant, aber eigentlich seltenst auf andere wirklich übertragbar.
Richtig schwierig finde ich den Trick, diesen Vorgang öffentlich zu machen, um sich selbst Druck aufzubauen, weil man ein Publikum nicht enttäuschen möchte. Sich dem öffentlichen Urteil über einen Körper also völlig ausliefern. Vielleicht sehe ich das aber auch falsch. Vielleicht ist es auch Suche nach Unterstützung, Selbstvergewisserung.

Früher empfand ich es als normal, ständig zu thematisieren, dass ich zu dick bin, zu viel esse oder abnehmen müsste. (Das klassische „du bist ungenügend“.) Das Kind hat mich irgendwann darauf hingewiesen, dass dieses Thema eine zeitlang bei mir sehr dominant war. Mit der Bemerkung versehen, dass sie davon genervt ist.
Ich musste in den letzten Jahren ohnehin in der Hinsicht demütiger werden. Ich habe zwanzig Jahre geglaubt, Brain, Myself and I könnten den Körper herumkommandieren und er hat sich ganz gern mit anarchischen Aktionen gerächt. Irgendwann er er mir ohnehin ziemlich dominant den Mittelfinger gezeigt und sein Ding gemacht. An das Jahr, in dem ich manchmal Atembeschwerden hatte, weil meine Kleider schon wieder zu eng geworden waren, erinnere ich mich ungern. Das war der Moment, wo ich kapieren musste: Ok., das ist ein gleichberechtigter Partner, kein Arbeitspferd, das ich zuschanden reiten kann. Bzw. ich kann das schon, nur dann haben Brain, Myself and I ein ziemliches Problem.
Primavera hat mir auch auf die Sprünge geholfen. Die Abmachung, die sie mit ihrem Körper getroffen hat: „Du bekommst alles, was du brauchst und jederzeit, dazu bleiben wir eng in Kontakt“, fand ich gut. Das braucht natürlich Entspanntheit und Zeit und nicht Hetze und Verbiegen für die Erwartungen anderer.

Aha. Jetzt fange ich auch schon an, zu missionieren. Ich würde mit Sicherheit nicht so viele Zeichen zum Thema „auf der Suche nach dem perfekten Sex“ schreiben. Dabei ist das Sich-Wohlfühlen in dem eigenen Haus aus Fleisch und Blut genauso privat und intim.

Eines kann ich schon mal festmachen: Es ist mir mittlerweile völlig egal, was andere sagen, wie sie das Aussehen meines Körpers bewerten und mein damit verbundenes Verhalten. Es ist mir nicht egal, wie es mir geht. Wie ich mich bewegen kann, was schmerzt, wie ich atme, wie es sich anfühlt, wenn ich gehe, stehe oder liege.

Das ist doch schon mal was.

Schnittänderungen: Länge

Statt am Me Made Mittwoch teilzunehmen, denn fotografieren ist grade nicht, weil eine Papiertüte auf den Kopf zu setzen ist mir zu blöd (alles nur, weil eine Woche nach der Genesung von der Schweinegrippe Magen-Darm vorbeikam und ich aussehe wie Braunbier mit Spucke), schreibe ich lieber einen Artikel zu den Schnittänderungen, die Meike auf Crafteln gerade zusammenträgt.

Da ich mit den Jahren ein Hohlkreuz bekommen habe, ist meine Rückenlänge kürzer als die vordere Länge.
Kielo Wrap Dress
Hier ist das sehr gut zu sehen. Es gibt jede Menge Querfalten im Bereich 1-2 Handhöhen über der Taille.

Die einfachste Möglichkeit, diese Falten im zugeschnittenenen und zusammengenähten Zustand loszuwerden, ist ein Querabnäher von Seitennaht zu Seitennaht.
rueckenaenderungWieviel in den Abnäher kommt und wo er sitzt und endet, kann eine Hilfsperson mit Nadeln abstecken.

Die nächste Möglichkeit ist, das Rückenteil des Schnittes schon vor dem Zuschneiden mit einer Hohlkreuzänderung zu versehen. Das lässt sich einfach googeln, aber ich habe es auch einmal aufgezeichnet. In Taillenhöhe auf der hinteren Mitte wird der Betrag, um den Rücken kürzer ist als das Norm-Maß des Schnittes, abgetragen und verläuft in der Breite bis zur Seitennaht. An der Stelle wird der Schnitt zusammengeschoben. Die hintere Mitte hat dadurch einen Knick, der in eine Kurve umgezeichnet wird.

rueckenaenderung2a Wichtig: Das Rückenteil hat dann eine senkrechte mittlere Teilungsnaht und kann nicht mehr gerade an den Stoffbruch angelegt werden.

Es gibt noch eine schöne Möglichkeit, die vor allem für zu lange Rücken von bereits fertigen, aber Falten werfenden Kostüm- und Anzugjacken geeignet ist. So hat mir vor Jahren eine Änderungsschneiderin die Jacken von meinen Businessanzügen angepasst. Ich habe das selbst aber noch nicht probiert! Daher bitte nicht gleich mit dem schicksten Kaschmirjackett machen!
rueckenaenderung3Statt des graden Querabnähers wird der Rücken mit einem Schwung eingeschnitten. Die Spitze kann nach oben oder unten zeigen, je nach dem wie die Jacke geschnitten ist. Es ist natürlich etwas trickreicher, diese Naht zusammenzunähen und dabei die Abnäher genau aufeinander zu bekommen, aber es sieht gut aus.

Es gibt noch einen Nachklapp dazu – hier ist die Änderung am aktuellen Projekt.

Die anderen Längen-Änderungen hat Frau Crafteln in diesen Artikel integriert. Die Rückenänderungen sind hier.

Sonntagsmäander mit Regenfenstern

Dieser Sonntag fand vorwiegend im Bett statt. Also nicht ganz. Zuerst fand das um zwei Wochen verschobene Geburtstagsfrühstück mit Kind und Schwiegersohn statt. Wie fast immer trafen wir uns im Blumencafé. Das Frühstück dort ist sehr gut und die beiden Aras machten erst in der letzten halben Stunde lautstark Alarm. Als wir aufbrachen, fing es natürlich an zu regnen.
Während ich gestern mit Boots und Daunenmantel mit der wunderbaren Frau Casino in Wind und Regen auf der großen Hunderunde war (wir redeten über die Schrecken des Februar in Berlin), waren der Graf und ich heute mittag einfach nicht warm genug angezogen, um nach Hause zu laufen und dabei die zwei Flohmärkte Mauerpark und Arkonaplatz mitzunehmen.
Das Warten auf die Straßenbahn kühlte uns so aus, dass wir uns hinterher zum Aufwärmen ins Bett legten, in das kuschlig enge Gästebett mit der superweichen Matratze. Ich bin stundenlang zwischen Wachen und Schlafen gependelt, mal war ich ganz weg, mal döste ich nur so vor mich hin, dann dachte ich daran, wieder aufzustehen, rollte mich nur noch etwas in die Decke ein und schlief schon wieder… Göttlich entspannend.

So ganz entspannt kann ich dann auch noch ein ganz einfaches Rezept verbloggen:

Mohnknödel, die eigentlich mit Mohn gefüllte Kartoffelklöße sind

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In meiner Familie gab es das nicht, wir aßen nur Mohnkuchen und Mohnstollen und seit es nur noch schwer richtigen Mohn gibt, sondern meist nur diese schreckliche verpampte Dr. Oetker-Mohn-Backmischung war es dann sowieso damit vorbei. (Ach so und Lotte backte altershalber keine Kuchen mehr und meine Mutter hasste Mohn, so können Traditionen auch enden.)

Für die Mohnknödel braucht es puren körnigen Blaumohn, wir haben ihn aus Polen mitgebracht, wo er im Supermarkt zu jeder Gemüsetheke gehört. Man kann ihn auch online bestellen und manche Biomärkte führen ihn. Ich kaufe keinen bereits gemahlenen oder gequetschten Mohn, der wird zu schnell ranzig. Auch die Mohnkörner kommen bei mir in den Kühlschrank.
Ich zerkleinere den Mohn in einer kleinen gußeisernen Mohnmühle (Affiliate-Link), mit der ich auch den Senf für Honigsenf mahle. Das ist richtig Arbeit und dauert schon eine Viertelstunde. Wir sind das gar nicht mehr gewöhnt, unsere Omas haben so jeden Morgen ihren Kaffee gemahlen.

150 Gramm gemahlener Mohn und 50g gemahlene Mandeln werden mit 125 ml Milch, einem Stich Butter und 80-100 g Zucker aufgekocht und dabei gut gerührt. Nach dem Abkühlen werden daraus 12 Kugeln geformt, die auf einem Brettchen zum Anfrieren ins Tiefkühlfach kommen.

Wenn die Mohnkugeln angefroren sind, wird Kartoffelkloßteig (den mache ich nicht selbst, der ist aus dem Convinience-Regal, wichtig ist, dass es Teig aus gekochten Kartoffeln ist, kein roher Kloßteig oder halb&halb) in 12 Teile geteilt. Ein Teil Kloßteig wird rund geformt, flach gedrückt, die Mohnkugel wird in die Mitte gelegt und von der Kartoffelkloßmasse nahtlos eingeschlossen – so wie man das bei Marillen- oder Pflaumenknödeln kennt.

Die Mohnknödel lassen sich 10 min in Salz- und Zuckerwasser garen (Wasser aufkochen lassen, nach einlegen der Knödel Flamme ausmachen, darf nicht mehr kochen.) Ich habe sie 25 min in den neuen WMF Dampfgarer (Affiliate-Link) gelegt.

Dazu gab es Sauerkirschen und Vanillesauce, aus Krankheitsgründen ebenfalls aus dem Kühlregal.

Ein Wort zu den Affiliate-Links die ich seit einigen Wochen einstreue, wenn ich über Bücher oder Gegenstände schreibe. Es gibt eine kleine Provision, falls jemand durch Verfolgen des Links etwas kaufen sollte. Wem das unangenehm ist – es ist möglich, die erwähnten Dinge auch einfach so zu googeln. Ich habe jahrelang solche Links ohne Partnerprogramme gesetzt, aber ich halte es mittlerweile für angemessen, die Grundkosten für das Betreiben des Blogs so einzuwerben. Früher ging das in die Betriebskosten, heute geht das nicht mehr.

Weiter im Text. Die Grippe war am Freitag dann endgültig vorüber und ich fühlte mich wieder ok. Wie ich schon vermutet hatte, hat es drei Wochen gedauert.
Nun hatte ich wieder meinen alten Vortrieb und hing nicht mehr schlapp herum.
Plötzlich bewegte sich auch wieder etwas. Ich bekam auf das Bewerbungsgespräch, das ich krank absolviert hatte, eine Absage und konnte die Dame, der das recht unangenehm zu sein schien, damit beruhigen, dass ich ihr selbst auch abgesagt hätte.
Eine Anfrage aus dem Freundeskreis abzusagen, fiel mir wesentlich schwerer, aber hier konnte ich nicht anders. Ich habe 1993 beschlossen, nicht in dem Bereich der Kultur- und Kreativbranche zu arbeiten, der ausschließlich mit Subventionen kalkuliert und ich glaube, ich kann es auch nicht. (Und es handelte sich natürlich nicht um eine feste Anstellung, sondern um Zuarbeit auf Erfolgsbasis.)
Aber solche Entscheidungen räumen auch das Feld und verstellen nichts mehr mit endlosen „ich müsste eigentlich“. Eine Stunde später kam ein Anruf einer Hochschule, man hätte gehört, ich würde Seminare zu Gehaltsverhandlungen anbieten und ob ich im Sommersemester noch Zeit hätte. So darf das. Bitte immer gern doch.

Ein paar Links gibt es noch auf dem weg in die Woche. Meike Lobo zum Informationsoverkill. Eine kluge und differenzierte Sicht, wie ich finde.
Wer es poetisch mag, statt konkret über „…den Ort, an dem, ohne sich zu vermischen, alle Orte der Welt sind, aus allen Winkeln gesehen“ zu lesen, der lese Jorge Luis Borges‘ Erzählung Das Aleph und kann auch gleich Die Bibliothek zu Babel anhängen, für mich ist diese Bibliothek das Internet.
Umberto Eco wird Borges sicher nun wieder begegnen, seinem Jorge von Burgos. Ich hatte Borges im Alter von 11 oder 12 Jahren entdeckt. Ein unscheinbares Taschenbuch lag in den Bücherstapeln meiner Eltern und ich lag krank zu Hause und mir Vielleserin fehlte der Stoff. Ich weiß nicht, was diese Kurzgeschichten des Magischen Realismus in mir anrührten. Da war nicht so übermännlich wie Hemingway, den ich nicht mochte und auch nicht so grotesk-ironisch wie Lem, den ich damals noch nicht verstand. Die trockene Lakonie, die knappe Härte und dazu die unmöglichen Dinge und Ereignisse, das faszinierte mich sehr.

Ach und als Rausschmeißerle in die Woche: Zentralberlin ist voll von Kurzzeit-Mietautos. Wenn sie nicht irgendwo parken, fahren mit ihnen junge Hipster-Männer, die nicht sehr geübt Auto fahren, wie die Henker um die Ecken, denn jede Minute kostet. Darüber gibt es eine nette Geschichte in der taz.

Veröffentlicht unter Leben

Sonntagsmäander im Nebel

Noch eine Woche mit angezogener Handbremse. Wir gingen brav jeden Tag nach draußen, um eine große Runde in Mitte zu drehen und nach anderthalb Stunden kam ich grade noch die Treppe hoch, um mich hinzulegen.
Komische Sache. Als kleines Kind hasste ich Mittagsschlaf. Seit ich über 35 bin, ist er mein treuer Gefährte in allen energiearmen Zeiten. Von „Och, mach doch mal 10 Minuten die Augen zu!“ bis zu zombiehaftem Wanken in Richtung Sofa „Muss. Schlafen. Muss. Schlafen.“ und zweieinhalbstündigem Komaschlaf™, dem eine längere Nebensichsteh-Phase folgt.
Im Moment ist der Zustand mit eiskaltem Schweiß bedeckte bleiche Gestalt, die es grade noch unter die Decke schafft.
Meinem Selbstbild als aktive Macherin ist das nicht zuträglich. Aber so ist das Leben.
Wenn man den Zeitungsmeldungen über die derzeitige Grippewelle glaubt, dann war es wohl das Schweinegrippevirus, das den Grafen und mich erwischt hat.

Ein wenig Papierkram ist doch erledigt und der schwarzbunte Babycord, den der Graf der jungen Frau, die einen Einkaufstaschen- und Kapuzen-Kellerladen zwei Häuser weiter betreibt, preiswert abgeschwatzt hatte, verwandelt sich gerade in einen schlichten Glockenrock.
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Nachdem ich jahrelang in üppigen Säumen schwelgte, mag ich es gerade schmaler. Mal davon abgesehen, dass es preiswerter und dezenter ist, ich damit auch hochwertige und auffällige Stoffe verwenden kann, es ist praktischer, wenn einem nicht ständig der Rock im Staub hängt.
Meinen Grundschnitt für den schmalen Rock habe ich nach Hofenbitzer Band 1 (Affiliate-Link) in einen Glockenrock-Grundschnitt verwandelt, die weiteren Einzelheiten und die Fotos vom fertigen Teil an der Frau gibt es in drei Tagen beim Me Made Mittwoch.

Bei unseren Gängen durch Berlin Mitte entdecken wir gerade immer wieder neue Läden. Kein Wunder, hier schließen die Ladengeschäfte und Restaurants auch mal ganz schnell nach ein paar Monaten. Meist haben die Schnupsi- und Schnulli-Läden ein ähnliches Sortiment (derzeit sind es grade handgequiltete indische Decken und Sofakissen aus japanische Stoffen, gefolgt von handgemachten Seifen, Duftkerzen, ein paar exotischen Bleistiften und den unvermeidlichen Washi-Tapes), als wären die Anbieter einmal die Straße lang gezogen. Aber in einem Laden mit französischen Schreibwaren habe ich Broschen und Aufnäher aus moderner Metallstickerei entdeckt, die hinreißend schön sind. Nächste Woche muss ich mich trauen, sie zu fotografieren.

Ich hab noch ein Thema. Ich bin aus dem Babygeschäft seit einer finalen OP raus. Das ist jetzt fast 12 Jahre her. Ich war nie mit Leib und Seele Mama, dafür fehlte mir wohl ein Gen. Ich habe nach 20 Jahren in einem alten Buch ein paar mit Nadeldrucker bedruckte Seiten wiedergefunden. Ein Text von mir zum Thema Vereinbarkeit meiner beruflichen Ambitionen mit Kindererziehung und Familienfürsorge, der mir ins Gedächtnis zurückrief, wie sehr mich die ganze Sache gequält hat und wie sehr ich Ängste und Wut an das Kind weitergegeben habe. Angst vor Armut oder finanzieller Abhängigkeit, ein enges kleines Leben und dass mit jeden Jahr des nur-Mutter-Daseins eine größere berufliche Abgehängtheit drohte, beherrschte meine Gedanken.
Ich weiß nicht, was es war. Ich wollte nicht in die Falle der Doppelbelastung laufen wie meine Mutter, die einen anspruchsvollen Beruf, einen Haushalt, zwei Kinder und einen Mann, der kam und ging und tat und ließ, was er wollte, vereinbaren musste und immer am Rande des Zusammenbruchs war. Natürlich ging das in jedem Moment schief. (Im Nachhinein war das egal, eine perfekte Familie hätte uns wahrscheinlich zu blasierten Weicheiern gemacht.) Was mich so ärgerte, war der Umstand, dass meine Mutter im häuslichen Bereich jede Verantwortung trug und dass das niemandem etwas wert war. Mein Vater konnte unangekündigt erst mitten in der Nacht nach Hause kommen, er interessierte sich nur für die Versorgung der Familie, wenn er nichts mehr zu essen im Kühlschrank fand oder wenn meine Mutter todmüde das falsche Waschprogramm eingestellt hatte und seine Hemden verfärbt waren. Nicht, dass er seine Zeit in Zukunft verlässlich so einteilte, dass er meine Mutter unterstützen konnte. Er beschwerte sich lautstark über den „Sauhaufen“, machte ein paar rhetorische Schleifen über seine fleißige Frau und verpisste sich wieder in den Job und seine Männerbünde. Und so etwas wollte ich nie erleben.
Ich wollte es anders machen und fand einen Mann, an den ich Haushalt (zum Teil, den anderen Teil machte die Putzfrau) und Kinderbetreuung delegieren konnte, während ich mich um Geld verdienen und Karriere kümmerte. Ich hätte ein Hausfrauenleben nur attraktiv gefunden, wenn es auf einem hohen finanziellen Level stattgefunden hätte und die gesellschaftliche Reputation eines Partners auch für mich gereicht hätte. Aber selbst dann, nein, ich glaube, selbst dann hätte mich der Bovarysmus gepackt.
Das fiel mir ein, als ich diesen Artikel las. Auch wenn meine Gedanken am Thema des Blogposts vorbeigingen. Es geht darum, Nein zu sagen und die Erwartungen anderer und die eigenen immer wieder auf Realisierbarkeit zu prüfen. Und das ist schwer.

Veröffentlicht unter Leben