Erst nach einem wunderbaren Abend von der ehemaligen Kollegin eingeladen worden, dann rundet der Taxifahrer mangels Kleingeld auf den glatten Zehner ab. – Was ist denn los mit meinem Karma?
Ein Abend, um noch mal in die Zeit von März bis November 2015 einzutauchen. Die Menschen fehlen mir sehr, die Struktur auf jeden Fall und die Erfolgserlebnisse ein bisschen. Aber das hat kein Gewicht gegen den Preis, den ich/mein Körper/meine Gesundheit dafür zahlen würden.
Ich wiederhole seit dem Herbst den Satz: Ich suche einen – womöglich auch unsexy – Job für zwei Tage die Woche. Ob es den gibt, werde ich sehen.
Vigil 06
Neulich standen wir beim Einkaufsbummel im Kaufhaus vor Bettwäsche, die von Fadendichte und Baumwollqualität so ungefähr dem entsprach, was sich unsere Mütter und Großmütter für die Aussteuer in den Schrank gelegt hatten.
Ich habe keine Ahnung, wie teuer gute Bettwäsche in den 50ern war, sicher kaufte man das nicht so nebenbei, die Aussteuer war ja so etwas wie die Mitgift einer jungen Frau, ohne dass es um Geldbeträge ging und musste ein Leben lang reichen oder wurde – da geschont – noch vererbt.
Bei den Kissen, Laken und Bezügen, die wir uns ansahen, hätte eine 4teilige Granitur (2 Kissen, 2 Bettbezüge, 2 Laken) ca. 1.000€ gekostet, also 40-50% eines Nettodurchschnittsgehaltes. Ich frage mich, ob das ungefähr dem entsprach, was früher dafür ausgegeben werden musste.
MMM im buntem Cordrock
Wir waren vor ein paar Wochen in einem Kellerladen im Haus gegenüber, in dem eine junge Frau Taschen und Kapuzenschals näht und verkauft. In der Ladendeko lag ein Stück folklore-bunt bedruckter schwarzgrundiger Babycord, das sie wohl der Kundin vorher gezeigt und dann einfach hingelegt hatte.

In meinem Kopf tutete es „habenmuss!!!!“, der Graf fragte an und die Ladenbesitzerin war verkaufswillig. (Anfang Januar in einem Geschäft, in das Kunden nur durch Zufall geraten, ist Material verkaufen schon mal drin.) Ich komplettierte das Material noch mit rotem Satinschrägband, orangefarbenem Futter und einer schwarzen Pomponborte. Wenn schon, denn schon.

Ich wußte relativ schnell, dass ich einen schlichten Glockenrock haben wollte, keine überbordende Länge am Saum und oben nicht zu eng, ein für mich recht untypisches Normalo-Modell. Ich drehte meinen Grundschnitt für einen schmalen Rock unten auf und ließ hinten nur den äußeren Abnäher drin, damit die Hüfte sitzt. Der Rock hat keinen Bund, nur einen Beleg und an der oberen Naht ist innen festes Band eingenäht, damit sich der weiche Stoff nicht dehnt.

Das ist ganz gut aufgegangen, nur ein Problem gab es nach der Fertigstellung – ich hatte durch die Grippe wenig gegessen und der Rock hing sonstwo. Überhaupt ist mein schwankender Bauchumfang ein technisches Problem. Deshalb habe ich den Beleg und den Rock auf den oberen 3 cm mit einer Steppnaht versehen, so dass ein Tunnelzug entstand, vorn zwei senkrechte Knopflöcher eingearbeitet und zwei Bänder und etwas Gummi am Ende eingezogen. So kann ich den Sitz besser regulieren. (Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen ich mich über Autofahrerhosen mit verstellbarem Bundumfang beömmelt habe…)

Hinten musste ich leider eine Mittelnaht machen, denn ich hatte 1m Stoff und musste im Strich zuschneiden, da gab es nur einen Mittelbruch. Da springt das Muster dann sichtbar. Hinten habe ich einen Reißverschluss und Haken und Öse eingearbeitet.

Das sind die kleinen Pompons, ich hatte etwas unterschätzt, dass diese dicke Borte den Saum ziemlich steif macht.

Über der Borte sitzt noch das rote Satinschrägband und darunter der orangefarbene Futterrock und wäre ich nicht so schlapp vom Kranksein gewesen, hätte ich sicher Handsäume gemacht, das fällt besser und zerkratzt die Strumpfhosen nicht. So wollte ich nur fertig werden und bin einmal mit der Maschine drübergerattert. Die Seitennähte sind wie immer französische Nähte, so dass nichts Abgeketteltes zu sehen ist.
( BTW. Da warb doch bei meinen Overlockmaschinenrecherchen jemand damit, dass Overlockversäuberungen professionell und nicht selbstgemacht aussehen würden. Für mich sehen sie nur nach billiger Industrieware aus, die wir mittlerweile gewöhnt sind.)

Ich trage den Rock sehr gern, er ist nicht nur ein Ersatz für einen Wollrock, den ich letztens zu heiß gewaschen und verdorben hatte, sondern ein echtes Schmuckstück.
Hier geht es zu den anderen Damen vom Me Made Mittwoch und ihren selbstgenähten Kleidern.
Vigil 05
Wenn sich das Eltern-Kind-Verhältnis ändert, weil das Kind nun wirklich endgültig erwachsen ist (zwischen 20 und 25 ist eine Latenzphase, da sind sie noch verspielt und unsicher, alle Verantwortung tragen und erfolgreich selbst entscheiden, das kommt erst später, also hier und heute in Europa), gibt es ein Balanceverhältnis der Sorge umeinander, bevor die Eltern die Sorge benötigen.
Auf diesem gut ausbalancierten Plateau lebt es sich gut. Das Kind hat heute fertig gearbeitet und ich habe derweil auf dem Handy daddelnd auf ihrem Sofa rumgelümmelt und danach hat sie mich bekocht. Das darf noch lange so bleiben.