Ergotherapie + Egotherapie

Es hat wahrscheinlich noch nie jemand so langsam eine winzige Wohnung renoviert wie ich gerade.
Alle zwei Tage arbeite ich 6-8 Stunden daran. Leiter rauf, Leiter runter, kleine Makulaturfladen runterpulen, die Decke im Bad fast geschlossen mit einem riesigen Patsch! nach unten befördern und immer wieder Probeanstriche:
mit Tiefengrund
ohne Tiefengrund
über partiell mit Spachtel reparierten Flächen
auf einer geschlossenen, hauchdünnen Spachtelschicht

Letztere Variante ist wirklich die überzeugende. Wobei es überhaupt nicht so schwierig ist, eine Wand zu spachteln, wenn man sich schon mal am Verputzen probiert hat. Es ist eher mühselig.
Die Naturpigmente sind bereits in einem Leipziger Öko-Laden bestellt. In Berlin habe ich niemanden in Reichweite gefunden, der tatsächlich noch Naturpigmente hat. Alle Bio-Farben-Läden bieten knatschebunte, ungiftige Produkte aus der Chemiefabrik an.
Ich habe mir gesagt: wenn ich auf einem Kalkputz mit Gips spachtele und dann mit Kreidefarbe streiche, kommen mir tatsächlich nur Farberden ins Gemisch. So und jetzt ziehe ich mir meine lila Latzhose an und pendele die Erdströme aus.

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In Sachen Flexibilität

Mein allerbester männlicher Freund sitzt mit mir auf dem Balkon der neuen Wohnung und löffelt ein Törtchen.

Erso: Wir kennen uns jetzt 11 Jahre. Weißt du, die wievielte deiner Wohnungen das ist, die ich gesehen habe?
Ichso: Weiß nicht. Das waren einige. Die dritte?
Erso: Nee, die sechste.
Ichso: Ups. Sag mir keiner, ich wäre nicht flexibel.

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Flitzeostern

Das ging viel zu schnell! Dabei hatte ich mir bereits einen, nein zwei freie Tage mehr genehmigt. Bremen von Mittwoch bis Sonntag und Mama/Oma-Besuch am Montag, was hieß, wirklich brutal viel zu essen:

Gyros beim Griechen
Borschtsch (Kitty-Spezial-Rezept)
Lachsrisotto mit Spargel
Lammlachs mit Salat und Bratkartoffeln
Lammkeule mit Kartoffelgratin und himmmlischem Avocado-Feldsalat
Sauerbraten mit grünen Klößen und Rotkohl

Nicht zu rechnen jede Menge Kuchen, Eis, riesige Frühstücksgedecke und Naschereien.
Komischerweise sagt die Waage trotzdem, daß ich bald meine weiten Frühjahrsblusen ablegen kann, die ich mir ob der mir gewachsenen wogenden Massen gekauft hatte. Denn ich schlafe nicht mehr so viel. Was bin ich heilfroh, endlich über diese Schwelle zu sein.
Ich hätte mir mehr Zeit nur für mich gewünscht, aber vielleicht wäre dann die Aktivierung nicht so schnell gekommen.
Für die nächsten Jahre habe ich mir ins Muttiheft geschrieben, daß das Kind eine Familienunternehmung wünscht. Ich habe ihr das immer ersparen wollen, daß ich sie mit der Frage: „Was machst du denn zu Ostern?“ anrufe, damit sie nicht tausend Vorwände vorbringen muß, um die Zeit nicht mit der Familie verbringen zu müssen. Zumindest für mich war das jahrelang hochnotpeinlich, bis es die Omas und Eltern endlich aufgaben, mich zu fragen. Aber siehe da, mein Kind tickt anders.
Deshalb besuchten wir am Montag die ältere Generation im Oderkaff. Meine Herren! Auf dem Rückweg wiederholte ich laut das Mantra: „Ich bin erwachsen! Ich bin nicht mehr das abhängige Kind meiner Eltern!“ und das Kind ergänzte: „Sie sind erwachsen, wir sind nicht für sie verantwortlich!“
Schon absurd zu hören, wie der 45jährige Krieg in eine neue Schlachtsaison geht. Vater möchte reisen, Mutter weigert sich, mitzukommen. selbst ins Kino mag sie nicht mit ihm. Die alleingelassenen Tiere und überhaupt mag sie seine Gegenwart nicht in Hotelzimmern und Kinosälen ertragen. Vater ertränkt sich in Alkohol, Mutter potenziert ihre Tierliebe. Vater verunfallt sehr blutig mit weniger Promille als Frau Käßmann die Kellertreppe hinunter, ist der festen Meinung, er wäre gestoßen worden und die Kriminalpolizei sucht den Täter, obwohl der recht hohe Geldbetrag in seiner Börse noch da ist. Mutter füttert im Winter hungernde Meisen und wird vom Hauswirt gerügt, weil eine Taubenherde davon immer fetter wird. Zukünftig zieht sie also nachts los, um Taubenfutter ein paar Dutzend Meter weiter zu platzieren, damit am Fenster wieder ausschließlich Meisen speisen. Aber auch diese nächtlichen Gänge werden bemerkt und zu Anzeige gebracht. Nun begnügt sie sich damit, der Nachbarskatze, die oft draußen streunt, die Reste der häuslichen Katzenmahlzeiten zukommen zu lassen.
Die Großmutter ist immer hinfälliger, aber immer für ein unpassendes Thema gut: „Mädel! Hast du denn überhaupt Geld, dir was zu essen zu kaufen?“ oder „Ich frag mich ja, ob meine Tochter mal so gut von euch gepflegt wird, wie sie mich jetzt pflegt.“ Bingo, immer wieder Volltreffer, die peinliche Schweigepausen und dezent das Zimmer verlassende Familienmitglieder bringen.

In Bremen schreien sie sich an und im Oderkaff schweigen wir und flüchten. Familie halt.

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Aus der Reihe: Durchgeknallte Werbebriefings (III)

Hauptrolle – Marie (Spielalter 25-35)
aktiv, extrovertiert, oberflächlich stark. Marie ist zielstrebig, selbstbewusst. Sie war einmal anders, hat jedoch daraus gelernt und ist nun eine typische femme fatale. Sie ist Chefredakteurin einer landesweiten Zeitung. Eine Karrierefrau. Sie weiß ihren Charme und vor allem ihre Reize bei den Männern einzusetzen. Sie ist eine Führungspersönlichkeit.

25-35. Chefredakteurin einer landesweiten Zeitung. Ja nee, is klar.
(oder meinten sie sowas wie „Das Goldene Blatt“ auf Verjüngungstrip?)

edit: oh, das ist ja ger kein Werbebriefing. das ist die personage für einen neo film noir kurzfilm (sic!).