The Diary of Kitty Koma

06/12/2014
von kitty
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WMDEDGT Dezember 2014

Der gestrige Tag war so wie der Himmel draußen, graue Suppe.
Ich stand später als geplant auf, der Graf mußte sehr früh los und meinte, ich solle ihm keinen Kaffee machen und dann bin ich wohl noch mal eingeschlafen.
Ich schoß dann gegen 9 Uhr aus dem Bett und frühstückte wie fast immer Joghurt mit Banane. Nach kurzer Zeitungsschau schubste ich ein paar Pixel, schraubte am eBook-Projekt, sichtete ein mehrseitiges Amts-Formular, das ich die Tage fertig machen muss und dann war auch schon die Luft raus.
Seit dem Desaster bei dem ich in einem Job, den ich sonst mit links mache, plötzlich stimmlos dastand plus bösem grauem November, kämpfe ich mit alten Dämonen. Aber das wird wieder. Auch wenn ich mich seit vier Wochen fühle, als hätte mir jemand mit Anlauf in die Kniekehle getreten.
Ich aß ein Käsebrot, las ein Stündchen in einem Krimi und telefonierte danach mit mit dem eBook-Support von Thalia. Meine eBooks, die ich noch bei Textunes gekauft hatte (das wiederum von Thalia gekauft wurde), sind nämlich seit dem letzten Update der Thalia-App weg. Man will nachschauen und ich habe sicher demnächst was zu berichten zum Thema teuer bezahlte Daten zusammenhalten unter Kopierschutz. Danach schrieb ich an dem Blogartikel zum Thema downdating weiter, an dem ich schon seit zwei Tagen sitze.
Dann, es war mittlerweile später Nachmittag, sichtete ich mein Stoffmagazin für Geschenke für meine Eltern, die am Sonntag nach Berlin kommen, die Wikingerausstellung im Gropiusbau besuchen und uns hinterher zum Geburtstagsessen einladen. Ok., mein Vater bekommt ein Mixtape mit bestickter Hülle und meine Mutter ein Kissen aus einer Stepprobe für den Quilt.
Der Graf kam zurück und ich bepuschelte ihn erstmal ein wenig, die U8 fährt derzeit nicht durchgehend, da sind seine Wege beschwerlicher. Wir gingen in die Schule, um etwas zu essen, ich hielt mich tatsächlich an Salat, weil die überall herumliegenden Kekse so furchtbar satt fett machen.
Danach, es war schon nach 22 Uhr, lud ich mir scrivener herunter und studierte das Tutorial. Ich will es mal für 30 Tage testen, Langtext mit Word zu schreiben ist machbar, aber ätzend.
Dann war es auch schon Schlafenszeit, ich wanderte mit meinem Krimi ins Bett.

Die anderen Tagesbeschreibungen sind wie immer bei Frau Brüllen verlinkt.

03/12/2014
von kitty
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MMM – Strickmieder

Es wird wieder höchste Zeit, ein neues Teilchen vorzustellen, aber wie es im Winter so ist, bevor man sich entschließt, dass das Licht zum Fotografieren ausreicht, ist es auch schon wieder weg. Deshalb gib es heute nur Spiegelfotos, denn der Gatte hat Jahresendspurt, die Etats müssen verbraten werden.

Im Sommer ersteigerte ich mir eine Strickmaschine, eine Brother KH 800, die erste mit Lochkartensteuerung, Produktionsjahr 1971-74. (Wessen Mutter oder Oma noch eine aus den späten 70ern oder 80ern auf dem Speicher stehen hat, eine weitere Maschine hat noch Platz in meinem Technikpark, sie kommt in gute Hände.)
Ich übte erstmal, um die Macken vom Maschinchen kennenzulernen und die verharzten Lager wieder gängig zu machen, die Probeläppchen kann ich samt und sonders wegwerfen, sie sind voller Fehler.

Dann machte ich mich an das erste Projekt. Ein Mieder aus Drops Baby Merino, angelehnt an dieses Modell, aber eben angepasst an eine Einbettstrickmaschine und meine Wiedereinsteigerfertigkeiten. Was zum Beispiel hieß, dass ich kein großes Cable & Lace-Muster in die Mitte machte, das war mir zu kompliziert. Das sind handmanipulierte Maschen, die man während der Arbeit nur von der Rückseite zu sehen bekommt, da griff ich lieber zu dem schönen einfachen Muster aus Kreuzmaschen, die Rückseite bekam Löcher für eine Schnürung.
strm1
Zu Übungszwecken *hust* dröselte ich jedes Teil einmal auf, bis es passte und dann passte es aber auch perfekt. Die Frau Rosmarin meinte mal, Stricken sei wie 3D-Drucken. Ja, finde ich auch, das gute Stück paßt so ausgezeichnet, daß ich nicht viel Weihnachtsspeck ansetzen darf.
mieder1
mieder2
mieder3
Von der schweinchenrosa Schnürung hinten bin ich noch nicht so überzeugt, das Satinband ist erst einmal testhalber eingezogen.
mieder-schnürung
Eigentlich wollte ich noch ein schmales Band stricken, 5-8 Maschen breit, aber das mache ich erst, wenn ich das nächste Mal die Maschine aufbaue.
Da ich das dünne Gestrick, das sich an den Rändern einrollte, stabilisieren wollte, strickte ich kontrastfarbene Belege an.
mieder-blende2 mieder-blende1
Hier noch einmal das Muster, das ich nach dieser Vorlage gemacht habe.
mieder-muster
Im Vorderteil habe ich zusätzliche Reihen eingearbeitet, damit die Balance zwischen hinten und vorn stimmt und einen Brustabnäher.
mieder-brustabnäher mieder-vt

Ich habe ziemlich lange an dem Teilchen gebastelt, klar kann man mit der Maschine auch fix arbeiten, aber Rollränder und Zirkuszelte mag ich nicht.

Als nächstes folgt noch ein schwarzer Pullover mit V-Ausschnitt und Lochmuster-Kante, dann habe ich erst einmal genug von den konventionellen Schnitten und die Wolle ist alle. So ein Rock wäre das übernächste Projekt. Ich brauche ganz dringend eine Firma, die mit mir Werbung für Wolle machen will.

Hier geht es zu den anderen Damen vom Me Made Mittwoch, wo Claudia eine wunderbare Idee für eine Winterhose hat: Wollstoff mit Seide gefüttert.

29/11/2014
von kitty
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Jubiläumsblindheit

Ich vergesse die Geburtstage von Freunden und nahen Verwandten. Ich wundere mich, dass Weihnachten schon wieder vor der Tür steht. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, einer runden Zahl von Followern auf Twitter oder meinem x-tausendstem Tweet Aufmerksamkeit zu schenken.
Ich dachte ja, dass das bei meinem zehnjährigen Bloggerinnengeburtstag anders wäre. Ende November 2014, da schreibe ich einen Post mit Cremetorte und Champagner, dachte ich.
Vorgestern habe ich nachgeschaut. Mein erster Blogpost ist vom 7. Oktober 2004. Jetzt habe ich die 10 Jahre seit Monaten voll und habe es noch nicht einmal gemerkt.

Manchmal fange ich Sachen an, als wollte ich das Fahrrad neu erfinden. Im Netz war ich seit der Jahrtausendwende immer mal wieder über Logbücher gestolpert. Mich faszinierte das zutiefst. Mittlerweile hatte ich eine ganze Kiste mit Tagebüchern und literarischen Versuchen gefüllt. Das Alleinsein mit meinen Themen war mir zu wenig und mit publikumsfähiger Literatur hatte das, was ich schrieb, wenig zu tun. Zu unfertig, zu zaghaft.
Ich las die Notizen aus dem Leben anderer Leute und wußte, das war es und wußte noch nicht, wie. Ich schrieb zwar passabel html und hatte seit Mitte der Neunziger Websites gemacht, aber noch steckte ich zu tief in der Mediendenke, in der Vorstellung, dass alles bebildert und sendefähig sein musste und im Hobbyfilmemachen, das Versuche und Improvisation zuließ, aber in der Regel nicht für die Öffentlichkeit.

Parallel zum endgültigen Zusammenbruch des neuen Marktes, bekam ich mit, wie die Leute, die in den Startups gearbeitet hatten und nun auf der Straße saßen, versuchten, in Verbindung zu bleiben und sich zu vernetzen. Ich gehörte nicht zu dieser Szene, ich war wie so oft nur Beobachterin, wohnte am Stadtrand, war 10 Jahre älter und auch in der Wirtschaftskrise noch genug mit dem Job beschäftigt.
Komischerweise kam ich auch nie auf die Idee, deutsche Blogs zu lesen. Außer dem von Else Buschheuer kannte ich keine.
Deshalb legte ich die Gedanken an ein Blog immer wieder ad acta. Was hätte ich schreiben sollen? Es gab genug Geschichten, aber ich arbeitete im Hochdiskretionsbereich und mein Privatleben war zu dieser Zeit kompliziert. Ich hätte nicht gewollt, dass Bekannte das lesen und die Idee, dass eine Zeit kommt, in der man persönliche Texte ist Netz stellt, damit Fremde sie lesen, war mir fremd.

Im Herbst 2004, mittlerweile in den Prenzlauer Berg umgesiedelt, hatte ich lange Abende vor mir und wenig Geld, sie in den umliegenden Kneipen zu verbringen. Das einzige, was ohnehin bezahlt war, war der Internetanschluß. Ich recherchierte noch einmal, wie man das denn macht mit diesen Blogs. Blogger.com war mir zu anonym. Der Antville-Server war voll. Auf Blogger.de und twoday.net kam ich komischerweise nicht, warum auch immer.
Ich fragte meinen Bruder um Rat, der wiederum verwies mich an den @slogmen, die beiden hatten mir mit noch einem Dritten im Bunde immer sehr geholfen, was das Firmennetzwerk betraf. (Sie hatten mir zum Beispiel eine Linux-Firewall auf einem alten Computer aufgesetzt, damit unser Internetzugang sicher war. Ja Kinder, so war das früher.) Und da hörte ich dann so Worte wie Movable Type und Textpattern. Ich hatte für die Firma eine Menge Webspace und sage und schreibe 3 Datenbankzugänge. Also machte ich mich selbst an die Arbeit.
Ich fing an zu frickeln und mit Textpattern kam ich zurecht. Für das, was ich schrieb, entwickelte ich eine Form, damit mich niemand identifizieren konnte. Ich splittete mich selbst in zwei Personen auf, die Businesssoldatin und das Weibchen, die in einer fiktiven WG wohnten. So konnte ich prima Geschichten über mich erzählen und mich mit mir selbst auseinandersetzen.
Für Kommentare oder den Gedanken bei anderen zu kommentieren, war ich zwei Jahre viel zu distanziert, das wuchs erst langsam. Für mich war das kein soziales Medium, eher eine kleine Insel der Selbstreflektion, Bekräftigung, dass ich wirklich da bin und mir das gerade passiert. Es rauschte in dieser Zeit viel zu viel vorbei.
Das Blog war damals Tagebuch, Twitter, Spotify, und Facebook in einem.
Zwei Jahre später klebte ich die gespaltene Persönlichkeit zusammen, eine mitlesende Autoren-Freundin bemerkte, dass ich durch die Distanzierung von den Figuren auch Leser auf Abstand halte. Dann stieß mich jemand auf Kitty Koma, eine Maske, die ich gern für mich benutzte, ich erfuhr ja erst viel später, was es mit dieser Figur auf sich hatte. (Eine lange Geschichte.)
Da Textpattern mit den sich entwickelnden Ansprüchen nicht mithalten konnte, es war schwierig, Fotos und Videos zu posten und ich auch immer wieder mit kleinen Bugs kämpfen musste, schloß ich das Blog. Ich hielt die Geschichte für auserzählt, auch weil die Freunde immer wieder befremdet waren, was ich da in dieses Internet schreibe. Aber ich war infiziert, deshalb setzte ich mir ein WordPress auf und da mir die Kommunikation auf Twoday sehr gefiel (ja, nach einigen Jahren Robinsondasein auf meiner Bloginsel hatte ich andere bloggende Lebewesen entdeckt), zog ich bald in Richtung Twoday um.
Dort war ich wiederum eine der ersten, die wieder aufbrach, als ich sah, dass dort nichts mehr investiert wurde. Wer mein Geld nicht will, dem kann ich auch nicht helfen. Also wieder WordPress.

In den Jahren ist es ein Gemischtwarenladen geblieben, viel Befindlichkeiten. Das ist sehr ok. so. Nun ist dieses sonderbare Hobby 10 Jahre alt geworden.

Edit: Mein Mangel an Enthusiasmus hat nichts mit Geringschätzung derer zu tun, die hier lesen. Die liegen mir am Herzen. Der Novemberblues hat mich in die eisige Pranke genommen.
Aber auch das geht vorüber.

23/11/2014
von kitty
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Kartoffelkuchen

Dieses Jahr wäre ich gern wieder im Endspurt, um den Laden Anfang Dezember dicht zu machen und Deutschland der Weihnachtsnerverei zu überlassen. Ich würde derweil auf Fuerteventura die Touristen links liegen lassen und durch die kleine Sahara und das Jandia-Gebirge wandern und den Entitäten vom Tindaya einen Besuch abstatten. Ja, ich liebe Landschaften ohne Vegetation, bei der man die Erdformationen sehen kann, ich liebe die Ursprünglichkeit der Elemente: Wasser, Luft Sonne, Erde, alles ist dort pur und stark.
Aber es ist nun alles anders und das hat seinen Sinn. Man gewinnt nichts, ohne anderes zu verlieren.

Morgen kommt das Kind zum Plätzchenbacken und in zwei Schubladen reifen schon vier gut verpackte Stollen, die ich zum zweiten Mal inspiriert von Kaltmamsell nach dem Rezept von Bäcker Süpke, gebacken habe.
Stollen backen ist bei uns Familientradition, kam der eine Zweig doch aus dem erzgebirgischen Vogtland. Oma Charlotte hat, auch nachdem es uns in Oderkaff verschlug, jedes Jahr zwischen sechs und acht Stück gebacken.
Für arme Erzgebirgler war Stollen Luxus und Symbolik zugleich. Man aß zu Weihnachten Neunerlei, also alles, was es sonst oft oder selten zu essen gab auf einmal und für jede Speise gab es einen Grund. Der Stollen, im November gebacken (das ganze Dorf brachte ihn zum Abbacken zum Bäcker und steckte kleine Blechnamensschildchen hinein)  und Wochen gereift, wurde bei uns erst am späten Weihnachtsnachmittag angeschnitten und leitete das Fest ein. Der Stollen hieß Leben, denn er darf nicht zerbrechen, sagte Oma immer und sie hatte das wiederum von ihrer Oma. Zerbricht einer, stirbt jemand aus der Familie im nächsten Jahr. Deshalb trugen wir ihn wie ein rohes Ei. In mancher Gegend wurde der Teig wie ein Wickelkind zusammengeschlagen – schön zu sehen in der Fotoserie der Kaltmamsell. (Bei uns wurde er in einen Laib geformt wie ein Brot und einmal mittig eingeschnitten, gebuttert und gezuckert wurde er erst einen Tag vor dem Anschneiden.)
Mit dem Stollen wurde so gegeizt, dass er über die harten kalten Monate reichte und der letzte Rest wurde zu Ostern in den Kaffee geditscht.
Bei Oma Lotte litt er manchmal an zu großer Trockenheit, wie ihr sämtlicher Kuchen. Sie gehörte noch zu der Generation, die mit der Hälfte der Butter Kuchen fertigte und auch mit Zucker geizte. Ich teste grade, wie ich es anders hinbekomme. Es ist nicht nur die Menge von Fett und Zucker, das Rezept von Bäcker Süpke ist vor allem in der Behandlung des Teigs völlig anders. Bei Oma wurde der Teig mit allen Zutaten ewig geknetet und wurde wahrscheinlich deshalb manchmal so betonhart. Meine Versuche sind schon ganz gut, ich muß noch etwas an der Backtemperatur arbeiten und die Form ist auch noch optimierenswert. Ich bin gespannt, wie er dieses Jahr schmeckt.
Aber was ich bisher nirgends fand, war

Kartoffelkuchen.

Das kennen wirklich nur die Erzgebirgler und Vogtländer. Da es so streng gehandhabt wurde, den Stollen auf keinen Fall vor Weihnachten zu kosten, standen die Leute einen Tag im November in duftenden Schwaden ohne Kuchen zu bekommen. Und so kam man auf die Idee, etwas Stollenteig abzuknapsen
stollenteig
und mit gekochten Kartoffeln zu vermengen, kalt gerieben oder durchgedrückt
kartoffeln
Ich habe das im Verhältnis 1:1 gemacht. Andere nehmen mehr Teig.
vorher
Das Ganze kommt 2 cm hoch auf ein Blech oder – wenn man so wenig hat wie ich – in eine Form, geht noch mal 10 Minuten und wird ca. 40 Minuten gebacken. Danach wird er noch heiß mit flüssiger Butter bepinselt und mit Zimtzucker bestreut.
nachher
Der Kartoffelkuchen wird lauwarm oder sehr frisch gegessen, am nächsten Tag schmeckt er nicht mehr, man kann ihn aber gut halbfertig backen und einfrieren. Bei uns war es Tradition, dazu Malzkaffee zu trinken, warum auch immer.

Nun schleiche ich um die vier schlafenden Stollen. Die Familientradition ist schon lange gebrochen, wir haben Omas Backwerk immer schon an einem Adventssonntag angeschnitten, nur wissen durfte sie es nicht, das hätte Ärger gegeben.