Sonntagshast

Es ist nun soweit. Ich habe das dringende Bedürfnis nach entspanntem Schreiben, eine Menge Texte im Kopf und keine Zeit. Also für so Langsamschreiberinnen wie mich.

Denn es ist so weit. Das kleine Haus ist leer, wir haben vorsichtshalber schon mal ein Bett darin deponiert und jetzt kommt erstmal eine Menge Logistik. Werkzeug, Lampen, Kabel, Putzzeug, Schlafdinge, Wärmedinge, Koch- und Eßdinge. Denn man geht da nicht so einfach in den nächsten Imbiss und wenn was fehlt, in den Baumarkt zu fahren, kann einen bald ruinieren.

Das alljährliche Adventstreffen im Haus zeigt, daß wir schlimmerweise alle älter werden und bei den zahlreichen Nachbarn in den 70ern geht das noch schneller. Sie reden davon, weiter entfernte Dependancen bald aufgeben zu müssen. Und man sagt natürlich nicht so was wie Schlaganfall (schon gar nicht als Gatte einer 17 Jahre jüngeren Frau) sondern redet davon, daß das Hirn es erst wieder lernen muß, den Fuß anzusteuern. Bis dahin geht man längere Strecken mit Krücke. Dafür haben wir aber noch 20 Jahre Zeit. Fun Fact: die einzige Klage über Lärmbelästigung hier im Haus betrifft exzessives Benutzen eines neu gelieferten Konzertflügels.

Ach, und wen es interessiert: das Enkelkind steht schon manchmal.

WMDEDGT Dezember 2017

Frau Brüllen fragt wieder was wir am Monatsfünften getan haben.

Ich stand pünktlich um 7:30 Uhr auf, als der Wecker klingelte und kochte mir einen Kaffee. Ich wollte noch unseren Gast abpassen, der sehr früh aus dem Haus gehen würde. Wir redeten noch kurz ein bisschen, er ist Fern-Student an einer Universität in Berlin und hatte eine große Präsentation zu halten, dann nahm er sich noch ein Kaffee und ging. Danach räumte ich das Gästezimmer auf, zog das Bett ab, lüftete und machte eine Waschmaschine fertig. Seit wir anfangen zu packen und warten, dass das kleine Haus frei wird, vermieten wir nämlich ein Zimmer an Berlingäste.
Dann frühstückte ich Ananas und Banane mit Joghurt, trank  zwei Tassen Kaffee und las das Internet leer.
Ich putzte kurz das Gästezimmer und bezog das Bett neu, denn der nächste Gast würde ziemlich früh kommen.
Später schaute ich mir an, was ich an meinem Hausmantel noch zu machen hätte. Das zieht sich nun schon ziemlich lange hin, aber ich komme immer nur dazu ein paar Nähte zu machen, beziehungsweise wieder aufzutrennen. Abends bin ich immer viel zu müde dazu.
Gegen 12:00 Uhr kam der neue Gast, ein Spanier aus London, der ziemlich müde und durch den Wind war, er sah nach Liebeskummer aus.

Ich packte mein Strickzeug ein und fuhr mit der Straßenbahn nach Pankow, da das Kind nun bald nach Oranienburg zieht, wollte ich noch einmal das Enkelkind bepuscheln und die beiden hätten derweil Zeit, Kisten zu packen. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung kam ich beim Fleischer vorbei und kaufte einen Riesenberg Hackfleisch,  unsere Vorräte waren aufgebraucht. Außerdem nahm etwas Mittagessen für mich mit, es gab nämlich Jägerschnitzel. Bei Kind und Schwiegersohn angekommen, aß ich mein Mittagessen und schaute zu, wie sich das Enkelkind den Kürbisbrei im Gesicht verteilte.
Gegen halb zwei schnallte ich sie mir vor den Bauch und ging mit ihr eine reichliche Stunde spazieren. Sie schlief natürlich sofort ein, und wurde nur kurz wach, wenn ein lautes Flugzeug über uns hinweg flog oder ein Auto hupte. Kam ungefähr gegen halb vier Uhr zurück, es war schon fast dunkel  und spiele noch ein bisschen mit dem kleinen Mäuschen. Sie fand es natürlich wesentlich interessanter, ihren Eltern zuzuschauen, was gerade alles in Kisten verschwindet. Ich lockte sie dann immer wieder weg, in dem ich mit einem Spielzeug klapperte. Ich glaube, sie robbte an diesem Nachmittag gut 100 m. Da sie mit ihren acht Monaten noch in der Phase ist, wo sie alles anknabbern muss, biß sie mir in den großen Zeh. Das tat ziemlich weh! Als ich Aua! schrie, fing sie natürlich fürchterlich an zu weinen. Aber sie war dann schon bald getröstet.
Gegen 17:30 Uhr versuchten wir, ob sie vielleicht mit mir im Schlafzimmer ein bisschen schlafen wollte. Nun sind die ein Schlafrituale moderne Eltern nicht unbedingt deckungsgleich mit denen, die Mode waren, als das Kind ein Baby war. Da legte man das Baby ins Bett, deckte es zu, legte es wieder hin, deckte es zu und wiederholte das noch ein paarmal, bis das Kind eingeschlafen war. Ich hatte mir das Enkelkind von den Bauch geschnallt, in der Hoffnung sie schläft dann. Aber sie interpretierte das als Kindesentführung und schrie gar fürchterlich. Als das Kind dann wieder ins Zimmer kam, strahlte sie über alle Backen und ließ sich bei Mama auf dem Arm verwöhnen. Also so richtig klappt das mit dem Omaservice nicht.
Ich kuschelte mit ihr noch ein bisschen und fuhr gegen 18:30 Uhr wieder nach Hause.
Mein Bruder hatte sich inzwischen gemeldet. Wir verständigen uns darüber, was unsere Mutter zum Geburtstag bekommen sollte. Dabei schickte er mir noch ein wunderbares Foto. Im guten alten Oderkaff hat jemand seinen Leichtflieger so präpariert dass er, um seinen Enkel am ersten Advent zu erfreuen, als Weihnachtsmann mit beleuchtetem Rentier über den Himmel flog. Jeder weiß, wer es war, keiner sagt was, weil ansonsten womöglich die Fluglizenz weg ist.

Zu Hause angekommen, begleitete ich den Grafen noch kurz in den Asiaimbiss und machte mir zu Hause ein Leberwurstbrot. Ich war furchtbar müde, um 20:00 Uhr saß ich mit kleinen Augen auf dem Sofa und um 21:00 Uhr ging ich einfach ins Bett.

Das war also mein Tag, die anderen Einträge stehen hier.