The Diary of Kitty Koma

20/01/2016
von kitty
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MMM mit buntem Tweed

Der schmale Tweedrock tauchte ja im Lieblingsstückpost letzte Woche schon einmal auf.
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(Es ist übrigens immer wieder eine Übung für mich, naturbelassene Fotos zu machen. Einfach so geschossen, ohne richtiges Licht, kurz vorm Losgehen und dazu nicht richtig gesund, was man sieht. Da schlägt der Perfektionsanspruch des Berufes immer wieder durch. Aber das nur am Rande.)

Der dunkelbraune Fischgrat-Tweed, der bestimmt 100% Acryl ist, sprang mich beim vorweihnachtlichen Stoffmarktbesuch an und wollte auf den Arm. Ich habe ihn auch noch einmal mit schwarzer Grundfarbe gekauft, das soll ein Etuikleid werden, wenn ich denn mal den Schnitt passend bekomme.
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Das klassische Web-Muster, das ich schon naturbelassen sehr mag, ist mit verschwommenen Blüten bedruckt. Darüber liegen noch einmal dunkle, grafisch aussehende Streifen, auf die ich auch gern verzichtet hätte, denn sie sind aus Flockenmaterial (so wie bei beflockten T-Shirt-Motiven) und machen den Stoff etwas steif. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum der Stoff für 3 Euro das Meter auf dem Markt auftauchte.

Zuerst hatte ich unglaubliche Pläne, aus dem Stoff einen kurzen Tournürenrock zu machen. Und dann fragte ich mich, ob ich denn wirklich wie ein kleines Zirkuspferd ausstaffiert meine Weihnachtseinkäufe machen will.

Quelle: https://curiousoddities.wordpress.com/tag/ruff/

Der klassische Konflikt zwischen Kopf- und Herznähen also.

Für den Schnitt habe ich dann meinen schmalen Rockgrundschnitt benutzt, den ich nach Memas Anleitung angepaßt habe. (Memas Blog ist für mich übrigens ein hervorragender Wissensspeicher. Vielen, vielen Dank an die Autorin!)
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Ich mag es gern körpernah, habe derzeit aber keine Lust auf aufwändig zu fertigende und das Hinterteil abkühlende Schlitze. Deshalb habe ich hinten ein Godet eingefügt.
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Dafür habe ich ein halbes Oval aus dem Schnitt genommen und aufgedreht. (Beim Wiedereinfügen – Überraschung! – war das aufgedrehte Teil viel größer geworden. Das gab noch zwei tief eingelegte Falten.)
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Hinten habe ich nach der Nähschlampenmethode einen Reißverschluss und wie immer – statt eines Knopfes – Haken und Öse eingefügt. Ein nahtverdeckter Reißverschluss hätte mir zu sehr aufgetragen.
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Der obere Abschluss ist nur ein Beleg, damit der dicke Stoff nicht so aufträgt. Wo Beleg und Rock zusammengenäht werden, habe ich ein festes schmales Baumwollband mit gefasst, damit der Bund nicht ausleiert.
Sonst setze ich einen Bund an, mache ich einen Formbund hinten und seitlich füge ich breites Gummiband ein, damit sich ein Rock meinem klimakteriumsbedingt mondartig veränderlichen Taillenumfang anpasst. Mit dieser Schnittlösung, die sich nicht anpasst, saß der Rock nach Weihnachten drei Zentimeter zu tief. Das kanns geben.

Das Innenleben ist wie immer kommod. (Das mag ich am Selbernähen, nicht auf das unbequeme Innenleben billiger Konfektion angewiesen zu sein.)
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Die Stoffkanten sind mit Bändern gefasst und der Saum ist per Hand angenäht. Wenn ich dann noch graues Garn gehabt hätte… aber lassen wir das. Der Futterstoff ist ein rutschiger Baumwoll-Viskose-Mix, den ich einmal völlig verfärbt hatte. In dem Grau, das beim Entfärben übrig blieb, ist er gut als Futter geeignet.
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Das Futter ist an den Beleg genäht und ich habe diesmal sogar gleich daran gedacht, Aufhänger mit zu fassen.

Fazit: Ich glaube, ich brauche noch 1-2 schmale Röcke, wenn sie so bequem sind wie dieser. Machen Bella Figura, brauchen nicht viel Stoff und sind genauso schnell zu nähen.

Die anderen Damen und ihre Kleider am Me Made Mittwoch sind hier zu finden.

17/01/2016
von kitty
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Sonntagsmäander im Winterwunderland

So mag ich den Winter in Berlin. Ein klein bisschen Schnee, so dass die Kinder ein, zwei Tage den Weinberg um die Ecke runterrodeln können, weiße Verzauberung auf den Platanen vor dem Fenster, Hundekacke und Sperrmüll gnädig zugedeckt. Bloß nicht zu viel, damit die selten geräumten Trottoirs keine Eispanzer bekommen und die schneeungewohnten Autofahrer nicht auf den Straßen rumschusseln und alles lahmlegen (BTW. neuestes Berliner Straßenverkehrsfeature sind Radfahrer mit Kindern, die auf vereisten Straßenrändern jeden Moment in den Autoverkehr zu stürzen drohen.)
Wenn dann noch wie gerade eben kurz die Sonne rauskommt, wie ist für ein paar Stunden alles paradiesisch und die Kugel vom Fernsehturm ist oben wirklich mit Schnee bedeckt.
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Die Woche begann für mich nicht so paradiesisch. Ich stand am Montag auf, freute mich darauf, schwimmen zu gehen, horchte aber in mich rein und stellte fest: „Oh, das wird wohl eine Erkältung, geh besser nicht schwimmen!“ Ein längerer Spaziergang würde es auch tun. Eine Stunde später legte ich mich mit Fieber ins Bett.
Ich hatte für den Dienstag vor einem halben Jahr etwas vollkommen Unaufschiebbares zugesagt, für das ich 7 Stunden fit sein musste. Diesen Tag stand ich dann auch durch, um danach wieder im Bett zu verschwinden. Seit Donnerstag bin ich wieder halbwegs auf den Beinen, aber weder die AnNäherung Bielefeld (für Nicht-Nähnerds: ein Wochenende, an dem 30-40 Menschen an Nähmaschinen sitzen), wo ich relativ weit oben auf der Warteliste stand, noch eine Fahrt zu Primaveras Geburtstag waren denkbar. Es zieht mich immer noch aufs Sofa unter die Kuscheldecke und die Nebenhöhlen brauen Bakteriencocktails und draußen attackieren mich die eigentlich gar nicht so zahlreichen Haselpollen heftig. Aber es gibt Schlimmeres.

Die Echokammer Twitter ist mir seit Silvester verleidet. Zu schrill, zu laut, zu viel Agitprop und allgegenwärtige Couch Coaches.
Als mir ein Tweet in die Timeline gespült wurde, in dem eine Freu meinte, die Flüchtlinge hätten sich schnell integriert, sie hätten sogar gelernt, wie in Deutschland sexuelle Belästigung ginge und das definitiv nicht ironisch meinte, war ich dort weg. (Mal ganz abgesehen von den ganzen Deutschmenschen, die es immer wieder von Facebook dorthin zieht, weil sich da noch besser verbal zuhauen lässt, aber die gehören nicht zu meiner Filterblase.) Das ist mir einfach zu blöd.
Natürlich kann ich jetzt öffentlich Meinung haben. Hab ja nicht umsonst eine Menge Kulturgeschichte studiert. Muss ich aber nicht.
Statt dessen erzähle ich eine kleine Geschichte. Ich hatte eine Freundin, die in Zittau völlig ohne Westfernsehen aufwuchs. Sie kannte den Westen aus Erzählungen, aus politischer Propaganda über den faulenden, sterbenden, dekadenten Kapitalismus (diese Propaganda war voll von aggressiven und sexualisierten Projektionen) und der einen oder anderen bunten Zeitung – Anfang 80er, die Zeit der Tittentitelblätter. Als sie dann ins Oderkaff kam, sah sie erst einmal jede Menge Westfernsehen und war enttäuscht. Sie hatte erwartet, dass dort Pornos laufen und nicht ganz normale Filme und dass in den Nachrichten ganz normale Straßenbilder zu sehen waren und nicht Menschen, die nackt unterwegs waren und es an jeder Ecke bunt durcheinander miteinander trieben, wunderte sie noch mehr.
Mir ging es nicht ganz so. Aber auch ich war nach dem Mauerfall erstaunt, dass der Westen so extrem sexualisiert war, dass Sex und objektifizierte Gespielen ständig durch die Luft schwirrten, aber das meiste in den Köpfen oder mit Worten stattfand und nicht getan wurde.
Irrtümer und Kollisionen über intime Themen passieren immer, wenn sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen vermischen. Siehe die gern kolportierte Geschichte über die schnell knutschenden Amerikaner, die die Engländer ob der überfallartigen Intimität völlig schockierten, wohingegen die Amerikaner die Engländer für die totalen Schlampen hielten, weil bei denen nach dem Knutschen sofort Sex kam.
Wenn für die obere Eskalationsstufe zu sexuellen Handlungen nicht bedeckende Kleidung reicht, dazu öffentliches Auftreten ohne aggressive Begleiter und Beschützer – plus Alkohol, plus Gruppen-Macker-Weristdercoolstetyp-Verhalten, plus nicht vorhandene (aber in der Kultur der Täter übliche) drastisch strafende Korrektive und Autoritäten, passiert so etwas wie zu Silvester.
So leid mir die betroffenen Frauen tun, besser es fliegt uns allen so unübersehbar und nicht bagatellisierbar ins Gesicht, damit sich eine Gesellschaft damit auseinandersetzen kann, als wenn Gerüchte über Gerüchte sich in sozialen Netzwerken ins Groteske verzerren und nur den reaktionären Hinterwäldlern in die Hand spielen. (Von den sich tagelang die Ohren zuhaltenden, Lalala singenden Leuten und von vollkommen deplatzierten Derailingaktionen wie: Wir leben doch schon immer in einer Rape Culture! ganz zu schweigen.)

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die Spracheuphemismen der Netzaktivisten und im letzten Jahr auch der klassischen Medien für gefährlich hielt (darüber schrieb ich dann nicht mehr, weil mir die Rechthaber zu aggressiv geworden waren, ich las monatelang fast keine Zeitung mehr, weil sie alle klangen wie die Staatsberichterstattung der DDR, null substanzielle Information und jede Menge Hype).
Wer Angst davor hat, über kurzzeitiges taktisches Schweigen hinaus, öffentlich über ein Thema zu sprechen, hat die Macht darüber verloren.
Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, deren offizielle Kommunikation jahrzehntelang eine Camouflageaktion war. Bis zum Zusammenklappen der DDR schrieben die Zeitungen und berichtete das Fernsehen in einem Stil, der in jedem Wort die Wunschgesellschaft beschwor und beschrieb. In der Hoffnung, dass dies das Denken der dummen, trägen Masse beeinflussen möge und in der Angst, dass unliebsame Wahrheiten dem politischen Gegner in die Hände spielen. Das funktionierte nicht.
Auch in meinem familiären Umfeld wurden unliebsame, nicht ins fortschrittliche Weltbild der Sieger der Geschichte passende Ereignisse beschwiegen oder verdreht. Es gab ausgedehnte Tabuzonen und Redeverbote. Die Sowjetarmee bestand da aus freundlichen, kultivierten Offizieren und folgsamen, netten Soldaten. Trotzdem warnte mich meine Mutter davor, zusammen mit den Jungen des Viertels zu den Wachposten an der Kaserne zu gehen und Zigaretten gegen Munition zu tauschen. Die jungen Männer könnten durch mich pubertierndes Mädchen sexuell aufgereizt und zu Untaten gebracht werden, die drastischen Strafen dafür wollte man ihnen ersparen.
In der DDR lebende Afrikaner waren durchweg „wissbegierig und natürlich intelligent“. Nebenher erzählten sich die Genossn die (urbane Legende?) Geschichte von der empörten Frau, die ein Parteiverfahren wegen sexuellem Mißbrauch anstieß, nachdem sie in der Partynacht auf einer Partei-Weiterbildungsfahrt mit dreimal einem netten afrikanischen Studenten geschlafen hatte und am nächsten Morgen mitbekam, dass es nicht einer dreimal hintereinander sondern drei verschiedene Männer waren, die die Verwechslung sehr goutierten. (Höhöhö! Unverhofft kommt oft! Schenkelklopfer!)
Ich erzählte meiner Mutter von einem Ereignis, das sich 40km vom Oderkaff entfernt abgespielt hatte. Die Sowjetische Armee hatte an einem Sonntag ihre Übung vom nahen Truppenübungsplatz ausgeweitet und Luftangriffe auf eine Wochenendsiedlung daneben geflogen. Meine Jugendliebe und seine Familie waren wie alle anderen schreiend in die Häuser gerannt. Meine Mutter drehte sich weg und sagte: „Das kann nicht passiert sein!“
Wo und wie so eine Gesellschaft endete, als die Realität in ihre offiziellen Legenden einbrach, wissen zumindest alle Deutschen über 40. Nur gibt es diesmal kein Fallback in Form eines wirtschaftlich stärkeren Nachbarstaates.
Analysieren und handeln, wo handeln funktionieren kann, ist allemal besser als schwafeln und mit Mimimi in Schutzräume flüchten. Ich glaube, die Fluchtbewegung nach Europa ist auch durch Grenzschließungen nicht aufzuhalten. Die Ereignisse des letzten Jahres und des nächsten werden Europa wahrscheinlich nachhaltiger ändern als der Fall des Eisernen Vorhangs.
Und vielleicht wird Angela Merkel in der Geschichte eine ähnliche Funktion haben wie Michail Gorbatschow. Eine angesehene, aber nicht von allen geliebte Person, die einen Hebel umgelegt hat und unumkehrbare Veränderungen veranlasste.
(Edit: Harmoniesüchtiges Schweigen und Nebelkerzen werfen rächt sich jetzt schon. Die Fortschritte, die Flüchtlingssituation zu ordnen, werden über dem Thema Köln nicht mehr gesehen.)

Das soll es dazu gewesen sein. Ich bin über ein paar Artikel gestolpert, die ich interessant finde:
Sybille Berg über Frauen und ihre selbsternannten Beschützer
Eine Besprechung von Daniele Gigliolis Essay „Die Opferfalle“, den ich daraufhin für ziemlich lesenswert halte.
Und ein aktueller Artikel von Bernd Ulrich in der Zeit zu Köln und den Folgen.

Weiter gehts mit Handarbeit. Vor Weihnachten scheitere ich mehrmals. 1. an einem Burda-Modell für üppigere Frauen, weil entweder das Probeteil zu weit oder zu eng war. 2. weil ich nicht in der Lage war, das schöne Fake-Wickelkleid, dass Frau Crafteln in „Geschickt eingefädelt“ nähte, von Größe 42 (nenn es Schlankmacherkleid und setze es in die Promotion-Beilage zur Burda in den Größen 38-42, kannste dir nicht ausdenken) auf meine Maße zu gradieren und einen beulenden Sack produzierte.
Ich habe null Bock, mich um Passformprobleme zu mogeln, indem ich Jerseysäcke zu nähe oder mich womöglich damit beschäftige, meinen Körper auf Konfektionsmaße zu optimieren.
In den letzten 2 Wochen habe ich deshalb in freien Stunden Schnittkonstruktion gelernt. Aber bis ich das anwenden kann, wird es noch viele Probeteile geben.
Deshalb gibt es nun erst einmal eine Erfolgserlebnis-Zäsur. Ein Stamp-Quilt in vielen Blautönen, der mit Kissen und Tragebändern wieder einen transportablen Schlafplatz ergeben soll.
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Ach so und die Baustelle Internet gibt es immer noch, da der Wechsel zu einem anderen Anbieter oder in einen anderen Vertrag sich schwierig gestaltet. Nun sind es nicht mehr die Probleme mit der DSL-Synchronisation, sondern das Netz wird (je nach Tagesform) binnen Stunden immer langsamer, bis gar nichts mehr geht. Nachdem der Router neu gestartet wurde – was heißt, neue IP-Adresse, neuer Port in dem Schaltkasten unten auf der Straße – läuft es wieder einige Zeit. (Das wird sicher auch nicht anders, wenn der Vertragspartner jemand ist, der die Leitungen von der Telekom mietet.)
Nervend. Aber vielleicht bin ich da auch zu anspruchsvoll. Der Graf kann immer noch auf seine LTE-Devices ausweichen. Mein mobiles Datenvolumen war immer sehr knapp gehalten, weil ich vor allem zu Hause im Internet war. Die Nachbarn hingegen meinten, dass das WLAN manchmal nicht ginge und dann nähmen sie sich ein Netzwerkkabel oder warteten ab… Alle anderen haben auch schon eine Vertragskündigung bekommen und sind auf IP-Telefonie umgestellt worden. Was wir noch abwarten wollen, da es derzeit immer wieder lange Ausfälle im überlasteten Netz gibt. Könnte durchaus sein, dass ich demnächst einen Homeoffice-Job mit viel telefonieren mache, dann muss das funktionieren.

Das wars. Jetzt geht es hier weiter mit Kaffee und einem Rest Weihnachtsstollen.

13/01/2016
von kitty
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MMM mit 2015er Lieblingsstücken

Da ich 2015 fast nur aufgetragen, wenig genäht und noch weniger fotografiert habe wurde, war mein meistgetragenes Stück der Palermo-Rock, den ich im Frühjahr 2014 aus reiner Verlegenheit angefertigt hatte.
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Ich trug ihn im Winter als Haus- und im Sommer als unkomplizierte Bürokleidung.
Kurz gefolgt vom Tüllrock, der allerdings ein reines Sommerstück ist und dem ich in reiner Improvisation einen Jerseyober/unterrock verpasste, denn der teure Tüll war beim Färben eingegangen.
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Was lerne ich daraus? Vielleicht sollte ich, die ich auf Webstoffe eingeschworen bin, mal über den Tellerrand sehen und mich nicht nur aus Verlegenheit mit Jersey beschäftigen, wenn ich die daraus gefertigten Stücke trage, bis sie mir vom Leib fallen. Was heißt, ich müsste lernen, mit einer Overlockmaschine umzugehen…

Aber es kündigt sich ein neues Lieblingsteil an, ein schmaler Tweedrock, in 2015 gefertigt und kurz vor dem Jahreswechsel erst angezogen. Mehr Details davon nächste Woche.
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Die anderen Lieblingsstücke gibts wie immer beim Me Made Mittwoch.

Vielleicht das noch als Ergänzung: Ich muss was gegen meine massive Oberteilschwäche tun. Wer die Welt mit selbstgenähten Kleidern verbessern will, sollte keine 5-Euro-T-Shirts und 29-Euro-Pullover vom Massenhersteller kaufen, die garantiert in irgendeiner Ausbeuterbutze in Bangladesh gefertigt wurden.

Es mal mit ein paar Jacken zu versuchen, wäre auch nicht schlecht, wenn ich dann demnächst einen ordentlichen Jackengrundschnitt habe. Den wiederum werde ich erst fertigmachen können, wenn ich mit Hilfe vom Kind und vom Grafen die Schneiderpuppe fertig habe.
Man sieht, es ist ein Riesenstapel von „geht nicht, weil!“, den ich vor mir her schiebe. Was für mich Frau der Tat etwas ungewöhnlich ist.
Aber ich kontere einfach mit einem anderen Sprichwort: „Gut Ding will Weile haben“. Ich wollte mich in 2016 vor allem damit beschäftigen, für mich ein gutes und gesundes Timing zu finden.

11/01/2016
von kitty
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Sonntagsmäander mit Abschied vom Weihnachtsbaum

Wir haben ihn heute im Regen auf die Straße gelegt. Eine stramme Rügener Tanne, den Kind & Schwiegersohn und wir zusammen für Weihnachten gekauft hatten. Die arme Tanne, sie hatte noch keine Nadel verloren. Hoffentlich frisst sie ein Elefant zum Frühstück.

Die Heizung heizt und die Bügelstation macht es auch wieder. Erstere hält den Druck, letztere hat zwar nicht mehr so viel Druck wie früher, weil das Einstellen des Druckventils etwas tricky ist, aber sie funktioniert zur Zufriedenheit. Statt das Gerät für über 200€ zur Reparatur einzuschicken (der europaweite Support für die Schweizer Herstellerfirma ist mittlerweile in Ungarn, die kleinen Werkstätten gehen leer aus, Ersatzteile sind offiziell nicht zu bekommen) hat der Graf selbst geschraubt, wie so viele, die keine Lust haben, die knappe Hälfte des Geldes für den Kauf einer neuen Bügelstation für Einschicken und Diagnose zu zu zahlen. Die Firma hatte wohl das Problem, dass ihre Produkte zu langlebig waren. Die Vorgängerin der jetzigen Bügelstation funktionierte über 20 Jahre. Es gibt mittlerweile einen (halblegalen) Ersatzteilhandel, der DIY unterstützt und jede Menge Foreneinträge dazu. Der Aufbau des Gerätes ist simpel, die Teile sind in jedem Kaffeevollautomaten verbaut und haben unter 30 € gekostet.
Das kann man sich alles nicht ausdenken.

Die Eltern waren am Freitag noch einmal da, wir gingen in die Botticelli-Ausstellung. Manchmal haben Ausstellungen, so gut so gemeint sind, entzaubernde Wirkung. Die Werkstatt-Technik Botticellis wurde minutiös erläutert und es waren viele zweit- bis viertrangige Werke mit gleichem Motiv zu sehen, die nach Schablonen gefertigt und ausgemalt wurden. Für mich ist der Zauber dieser Bilder erst mal weg.

Ich habe gerade eine fürchterliche Allergie. Tränende Augen, pfeifende Bronchien, laufende Nase, verstopfte Nebenhöhlen. Es fliegen ein paar Haselpollen und als es so kalt war, wirbelten auch noch die letzten Staubkörner hinter der heißen Heizung vor. Aber das kann doch alles nicht so eine üble Wirkung haben. Was soll das erst werden, wenn die Birken blühen?

Heute Abend seit langer Zeit wieder einmal Tatort. Zum Bodensee-Tatort habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis, aber diesmal war ich zufrieden. (Mal abgesehen von diesen fürchterlichen Informationsübermittlungs-Dialogen immer mal wieder. Gestelzte-Schrift-Sätze, die ein Mensch so nie sagen würde.) Die Geschichte wurde klar, logisch, prägnant und sparsam erzählt, mit gut gesetzten Handlungsdrehpunkten (das Mädchen reagiert nur auf den Polizisten, der Polizist hat dadurch große Ermittlungserfolge, ihm gefällt die exorbitante Vertrauensstellung unterschwellig durchaus, die vorgesetzten Frauen beenden diese Konstellation, die Gefahr besteht, dass sich das Mädchen wiederum an eine Meister-Figur bindet, die Geschichte endet mit der Gewissheit, dass sie immer wieder reflexartig auf diesem Männertyp reagieren wird). Schauspielerischer Höhepunkt war für mich die Szene in der Klara Blum den Vater des Toten verhörte. Da treffen mit Eva Matthes und Klaus Manchen zwei altgediente und ruhmvolle Theaterschauspieler zusammen. Der Hass, den der selbstgefällige starre alte Mann in seinem Gegenüber erzeugt. Selbst diese Frau versucht er jovial anzutatschen. Und wie die Kommissarin ihren Hass bezähmt und ihn mit Scheinfreundlichkeit beschwatzt, Informationen herauszugeben. Das alles ganz sparsam. Nur mit Blicken, Körperhaltungen, Sprache. Das ist groß.
Es freute mich auch, dass der Assistent eine große Geschichte bekam, bevor dann dieses Jahr mit dem Bodensee-Tatort Schluß ist.

Ich habe ja noch eine Geschichte aus dem Nähkästchen. Besser gesagt, sind es zwei Geschichten, die sich über den gleichen Sachverhalt erzählen lassen.
Geschichte Nummer eins ist ein Klassiker. Schauspieler, die Ermittler-Duos spielen, haben manchmal Konkurrenz-Probleme, egal, ob die Konstellation gleichberechtigt oder Ermittler-Assistent ist.  Manche teilen sich die Sätze gleichberechtigt zu. Andere haben sich mit der Zeit zusammengerauft. Die nächsten hält man wie Raubtiere getrennt und lässt sie nur vor der Kamera zusammen.
Von 2002-2004 gab es dieses Problem beim Bodensee-Tatort. Der Assistent kam mit der dramaturgischen Zurücksetzung hinter die Hauptfigur nicht zurecht und schied nach drei oder vier Folgen aus.
Geschichte Nummer zwei ist anders. Das Ermittlerduo sind eine ältere deutsche Frau (eine sehr bekannte Theaterschauspielerin mit einigem Einfluss auf die Produktion) und ein jüngerer türkischer Mann (Autodidakt von Format, etwas private Schauspielschule, mit einigen guten Filmen in der Vita, aus einem kurdischen Bergdorf, dessen Einwohner mittlerweile in die ganze Welt verstreut sind).
In der Geschichte ist die Frau die Heroine, der Mann supportet sie. Die Hauptdarstellerin kennt die Entscheider sehr gut und war Wunschkandidatin und die Besetzung ihres Assistenten hat sie mitbestimmt. Am Set gibt es schon nach ein paar Tagen den ersten Dominanzhickhack. Dem Assistenten ist sein Platz in der Dramaturgie, auf den er nachdrücklich verwiesen wird, nicht recht.
In der ersten Folge wird der Schluss, in der die Kommissarin im Finale von ihrem Assistenten aus Lebensgefahr gerettet wird, im Schnitt geändert. Sie befreit sich nun selbst, bevor der Assistent kommt. Auch den Täter fasst sie nun allein.
Danach ist Krieg in der Produktion. Das Konzept heldische deutsche Frau mit domestiziertem türkischem Assistenten scheiterte auf der ganzen Linie. Ein kultureller Irrtum.
Das waren ziemlich üble Krisengespräche.