Dorfnotizen 9

Diese Nacht war völlig ok. Scheinbar sind meine Ängste einfach alle verbraucht. Gut so.
Heute vormittag spielte ich fliegenden IT-Service und richtete einem Bekannten des Hauses eine Dropbox ein. Ohne Auto wäre man hier aufgeschmissen. Das waren mal eben 40 km Fahrt, die ich unter tiefhängenden Wolken und Landregen vergondelte. (BTW. Nasse Katzen, die vor der Tür warten, bis man sie bemerkt, sehen so wunderbar gnatzig aus!)
Mein neuer Rollschneider kam heute Mittag an, obwohl ich ihn später bestellt hatte als das Flohmittel*, lieferte DHL prompt. Die Hermesboten schieben sich jetzt schon zum zweiten Mal die Lieferung zu. Der dichterGarten liegt zwischen zwei Landkreisen, da sagt es sich schnell „da bin ich nicht zuständig“, vor allem wenn die Anfahrt aus dem eigentlichen Zuständigkeitsbereich über den Sandweg geht – der das ist, wie er heißt.
Danach machte ich mich ans Nähen und ich werde immer produktiver. So Fummelkram hat den Nachteil, dass man etwas Übungszeit braucht. Ich habe schon mal mitfotografiert und werde morgen noch ein paar Tricks und Kniffe zu diesem Tutorial ergänzen.

So, und nun ab ins Bett!

*Die Hausherrin hat keine Probleme mit den Biestern, die die Katzen als Taxi, Imbiss und Wärmestube benutzen, vor allem, wenn es draußen kalt ist. Mich lieben sie aber, deshalb werden die Miezen jetzt entflöht.

Veröffentlicht unter Leben

Dorfnotizen 8

Die erste Nacht für Kitty allein zu Haus war der blanke Horror.
Ich lag im Bett und hatte Angst. So sehr, wie ich noch nie welche hatte. Sonst bin ich immer die, die im Dunkeln ohne Mimimi allein nach Hause läuft. Ich habe auch schon in Einzellage gewohnt und nie Probleme gehabt. Keine Ahnung, was das war. Eine Mischung aus nicht am gewohnten Platz und ohne weitere Menschen zu sein, dazu in einem Haus, das von der Anlage etwas Öffentliches hat und das weder Vorhänge (die werden ja grade entworfen), noch großartige Zutrittsbarrieren besitzt. Und vier Katzen ersetzen nun mal keinen Hund. So ein „ausgesetztes Baby“-Trigger schien das zu sein. Ich war einfach nur baß erstaunt, was Seelchen da so veranstaltete. Das volle Programm: Herzrasen, Zittern, Übelkeit, Schwitzen, sogar die Haare sträubten sich mir. Vor meinem inneren Auge liefen natürlich alle jemals gelesenen Krimi-Szenen ab, in denen eine Frau in einem einsamen Haus abgeschlachtet wird.
Dabei war die Nacht eher für die Abteilung Spuk und Übersinnliches gemacht. Die Wiesen und Felder waren voller Nebel, der Vollmond schien auf das weiße Gewaber – beste Gelegenheit, mal ein paar Weiße Frauen und Poltergeister auftreten zu lassen. Das hätte ich eher interessant gefunden.
Entsprechend erschlagen wachte ich dann morgens auf und beschloss, den Tag, der erstmal der letzte Sonnentag zu werden schien, im Garten zu verbringen. Ich rodete trockene, verholzte Pflanzenstängel en masse und machte noch mal ein feines Feuerchen.
Feuer
Nun wird es wirklich bald Frühling. Die Kraniche und Schwäne im nahen Vogelschutz-Teich werden immer lauter, die Vögel singen und die Märzenbecher blühen unter der Hecke. (Das sind doch welche oder?)
Märzenbecher
Als ich wieder ins Haus ging, war die Sonne schon verschwunden. Ich badete erst einmal heiß, denn mir schmerzt vom Harken immer die rechte Schulter und ausgekühlt war ich auch. Nach dem Abendbrot ging es weiter, zumindest eine kliene Nährunde war fällig. Und nun hoffe ich, dass das Seelchentheater nicht ganz so dramatisch wird heute Nacht.

Veröffentlicht unter Leben

Dorfnotizen 7

So, heute ist der erste Tag, an dem es ernst wird mit dem Haushüten. Aber vorher kam ein dichtes Wochenende.
Der Graf brachte am Freitagsabend aus Berlin einen umwerfend schönen Rosenstrauß mit und wir knudelten uns nächtens auf der 1,20 m-Schlafstatt zusammen. Ich schlief wie ein Baby. War also klar, was und wer mir fehlte.
Am Samstag machten wir einen langen Spaziergang an des Grafen Lieblingsstrand. Die Natur bot alles auf, was sie um diese Zeit drauf hatte: Niedrig segelnde Wölkchen, Sonne und ein Sonnenuntergang mit Pauken und Trompeten.
Und wir stolperten über Geschichte. Ich wußte nicht, was Cap Arcona bedeutete. Jetzt weiß ich es und es ist sehr erschütternd.

Am Sonntag regnete es und wir hingen einfach nur so rum, während Primavera an Entwürfen für die Badvorhänge tüftelte. (Hier wird nicht nur ein Vorhang genäht. Hier wird angewandte Kunst gemacht!) Außerdem musste sie für eine Woche Winterurlaub packen.
Ach so, nein, ich hing nicht rum. Ich nähte ein weiteres Muster. Hatte ich mich doch beim ersten vollkommen idiotisch verrechnet und vorher auch noch in der Größe verschätzt  -was 16×16 cm werden sollte, wurde 14×14 cm – Kategorie  „allerliebst, aber schlimmer als Flöhe hüten“. Was dann rauskam, wurde von meinen beiden Fachmenschen abgemustert und für gut befunden, nun kann die Produktion endlich losgehen.

Der Graf fuhr wieder nach Berlin zurück und setzte uns am nächsten Bahnhof ab. Wir zockelten mit der Ferkeltaxe nach Lübeck, wurden dort vom Donnerstagsbesuch abgeholt und nach Wahlstedt chauffiert. Wir waren zu einem Folkkonzert eingeladen.
Auf der Autobahn hatte ich einen Flashback. 1997, ich war ins Theater Wahlstedt eingeladen, mir einen Schauspieler anzusehen. Wie ich es damals oft tat, fuhr ich nach Feierabend los und nachts zurück, um morgens wieder auf der Matte zu stehen, um dem Kindlein das Schulbrot zu schmieren. In den Vor-Navi-Zeiten hatte ich nur eine Anfahrtsbeschreibung aus Hamburg und fuhr ziemlich weit nach Hamburg rein und dann fluchend 20% der Strecke zurück Richtung Berlin. Ich kam zu spät („Ich war soo nervös, weil ich dachte, du kommst nicht!“ – „Maaann! Ich war doch 2/3 der Vorstellung da!“) und der Schauspieler war grundlegend schlecht, ich konnte es ihm nur nicht deutlich genug sagen, weil ich ihn privat gut kannte und mehr oder weniger Schuld für seine Berufswahl trug – aber das ist eine andere Geschichte.
Nun aber Cara. Schöne Musik, die mochte ich Elektromusik-Kind. Obwohl ich so gar keine Freundin von Deutschen bin, die fremdländische Musik machen und so tun als wäre es ihre musikalische Tradition. Mir ist immer lieber, wenn Menschen historisch-musikalisch vor der eigenen Tür kehren. Deutsche, die Irish Folk machen, das ist genauso wie Japaner, die hingebungsvoll-unverständlich das Heideröslein singen. Kann mir da jemand folgen?
Aber: In der Band spielen zwei virtuose Menschen, die zumindest auf den britischen Inseln beheimatet sind und die schottische Dame hat eine wunderschöne Stimme. Zweites Aber, denn meine Recherche bestätigte, was meine unmusikalischen Ohren in den Eigenkompositionen an Crossover zu hören glaubten: Da gab es mal ein Projekt namens Deitsch. Der Markt ist wahrscheinlich recht schmal dafür. Schade.
Dann gab es noch die Chance auf einen Backstage-Besuch, was aber nicht so meins ist, dafür bin ich zu soziophob und anschließend noch ein Essen mit den Musikern. Sehr sympathische Profis.
Mitten in der Nacht waren wir zurück, der Donnerstagsbesuch fuhr am Morgen nach Stuttgart weiter und setzte Primavera in Weimar ab, von wo aus es nach Tirol weitergehen würde.

So, nun bin ich hier allein vier Katzen und einer Landschaft ausgeliefert, aber so schlimm ist das gar nicht. Sogar der graue Kater hat seine Skepsis fallen lassen. Zugegeben, da spielte ein Endchen Wurst eine Rolle.
Überhaupt. Weg ist meine Katzenallergie zwar nicht – die Miezen streicheln und dann ins Auge fassen, wäre übel – aber scheinbar herrscht Waffenstillstand. Auch die Neurodermitis, die mir im Winter die Kopfhaut malträtiert, ist kaum vorhanden und meine Gesichtshaut macht auch nicht mehr einen auf Rosacea. Das sagt ziemlich viel über die Qualität der Berliner Luft aus, denn in im Riesengebirge geht es mir ähnlich.

Heute leistete ich mir erst einmal den Luxus, Wäsche draußen in der Vorfrühlingsfrische aufzuhängen. Außerdem drehte ich alle Heizungen runter, mein Naturneopren dämmt ganz gut, 22 Grad Raumtemperatur reichen. Dann machte ich mir ein Erfolgserlebnis-Kissen aus einem verworfenen Muster und Reststücken. Irgendwie musste ich das Gefühl haben, hier geht was voran:
Erfolgserlebnis-Kissen Erfolgserlebnis-Kissen Erfolgserlebnis-Kissen Erfolgserlebnis-Kissen Erfolgserlebnis-Kissen Erfolgserlebnis-Kissen Erfolgserlebnis-Kissen
Nun knistert Holz im Kamin und wärmt die Küche, es gab Bratkartoffeln mit Spiegelei und ich bin schon wieder mal heftig müde. Das neue Kissen ruft, es will meinen Kopf beim Lesen im Bett stützen.

PS: Frau Indica, ich fürchte, es wird wieder gummistrumpffarben!

Veröffentlicht unter Leben

Dorfnotizen 6

Immer noch knapp, da immer noch erfüllender Herrenbesuch.
Mit dem Grafen am Strand bei Kalkhorst flaniert. Kitschigsten Sonnenuntergang der letzten 6 Monate über Travemünde bewundert.

Veröffentlicht unter Leben