Dorfnotizen 12

Werden aus Berlin geschrieben. Im letzten Drittel des Monats steht ein Seminar an der Alice-Salomon-Hochschule an und ich bin mit einem Tag Vorbereitungszeit in die Stadt zurückgekehrt. Also habe ich gestern den Miezen gesagt, dass sie brav sein sollen und der Nachbarin das Futter bereitgestellt.
Hier warten bööööse Sachen. Die Steuer abschließen und eine Arztrechnung, von der ich dachte, sie wäre längst bezahlt (nicht hoch, aber gerade deshalb peinlich, weil die Frau Dr. so zivile Preise hat). Außerdem viel zu viele Leute, zu viele Häuser, zu viele Autos und zu wenig Natur.

Das Wochenende haben der Graf und ich zwischen Badewanne (für 2! ich geh da nie wieder raus, dachte ich!), schönen, sonnigen Gartenansichten, aber nur am Fenster, weil eiskalter Wind (der Graf), der Nähmaschine (ich), dem Laub im Garten (ich) und dem knisternden, die Seele wärmenden Herdfeuer verbracht.
Am Samstag Abend waren wir in der Seeperle in Wismar essen. Wenn Sie mal richtig gut Fisch essen wollen, ist das die Empfehlung. Ein engagierter Familienbetrieb, den ich noch aus der Zeit kenne, als die Leute den mit Abstand besten Räucherfischladen am Hafen hatten.
Der Sonntagabend auf der Rückfahrt war nicht ganz so kulinarisch. McDoof an der Autobahn, mit sich laut durch die Küche anzickendem Personal und einem Burger, der wegen Überlagerung zurückgehen musste. (Und wenn man einmal richtige Burger gegessen hat, mag man diese Fleischabfälle, die fast genauso teuer sind, nicht mehr.)

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Dorfnotizen 10

Nach dem gestrigen Regentag trocknete die Sonne gleich morgens die feuchten Wiesen. Als ich früh aufstand (natürlich war ich nachts wieder aufgeschreckt, wegen irgendeines Lichtblitzes, vielleicht von einem vorbeifahrenden oder in der Ferne wendenden Auto oder es war die Taschenlampe eines Jägers), ästen fünf Rehe im Morgenlicht im Apfelgarten. Wunderschön und leider nicht zu fotografieren. Vier Weibchen und ein Rehbock, der noch Bast auf dem Gehörn hatte, waren das.
Das Licht blieb den ganzen Tag so mild und golden. Ich ging mittags in den Garten und raufte trockenes Gesträuch aus den Beeten. Das Verschneiden von Pflanzen will nur die Hausherrin machen, also nehme ich alles, was einfach abbricht. Die ersten Krokusse sind übrigens jetzt auch da.
Um die Mittagszeit kam schimpfend wie ein Rohrspatz der Hermes-Bote. Seit Dienstag versuchte er, die Zustellung an den Kollegen vom Nachbarort loszuwerden, heute musste er sie doch bringen. Toller Service.
Die Katzen wurden gleich verarztet und seit heute Abend ist Ruhe im Fell.
Dann ging ich wieder an die Nähmaschine und es wird so langsam. Morgen bin ich mit den komplizierten Sternen fertig, dann bekommt der Graf auch ein Kissen aus einem verworfenen Muster.

So, und jetzt bin ich so lange aufgeblieben, jetzt muss das mit dem Schlafen doch klappen!

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