Die Nähnerds sind schuld, dass ich nach fast 30 Jahren Pause wieder unvermittelt zu stricken begonnen habe. Erst dachte ich: Oh nee! Das war doch alles gruselig in den 80ern, entweder ich musste mir Modelle selbst zusammenstückeln, das sah auch meist so aus oder es gab Anleitungen in piefigen Zeitschriften, die sahen dann auch so aus, nur anders. Mal abgesehen von Acrylwolle, von der man nehmen musste, was es grad gab, richtige Wolle war für mein Theateranfängerinnensalär zu teuer. Dann war da noch die Sache mit der Geduld… (Weshalb ich dann irgendwann auf die Strickmaschine wechselte, aber das ist eine andere Geschichte.)
Nun gibt es heute das Internet, ziemlich gute Anleitungen, noch bessere Wolle und Hörbücher. Also stricke ich wieder. Den Anfang machten Tücher und Socken und dann wagte ich mich an einen Pullover.

Auf der Suche nach dem, was mir gefällt – tailliert sollte es sein und mit einem hübschen Ausschnitt, stieß ich auf Snow White, ein Entwurf von Ysolda Teague (von der ich schon das Marin in hummerfarbener Seide gemacht hatte), den ich sofort mochte, weil er nicht wie alle anderen Pullover aussah und durchdacht konstruiert war, aus einem Stück ohne Nähte. So sieht das aus, wenn niemand drinsteckt:

So sieht der Rücken mit Inhalt aus:

Ich hatte einen ganzen Berg Drops Karisma in preußischblau, ein wenig mußte ich rechnen, denn das Originalgarn war dicker. Außerdem war ich skeptisch, ob ich mich in dem Rippenmuster, das eigentlich sehr eng sitzen sollte, wohlfühlen würde und war in der Berechnung etwas großzügiger. Ein Fehler, wie ich merkte, denn das ganze Stück gibt heftig nach.
Ich habe den Rücken gekürzt und das Vorderteil verlängert, die Balance beträgt 6 cm. Aber der Rücken ist zu weit und macht ziemliche Beulen. Hm, vielleicht mache ich ihn doch noch mal auf und ändere das, mal schauen.

Was ich auf jeden Fall geändert habe, war der für meine breiten Schultern zu großzügige Ausschnitt, ich habe noch die Andeutung eines Raglanschnitts hineingenommen. Es ist mir sonst zu kalt, zu unproportioniert und es hängt einem ständig der BH raus. (Im übrigen sieht das Ganze mit einer weißen Bluse drunter sehr gut aus.)

Das Stricken hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht, die Anleitung ist hervorragend und weil noch Wolle übrig war, habe ich mir noch ein Mützchen spendiert.
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